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Madrid | Prado: Annibale Carracci. Die Fresken der Herrera-Kapelle Episoden aus dem Leben des hl. Diego de Alcalá | 2022

Veröffentlicht von Alexandra Matzner von 8. März 2022
Annibale Carracci und Werkstatt, Hl. Diego de Alcalá erhält Almosen, Detail, 1604–1607, Wandmalerei auf Leinwand übertragen, 126 x 223,5 cm (Museum Nactional del Prado, Madrid)

Annibale Carracci und Werkstatt, Hl. Diego de Alcalá erhält Almosen, Detail, 1604–1607, Wandmalerei auf Leinwand übertragen, 126 x 223,5 cm (Museum Nactional del Prado, Madrid)

Außergewöhnliche bedeutende und wenig bekannte Wandmalereien von Annibale Carracci: die Fresken aus der Familienkapelle von Juan Enriquez de Herrera in der Kirche Santiago de los Españoles [San Giacomo degli Spagnuoli] an der Piazza Navona in Rom. Die 16 Fresken gehören zu den spätesten Werken des berühmten Barockmalers in Rom. Im 19. Jahrhundert von der Wand genommen und auf Leinwände aufgebracht, sind die Werke zwischen dem Prado und dem Museu Nacional d'Art de Catalunya aufgeteilt. Für die Ausstellung im Frühjahr 2022 vereinen die Museen ihre barocken Schätze und erweitern sie durch Dokumente, Druckgrafiken und Zeichnungen.

Annibale Carracci. Die Fresken der Herrera-Kapelle

Spanien | Madrid: Museo Nacional del Prado
8.3. – 12.6.2022

Wer war Annibale Carracci?

Der aus Bologna stammende Annibale Carracci (1560–1609) war ein Maler und Kupferstecher des römischen Frühbarock (→ Barock). Er vertrat – im Gegensatz zu Caravaggio – die Strömung des römisch-bolognesischen „Klassizismus“. Um 1600 zählte Annibale Carracci zu den berühmtesten Malern der Ewigen Stadt. Kurz zuvor hatte er die Galleria Farnese mit Deckenfresken ausgestattet – und damit seinen internationalen Ruhm begründet. Im Jahr 1600 entstand die „Aufnahme Mariens in den Himmel“ (um 1600/01) für Santa Maria del Popolo, gefolgt von sechs Lünetten mit biblischen Szenen in Landschaften in der Galleria Doria-Pamphilj, Rom (um 1603), „Domine quo vadis?“ (1602, The National Gallery, London) und einer „Pietà“ (1602/03–1607, Louvre).

 

Ausstattung der Herrera-Kapelle

Im Jahr 1604 begann Annibale Carracci, die von Juan Enríquez de Herrera (1539–1610) in Auftrag gegebenen Fresken in dessen Familienkapelle auszuführen. 1602 hatte der spanische Bankier eine Kapelle in der Kirche Santiago de los Españoles in Rom bauen lassen. Der Bau entstand als Ex-Voto für die Heilung eines der Söhne von Juan Enriquez de Herrera mit Namen Diego, der nach dem dem Franziskanerheiligen Diego de Alcalá, auch Didacus (1400–1463), benannt worden war. Auf Betreiben König Philipps II. war Didacus am 10. Juli 1588 heiliggesprochen worden, da sein Grab vor allem für Krankenheilungen besucht wurde.

Annibal Carracci begann 1604 mit der Anfertigung der Kartons für die Übertragung der Kompositionen an die Wand. Im März 1605, während der Arbeit an den 16 Fresken mit Darstellungen aus dem Leben des Heiligen, erkrankte Carracci. Der berühmte Maler behielt einen gelähmten Arm zurück, weshalb die Arbeit von seinen Assistenten, darunter Giovanni Lanfranco, Sisto Badalocchio, Francesco Albani und Domenichino, fertiggestellt werden musste. Carracci dirigierte „in situ“ die Arbeiten. Kurz nach Vollendung auch des Altarbildes mit der Darstellung des Heiligen, der den genesenen Sohn Herreras Christus präsentiert starb Carracci in Rom (15. Juli 1609).

Mitte des 19. Jahrhunderts wurde die Kirche verkauft, danach die Fresken von den Wänden abgenommen und auf Leinwand übertragen. Heute sind die Werke zwischen dem Museo Nacional de Arte de Cataluña in Barcelona (9) und dem Prado-Museo in Madrid (7) aufgeteilt.

 

Annibale Carracci und Werkstatt, Hl. Diego de Alcalá erhält Almosen, 1604–1607, Wandmalerei auf Leinwand übertragen, 126 x 223,5 cm (Museum Nactional del Prado, Madrid)
Annibale Carracci und Werkstatt, Hl. Diego de Alcalá erhält Almosen, 1604–1607, Wandmalerei auf Leinwand übertragen, 126 x 223,5 cm (Museum Nactional del Prado, Madrid)

 

Annibale Carraccis Herrera-Kapelle im Prado

Die von Andrés Úbeda kuratierte Ausstellung zeigt die erhaltenen Wandmalereien nach ihrer kürzlichen Restaurierung in Verbindung mit einer Auswahl von Arbeiten auf Papier, die Annibale Carracci oder seiner Schule zugeschrieben werden und mit diesem Projekt in Verbindung stehen. Ergänzt werden die Wandgemälde durch das Altarbild der Kirche Santa Maria in Monserrato in Rom, gemalt von Carracci und seinen Mitarbeitern, das zum Sammlungsbestand des Museu Nacional d'Art de Catalunya gehört. Darüber hinaus verfügt jeder der drei Ausstellungsorte – Madrid, Barcelona und Rom – über eine spezifische Auswahl an Zeichnungen, Drucken und Büchern, die aus konservatorischen Gründen nicht den gesamten Zeitraum ausgestellt werden können. Die drei Ausstellungen sind daher jeweils an ihre Spielstätten angepasst und umfassen unterschiedliche Exponate.

Die Ausstellung entstand in Kooperation des Museo Nacional del Prado mit dem Museu Nacional d'Art de Catalunya (Juli–Oktober 2022) und den Gallerie Nazionali di Arte Antica Palazzo Barberini in Rom (ab November 2022).
Kuratiert von Andrés Úbeda.

 

Annibale Carracci und Werkstatt, Hl. Diego de Alcalà präsentiert den Sohn von Juan de Herrera Jesus, um 1606, Öl/Holz, 258×163 cm (Chiesa si Santa Maria in Monserrato degli Spagnoli, Rom)
Annibale Carracci und Werkstatt, Hl. Diego de Alcalà präsentiert den Sohn von Juan de Herrera Jesus, um 1606, Öl/Holz, 258×163 cm (Chiesa si Santa Maria in Monserrato degli Spagnoli, Rom)

 

Annibale Carracci, Herrera Kapelle: Bilder

  • Annibale Carracci und Werkstatt, Hl. Diego de Alcalà präsentiert den Sohn von Juan de Herrera Jesus, um 1606, Öl/Holz, 258×163 cm (Chiesa si Santa Maria in Monserrato degli Spagnoli, Rom)
  • Annibale Carracci und Werkstatt, Hl. Diego de Alcalá erhält Almosen, 1604–1607, Wandmalerei auf Leinwand übertragen, 126 x 223,5 cm (Museum Nactional del Prado, Madrid)

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Alexandra Matzner
Gründerin von ARTinWORDS * 1974 in Linz, Studium der Kunstgeschichte, Geschichte und Romanistik in Wien und Rom. Seit 1999 Kunstvermittlerin in Wien, seit 2004 Autorin für verschiedene Kunstzeitschriften. Jüngste Publiktionen entstanden für das Kunsthaus Zürich, Schirn Kunsthalle Frankfurt, Albertina und Belvedere in Wien.
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