Jean-Baptiste Carpeaux Bildhauer des Zweiten Kaiserreichs

Jean-Baptiste Carpeaux, Ugolino und seine Söhne, 1860 (The Metropolitan Museum, New York)

Jean-Baptiste Carpeaux, Ugolino und seine Söhne, 1860 (The Metropolitan Museum, New York)

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The Passions of Jean-Baptiste Carpeaux

USA / New York: The Metropolitan Museum of Arts
10.3. – 26.5.2014

Frankreich / Paris: Musée d’Orsay
23.6. – 28.9.2014

Inhaltsverzeichnis

Jean-Baptiste Carpeaux (1827–1875) war der führende Bildhauer des Zweiten Kaiserreichs. Der aus Valenciennes stammende Künstler gehörte zu den am höchsten dekorierten Akademiestudenten der 1840er Jahre. Während seines Rom-Stipendiums, das er zwischen 1856 und 1860 in Mittelitalien verbrachte, arbeitete er an „Ugolino und seine Söhne“ aus Dantes Göttlicher Komödie, die seinen Ruhm in Paris begründete. Als Porträtist der kaiserlichen Familie (Napoleon III. und Prinz) und seiner Künstlerfreunde (Alexandre Dumas Sohn, Charles Gounod) schuf er eine Unzahl von Büsten, die er mit Hilfe seiner Brüder gewerbsmäßig und massenhaft reproduzierte. Carpeaux‘ früher Tod 1875 machte den Weg für Auguste Rodin (1840–1917) frei.

 

 

Ugolino und seine Söhne

 

„Ich habe mich nie physisch und mental so stark gefühlt. […] Ich habe gerade die Komposition für meine Abschlussarbeit gefunden: Es ist eine Gruppe von vier Figuren […]. Das Sujet ist extrem dramatisch, es ist eine erhebliche Analogie zum Laocoon.“ (Carpeaux an seinen Freund Laurent-Daragon am 19. Dezember 1857)

 

Zu den Regeln der Academie Francaise in Rom gehörte es, dass die Bildhauer-Stipendiaten im zweiten Jahr ein Relief, im dritten eine Figur einer Komposition und im vierten eine freistehende Statue schaffen mussten. Die Sujets hierfür sollten aus der Bibel oder der Klassischen Geschichte abgeleitet werden. Jean-Baptiste Carpeaux ignorierte sämtliche Vorschriften wie auch die Empfehlungen des Akademiedirektors du wählte eine Szene aus Dantes „Divina Commedia“: Ugolino und seine Söhne und Enkel, eingekerkert und mit dem Hungertod bestraft. Graf Ugolino della Gherardesca (um 1200–1289) erzählt im Inferno dem Dante, wie er, nachdem er die Stadt Pisa an die Ghibellinen ausgeliefert hatte, von seinem Rivalen Erzbischof Ruggiero Ubaldino gemeinsam mit seinen beiden Söhnen und beiden Enkeln eingesperrt worden war. Nachdem seine Kinder und Kindeskinder verstorben waren, plagten ihn Hunger und Schuld. Dennoch labte er sich an ihren Körpern.

 

 

In der Skulptur ist dieses Thema kaum jemals aufgegriffen worden. In der Malerei haben sich Eugène Delacroix und Gustave Doré mit dem Text beschäftigt. Sicher kannte Carpeaux die „Dantebarke“ von Delacroix, mit der dieser seinen Ruhm begründete, und das zum am häufigsten kopierte Gemälde des 19. Jahrhunderts wurde (→ Delacroix und die Malerei der Moderne). Gleichzeitig stecken auch Inspirationen von Michelangelo in den Körpern, den Carpeaux neben „Mutter Natur“ zum wichtigsten Vorbild erklärte. Um seinen Ruf als Bildhauer zu begründen, suchte sich Carpeaux ein Thema, das sowohl eine gewisse michelangeleske terribilità, Vielzahl von Gefühlslagen, strukturelle Komplexität verlangte. Rund um die männliche Hauptfigur, reihen sich seine muskulösen Abhängigen zu einer tragischen Pyramide.

 

 

Die erste Idee zum „Ugolino“ dürfte ein Relief gewesen sein. Im Sommer 1856 entstand eine Reihe von Federzeichnungen auf blauem Papier. Jean-Baptiste Carpeaux lässt darauf den leidenden Ugolino über die Körper seiner Kinder kriechen. Während seines folgenden Aufenthaltes in Neapel und Paris entschied er sich jedoch, eine Figurengruppe zu modellieren. An dieser arbeitete er mit vielen Rückschlägen bis 1861. Vor allem die Zurückweisung durch die Akademie, die auf einer einzelnen freistehenden Figur bestand, quälte ihn 1859 besonders. Gegen aller Anweisungen setzte sich Carpeaux jedoch mit seiner fünffigurigen Gruppe durch, ihr Ruhm war von Rom nach Paris verbreitet worden. Die Stadt Valenciennes und viele Mäzene stifteten Geld, um einen Bronzeguss zu ermöglichen.

 

 

Carpeaux‘ berühmteste Skulptur: Der Tanz

Charles Garnier (1825–1898) gewann 1861 den Wettbewerb um die neue Pariser Oper. Zwei Jahre später wandte er sich an Carpeaux, mit dem er an der Ecole petit studiert hatte. Der Bildhauer sollte eine von drei Figurengruppen für die Fassade produzieren. Im Jahr 1865 arbeitete Carpeaux an Zeichnungen zur Personifikation von Lyrischem Drama und Leichter Komödie, darüber schwebt ein geflügelter Genius. Garnier fand die Darstellung höchst unpassend, die beiden Künstler arrangierten sich mit einer neuen Idee: eine Art von luftigem Tanz um einen geflügelten Genius sollte nun das Thema werden.

Doch auch an diese Vorgaben konnte sich Carpeaux kaum halten. Die von ihm vorgelegte Gruppe war zu groß für den Standort an der Fassade und anstelle von drei Figuren entwarf er plötzlich fünf. Obwohl Garniers Vorstellungen nicht erfüllt wurden, fand er das Modell von Carpeaux außergewöhnlich und ließ ihn gewähren. Die Lebendigkeit der Tänzerinnen fesselte ihn. Im Januar 1868 war das Tonmodell fertig, die noch undekorierte Fassade wurde dem Publikum schon im August 1867 präsentiert. Diese Zeit erwies sich als äußerst erfolgreich für Carpeaux, heiratete er doch 1869 Amélie de Montfort und konnte seine Gruppe an der Oper fertigstellen. Obszönitätsvorwürfe. Die Gruppe wurde von einem Vandalen mit Tinte beschmiert und schlussendlich abmontiert. Der Kaiser selbst hatte sich in die Diskussion eingemischt und ihre Entfernung verlangt.

 


 

Biografie von Jean-Baptiste Carpeaux (1827–1875)

Am 11. Mai 1827 wurde Jean-Baptiste Carpeaux in Valenciennes als Sohn der Spitzenklöpplerin Adèle Wargny geboren.
1833 Besuchte die Schule der Brüder der christlichen Doktrine.
1834 Die Stadt Valenciennes bereitete dem Bildhauer Henri Lemaire, einem Cousin von Adéle Wargny einen triumphalen Empfang, da er kurz zuvor zum Ritter der Ehrenlegion gemacht worden war.
1837 Jean-Baptiste Carpeaux wurde vom Stuckateur Pierre-Joseph Debaisieux als Lehrling aufgenommen. Vielleicht besuchter er auch Architekturkurse von Jean-Baptiste Bernard an der Académies de Valenciennes.
1838 Umzug nach Paris, wo die Familie in der Rue du Val de Grâce wohnte. Carpeaux‘ Vater meldete seinen Sohn an der Ecole Royale Gratuite de Dessin, der sogenannten Petit École von Jean-Hilaire Belloc, zu Kursen in Architektur, Geometrie, Steinschneiden und Zeichnen an. Vielleicht hat Carpeaux bereits die Modellierklasse von Laurent-Séverin Grandfils besucht. Traf die zukünftigen Architekten Charles Garnier und Gabriel Davioud wie die Bildhauer Henri-Michel-Antoine Chapu und Albert-Ernest Carrier-Belleuse.
1841 Erlernte die Grundlagen des Modellierens im Atelier von Louis Auvray aus Valenciennes.
1842 Besuchte die Klassen von Joseph Jacotot, dessen Konzept einer intellektuellen Emanzipation auf der Basis von Willen und Glauben, Carpeaux übernahm. Las Toussaint-Bernard Eméric-Davids „Recherches sur l’art statuaire“, Klassiker und die Bibel. Begann in einem Notizbuch, Details aus Gemälden und von Skulpturen aufzuzeichnen, dann Alltagsszenen, Landschaften und Tiere. Gewann den zweiten Preis in ornamentaler Skulptur und den ersten Preis im Modellieren nach dem Leben, zudem erster Preis im Zeichnen von lebenden Pflanzen.
1843 Gewann eine erstaunliche Reihe von Preisen für Modellieren und Zeichnen. Besuchte wohl das Atelier des Malers Abel de Pujol in Valenciennes.
1844 Zweiter Platz in ornamentaler Skulptur, wurde Student von François Rude (Ende April bis Ende des Jahres) und in die École des Beaux-Arts aufgenommen. Arbeitete bis 1846 Halbzeit für einen Porzellanmacher und einem Bronzegießer.
1845 Sein Vater wanderte in die USA aus, um in Kalifornien sein Glück zu machen. Offensichtlich hatte Jean-Baptiste Carpeaux große Probleme, sein Studium zu finanzieren. Jean-Auguste-Dominique Ingres wurde auf ihn aufmerksam. Carpeaux trat wieder in das Atelier von Rude ein, das er bis 1850 besuchte.
1846 Errang erstmals den ersten Preis im Wettbewerb um den Platz.
1847 Erster Preis für das Modellieren von Modellen. Sein „Knabe Oedipuls wird Periboea vorgestellt“ darf am Wettbewerb teilnehmen.
1848 Nach dem Fall der Juli Monarchie wurde Carpeaux fünfter im Jahreswettbewerb und auch der Rest seines Familie wanderte in die USA aus.
1849 Stipendium von 1.200 Francs von der Société du Département du Nord.
1850 Verließ im Januar das Atelier von Rude, da er den Rom-Preis gewinnen wollte.  Lernte Francisque-Joseph Duret kennen, der seit 1843 in der Jury des Rom-Preises saß. Dieser wurde sein Lehrer und versprach im innerhalb von zwei Jahren Erfolg. Im April Adjunktprofessor an der Ecole Royale Gratuite de Dessin, wo Jules Dalou sein Student wurde.
1852 Nahm unter einem Pseudonym am Salon teil. Obwohl seine Freunde sich von seinem „Philoctetes auf der Insel Lemnos“ begeistert zeigten, wurde er wieder nur zweiter im Wettbewerb um den Rom-Preis. Wollte mit dem Relief „Der Kaiser empfängt Abd-el-Kader im Château de Saint-Cloud“ die Aufmerksamkeit von Napoleon III. erringen.
1853 Der Gips von „Der Kaiser empfängt Abd-ed-Kader“ wurde für den Salon ausgewählt. Carpeaux war der Meinung, dass es unvorteilhaft aufgestellt war und sprach bei en Organisatoren Charles-Philippe Chennevières und Graf Emilien de Nieuwekerke vor. Im September war er in der Lage, das Relief dem Kaiserpaar vorzustellen und den Auftrag für eine Marmorfassung für 10.000 Francs zu erhalten.
1854 Erste Erwähnung von Dante als Quelle für den „Ugolino“. Gewann endlich den Großen Preis mit „Hektor“. Von der Stadt Valenciennes triumphal empfangen, das vom „Hektor“ einen Gips für das Stadtmuseum erwerben wollte. Büste von Finanzminister Achille Fould.
1855 Augenprobleme wegen des Marmorstaubs verzögerten die Abreise nach Rom. Obwohl er das gesamte Jahr nicht in Italien aufgetaucht ist, wurde er als Student an der Französischen Akademie in Rom geführt. Erhielt einen Aufschub, aber ein Viertel seines Stipendiums wurde gekürzt.
1856 Ende Januar kam Carpeaux in Rom an, wo er dem Direktor das Stipendium für das erste Jahr zurückzahlen soll. Entdeckte die Werke von Raffael und Michelangelo. Verliebte sich in Barbara Pasquarelli. Wegen einer Nahrungsmittelvergiftung Rückkehr nach Paris.
1857 Wieder in Rom, wo er von der italienischen Kunst überwältigt, an seiner Berufung zweifelte. Erholte sich wieder während seines zweiten Aufenthaltes in Neapel im November. Carpeaux‘ „Junger Fischer mit Muschel“ wurde in Rom begeistert aufgenommen. Entschied sich, für eine vierfigurige Komposition den „Laokoon“ als Vorbild zu nehmen.
1858 Der Gips vom „Fischer“ wurde an der Französischen Akademie in Rom ausgestellt, bevor er nach Paris geschickt wurde. Der Erfolg der Statue bestärkt Carpeaux wieder, der Bildhauer war aber schon vom „Ugolino“ in Beschlag genommen. Die Akademie lehnte das Thema ab, da ihre Statuten eine Einzelfigur aus der Geschichte oder der Bibel vorsah. Jean-Baptiste Carpeau antwortete: „Meine Gruppe ist bereits vollständig konstruiert.“ Hat technische Probleme mit den Modelleuren, die die Teile des Ugolino nicht fixieren konnten. James de Rothschild bot 5000 Francs für eine Bronzefassung des „Fischerknaben“. Obwohl ihm Schnetz von seinem Ugolino—Projekt abriet, setzte Carpeaux seine Arbeit daran fort.
1859 Schnetz erlaubte Carpeaux eine Marmorfassung des „Fischerknaben“ als letzte Einreichung anzufertigen. Am 31. Dezember endete sein Aufenthalt offiziell.
1860 Verkaufte den bronzenen „Fischerknaben“ für 4000 Francs an Rothschild. Versprach der Stadt Valenciennes eine Statue von Antoine Watteau. Graf Rothschild fand den „Ugolino“ zu melancholisch und lehnte den Kauf ab. Vollendete den „Ugolino“ am 26. Oktober.
1861 Schnetz änderte offenbar seine Meinung über die Gruppe und unterstützte Carpeaux, den die Kosten für den Guss in permanente Verhandlungen mit der Stadt Velanciennes und seinen Auftraggebern brachte. Stellte die Gruppe für einen Monat in seinem Atelier aus, wo sie bekannte Persönlichkeiten sahen (15.3.-15.4.). Am 18. Mai brachte Marquis Eugène-Emmanuel-Ernest d’Halwyn Freunde und Bewunderer zu Carpeaux: den russischen Botschafter Pawel Dimitriewitsch Kiselyov, den französischen Botschafter Antoine de Gramont, Alexandre Dumas Sohn und die Duchesse de Castiglione Colonne, die als Bildhauerin Marcello arbeitete. Mit „Marcello“ verband Jean-Baptiste Carpeaux eine lebenslange Freundschaft. Mitte August ist das Modell des „Ugolino“ fast und am 12. Oktober ganz vollendet. Mitte Dezember mit dem „Ugolino“ in Paris, wo die Statuengruppe auf Staatskosten gegossen wurde.
1862 Der „Ugolino“ wurde öffentlich in der École des Beaux-Arts ausgestellt. Büste der Prinzessin Mathilde und das Standbild von Watteau.
1863 Zahlte die Schulden an seine Familie zurück. Rückkehr nach Rom im April. Gewann eine Goldmedaille am Salon. Die Marmorversion des „Fischerknaben“ wurde von der Kaiserin erworben. Stellte beide Werke am Salon in Brüssel aus. Besuchte Antwerpen, Gent, Mecheln und Ostende, fasziniert von den Werken von Rubens, Adam van Noort, Memling und van Eyck. Rückkehr nach Paris am 26. Juli. Im Dezember wurde der bronzene „Ugolino“ im Garten der Tuilerien gegenüber einer Kopie von „Laokoon“ aufgestellt. Garnier beauftragte ihn mit einer Skulptur für die Fassade der Oper sowie den Pavillon de Flore.
1864 Sein „Mädchen mit Muschel“ und die marmorne „Palombella“ wurden am Salon ohne Erfolg ausgestellt. „Triumph der Flora“ für den Pavillon de Flore beauftragt. Teilnahme an einem internationalen Wettbewerb für ein Denkmal für Don Pedro IV. in Lissabon. Würde sich gerne der Malerei widmen. Wurde bei Hof vorgestellt. Erhielt die Erlaubnis eine Büste des Thronfolgers und ein zweites Porträt von Napoleon III. zu machen.
1865 Mit der Büste der Kaiserin und dem Porträt des Thronfolgers beschäftigt. Wurde im November mit dem Thema „Tanz“ von Garnier für die Oper beauftragt. Der Entwurf von Carpeaux – vier Mädchen tanzen um den Genius des Tanzes – begeisterte Garnier. Ende des Jahres kam der Vater wieder nach Frankreich zurück, der Rest der Familie war bereits eingetroffen.
1866 Erhielt von der Stadt Tournus den Auftrag für eine Statue von Jean-Baptiste Greuze (nie ausgeführt). Die Dekorationen am Pavillon de Flore wurden enthüllt. Zum Ritter der Ehrenlegion berufen.
1867 Die Marmorfassung des „Ugolino“ ist vollendet. Carpeaux‘ Bruder Emile wurde für die kommerzielle Nutzung der Werke von Jean-Baptiste verantwortlich. Garnier posierte für seine Büste.
Teilnahme an der Weltausstellung in Paris: „Fischerknabe“, „Thronfolger mit dem Hund Nero“, „Lachendes Neapolitanisches Mädchen“, „Giraud“, „Vaudremer“ und „Beauvois“. Die Marmorfassung des „Ugolino“ wurde von Dervillé ausgestellt. Auftrag für den Observatoriums-Brunnen im Luxembourg Garten. Zerstörte den Gips des Watteau und baute die Figur in drei Tagen wieder auf. Machte Gussformen von Teilen des „Tanzes“. Emile stahl Dokumente aus dem Atelier und sein Bruder beendete ihre Zusammenarbeit.
1868 Endgültiges Modell für den „Tanz“ vollendet (neun Figuren und eine zentrale Allegorie) verursachte Probleme beim Gießen. Seine Mitarbeiter setzten die Plastik in Marmor um. Teilnahme am Salon. Auftrag für Dekorationselemente des Rathauses von Valenciennes.
1869 Carpeaux heiratete Amélie de Montfort (21.4.). Umzug nach Auteuil. Teilnahme am Salon mit zwei Büsten „Garnier“ und „La Négresse“. Letztere wurde vom Kaiser gekauft. „Der Tanz“ verursachte einen Skandal, die Bacchantin links wurde mit Tinte bespritzt. Besuchte die Oper und erhielt Unterstützung von einer großen Gruppe. Am 8. November entschied Napoleon III., dass die Gruppe von der Oper entfernt werden und der Bildhauer Charles-Alphonse-Achille Gumery eine weniger anstößige Gruppe schaffen sollte.
1870 Büste der Vicomtesse Louise de Montfort. Carpeaux leitete sein Atelier wieder ohne seine Brüder. „Der Geigenspieler“ ist eine Büste seines verstorbenen Bruders Charles. Geburt seines Sohnes Charles (23.4.1870–1904). Teilnahme am Salon mit zwei Marmorskulpturen: Büste der Eugénie Fiocre, „Mater Dolorosa“. Die lebensgroße Plastik von „Watteau“ wurde vor dem Palais de l’Industrie ausgestellt. Ernsthafte Eheprobleme, Amélie zog zu ihren Eltern in das Palais du Luxembourg. Hielt sich bei Alexandre Dumas Sohn und dessen Frau Nadezhda (Nadine) auf. Flucht vor dem Deutsch-Französischen Krieg. Trug Krankentragen.
1871 Tod von Louise de Montfort. Flucht nach London. Traf bei dem Marquis de la Valette die Maler Charles-Joseph Tissot und Jean-Léon Gêrome, den Komponisten Charles Gounod und den Bildhauer Jules Dalou. Geburt des zweiten Sohnes Louis-Joseph-Félix (10.7.), der bereits am 8. August verstarb. Carpeaux warf seiner Frau vor, das Kind wäre an Syphilis gestorben. In der Ausstellung der Royal Academy stellte er den „Ugolino“ in Bronze aus. Auktion von Terrakotten von Carpeaux und Carrier-Belleuse bei Christie’s, Manson and Woods in London.
1872 Rückkehr nach London. Trennung des Ehepaares. Auftrag für eine Marmorbüste von Alexandre Dumas Vater. Stellte am Salon die Büste von M. Gérôme und die finale Maquette für den Brunnen aus und an der Schau der Royal Academy. Auktion von Terrakotten im Hôtel Drouot und bei Christie‘s. Geburt von Louise-Marie-Clothilde (4.11.).
Am 12. Oktober 1875 starb Jean-Baptiste Carpeaux in Courbevoie bei Paris.

 

 

Jean-Baptiste Carpeaux: Werke

  • Jean-Baptiste Carpeaux, Hektor bittet die Götter seinen Sohn Astyanax zu schützen, 1854, Patinierter Gips
  • Jean-Baptiste Carpeaux, Neapolitanischer Fischerknabe, 1857-nach 1861, Marmor (Washington, D.C., District of Columbia, The National Gallery of Art)
  • Jean-Baptiste Carpeaux, Neapolitanischer Fischerknabe, gegossen um 1859 von dem Modell 1857-1858, Bronze (Minneapolis, Minnesota, The Minneapolis Institute of Art)
  • Jean-Baptiste Carpeaux, Ugolino und seine Söhne, gegossen 1865-1875 von einem Original (um 1860) (Dallas, Texas, Dallas Museum of Art)
  • Jean-Baptiste Carpeaux, Ugolino und seine Söhne, 1860 (The Metropolitan Museum, New York)
  • Jean-Baptiste Carpeaux, Ugolino und seine Söhne, Rückseite, 1860 (The Metropolitan Museum, New York)
  • Jean-Baptiste Carpeaux, Ugolino und seine Söhne, seitlich, 1860 (The Metropolitan Museum, New York)
  • Jean-Baptiste Carpeaux, Ugolino und seine Söhne, Füße, 1860 (The Metropolitan Museum, New York)
  • Jean-Baptiste Carpeaux, Ugolino und seine Söhne, gegossen 1860, Bronze (Norfolk, Virginia, Chrysler Museum of Art)
  • Jean-Baptiste Carpeaux, Prinzessin Mathilde, 1862 (Philadelphia, Pennsylvania, Philadelphia Museum of Art)
  • Jean-Baptiste Carpeaux, Büste des Prinzen, 1865 (Houston, Texas, The Museum of Fine Arts)
  • Jean-Baptiste Carpeaux, Der Prinz mit seinem Hund Nero, 1865 (Baltimore, Maryland, Maryland Historical Societ)
  • Jean-Baptiste Carpeaux, Génie de la Danse [Genius des Tanzes], Studie, 1866 (New Haven, Connecticut, Yale University Art Gallery)
  • Jean-Baptiste Carpeaux, Négresse ou Pourquoi naître esclave [Negerin oder Warum als Sklavin geboren], 1868 (Houston, Texas, The Menil Collection)
  • Jean-Baptiste Carpeaux, Büste von Jean-Léon Gêrome, 1872/73 (Los Angeles, California, The J. Paul Getty Museum)
  • Jean-Baptiste Carpeaux, Genius des Tanzes, um 1872, originaler Gips (Detroit, Michigan, Detroit Institute of Arts)
  • Jean-Baptiste Carpeaux, Portrait von Charles Gounod, 1873 (Williamstown, Massachusetts, Sterling and Francine Clark Art Institute)
  • Atelieransicht von Carpeaux
  • Weltausstellung 1878 mit Werken von Jean-Baptiste Carpeaux

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Alexandra Matzner
* 1974 in Linz, Studium der Kunstgschichte, Geschichte und Romanistik in Wien und Rom. Seit 1999 Kunstvermittlerin in Wien, seit 2004 Autorin für verschiedene Kunstzeitschriften. Jüngste Publiktionen entstanden für das Kunsthaus Zürich, Schirn in Frankfurt, Albertina und Belvedere in Wien.