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Lucas Cranach der Ältere: Biografie Lebenslauf des deutschen Renaissance-Malers in Wittenberg

Lucas Cranach d. Ä., Selbstbildnis, Detail, 1531 (Generaldirektion Kulturelles Erbe Rheinland-Pfalz - Direktion Brúrgen, Schlösser, Altertümer - Schloss Stolzenfels)

Lucas Cranach d. Ä., Selbstbildnis, Detail, 1531 (Generaldirektion Kulturelles Erbe Rheinland-Pfalz - Direktion Brúrgen, Schlösser, Altertümer - Schloss Stolzenfels)

Lucas Cranach der Älteren (1472–1553) war ein deutscher Maler und Druckgrafiker der Renaissance. Neben Albrecht Dürer (1471–1528), Hans Burgkmair (1473–1531), Hans Holbein der Jüngere (1497–1543) und Albrecht Altdorfer (um 1480–1538) ist Lucas Cranach der Ältere einer der bekanntesten Maler des frühen 16. Jahrhunderts. Lucas Cranach der Jüngere (1515–1586) führte nach dem Tod seines Vaters 1553 den Werkstattbetrieb weiter.

Die Anfänge von Lucas Cranach liegen im Dunkeln. Erstmals fassbar ist der bereits knapp Dreißigjährige Maler kurz nach 1500 in Wien. Als Hofmaler von Kurfürsten Friedrich III., genannt der Weise, leitete er ab 1505 eine höchst produktive Werkstatt in Wittenberg. Gemeinsam mit Hans Burgkmair gilt Lucas Cranach d. Ä. als Erfinder des Farbholzschnitts (1508). Zu seinen bedeutendsten druckgrafischen Werken zählen die Porträts von Luther, mit dem Cranach auch persönlich befreundet war. Sie machten das Bildnis des Reformators international bekannt und prägen bis heute die Vorstellung der Person.

Dem Gesamtwerk von 1389 Gemälden1, etwa 466 Drucken und etwas über 100, höchstens 150 Zeichnungen, steht eine Fülle von gemalten Porträts, religiösen und erstmals auch mythologischen Werken, inklusive der sogenannten „Reformationskunst“ aber auch Akten, gegenüber. Lucas Cranach der Ältere galt den Zeitgenossen als „Schnellmaler“. Sein Signet ist die Schlange mit Fledermausflügeln und Rubinring im Maul (1508 Wappenbrief, 1537 verbindliches Signet der Cranach-Werkstatt).

 

Ehefrau

Barbara Brengebier aus Gotha († 1540): ⚭ um 1512/13

 

Kinder

  • Hans Cranach der Jüngere (1513–29. Oktober 1537): Ausgebildet in der Werkstatt des Vaters starb Hans Cranach der Jüngere 1537 auf einer Italienreise in Bologna.
  • Lucas Cranach der Jüngere (1515–1586): Lucas Cranach der Jüngere führte die Werkstatt seines Vaters weiter.
  • Ursula (um 1517/18–Todesjahr unbekannt)
  • Barbara (um 1520–1601): Sie heiratete 1541 den Sohn des reichsten Bürgers von Wittenberg. In ihrem Haus in Weimar starb Lucas Cranach der Ältere.
  • Anna (1527–1577)

 

Biografie von Lucas Cranach dem Älteren (1472–1553)

  • 1472

    Lucas Cranach der Ältere als Sohn eines Malers Hans Moller in Kronach (D, Bistum Bamberg) geboren. Er erhielt eine erste Ausbildung in der väterlichen Werkstatt. Den Quellen zufolge soll Lucas bei seinem Vater in die Zeichenkunst eingewiesen worden sein. Die Lehre muss zwei bis drei Jahre gedauert haben; es folgte die Gesellenzeit, die von der obligatorischen Gesellenwanderschaft abgeschlossen wurde. Über Zeitpunkt, Dauer und Stationen dieser Wanderschaft ist heute wenig bekannt.
  • um 1501

    Der Holzschnitt „Christus am Ölberg“ (Metropolitan Museum of Art, New York) ist die früheste erhaltene Druckgrafik Cranachs. Charakteristisch für die Wiener Phase ist die Verschmelzung von Figur und Natur.
  • um 1501/03

    Lucas Cranach der Ältere arbeitete in Wien im Kreis der Humanisten der Wiener Universität, vor allem Conrad Celtis, aus deren Kreis sich seine wichtigsten Auftraggeber rekrutierten. Seine Anwesenheit ist 1502 erstmals dokumentarisch belegt. Erst in dieser Zeit ist der knapp Dreißigjährige als künstlerisch eigenständige Person greifbar. In Wien begann Lucas Cranach der Ältere mit großformatigen Holzschnitten.
  • 1505

    Berufung zum Hofmaler nach Wittenberg durch den sächsischen Kurfürsten Friedrich III., genannt der Weise (1463–1525). Am 14. April erhielt er die erste Soldzahlung von 40 Gulden. Jährlich standen ihm 100 Gulden Dienstgeld, Kleidung und Verpflegung zu, zudem wurden alle für den Hof geleisteten Arbeiten gesondert bezahlt. In Wittenberg ließ Cranach den expressiven Malstil der Wiener Jahre hinter sich und entwickelte einen höfischen Stil. Er lieferte Gemälde, Holzschnitte und Kupferstiche, fertigte Entwürfe für Gläser, Teppichknüpfer, Lampenmacher, Schlosser, Stempelschneider und Goldschmiede; er war zuständig für die Gestaltung der fürstlichen Schlösser und für das Verzieren von Gegenständen des höfischen Lebens. Zudem schuf Cranach Kunstwerke für Herrscher und (Kirchen-)Fürsten in ganz Europa, darunter Vertreter des kaiserlichen Hauses Habsburg, der König von Dänemark Christian II. (1481–1559), der Mainzer Erzbischof und Kardinal Albrecht von Brandenburg (1490–1545) aus dem Hause Hohenzollern sowie Kirchenfürsten Böhmens und Mährens. Darüber hinaus porträtierte Cranach die bürgerlichen und geistigen Eliten seiner Zeit.
  • 1507

    Lucas Cranach d. A. stellte den frühesten uns bekannten farbigen Einblattdruck her und entwickelte eine Rezeptur zur Herstellung von goldener Druckfarbe: „Hl. Georg (und Maximilian I.?)“ ist der erste von sechs Farbholzschnitten Cranachs.
  • 6. Januar 1508

    Cranach hielt sich Anfang 1508 in Nürnberg auf, wo ihn ein Wappenbrief durch Friedrich III. verliehen wurde: gekrönte Schlange mit Fledermausflügeln und Rubinring im Maul.
  • 1508

    Aufenthalt am Hof der Margarete von Österreich, Statthalterin der Niederlande, in Mechelen.
  • 1509

    Mit der lebensgroßen Tafel „Venus und Cupido“ übertrug Lucas Cranach ein italienisches Bildkonzept und schuf die erste lebensgroße Darstellung der nackten Göttin nördlich der Alpen. Cranach veröffentlichte drei zweifarbige Holzschnitte: „Die Ruhe auf der Flucht nach Ägypten“, „Hl. Christophorus“ und „Venus und Cupido“. Vier weitere Druckgrafiken sind verschollen: „Adam und Eva im Paradies“, „David und Abigail“, „Hl. Hieronymus“, „Hl. Abendmahl“.
  • 1511

    Erwerb zweier benachbarter Häuser am Wittenberger Markt (heute Nr. 3 und 4), nachfolgend Umzug der Werkstatt vom Schloss in die Stadt.
  • 1512

    Martin Luther übernahm Staupitz‘ Professur für Bibelauslegung an der Universität Wittenberg (gegr. 1502). In dieser Zeit könnten der Augustinermönch und der zehn Jahre ältere Maler einander zum ersten Mal begegnet sein.
  • um 1512/13

    Lucas Cranach der Ältere heiratete Barbara Brengebier aus Gotha (†1540) und Geburt des Sohnes Hans (1513–1537)
  • 1514

    Mit den lebensgroßen, ganzfigurigen Bildnissen – wie denen des Herzogs Heinrich und seiner Gemahlin, Katharina von Mecklenburg – etablierte Lucas Cranach der Ältere neue repräsentative Darstellungsformen, die bald in ganz Europa Verbreitung fanden.
  • 4. Oktober 1515

    Geburt des Sohnes Lucas Cranach der Jüngere (1515–1586)
  • 1516

    Lucas Cranach der Älter schuf seinen letzten autografen, datierten Farbholzschnitt, „Die Predigt Johannes des Täufers“.
  • um 1517/18

    Geburt der Tochter Ursula (Todesjahr unbekannt)
  • 1518

    Umzug der Familie und der Werkstatt in den „Cranachhof“, Schloßstraße Nr. 1 in Wittenberg. Luther griff erstmals nachweislich auf Cranachs Kunst für Titelholzschnitte zurück.
  • 1519

    Lucas Cranach d. Ä. schuf mit dem Holzschnitt „Himmel- und Höllenwagen“ eine Darstellung, die bereits die Grundzüge seiner späteren, in ihrer Argumentation an klaren Gegenüberstellungen orientierten Kompositionen im Bereich der Flugblätter und Bildpublizistik in sich trug.
  • 1519–1544/45

    Ratsmitglied in Wittenberg (mit Unterbrechungen, viele Jahre davon sogar als Kämmerer oder Bürgermeister)
  • 1520

    Erhalt des Apothekerprivilegs. Cranach gab mit dem Kupferstich „Luther als Augustinermönch“ dem Reformator ein Gesicht in der Öffentlichkeit. In den folgenden Jahren definierte Cranach maßgeblich den Kanon dessen, was mit dem Begriff „Reformationskunst“ bezeichnet wird.
  • um 1520

    Geburt der Tochter Barbara († 1601)
  • 1523

    Empfang von König Christian II. von Dänemark als Gast in seinem Haus
  • 1523–1525/26

    Betrieb einer Buchdruckerei zusammen mit Christian Doring
  • 1524

    Reise im Gefolge Friedrichs III. zum Reichstag nach Nürnberg, wo Lucas Cranach der Ältere Albrecht Dürer traf.
  • 1525

    Trauzeuge bei der Heirat von Martin Luther und Katharina von Bora. Arbeiten für den neuen Kurfürsten Johann I., genannt der Beständige (1468–1532) Neben seinen Flugschriften und Titelholzschnitten für die Sache Luthers begründete Cranach mit seinen druckgrafischen und gemalten Porträts des Reformators eine Bildnisoffensive, die Luthers Abbild nicht nur im gesamten damaligen Reich bekannt machte, sondern das Bild Luthers bis heute prägt.
  • 1527

    Geburt der Tochter Anna († 1577)
  • 1528

    Laut Steuerabrechnung war Lucas Cranach der Ältere nach dem kursächsischen Kanzler Bruck, dessen Sohn Cranachs Tochter Barbara 1541 heiratete, der reichste Bürger Wittenbergs
  • um 1528

    Lucas Cranachs d. J. begann seine Ausbildung in der väterlichen Werkstatt
  • 1531

    Das einzige überlieferte Selbstbildnis von Lucas Cranach dem Älteren entstand (Schloss Stolzenfels bei Koblenz).
  • 1532

    Arbeiten für den neuen Kurfürsten Johann Friedrich I., genannt der Großmütige (1503–1554).
  • 1537

    Tod des Sohnes Hans in Bologna (29.10.). Die zuvor nur vereinzelt auftretende Form des Schlangensignets mit angewinkelten Vogelschwingen wurde das verbindliche Signet der Cranach-Werkstatt (Qualitäts- und Markenzeichen).
  • 1537/38–1543/44

    Bürgermeister von Wittenberg (mit Unterbrechungen)
  • 1546

    Tod Martin Luthers am 18. Februar in Eisleben
  • 1547

    Niederlage der im Schmalkaldischen Bund vereinten Protestanten gegen Karl V. in der Schlacht bei Mühlberg [Sachsen]; Johann Friedrich I. wurde gefangen genommen.
  • 1547–1550

    Cranachs Anstellung als Hofkünstler ruhte während der Gefangenschaft Johann Friedrichs I.
  • 1550–1552

    Aufenthalt in Augsburg und Innsbruck als Hofmaler des gefangenen Dienstherrn; Begegnung mit Tizian; Cranach d. J. führte die Werkstatt in Wittenberg
  • 1552

    Rückkehr nach Weimar, der neuen Residenz Johann Friedrichs I.
  • 16. Oktober 1553

    Lucas Cranach d. A. starb im Haus seiner Tochter Barbara in Weimar. Die Inschrift seines Grabsteins lobt ihn als „pictor celerrimus“, den schnellsten Maler. Lucas Cranach der Jüngere (1515–1586) führte den Werkstattbetrieb weiter.
  1. Siehe: https://cranach.ub.uni-heidelberg.de/wiki/index.php/CranachNet:Portal (letzter Abruf 11.10.2019).
Alexandra Matzner
Gründerin von ARTinWORDS * 1974 in Linz, Studium der Kunstgeschichte, Geschichte und Romanistik in Wien und Rom. Seit 1999 Kunstvermittlerin in Wien, seit 2004 Autorin für verschiedene Kunstzeitschriften. Jüngste Publiktionen entstanden für das Kunsthaus Zürich, Schirn Kunsthalle Frankfurt, Albertina und Belvedere in Wien.