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Impressionisten in London Französische Künstler im Exil (1870–1904): Ansichten von London und neue Kontakte

Claude Monet, London, das Parlament, Sonnenloch im Nebel, Detail, 1904, Öl/Lw, 81,5 x 92,5 cm (Musée d’Orsay, Paris)

Claude Monet, London, das Parlament, Sonnenloch im Nebel, Detail, 1904, Öl/Lw, 81,5 x 92,5 cm (Musée d’Orsay, Paris)

Während des Deutsch-Französischen Kriegs 1870/71 flohen einige Maler nach London, um sich dem Kriegsdienst zu entziehen. Monet und Pissarro, aber auch Carpeaux und Tissot trafen in der Metropole an der Themse auf Daubigny und Durand-Ruel, Legros und Dalou. Die Ausstellung in der Tate Britain thematisiert die Netzwerke der aufstrebenden Talente in London. Gleichzeitig hatte der mehrere Monate dauernde Aufenthalt einen bedeutenden künstlerischen Einfluss auf den sich herausbildenden Impressionismus, denn Monet, Pissarro und Co. konnten die Gemälde von William M. Turner und James McNeill Whistler im Original studieren. Die Entente Cordiale – ein Friedensvertrag zwischen Großbritannien und Frankreich vom 8. April 1904 – und die Präsentation von 37 Ansichten des Londoner Parlaments von Claude Monet in Paris bilden das zeitliche Ende der Ausstellung.

Kunst und Krieg: Französische Künstler reagieren auf den Deutsch-Französischen Krieg

Als Frankreich am 19. Juli 1870 Preußen und dessen Verbündeten den Krieg erklärte, rechnete der siegessichere Kaiser Napoleon III. nicht damit, dass er am 2. September in der Schlacht von Sedan verlustreich geschlagen werden könnte. Bevor der Kaiser, seine Frau Eugénie und der Kronprinz nach England ins Exil gingen, waren etwa 100.000 Soldaten getötet worden. Darunter befand sich Frédéric Bazille, impressionistischer Realist und Freund von Monet und Renoir. Obschon am 4. September 1870 die Dritte Republik proklamiert wurde, wurden die Kämpfe weitergeführt und kulminierten in der Belagerung von Paris (19. September 1870), der Proklamation der Kommune (18. März 1871) und deren blutige Niederschlagung in der „Blutigen Woche“ (21.–28. May 1871). Innerhalb eines Jahres hatte Frankreich, und hier vor allem Paris, eine Niederlage, einen harten Winter, Revolution und Zerstörung zu verkraften.

Die Ausstellung setzt an diesem historischen Moment überzeugend an und stellt künstlerische Reaktionen darauf vor: Edouard Manet widmete der blutigen Woche eine Serie von bedrückenden Lithografien. James Tissot erinnerte sich eindrucksvoll, wie das Théâtre Français in ein Hospital verwandelt und Kommunarden exekutiert wurden, indem sie im Bois de Boulogne von der Stadtmauer geworfen wurden. Die Zerstörung von Paris lässt sich aus Fotografien nachvollziehen. Zu den am intensivsten bombardierten Gebäuden zählten die Tuilerien, die von den Preußen besetzt und von den Franzosen nahezu gänzlich zerstört wurden (Gemälde von Isidore Pils und Ernest Meissonier). Zeichnungen von Charles-Joseph Beauverie dokumentieren die Schäden am Rathaus [Hôtel de Ville], das am 24. Mai 1871 ausbrannte. Diese muten wahrlich pittoresk an im Vergleich zur rauchenden Brandruine von Frans Moormans (1832–1893). Fotografische Dokumente überwiegen 1871 bereits quantitativ. In Summe vermitteln sowohl die künstlerischen Interpretationen wie die Aufnahmen den Eindruck eines verlustreichen Kriegs und Zerstörung der unter Napoleon III. so aufwändig gestalteten Großstadt Paris.

 

Vielfältige Fluchtgründe

Maler und Bilderhauer Frankreichs suchten aus unterschiedlichen Gründen ihr Heil in der Flucht:

  • Claude Monet (1840–1926) entzog sich Anfang Oktober 1870 der Einberufung (Manet und Degas folgten ihr und wurden Nationalgardisten).
  • Camille Pissarro (1830–1903) floh im September 1870 vor den Preußen, die sein Haus in Louveciennes beschlagnahmt und den Großteil seiner Kunst zerstört hatten.
  • James Tissot war wie Manet und Degas in der Nationalgarde. Seine Gründe Paris zu verlassen sind noch unklar. Seine Aussichten als Gesellschaftsporträtist waren in London deutlich besser, wie der Bildhauer Edouard Lantéri 1872 feststellte.
  • Jean-Baptiste Carpeaux war während des Zweiten Kaiserreichs ein Hofkünstler Napoleons III. und hoffte, auch weiterhin für die kaiserliche Familie tätig sein zu können.
  • Jules Dalou, Carpeaux‘ Schüler, war hingegen ein überzeugter Kommunarde und musste aus politischen Gründen 1871 das Land verlassen.

Einige Künstler ließen sich in der Provinz bzw. Belgien nieder, darunter Jean-François Millet (Gruchy bei Cherbourg), Paul Cézanne (L‘Estaque), Jean-Louis Ernest Meissonier (Poissy), Manet (Oloron-Sainte-Marie), Degas (Normandie), Camille Corot (Arras). Nach Brüssel flohen Narcisse Diaz de la Peña, Carolus-Duran, Jean-François Raffaëlli und Eugène Boudin.

Während der Belagerung von Paris harrten folgenden Künstler aus: Puvis de Chavannes, Eugène Carrière, Gustave Caillebotte, Gustave Doré, Gustave Moreau, Henri de Fantin-Latour, James Tissot, Georges Clairin, Léon Bonnat, Edouard Detaille, and Alphonse de Neuville.

 

 

Endlich in London

Im Zentrum des Pariser Zirkels standen Alphonse Legros, der bereits 1863 in England angekommen war, sowie der Kunsthändler Paul Durand-Ruel. Die Stellung von London am internationalen Kunstmarkt zählte zweifellos zu den wichtigsten Gründen, warum so viele Künstler aus Paris gerade nach Großbritannien aufbrachen. Dass einige von ihnen dort auch auf prestigeträchtige Auftraggeber trafen (z. B. Jules Dalou), förderte ihre Karrieren nach dem Krieg. Charles-François Daubigny (1817–1878 → Charles-François Daubigny: Wegbereiter des Impressionismus) hatte zuvor bereits in der Royal Academy ausgestellt, und Jean-Léon Gérôme war als Ehrenmitglied aufgenommen worden. Der anglophile James Tissot Illustrationen für die „Vanity Fair“ entworfen.

Gleichzeitig bildete sich in London ein Zirkel von Pariser Künstlern und Händlern heraus, welche ihre Geschäfte jenseits des Kanals weiterführten. Der Kontakt zu diesen Persönlichkeiten, darunter der Maler Charles-François Daubigny sowie der Opernsänger und Förderer moderner Kunst Jean-Baptiste Faure, half ihnen, ihre Karrieren voranzutreiben und Geld zu verdienen. Claude Monet wurde von Daubigny gefördert, Faure kaufte auch von Sisley, dessen „Molesey Wehr, Hampton Court, Morgen“ (1874) ausgestellt ist. Eine wichtige Figur in diesem Kreis der Auslandskünstler war der Kunsthändler Paul Durand-Ruel, der Monet und Pissarro während des Aufenthalts in London 1870/17 kennenlernte. Während der folgenden Jahre erwarb Durand-Ruel über 5.000 Werke der Impressionisten und rettete sie, wie Monet es selbst formulierte, „vor dem Verhungern“. Die ab 1899 entstandenen Themse-Ansichten stellte Monet 1904 ebenfalls bei Durand-Ruel vor und erzielte damit erstmals in seiner Karriere durchschlagenden Erfolg bei Kritikern und Käufern.

 

 

Adolphe Legros

Die zentrale Persönlichkeit der französischen Enklave ist der heute nur noch wenig bekannte Adolphe Legros, ein Maler, Druckgrafiker und Fotopionier, der bereits 1863 nach London übersiedelt war. James Abbott McNeill Whistler hatte Legros dazu ermutigt, da er in London einen Markt für die Werke Legros‘ sah, den es in Frankreich nicht gab. Zwischen 1876 und 1893 unterrichtete der Professor der Slade School in London und übte einen wichtigen Einfluss auf die britische Kunsterziehung aus (siehe: „Der Denker“, 1874).

Legros wurde zur ersten Anlaufstelle und zum Dreh- und Angelpunkt der französischen Gemeinschaft, da er über ein weit verzweigtes Netzwerk verfügte. Viele französische Künstler wandten sich daher an Legros, wenn sie Hilfe und Unterstützung benötigten, darunter Bonvin, Tissot, Pissarro, Monet, Guillaume Régamey, Dalou. Zu den Gästen in seinem Haus zählte u.a. Lawrence Alma-Tadema, Walter Crane und dessen Ehefrau, Edward Burne-Jones, Constantine Ionides und Sir Coutts Lindsay, 9th Earl of Carlisle und Gründer der Grosvenor Gallery. Auf seinen Rat hin beschäftigte Joseph Edgar Boehm Edouard Lantéri in seinem Atelier. Er stellte seine Gönner Constantine Alexander Ionides und George Howard dem Bildhauer Aimé-Jules Dalou vor, der in der Folge gemeinsam mit seinem Kollegen und Emigranten Edouard Lantéri den Unterricht entschieden veränderte.

In der Tate Britain sind Alphonse Legros‘ großformatige, realistische Bildern wie „Ex-Voto“ (1860, Musée des Beaux-Arts de Dijon) und spannende Radierungen, darunter „Der Windstoß“ (1874/75), ausgestellt. Legros hatte 1862 in Paris die Société des Aquafortistes gegründet und damit die Wiederbelebung der Radierung forciert, was sich unter anderem auf die Werke von Manet und Degas intensiv auswirkte – aber auch auf Whistler in England.

 

Londoner Leben in den Bildern der Impressionisten

Das Londoner Leben unterschied sich deutlich von den Cafés, in denen die Pariser ihre Freunde trafen, um über Kunst zu diskutieren. Das „französisches Ghetto“ lag in Soho rund um den Leicester Square, in der Nähe befand sich das Café Royal auf der Regent Street, wo Daubigny, Pissarro und Monet einander trafen. Darüber hinaus waren auch Museen (The National Gallery, Dulwich Gallery), Galerien, Restaurants (im Dieudonné Hotel) und die Opéra Comique auf der Strand wichtige Treffpunkte für die Exilanten. Im Museum bewunderten nahezu alle Künstler die Sammlungen der Alten Meister – von Correggio über Rembrandt van Rijn, Gainsborough, Lawrence und Reynolds. Constable, aber vor allem James William Turner nahmen eine besondere Stellung ein, da sie die Landschaftsmaler Monet und Pissarro bei ihren Recherchen zu Luft, Licht und flüchtigen Effekten vorausgegangen waren. Nur Tissot bewunderte auch die zeitgenössische englische Malerei der ehemaligen Präraffaeliten John Everett Millais und Whistler. Ob Monet und Whistler einander 1870/71 getroffen haben, ist nicht dokumentiert.

Camille Pissarro hielt in „Kew Green“ (1892) beispielsweise das englische Picknick fest, während in den formalen französischen Gärten das Betreten der Grasfläche verboten war. Alfred Sisley und James Tissot wandten sich auch den Segelschiffen auf der Themse zu: britische Codes und Traditionen zogen offensichtlich die Impressionisten an. Die in London entstandenen Stadtansichten verraten die Franzosen dennoch durch deren außergewöhnliche Blickpunkte.

 

 

James Tissot (1836–1902) bewunderte die englische Kultur so sehr, dass er seinen Vornamen änderte. Der in den 1860er Jahren als Gesellschaftsporträtist erfolgreiche Maler sah nach der Belagerung von Paris offensichtlich keine Möglichkeit, seine Kunst auszuüben, weshalb er im Juni 1871 nach London übersiedelte. Hier fand er rasch Anschluss an die britische Hocharistokratie und konnte rasch mit seinen realistischen Bildern der Upper-Class überzeugen, in denen er kleine Anzüglichkeiten und einen ironischen Blick auf Verhaltensregeln verstecke sowie Erotik wie Mode ein Loblied sang. In der Tate Britain wird „Les Adieux“ (1871) von Tissot „A Huguenot, on St Bartholomew’s Day, Refusing to Shield himself from Danger by Wearing the Roman Catholic Badge“ (1851/52) von John Everett Millais (1829–1896) zur Seite gestellt, um die stilistische wie inhaltliche Näher zu zeigen. Obwohl Tissot von Edgar Degas eingeladen wurde, an den Impressionisten-Ausstellungen teilzunehmen, hielt sich der Maler von den Kollegen fern. Die elf Jahre in London sind vor allem von Tissots Beziehung zur Irin Kathleen Newton geprägt, die er um 1876 kennenlernte und die sein bevorzugtes Modell wurde.

 

 

Dalou und Carpeaux: französische Bildhauer in London

Joules Dalou war ein überzeugter Kommunarde und musste daher im Juli 1871 Paris eilig verlassen. Sein Freund Legros bereitete ihm in London einen herzlichen Empfang. Lawrence Alma-Tadema und Dalou waren Freunde und drückten dies in gegenseitigen Porträts aus. Dalous lebensgroße Terracotta-Figuren zeigen realistische Themen in zeitgenössischer Tracht. Den harschen Realismus brechen allerdings pittoreske Elemente wie die Jugendlichkeit der Damen, ihre Haltungen auf. So überrascht die Schau mit einer monumentalen Darstellung einer „Jungen Französin, die ihr Kind stillt“ (1873), was so gar nicht in die viktorianische Zeit passen möchte. Die viktorianische Skulptur kennt zwar den Akt, ist aber deutlich klassischer in ihrer Ausrichtung. Sehr viel mehr passte sich der Franzose dem englischen Geschmack mit „Hush-a-Bye, Baby“ oder „Der Schaukelstuhl“ (1875) an. Hier zeigt er eine singende Mutter, die ihr Kind in den Schlaf wiegt – durchwegs pittoresk aber wiederum mit einem französischen Unterton.

Jean-Baptiste Carpeaux’s beide Aufenthalte in London war eng mit dem Exil seines wichtigsten Auftraggebers, dem ehemaligen Kaiser Napoleon III., verbunden. Carpeaux kam im März 1871 in London an, wo er aber nur bis Dezember blieb. Zu seinen wichtigsten Freunden zählte der Stillleben-Maler François Bonvin, der Maler und Bildhauer Jean-Léon Gérôme und der Komponist Charles Gounod. Die Hoffnungen Carpeaux‘ auf große Aufträge durch die exilierte kaiserliche Familie oder britische Adelige erfüllte sich nicht: Er schuf ein lebensgroßes Porträt seines Sammlers Henry James Turner und arbeitete sonst an Porträtbüsten auch seiner Freunde. Die zentral positionierte „Flora“ (1873, Museu Calouste Gulbenkian-Founders Collection, Lissabon) bereitet den Weg für Carpeaux‘ Hauptwerk „Der Tanz“ (1874/75) und wurde ebenfalls von Turner beauftragt. Napoleon III. starb am 13. Januar 1873. Auf Bitte des Kronprinzen reiste Carpeaux noch einmal für drei Monate nach London, um den Verstorbenen zu malen.

 

Themse in der impressionistischen Malerei

Wie wurde der Fluss zu einem Thema in der französischen Kunst? Claude Monet malte sechs Gemälde während des ersten London-Aufenthalts 1870/71, von denen er allerdings kein einziges verkaufen konnte. Er widmete sich dem neu errichteten Victoria Embankment und dem Pool of London. In diesen Monaten entstanden auch die ersten Studien, in denen der Londoner Nebel eine bedeutende Rolle spielt. Ein Interieur zeigt Madame Monet, Camille Doncieux, nachdenklich auf einem Sofa sitzend. Das Buch ist eine spätere Ergänzung, was vielleicht mit der Vorliebe der englischen Sammler für literarische Themen zu tun hat. Das Paar war am 28. Juni 1870 vermählt worden. Nachdem Claude Monet im Herbst nach London geflohen war, um dem Militärdienst zu entgehen, folgten Camille und ihr dreijähriger Sohn nach.

1874 kam Alfred Sisley (1839–1899) zum ersten Mal nach London und malte ebenfalls die Themse, wenn auch nur ein einziges Mal. Insgesamt entstanden 14 Gemälde in Großbritannien, wobei das geschäftige London den durch den Krieg verarmten Künstler nicht anzog. Stattdessen wandte er sich dem ländlicheren South Kensington zu.

Ab 1899 kehrte Monet drei Mal nach London zurück, um die Themse und das neu errichtete Parlament [Houses of Parliament] zu malen (→ Claude Monet: Houses of Parliament, Charing Cross Bridge und Waterloo Bridge). Er stellte seine Leinwand am späten Nachmittag und zu Sonnenuntergang auf der Terrasse des Saint Thomas’s Hospital auf. Diese Ansicht ähnelt jener, die bereits der englische Maler J. M. W. Turner (1775–1851) in seinen visionären Gemälden vom Brand eingenommen hat. Das Großfeuer hatte 1834 große Teil des alten Parlamentskomplexes zerstört. Ein Jahr darauf malte Turner „The Burning of the House of Lords and Commons, 16th October, 1834“ (Philadelphia Museum of Art), das Monet allerdings kaum im Original gekannt haben dürfte. Claude Monet „antwortete“ auf den Poeten von Nebel und Dunst, gleichzeitig setzte sich Monet aber auch mit einem jüngeren Maler der Themse, nämlich dem Amerikaner James McNeill Whistler auseinander. Whistlers „Nocturnes“ der frühen 1870er bereiteten einen verlässlichen Grund für die späten Werke von Monet. In der Tate Britain überzeugen „Nocturne: Blue and Silver – Chelsea“ (1871) und „Nocturne: Blue and Silver – Cremorne Lights“ (1872, beide Tate) von den abstrahierenden Qualitäten der in taubengrau „gestrichenen“ Themse-Ansichten.

 

 

Auf Monets subtile Farbnebel folgt der Aufschrei der Buntfarben! Die kurz nach 1900 entstandenen, fast abstrakten Bilder von Monet fanden in bunten, fauvistischen Werke von André Derain eine direkte Antwort. Monet hatte 37 der Themse-Ansichten 1904 in der Galerie von Paul Durand-Ruel präsentiert, und damit die Kritiker überzeugt. Zum ersten Mal in seiner Karriere wurde seine Ausstellung enthusiastisch besprochen, die Preise der Bilder waren entsprechend hoch. Der Kunsthändler Ambroise Vollard sandte im Anschluss André Derain nach London, damit dieser Monet nacheifere (→ Matisse und die Künstler des Fauvismus). In den folgenden zwei Jahren malte Derain ebenfalls das Londoner Parlament und die Waterloo Bridge – allerdings in fauvistischen Farben und mit strukturierterem Pinselstrich.

 

„Bildgruppen, die ich für Herrn Vollard gemacht habe, der mich in jener Zeit nach London schickte, [er] wollte Bilder, die durch die Atmosphäre von London inspiriert waren. Er sandte mich in der Hoffnung, dass ich die Ausdrucksweise (Bildwirkung), die Monet so verblüffend entwickelt hatte und die in den folgenden Jahren in Paris so starken Einfluss ausübte, fortsetze.“1 (André Derain in einem Brief an den Präsidenten der Royal Academy, 15.5.1953)

 

Nicht in der Ausstellung gezeigte Künstler, die nach London geflohen waren:

Guillaume Régamey, Julien de La Rochenoire, Ferdinand Heilbuth, Jean-Charles Cazin, Eugène Isabey, François Bonvin

 

 

Kuratiert von Caroline Corbeau, in Zusammenarbeit mit dem Petit Palais und den Paris Musées.
 

Impressionisten in London: Bilder

  • James Tissot, The Ball on Shipboard, um 1874, Öl/Lw, 101,2 x 147,6 x 11,5 cm (Tate. Presented by the Trustees of the Chantrey Bequest 1937)
  • Alfred Sisley, Molesey Wehr, Hampton Court, Morgen, 1874, Öl/Lw, 51,1 x 68,8 cm (National Galleries of Scotland (Edinburgh UK)
  • Camille Pissarro, Kew Green, 1892, Öl/Lw, 46 x 55 cm (Musée d’Orsay, Paris)
  • Camille Pissarro, Saint Anne’s Church in Kew, London, 1892, Öl/Lw, 54,8 x 46 cm (Privatsammlung)
  • Camille Pissarro, Charing Cross Bridge, 1890, Öl/Lw, 60 x 92,4 cm (National Gallery of Art, Washington)
  • Claude Monet, Houses of Parliament [Parlament], 1900–1901, Öl/Lw, 81,2 x 92,8 cm (Art Institute of Chicago, Mr. and Mrs. Martin A. Ryerson Collection, 1933.1164)
  • Claude Monet, Leicester Square, 1901, Öl/Lw, 80,5 x 64,8 cm (Coll. Fondation Jean et Suzanne Planque (in deposit at Musée Granet, Aix-en-Provence)
  • Claude Monet, Le Parlement, Effet De Soleil [Parlament, Sonnenlicht Stimmung], 1903¸ Öl/Lw, 104,8 X 115,6 Cm (Brooklyn Museum of Art)
  • Claude Monet, Houses of Parliament [Parlament], 1903, Öl/Lw, 81 x 92 cm (Musée Malraux)
  • Claude Monet, Houses of Parliament, Fog Effect [Parlament, Nebelstimmung], 1903–1904, Öl/Lw,, 81,3 x 92,4 cm (Metropolitan Museum of Art, New York)
  • Claude Monet, Londre, le Parlement. Trouée de soleil dans le brouillard [London, das Parlament, Sonnenloch im Nebel], 1904, Öl/Lw, 81,5 x 92,5 cm (Musée d’Orsay, Paris)
  • Claude Monet, Houses of Parliament, Sunset [Parlament, Sonnenuntergang], 1904, Öl/Lw, 81 x 92 cm (Kaiser Wilhelm Museum, Krefeld)

 

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29. März 2017
Frédéric Bazille, Das Familientreffen, Detail, 1867, Öl auf Leinwand, 152 x 230 cm (Paris, Musée d’Orsay © Photo Musée d’Orsay, Dist. RMN-Grand Palais / Patrice Schmidt)

Frédéric Bazille Leben und Werk

Frédéric Bazille (1841–1870) ist ein Pionier des Impressionismus und übersiedelte 1862 nach Paris, wo er sich im Atelier von Charles Gleyre einschrieb. Noch im gleichen Jahr lernte er Pierre-Auguste Renoir und Alfred Sisley, ein Jahr später Claude Monet kennen. Der aus wohlhabendem, protestantischem Elternhaus stammende Kunststudent ging in den folgenden Jahren interessante Ateliergemeinschaften ein und vereinte in „Das Familientreffen“ (1867) Freilichtmalerei und Porträt miteinander. Bereits 1870 verstarb der Republikaner im Alter von 29 Jahren im Deutsch-Französischen Krieg, weshalb er als Pionier impressionistischer Konzepte gilt, jedoch nie so viel Aufmerksamkeit auf sich lenkten konnte wie die „Klassiker“ des Impressionismus.
8. Februar 2017
Claude Monet, Sonnenaufgang, Impression, 1872/73 (Musée Marmottan Monet, Paris)

Erste Impressionisten-Ausstellung 1874 Erste Selbstorganisation und Namensgebung des Impressionismus

An der ersten Impressionismus-Ausstellung in Paris nahmen 30 Künstlerinnen und Künstler, darunter Paul Cézanne, Edgar Degas, Armand Guillaumin, Claude Monet, Berthe Morisot, Camille Pissarro, Auguste Renoir und Alfred Sisley. Whistler hatte seine erste Einzelausstellung in London und nahm vielleicht deshalb nicht an der Impressionismus-Ausstellung in Paris teil.
8. Februar 2017
Claude Monet, La Grenouillère, 1869, Öl auf Leinwand, 74,6 x 99,7 cm (The Metropolitan Museum of Art, New York © Metropolitan Museum of Art, dist.service presse Rmn / image of the MMA)

Zweite Impressionisten-Ausstellung 1876 Durchbruch des Impressionismus

Die zweite Impressionisten-Ausstellung erhielt bessere Kritiken als die erste, wobei vor allem die Leistungen der sechs „Impressionisten“ rund um Monet und Renoir besonders positiv hervorgehoben wurden. Für ausländische Leser besprachen vor allem Literaten die Schau: Henry James, Stéphane Mallarmé, August Strindberg und Emile Zola. Degas, Morisot, Monet, Pissarro, Renoir und Sisley, die heute als die wichtigsten Impressionistinnen und Impressionisten angesehen werden, hatten sowohl strategische wie ökonomische Ziele, an dieser zweiten Impressionisten-Ausstellung teilzunehmen.
8. Februar 2017
Gustave Caillebotte, Pariser Straße; Regnerisches Wetter, 1877, Öl auf Leinwand, 212.2 x 276.2 cm (The Art Institute of Chicago, Charles H. and Mary F. S. Worcester Collection, 1964.336)

Dritte Impressionisten-Ausstellung 1877 Gustave Caillebotts Engagement und Monets erste Serie

Dass es ein Jahr nach der zweiten Impressionisten-Ausstellung 1876 in der Galerie von Paul Durand-Ruel bereits zur dritten Impressionisten-Ausstellung kam, war vor allem dem finanziellen Engagement von Gustave Caillebotte zu verdanken. Er arbeitete gerade an seinem bislang wichtigsten Werk – „Rue de Paris, Temps de pluie [Straße in Paris bei Regen]“ (1877) – und wollte für dessen Erstpräsentation offensichtlich den richtigen Rahmen schaffen. Die Künstlerinnen und Künstler stellten erstmals als „Impressionisten“ aus
8. Februar 2017
Camille Pissarro, Kohlernte, 1878/79, Gouache auf Seide, 16.5 x 52.1 cm (The Metropolitan Museum of Art, New York, Purchase, Leonora Brenauer Bequest, in memory of her father, Joseph B. Brenauer, 1994)

Vierte Impressionisten-Ausstellung 1879 Bröckelnde Gemeinschaft aber wirtschaftlicher Erfolg

Die vierte Impressionisten-Ausstellung stand unter einem ungünstigen Stern, da viele der wichtigsten Maler des Impressionismus ihre Teilnahme absagten. Dennoch wurde sie endlich auch ein wirtschaftlicher Erfolg. Dies dürfte damit zusammenhängen, dass sie weniger provokativ ausgefallen sein dürfte als die ersten drei Ausstellungen.
8. Februar 2017
Mary Cassatt, Le thé [Der Tee], um 1880, Öl auf Leinwand, 64.77 x 92.07 cm (Museum of Fine Arts, Boston, M. Theresa B. Hopkins Fund)

Fünfte Impressionisten-Ausstellung 1880 Degas‘ „kleine Tänzerin“ und die Rückkehr zum Salon

Die fünfte Impressionisten-Ausstellung wurde im Vergleich zur vierten von den meisten Kritikern nicht sehr positiv aufgenommen. Es fehlten nicht nur so zentrale Künstler wie Renoir, Sisley und Cézanne, die bereits an der vierten Impressionisten-Ausstellung 1879 nicht mehr teilgenommen hatten, sondern auch Claude Monet, der stattdessen zwei Gemälde in den Salon einsandte.
8. Februar 2017
Edgar Degas, Kleine Tänzerin im Alter von 14 Jahren, um 1878–1881, rotes Bienenwachs, Ton, Metallarmatur, Seil, Pinsel, menschliches Haar, Seide und Leinenband, Trikot aus Leinen, Baumwolle und Seidentutu, Leinenschuhe, Holzsockel, 98.9 x 34.7 x 35.2 cm (ohne Sockel), Gewicht: 22.226 kg (The National Gallery of Art, Washington, Collection of Mr. and Mrs. Paul Mellon, Inv.-Nr. 1999.80.28)

Sechste Impressionisten-Ausstellung 1881 Edgar Degas‘ „Kleine Tänzerin“ und der Triumph des Realismus

Im Vorfeld zur sechsten Impressionisten-Ausstellung 1881 kam es zu Auseinandersetzungen zwischen den so genannten Impressionisten und Realisten in der Gruppe. Monet, Renoir und Sisley sagten ihre Teilnahme ab, um am Salon teilzunehmen. Die verbliebenen Künstlerinnen und Künstler scharten sich um Edgar Degas, der die Ausstellung organisierte.
8. Februar 2017
Camille Pissarro, Junges Bauernmädchen mit Hut, 1881, Öl auf Leinwand, 73,4 x 59,6 cm (National Gallery of Art, Washington)

Siebte Impressionisten-Ausstellung 1882 Pleinair und lockere Malweise

Die siebte Impressionisten-Ausstellung wurde von Paul Durand-Ruel organisiert, weil er sich in einer finanziell prekären Lage befand. Die Gruppe rund um Degas lehnte eine Teilnahme ab. Auch Renoir hatte sich geweigert, an der Ausstellung teilzunehmen, dennoch hängte der Galerist einundzwanzig von Renoirs Werken in die Ausstellung. Der Galerist kam zum Schluss, dass es einfacher wäre, die Künstler getrennt voneinander zu vermarkten, was er ab 1883 auch in Einzelpräsentationen umsetzte.
8. Februar 2017
Georges Seurat, Un dimarche à la Île de la Grande Jatte (Ein Sonntagnachmittag auf der Île de la Grande Jatte), 1884–1886, Öl auf Leinwand, 205,7 x 305,8 cm (The Art Institute of Chicago, Helen Birch Bartlett Collection)

Achte Impressionisten-Ausstellung 1886 Krise und Ende des Impressionismus

Die Vorbereitungen zur achten Impressionisten-Ausstellung 1886 waren geprägt von alten Vorbehalten gegenüber Kollegen, Missgunst, Eifersüchteleien und wechselnde Loyalitäten. Finanzielle Misserfolge, nicht zuletzt wegen einer Wirtschaftskrise in Frankreich in den beginnenden 1880er Jahren, ließen die ohnehin zaghaften Ankäufe impressionistischer Malerei einbrechen, ungeachtet der Versuche des Kunsthändlers Paul Durand-Ruel, die Impressionisten auch in New York bekannt zu machen. Generell lässt sich beobachten, wie Galeristen zunehmend als Ausstellungsmacher von Personalen auftraten, die sie vorfinanzierten. Claude Monet, Pierre-Auguste Renoir, Gustave Caillebotte und Alfred Sisley folgten Pissarros Einladung erst gar nicht. Sie versuchten ihr Glück bei Georges Petit, dessen Galerie sich an ein betuchtes, kaufkräftiges Publikum wandte. Animositäten mit Edgar Degas in den vorangegangenen Jahren verleideten ihnen die Teilnahme an Pissarros Projekt genauso wie dessen Engagement für ihre „Schützlinge“.
28. Januar 2017
Eugène Druet, Auguste Rodin zwischen seinen Werken in seinem Atelier

Auguste Rodin: Werke "Das Höllentor", "Der Denker", "Der Kuss", "Die Bürger von Calais", ... #Rodin100

Es ging Auguste Rodin um die Allansichtigkeit seiner Plastiken. Ziel von Rodins Arbeit war, neue Kompositionen und Techniken zu erfinden, um leidenschaftliche Gefühle auszudrücken. Anstelle der Allegorie tritt bei ihm der Torso, das Fragment, der Mensch mit all seinen Leidenschaften. Die Körper sind von Schwerkraft, Bescheidenheit und Erzählung befreit, haben keinen perfekten Standpunkt, erlauben keine Interpretation durch Werktitel oder Attributen.
20. Januar 2017
Claude Monet, Matinée sur la Seine [Vormittag auf der Seine], 1897, Öl auf Leinwand, 81,9 x 93,3 cm (Mead Art Museum, Amherst College, Massachusetts, Vermächtnis Miss Susan Dwight Bliss, 1966, Foto: Alexandra Matzner, ARTinWORDS)

Claude Monet in der Fondation Beyeler Monets Landschaften der 1880er Jahre

Monet die Fondation Beyeler. Als Renzo Piano das Gebäude für die Sammlung des berühmten Kunsthändlerehepaares Beyeler plante, hatte er Claude Monets monumentales Gemälde „Le bassin aux nymphéas [Seerosenteich]“ (um 1917–1920) im Sinn. Piano öffnete das Museum mit großen Glasflächen zum Garten hin. Der Blick wandert über das Gemälde – und weiter zum Teich, dem Schilf, das sich manchmal sanft im Wind wiegt. Wenn auch Claude Monet dieses späte Werk nicht vor dem Motiv gemalt hat, sondern sich dafür eigens ein Atelier in Giverny bauen hat lassen, so suggeriert die Sammlungspräsentation überzeugend die innige Verbindung des Malers mit der Natur, der nahezu blind nach seinen Erinnerungen malte.
  1. Zitiert nach Karin Sagner-Düchting, Die London Bilder, in: Karin Sagner-Düchting (Hg.), Claude Monet und die Moderne (Ausst.-Kat. Kunsthalle der Hypo-Kulturstiftung), München 2001, S. 58–59, hier S. 59.
Alexandra Matzner
Gründerin von ARTinWORDS * 1974 in Linz, Studium der Kunstgeschichte, Geschichte und Romanistik in Wien und Rom. Seit 1999 Kunstvermittlerin in Wien, seit 2004 Autorin für verschiedene Kunstzeitschriften. Jüngste Publiktionen entstanden für das Kunsthaus Zürich, Schirn Kunsthalle Frankfurt, Albertina und Belvedere in Wien.