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Paul Gauguin & Charles Laval in Martinique Karibikaufenthalt 1887 im Van Gogh Museum Amsterdam

Paul Gauguin, Am Flussufer in Martinique, Detail, Martinique 1887, Öl/Lw, 54.5 cm x 65.5 cm (Van Gogh Museum, Amsterdam (Vincent van Gogh Foundation)

Paul Gauguin, Am Flussufer in Martinique, Detail, Martinique 1887, Öl/Lw, 54.5 cm x 65.5 cm (Van Gogh Museum, Amsterdam (Vincent van Gogh Foundation)

Paul Gauguin und Charles Laval reisten 1887 gemeinsam auf die Insel Martinique. In den wenigen Monaten, die sie in der Karibik verbrachten, schufen die französischen Maler eine Reihe farbintensiver Gemälde und aquarellierter Skizzen, die Auswirkungen auf ihre künstlerische Entwicklung nahm. Dies ist die erste Ausstellung, die dieser bedeutenden Periode in den Karrieren von Gauguin und Charles Laval (1861–1894) gewidmet ist. Das Van Gogh Museum zeigt neben Gemälden auch Skizzen, Zeichnungen und Pastelle, die eindrucksvoll den Einfluss der Reise auf die künstlerische Entwicklung der beiden Künstler verdeutlichen.

Warum Gauguin und Laval im Van Gogh Museum?

Paul Gauguin erzielte in „Am Flussufer in Martinique“ (Martinique 1887) außergewöhnliche Farbeffekte, indem er winzige Farbstreifen in Blau, Rot und (durch Mischen der beiden) Lila nebeneinandersetzte. Aus der Ferne betrachtet, verschmelzen sie zu warmen Tönen. Vincent van Gogh tauschte seiner eigenen frühen Sonnenblumen- Bilder gegen dieses Gemälde. Durch einen solchen Austausch hoffte er, zusammen mit seinem Bruder Theo eine Kunstsammlung aufzubauen. In einem Brief an seine Schwester Willemien beschrieb Vincent die Landschaft als „ausgetrockneten Fluss mit purpurrotem Schlamm“.

„Wir haben noch ein zweites Gemälde von ihm, das er für eine meiner Studien getauscht hat: einen ausgetrockneten Fluss mit lilafarbenem Schlick und Wasserlachen, in denen sich das reine Kobaltblau des Himmels spiegelt; grünes Gras. Ein Negerjunge mit einer rotweißen Kuh, eine Negerin in Blau und etwas grüner Wald.“ (Vincent van Gogh in einem Brief an seine Schwester Will)

Auf Vincents Empfehlung hin besuchte Theo im Dezember 1887 das Atelier von Paul Gauguin. Bereits im Dezember 1887 nahm Theo van Gogh ihn in einer Gruppenausstellung in seiner Filiale der Kunsthandlung Boussod et Valadon mit auf. Die dort ausgestellte tropische Landschaft „Kommen und Gehen, Martinique“ (Sommer 1887) missfiel den Kritikern, die sie als „barbarisch und schwermütig“ und die Farben als „langweilig“ beschrieben. Dennoch war diese Ausstellungsbeteiligung eine wichtige Erfahrung für den aufstrebenden Künstler. Theo van Gogh war wie sein Bruder gänzlich von den neuen Werken Paul Gauguins aus Martinique überzeugt und erwarb für sich selbst „Unter den Mangobäumen auf Martinique“ (Sommer 1887).

Vincent van Gogh kannte Charles Laval nicht persönlich, stand aber über gemeinsame Freunde, die Künstler Paul Gauguin und Emile Bernard, in Kontakt mit ihm. Wie sie wollte Laval Bilder mit Van Gogh tauschen. Charles Laval schickte ein Selbstporträt von Pont-Aven 1888 an Vincent van Gogh, der davon sofort begeistert war. Seinem Bruder Theo beschrieb er es als „sehr selbstbewusst, sehr vornehm“. Er dachte, es wäre „genau eines der Gemälde, von dem du sprichst, das man nimmt, bevor die anderen das Talent erkannt haben.“ Zwei Monate später erhielt er dafür ein Selbstbildnis Van Goghs.

Paul Gauguin & Charles Laval in Martinique: Bilder

  • Paul Gauguin, Die Mangobäume, Martinique 1887, Öl/Lw, 86 cm x 116 cm (Van Gogh Museum, Amsterdam, Vincent van Gogh Foundation)
  • Paul Gauguin, Am Flussufer in Martinique, Martinique 1887, Öl/Lw, 54.5 cm x 65.5 cm (Van Gogh Museum, Amsterdam (Vincent van Gogh Foundation)
  • Paul Gauguin, Skizze verschiedenere Figuren, Blumen und Tier, 1887, Schwarze Kreide, Bleistift, Tusche, Aquarell auf Papier, 20.4 x 27 cm (Privatsammlung)
  • Paul Gauguin, Kommen und Gehen, Martinique, Sommer 1887, Öl/Lw (Sammlung Carmen Thyssen-Bornemisza, Leihgabe im Museo Nacional Thyssen-Bornemisza, Madrid)
  • Paul Gauguin, Küstenlandschaft aus Martinique (Die Bay of Saint-Pierre, Martinique), 1887, Öl/Lw, 54 x 90 cm (Ny Carlsberg Glyptotek, Kopenhagen)
  • Paul Gauguin, Frauen in Martinique, 1887, Bleistift, schwarze Kreide, Pastell auf Papier, 49 × 63.5 cm (Privatsammlung)
  • Paul Gauguin, Pfad unter Palmen, 1887, Öl/Lw, 90 × 60 cm (Privatsammlung)
  • Paul Gauguin, Landschaft aus Martinique, 1887, Öl/Lw, 117 x 89,8 cm (National Gallery of Scotland, Edinbrugh,, presented by Sir Alexander Maitland in memory of his wife Rosalind 1960)
  • Paul Gauguin, Selbstporträt mit dem Porträt Bernards („Les Miserables“), Ende September 1888, Öl auf Leinwand (Van Gogh Museum, Amsterdam, Vincent van Gogh Stiftung)
  • Charles Laval, Selbstporträt, Pont-Aven 1888, Öl/Lw, 50.7 cm x 60.4 cm (Van Gogh Museum, Amsterdam (Vincent van Gogh Foundation)
  • Charles Laval, Frauen am Strand, Skizze, 1887–88, Öl/Lw, 65 × 91.5 cm (Musée d’Orsay, Paris, on long-term loan to the Musée Toulouse-Lautrec, Albi)

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Alexandra Matzner
Gründerin von ARTinWORDS * 1974 in Linz, Studium der Kunstgeschichte, Geschichte und Romanistik in Wien und Rom. Seit 1999 Kunstvermittlerin in Wien, seit 2004 Autorin für verschiedene Kunstzeitschriften. Jüngste Publiktionen entstanden für das Kunsthaus Zürich, Schirn Kunsthalle Frankfurt, Albertina und Belvedere in Wien.