Hans Baldung

Wer war Hans Baldung Grien?

Hans Baldung Grien (1484/85–1545) war ein deutscher Maler und Druckgrafiker der Renaissance nördlich der Alpen. Neben Lucas Cranach der Ältere, Matthias Grünewald, Hans Holbein der Ältere, Hans Burgkmair, Albrecht Altdorfer und Albrecht Dürer, dessen Mitarbeiter Hans Baldung Grien war, zählt er zu den bedeutendsten Künstlern des deutschen Südwestens. Der in Schwaben geborene Baldung Grien verbrachte nach Aufenthalten in Franken, in Baden und im Breisgau einen großen Teil seines Lebens in Straßburg. Hans Baldung Grien schuf in über 40 Jahren Tafel- und Glasgemälde, Andachts- und Altarbilder aber auch Mythologien und Hexendarstellungen, sowie Zeichnungen und Holzschnitte, die ein hohes Maß an humanistischer Bildung demonstrieren. Rund 90 Gemälde, etliche Glasbilder, 250 Zeichnungen, an die 80 Einblattholzschnitte und circa 500 Buchholzschnitte sind für ihn gesichert oder werden mit seinem Namen verbunden. Der Hochaltar im Freiburger Münster von 1516 gilt als Baldung Griens Hauptwerk.

 

Kindheit und Ausbildung

Es wird vermutet, dass Hans Baldung Grien 1484 oder 1485 in Schwäbisch Gmünd, dem heutigen Baden-Württemberg, geboren wurde. So nutzte er das Stadtwappen der damaligen Reichsstadt Schwäbisch Gmünd als sein persönliches Wappen und nannte sich selbst „Gamundianus“. Es wäre aber auch möglich, dass er seine Kindheit und Jugend in Straßburg verbrachte.

Hans Baldung Grien war ein Sohn einer humanistisch geprägten Gelehrtenfamilie, aus seiner Kindheit und Jugend ist nichts schriftlich überliefert. Sogar seine künstlerische Ausbildung und Gesellenzeit liegen im Dunkeln. Um 1501/02 zeichnete er ein „Jugendliches Selbstbildnis“ (Kunstmuseum Basel, Kupferstichkabinett), das seine außerordentliche Begabung als Zeichner dokumentiert. Um 1503 dürfte er nach Nürnberg zu Albrecht Dürer gezogen sein, wo er sich bis 1508 aufhielt.

 

Baldung und Dürer (um 1503–1508)

Als Geselle arbeitete Hans Baldung Grien in der Nürnberger Werkstatt Albrecht Dürers, hier erhielt er wohl auch den Beinamen „Grien“. Warum er gerade nach Franken zog, ist ebenso nicht überliefert, aber Dürer war aufgrund seiner Druckgrafiken bereits ein berühmter Künstler. Baldung dürfte um 1503 als Geselle in Dürers Werkstatt eingetreten sein und hat den Meister etwa 1508 wieder verlassen. Dies bedeutete, dass sich Hans Baldung Grien 1506, als Dürer in Venedig war, allein um die Aufträge kümmerte. Wenn auch Baldung nicht der Schüler Dürers im engeren Sinn war, so hat er doch von diesem gelernt und Anregungen für seine Figurenstudien erhalten.

Ab etwa 1505 beteiligte sich Hans Baldung Grien an der noch stark von religiösen Motiven geprägten Holzschnittproduktion der Dürer-Werkstatt. Zwischen 1503 und 1507 schuf Baldung eine Gruppe von zwölf Andachtsgrafiken, darunter „Hl. Katharina“, „Hl. Barbara“ und „Maria auf der Rasenbank“, „Das Jüngste Gericht“, „Kreuzigung“ , „Beweinung“ und „Kreuzabnahme“, einfache Darstellungen in einem breiten linearen Stil, wie er zeitglich in der Dürer-Werkstatt gepflegt wurde. Die Buchillustrationen und die als Andachtsbilder vertriebenen Einzelblätter waren ein bedeutender Erwerbszweig und blieben dies auch in späteren Jahren – für Dürer ebenso wie für Baldung. Als Kupferstecher hat Baldung allerdings nie die Raffinesse und Vollendung Dürers erreicht und sich dieses Mediums deshalb wohl nur selten bedient. Während seiner Gesellenzeit dürfte er sechs Kupferstiche angefertigt haben; sein erfolgreichster Stich „Stallknecht mit einem Pferd“ ist eine direkte Neuinterpretation von Dürers „Kleinem Pferd“ (1505). Während seiner Nürnberger Gesellenzeit fertigte Baldung zudem für die Werkstatt Veit Hirsvogels d. Ä. Entwürfe für Glasgemälde an, die stark von der Kunst Dürers geprägt sind.

Die Nähe zu Dürer zeigt sich auch in den wenigen erhaltenen Tafelgemälden der frühen Zeit, darunter das „Dreikönigsretabel“ (um 1506/07) und das „Sebastiansretabel“ (um 1507). So entwickelte Baldung einen Sinn für den Tiefenraum und die Gliederung der Bildfläche. Dazu kommen dessen Freude an naturalistisch wiedergegebenen Details und sein Ehrgeiz, einem alten Motiv neue Bedeutung zu geben. Vermutlich führte Baldung in Nürnberg auch Glasmalerei aus, was Kolorit und Maltechnik seiner Bilder beeinflusste. Wenn auch motivisch Baldungs Werk bis 1508 weitgehend christliche Ikonografie zeigt, so entwickelte er eine große technische Sicherheit in dieser Zeit.

Die Beziehung zu Albrecht Dürer dürfte gut und von gegenseitigem Respekt getragen gewesen sein. Zeitlebens bezog sich Baldung auf seinen Lehrherrn (besonders bis 1520) und bekam kurz nach dessen Tod 1528 eine Locke zugesandt (Akademiebibliothek, Wien). Dürer seinerseits schenkte Joachim Patinir in Antwerpen „des Grünhanßen ding“, wie er im Tagebuch seiner niederländischen Reise von 1521 notierte. Dabei dürfte es sich um vermutlich 15 Jahre alte druckgrafische Werke gehandelt haben.

Die Gemeinsamkeiten zwischen den beiden Künstlern werden so zusammengefasst:

  • religiöse Bildthemen sollten erneuert werden
  • hohe Bedeutung profaner Sujets u. a. Porträts, Historien, Genrebilder und Allegorien
  • mediale Vielfalt: Dürer und Baldung brillierten als Zeichner, Druckgrafiker und Maler.
  • Bei beiden Künstlern lässt sich ein gewisser Künstlerstolz feststellen: Selbstbildnisse und demonstrativ eingesetzte Monogramme

Der wichtigste Unterschied zwischen den beiden Künstlern liegt in der Orientierung Dürers an klassischen Vorbildern und seiner Arbeit an Idealisierung (Typisierung, Kunsttheorie, Anatomie und Perspektive). Im Gegensatz dazu interessierte sich Hans Baldung Grien stärker für Gefühle und Fantasien, Begierden und Triebe, Sinnlichkeit und Erotik. Um den Ausdruck zu steigern, erlaubte sich Baldung größere Freiheit in der Gestaltung.

 

Hans Baldung Grien in Straßburg

„Hans Baldung, der moler“ erwarb im April 1509 das Straßburger Bürgerrecht. Eine weitere Quelle vom Oktober 1510 nennt ihn bereits „Meister“ und erwähnt auch seine Ehefrau Margarethe. Vielleicht aus diesem Jahr stammt auch die Markgrafentafel für Markgraf Christoph I. von Baden, der bei Baldung später noch einen Bildnisholzschnitt und ein Porträtgemälde in Auftrag gab. Ein Jahr später wurde er von den Straßburger Johanniten für Triptychon für die Kommende „auf dem grünen Wörth“ (1511) bezahlt. Es zeigt auf drei Tafeln die Patrone des Ordens, darunter der Komtur Erhard Künig, im Zusammenhang visionärer Ereignisse.

1512 malte Baldung ein Epitaphbild für die Straßburger Familie Bettschold und für das Benediktinerkloster Schuttern bei Offenburg eine großformatige, eigenwillige „Kreuzigung“. Offensichtlich genoss Baldung schon in den Jahren 1509 bis 1512 am Oberrhein einen ausgezeichneten Ruf. Dieser war die Voraussetzung für seine Berufung nach Freiburg im Breisgau, wo er den Hochaltar für das Münster schuf.

In Straßburg, wie dann auch in Freiburg, führte Baldung die in Nürnberg begonnene Produktion anspruchsvoller Holzschnitte fort. Auch malte er Andachtsbilder, deren religiöse Funktion bisweilen hinter ihren Kunstcharakter zurückzutreten scheint.

 

Glasgemälde und Visierungen

Von Hans Baldung Grien hat sich eine große Anzahl an Visierungen und Glasgemälden (Scheibenrisse für Kabinettscheiben) erhalten, die belegen, dass sich der Maler mit dem Medium Glasmalerei intensiv auseinandersetzte. Monumentale Auftragsarbeiten für Kirchen und Klosteranlagen fallen hierunter ebenso wie kleinformatige Wappenscheiben für den profanen Gebrauch, die als Auftragswerke überwiegend für hochgestellte Straßburger Persönlichkeiten entstanden. Zwischen Baldung und verschiedenen Glasmalern entspann sich eine anhaltende und überaus befruchtende Zusammenarbeit. Er vermittelte wichtige Impulse an die Straßburger Künstler, die noch von der Blüte der spätgotischen Glasmalerei zehrten.

Der Fundus an Scheibenrissen, die der Wappenmaler und Chronist Sebald Büheler (1529–1594) aus dem Nachlass einer Glaserwerkstatt erwarb, dokumentiert den enormen Aufschwung, den die Straßburger Glasmalerei unter Baldungs Mitwirkung nahm, und gewährt zugleich einen Einblick in den arbeitsteilig organisierten Herstellungsprozess.

 

Hans Baldung Grien in Freiburg (1512–1518)

Die Münsterpfleger beriefen Hans Baldung im Frühjahr 1512 für den neuen Hochaltar nach Freiburg im Breisgau. Im Laufe des Jahres scheint Baldung mit seiner Frau übergesiedelt zu sein. Seine Werkstatt richtete er im Barfüßerkloster ein. Den Hochaltar schuf Hans Baldung Grien gemeinsam mit einigen Gesellen zwischen 1512 und 1516. Im Juni 1516 wurde das Retabel im Münster aufgestellt. Die vier Szenen aus dem Marienleben, die von Aposteln flankierte Marienkrönung der Innenansicht und die Kreuzigung mit Selbstporträt auf der Rückseite sind Höhepunkte in Baldungs Werk.

Gleichzeitig arbeitete der ebenfalls aus Straßburg herangezogene Glasmaler Hans Gitschmann von Rapoltstein (Ropstein) im Freiburger Münster bereits an der Farbverglasung der Fenster im Binnenchor. Das Zusammentreffen beider Künstler führte die Glasmalerei zu einer letzten Blüte, als deren erste und vielleicht bedeutendste Schöpfungen die Fenster der Freiburger Kartause gelten dürfen. Baldung lieferte weiterhin Vorlagen für monumentale Fensterstiftungen in den Chorkapellen des Münsters. Risse für Kabinettscheiben blieben für ihn bis in seine späten Jahre ein wichtiges Betätigungsfeld.

Charakteristisch für Baldung Grien ist, dass er tradierten Motiven einen neuen inhaltlichen Akzent und künstlerischen Nachdruck verleihen wollte. Das lässt sich auch in Bilder zur privaten Andacht nachweisen. Hans Baldung Grien nutzte die Landschaft im Hintergrund, um den Ausdruck und die Atmosphäre der klar komponierten, malerisch sehr feinen Bilder mitzubestimmen. Einige der Werke wirken heute, als wären sie nicht in erster Linie zur religiösen Meditation bestimmt, sondern als Kunstwerke angelegt. Die in Freiburg entstandenen Todesallegorien haben sich aus der christlichen Totentanz-Ikonografie gelöst.

Im Rückblick erscheinen die fünf Freiburger Jahre als höchst produktiv und erfolgreich. Neben dem Hochaltar für das Münster entwarf er sakrale und profane Kabinettscheiben, malte er einige seiner schönsten Porträts und schuf besonders ausdrucksvolle Holzschnitte. Mit den einzigartigen Hexenzeichnungen in Hell-Dunkel-Technik machte Baldung Grien den Schritt in einen Motivkreis, für den sein Name heute noch singulär steht. Nach Vollendung des Hochaltars blieb der gut beschäftigte Baldung noch rund zwei Jahre in Freiburg. 1518 zog er nach Straßburg zurück.

 

Porträts

Mit 13 anerkannten Porträts aus den Jahren 1513 bis 1538 bildet diese Gattung eine vergleichsweise große Werkgruppe in Baldungs Werk. Der frühe Einblattholzschnitt für Markgraf Christoph I. von Baden von 1511 wurde bereits erwähnt; weitere Holzschnitte, vor allem in Büchern, folgten von 1519 bis 1543. Daneben gibt es zahlreiche Stifterbildnisse auf Altartafeln, Epitaphien und Glasfenstern. Seine letzte Porträtstudie aus dem Todesjahr 1545 belegt die lebenslange Beschäftigung mit dem Thema, auch wenn er nie eine innere Affinität zur Gattung Porträt entwickelt zu haben scheint. Der Maler folgte offensichtlich weitgehend den Wünschen der Auftraggeber – des regionalen Adels, der humanistischen Bildungselite, der Straßburger Altgläubigen und Reformatoren. Überliefert sind interessanterweise nur Einzelgemälde von Männern, ein verschollenes Porträt einer Frau von 1535 ist zumindest fotografisch dokumentiert.

Formate und Bildtypen von Baldungs Porträts entsprechen der damals üblichen Norm. Er beginnt traditionsgemäß mit kleinen Tafeln und einem relativ knappen Bildausschnitt, wie in Schwaben etwa bei Zeitblom und Strigel nachzuweisen ist. Hans Baldung Grien wurzelt in dieser Gattung noch in der Spätgotik. Das erste sichere Gemälde ist das Löwenstein-Bildnis von 1513, das bereits von Dürer geprägt ist. Ab diesem Zeitpunkt zeigte Hans Baldung Grien auch Halbfiguren meist in Dreiviertelprofil in wesentlich größeren Formaten. Lange positionierte Baldung die Modelle vor neutralem Grund, ehe er mit der Einführung von architektonischen oder landschaftlichen Elementen auf neuere Bildvorstellungen reagierte.

Ab 1520, mit der Hinwendung zum Manierismus, wurden niederländische Einflüsse in Baldungs Werk wichtiger. Charakteristisch bleibt aber die Art, wie Baldung seine Modelle mit scharfem Blick erfasst, die Gesichtszüge dabei zuspitzt, und wie er sie häufig in eine dialogische Beziehung zum Betrachter setzt.

 

Baldung wichtigste Themen: Vanitas, Vergänglichkeit, Tod und Hexen

Hans Baldungs Werk ist berühmt für dessen vielfältige Interpretationen der Themen Vergänglichkeit und Tod aber auch Hexen. Der Künstler stellte sich mit Darstellungen von „Tod und Liebespaar“ in die spätmittelalterliche Tradition von vanitas und memento mori – der mahnenden Erinnerung an die eigene Sterblichkeit und die Vergänglichkeit aller irdischen Freuden und Laster. Gleichzeitig reagierte er auf die grassierende Angst vor Hexen, die seit der Publikation des „Hexenhammer“ (1487) des Dominikanermönchs Heinrich Kramer besonders intensiv diskutiert wurde.

In der Freiburger Zeit setzte er sich mit dem Motiv von Tod und Frau auseinander, in dem er Schaulust und Bildmoral in ein spannendes Verhältnis bringt. Beiden Themen liegt das Konzept vom Tod als Preis der Sünde (Röm 6,23) zugrunde. In diese Stoßrichtung führen auch die Hexendarstellungen Baldungs, welche die frauenfeindliche Einstellung des frühen 16. Jahrhunderts zum Ausdruck bringen. Seine Hexen sind keine scheinbar biederen Bürgerinnen, sondern nackte, zügellose Frauen jenseits der zivilisierten Gesellschaft. In den elaborierten Hell-Dunkel-Zeichnungen der Freiburger Jahre stellte er die Figur der Hexe in rätselhaften, vulgären bis obszönen Akten dar, deren lustvollem Charakter eine zeichnerisch höchst delikate Ausführung entspricht.

 

Zeichnungen

Etwa 250 Zeichnungen sind von Hans Baldung Grien erhalten. Der Künstler arbeitete mit der Feder, seinem bevorzugten Zeichenmittel, dem Silberstift, seltener der Kreide oder Kohle. Die Arbeiten auf Papier changieren zwischen Naturstudien, Vorbereitung von Bildkompositionen und Experimentierfeld zwischen sichtbarer Welt und Vorstellungskraft. Da zahlreiche Zeichnungen signiert sind, spielten sie für den Künstler eine große Rolle und dürften auch als abgeschlossene Kunstwerke an Sammler gewandt haben. Dass sie auch in Künstlerkreisen rezipiert wurden, ist durch Kopien bzw. Nachschöpfungen belegt.

Die Illustrationen für das sogenannte Gebetbuch Kaiser Maximilians I. waren mit hohem Prestige verbunden. In seinen Beiträgen gab sich Baldung als erfinderischer Zeichner zu erkennen. Seine Beteiligung an diesem Projekt, an dem unter anderem auch Dürer, Hans Burgkmair, Lucas Cranach und Albrecht Altdorfer mitwirkten, belegt zugleich seinen Status unter den deutschen Künstlern seiner Zeit.

Besondere Aufmerksamkeit brachte Baldung beinahe über sein gesamtes Schaffen hinweg der Hell-Dunkel-Zeichnung entgegen, bei der er mit dunkler Feder und weißen, manchmal mit Pinsel aufgesetzten Höhungen auf getöntem Papier arbeitete. Damit steigerte er die Plastizität der Darstellung, vor allem aber ihren expressiven und erzählerischen Gehalt.

 

Das Karlsruher Skizzenbuch

Hans Baldung Griens Karlsruher Skizzenbuch enthält über 100 Silberstiftzeichnungen und wird durch einen Silberstift, der durch zwei Ösen gezogen wird, zusammengehalten. Baldung datierte die nachträglich gebundenen Fragmente mehrerer Skizzenbücher zwischen 1511 und seinem Todesjahr 1545, wodurch das Karlsruher Skizzenbuch zu den außergewöhnlichen Dokumenten seines künstlerischen Lebens wird. Baldungs Naturstudium zeigt ein reiches Themenspektrum: Landschaften, Stadtansichten, Tiere, Pflanzen, Porträts sowie diverse Gegenstände und Detailstudien zeugen von einer lebendigen und unmittelbaren zeichnerischen Aneignung der ihn umgebenden Welt. Außerdem lassen sich die Zeichnungen mit Gemälden und Druckgrafiken in Verbindung bringen. Einige Einzelblätter in anderen Sammlungen lassen sich dem Karlsruher Skizzenbuch-Komplex zuordnen.

 

Druckgrafik

Die Druckgrafik bildet sowohl quantitativ als auch qualitativ einen bedeutenden Bestandteil von Baldungs Werk, man kann ihn einen der großen Druckgrafiker seiner Zeit nennen. Wie bei Dürer ist der Holzschnitt bei Baldung ein vielfältiges Medium,1 in dem er gestalterische und ikonografische Möglichkeiten auslotete und neben traditionellen Andachtsblättern auch anspruchsvolle Sammlerstücke schuf. Meist schuf Baldung wohl nur die Entwürfe, während die Umsetzung in den Holzschnitt ein professioneller Formschneider übernahm. Kupferstiche fertigte Baldung nur sehr wenige.

Mit der Etablierung einer eigenen Werkstatt in Straßburg begann Baldung, seine Holzschnitte mit dem „HBG“-Monogramm auf einer Tafel zu signieren, die er auf oftmals einfallsreiche Weise integrierte. Er stellte ein umfangreiches Programm traditioneller und neuartiger Motive zusammen, das offenbar unterschiedliche Zielgruppen ansprechen sollte. Zwischen 1510 und 1514 entwarf Baldung Farbholzschnitte, die ihn zu einem frühen Hauptvertreter dieses innovativen druckgrafischen Trends machten.

Zwischen 1520 und Mitte der 1530er Jahre schuf Baldung keine Druckgrafik. Danach entstand eine Reihe von technisch außerordentlich anspruchsvollen und inhaltlich höchst originellen Werken, wie die Serie der „Wildpferde“. Die sakralen Holzschnitte der späten Freiburger Schaffenszeit sind von einer grundlegend neuen Bildsprache gekennzeichnet, die Baldung in den Dienst der emotionalen Betrachteransprache stellte: Expressiv vibrierende Linien, dramatische Lichtinszenierungen, ausdrucksstarke Körper und Bildräume sind charakteristische Merkmale.

 

Hans Baldung und der Manierismus: Straßburg 1518–1545

Hans Baldung Grien kehrte vermutlich 1518 nach Straßburg zurück, wo er bis zu seinem Lebensende 1545 lebte. Durch Immobiliengeschäfte war er zu Wohlstand gelangt und erwarb 1527 ein Haus in der Brandgasse. Somit lebte Baldung in einer Wohngegend, in der viele wohlhabende, gebildete und einflussreiche Straßburger lebten. Ein Doppelporträt Baldungs mit dem Humanisten und Musiker Johannes Rudolfinger wird als Zeugnis seiner Zugehörigkeit zum Straßburger Gelehrtenkreis interpretiert. Offenbar zählte Baldung zur Elite der Stadt, denn kurz vor seinem Tod wurde er zum Ratsherrn gewählt.

In einigen Werken der 1520er Jahre kündigte Hans Baldung eine Hinwendung zum Manierismus an, die in seinem Spätwerk ab 1530 eine ganz individuell geprägte Ausformung erhielt. Manche exzentrischen Bildfindungen der letzten Schaffensphase sind durch Übersteigerungen und Zuspitzungen gekennzeichnet, dazu eine raffinierte Farbigkeit und starre Theatralik. Dabei dienen die eigenwilligen Stilelemente Baldungs stets der Vertiefung der teils sakralen, teils profanen Bildaussage. Die „Erschaffung der Menschen und Tiere“ zeigt den Schöpfergott als Künstler und verdeutlicht ein hohes Maß an künstlerischer Selbstreflexion, das Baldungs Spätwerk kennzeichnet. Dasselbe gilt für eine der bemerkenswertesten späten Bildschöpfungen Baldungs, den „Behexten Stallknecht“, dessen rätselhafte Darstellung die Betrachter bis heute zur gelehrten Diskussion anregen sollte.

Das letzte erhaltene Gemälde Baldungs, die „Sieben Lebensalter der Frau“, erscheint mit seinem Fokus auf das für ihn so wichtige Sujet des weiblichen Aktes wie ein ästhetisches Fazit zum eigenen Schaffen. Auch das wiederkehrende Thema der Vergänglichkeit brachte Baldung mit diesem Bild und dessen Pendant, den „Drei Sterbealtern“, zu einem letzten Höhepunkt.

 

Posthumer Ruhm

Nach der Entdeckung durch die Kunstwissenschaft am Ende des 19. Jahrhunderts dauerte es mehrere Jahrzehnte, bis Baldungs Kunst anlässlich seines 450. Geburtstags in zwei kleineren Werkschauen 1934/35 im Kaiser Friedrich Museum in Berlin und der Albertina in Wien (vor allem mit Werken im Eigenbesitz) präsentiert wurde. Bis heute gibt es nur eine umfassende Ausstellung, die mit 400 Werken von 85 internationalen Leihgebern als Retrospektive angelegt war: die Ausstellung der Staatlichen Kunsthalle Karlsruhe von 1959. Sie war bereits für das Jahr 1945, dem 400. Todesjahr Baldungs, geplant, wurde dann zum ersten Ausstellungshöhepunkt der Kunsthalle nach dem Zweiten Weltkrieg.

1981 Prints and Drawings in Washington und New Haven, Hans Baldung Grien in Freiburg im Augustinermuseum, 2007 Hexenlust und Sündenfall. Die seltsamen Phantasien des Hans Baldung Grien im Städel in Frankfurt und zuletzt 2016 die aus Eigenbeständen schöpfende Ausstellung der Holzschnitte im Augustinermuseum in Freiburg im Breisgau.

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  1. Bereits in Nürnberg beteiligte sich Baldung als Illustrator an verschiedenen Buchprojekten und schuf druckgrafische Einzelblätter zur privaten Andacht. Diese tragen, den Werkstattgepflogenheiten entsprechend, teilweise noch das Dürer-Monogramm.