Olga Wisinger-Florian

Wer war Olga Wisinger-Florian?

Olga Wisinger-Florian (1844–1926) gehört zu den wichtigsten Landschafts- und Blumenmalerinnen des österreichischen Realismus zwischen 1885 und 1910. Die ausgebildete Pianistin nahm ab 1875 Malstunden, ihre Ausbildung zur Plein-air-Malerin vervollständigte sie im Atelier von Emil Jakob Schindler. Schon in den frühen 1880er Jahren konnte Olga Wisinger-Florian mit ihren stimmungsvollen Landschaften und Blumenstillleben erste Erfolge erzielen, die während der 1890er Jahre zu zahlreichen Ehrungen führten. Als Gründungsmitglied von „Acht Künstlerinnen“ (1900) und der Vereinigung Bildender Künstlerinnen Österreichs (VBKÖ) förderte sie Künstlerinnen und die Akzeptanz von weiblichem Kunstschaffen.

 

Kindheit und Ausbildung

Olga Wisinger-Florian wurde am 1. November 1844 als Tochter des niederen Beamten und späteren k. k. Regierungsrates der Kabinettskanzlei Franz Florian und dessen Ehefrau Minna geboren. Olga wuchs gutbürgerlich, konservativ auf, die Eltern förderten die künstlerischen Ambitionen ihrer Tochter uneingeschränkt. Erste Ausbildung zur Konzertpianistin am Wiener Konservatorium bei Prof. Julius Epstein. Olga Florian feierte früh Erfolge in Österreich und Deutschland.

Im Jahr 1874 musste Olga Florian ihrer Karriere als Pianistin frühzeitig beenden, da sie an einem Handleiden erkrankte. Sie heiratete daraufhin Fanz Wisinger, den wohlhabenden Besitzer der Apotheke am Schwarzenbergplatz. Im folgenden Jahr kam ihr Sohn Oscar zur Welt. Ersten Malstunden bei Melchior Fritsch folgte parallel dazu eine weitere Ausbildung bei August Scheffer von Wienwald.

Den Weg von der dilettierenden Malerin zur ernstzunehmenden Künstlerin schaffte Olga Wisinger-Florian in den frühen 1880er Jahren als sie bereits 36 Jahre alt war. Im Jahr 1880 wurde Wisinger-Florian eine Schülerin von Emil Jakob Schindler. Schindler war sowohl als künstlerisches Vorbild wie auch als Vermittler zur Wiener Künstlerschaft eminent bedeutend. Olga Wisinger-Florians erste Beteiligung an der Jahresausstellung des Künstlerhauses erfolgte bereits 1881; 1883 begann sie selbst Malerei zu unterrichten. Teilweise arbeiteten bis zu zehn Schülerinnen in ihrem Atelier.

 

Künstlerischer Durchbruch

Bereits im Jahr 1884 konnte Olga Wisinger-Florian einen ersten Erfolg in der Jahresausstellung des Künstlerhauses. Die Malerin beschickte regelmäßig internationale Ausstellungen in München, Berlin, Prag, London und Paris. Dabei lagen Interesse und Geschick Wisinger-Florians in den Gattungen Landschaft und Blumenstillleben. Ab Ende der 1880er Jahre erhielt sie ehrenvolle Erwähnungen, Auszeichnungen und Medaillen. Durch den Erfolg war Olga Wisinger-Florian – wie zuvor schon Tina Blau – Rollenvorbild vieler weiblicher Kunstschaffenden. Ab 1887 unterrichtete sie u. a. Ezherzogin Clothilde und deren Töchter, die Prinzessinnen Marie und Margerit.

 

Mitgliedschaften

Dem Verein der Schriftstellerinnen und Künstlerinnen trat Olga Wisinger-Florian im Gründungsjahr 1885 bei. Zu ihren Bekannten und Freundinnen zählten die führenden intellektuellen und emanzipierten Frauen Wiens, darunter Marie Ebner-Eschenbach, Ada Christensen, Frederike Gossmann (Gräfin Prokesch-Osten), Mina Hoegel und Mina Kautzky u.v.m. Ab 1900 stand sie dem Verein als Präsidentin vor und organisierte erstmals Ausstellungen mit „Frauenkunst“.

Im März 1900 gründete Olga Wisinger-Florian mit Marie Egner, Marianne Eschenburg und anderen die Künstlerinnengruppe „Acht Künstlerinnen“. Sie stellten erstmals im Januar 1901 im Gemälde-Salon G. Pisko am Parkring Nr. 2, 1010 Wien, aus. Als 1910 die Vereinigung bildender Künstlerinnen Österreichs (VBKÖ) gegründet wurde und in der Wiener Secession einen ersten historischen Überblick über das Kunstschaffen von Frauen in der Kunstgeschichte ausrichtete, war Olga Wisinger-Florian an vorderster Front dabei. Im gleichen Jahr musste sich die Malerin einer Brustkrebsoperation unterziehen.

 

Rückzug

Die gesundheitlichen Probleme hatten schon in den 1890er Jahren begonnen. Ab 1910 litt sie zunehmend unter Augenschmerzen, die die Künstlerin bis 1915 nahezu fast vollständig erblinden ließen. Olga Wisinger-Florian übersiedelte 1915 nach Grafenegg.
Am 27. Februar 1926 verstarb die Malerin Olga Wisinger-Florian im Alter von 82 Jahren.

Beiträge zu Olga Wisinger-Florian

23. Mai 2019
Olga Wisinger-Florian, Sommerabend, Detail, 1896 (© Leopold Privatsammlung Foto Leopold Museum, Wien Manfred Thumberger)

Leopold Museum: Olga Wisinger-Florian Österreichische Landschaftsmalerin um 1900

Olga Wisinger-Florian (1844–1926) gehört zu den wichtigsten Landschafts- und Blumenmalerinnen der österreichischen Kunst zwischen 1885 und 1910. Das Leopold Museum zeigt ihr Werk im Überblick.
26. März 2019
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Künstlerinnen in Wien von 1900 bis 1938. Stadt der Frauen Belvedere zeigt weibliches Kunstschaffen von der Wiener Moderne bis Neuer Sachlichkeit

Im Kanon der Kunstgeschichte werden sie bis heute kaum genannt. Jene Künstlerinnen, die zur Zeit der Wiener Moderne und der Ersten Republik in Österreich mit ihren Werken einen wesentlichen Beitrag zum Kunstgeschehen geleistet haben, wie z.B. Elena Luksch-Makowsky, Broncia Koller-Pinell, Helene Funke oder Erika Giovanna Klien.
30. Januar 2019
Olga Wisinger-Florian, Pergola bei Mentone, um 1900, Öl auf Karton, 51,5 x 72,8 cm © Neue Galerie Graz, Universalmuseum Joanneum Foto: © UMJ, N. Lackner.

Olga Wisinger-Florian: Biografie Österreichische Landschaftsmalerin um 1900

Olga Wisinger-Florian (1844–1926) gehört zu den wichtigsten Landschafts- und Blumenmalerinnen der österreichischen Kunst zwischen 1885 und 1910.
16. April 2018
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Sag's durch die Blume ist nicht umsonst geflügeltes Wort. Über die Epochen hinweg hatten Blumenbilder eine starke Symbolkraft. In Wien erreichte das Blumenbild im 19. Jahrhundert eine unvergleichliche Vielfalt, Qualität und Bedeutung. Blumen nehmen im Oeuvre von Künstlern wie Ferdinand Georg Waldmüller oder Gustav Klimt eine bedeutende Stellung ein.
27. Oktober 2014
Claude Monet, Waterloo Bridge, Sonne im Nebel, 1903, Öl auf Leinwand, 73,7 x 100,3 cm, Erworben 1914 © National Gallery of Canada, Ottawa.

Impressionismus in Österreich Einfluss des Pariser Impressionisten auf die österreichische Malerei

Für Claude Monet war die Entstehung eines Gemäldes gleichbedeutend mit der Unmöglichkeit, die Schönheit der Stimmung einzufangen, in der sich seine Bildsujets befanden. Es ging ihm weniger darum, einen Hühnerhof, Blumen im Garten, die Kathedrale von Rouen, das Londoner Parlament oder einfach tosende Wellen an der Atlantikküste festzuhalten, als das Licht und die Atmosphäre treffend wiederzugeben. Formen und Volumina der Objekte konnte er daher vernachlässigen, Farben und Farbharmonien erlangten ungleich größere Bedeutung.