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Saarbrücken | Saarlandmuseum: Charlotte Berend-Corinth Wiederentdeckung der Berliner Secessionistin

Charlotte Berend-Corinth, Henny (Henriette Seckbach), Detail, 1905, Leinwand, 97 cm x 59 cm (Städtische Galerie im Lenbachhaus und Kunstbau München, © Rechtsnachfolge der Künstlerin)

Charlotte Berend-Corinth, Henny (Henriette Seckbach), Detail, 1905, Leinwand, 97 cm x 59 cm (Städtische Galerie im Lenbachhaus und Kunstbau München, © Rechtsnachfolge der Künstlerin)

Charlotte Berend-Corinth (1880–1967) kam als Ehefrau, Mutter und Modell eine tragende Rolle in Lovis Corinths Leben und Schaffen (1858–1925) zu. So zeigt er sie beispielsweise in dem Gemälde „Matinee“ (1905) des Saarlandmuseums. Dass Charlotte Berend-Corinth nach ihrer Heirat selbst als Malerin brillierte und neben Käthe Kollwitz als eine der wenigen Künstlerinnen in die Berliner Secession aufgenommen wurde, ist nur wenigen bekannt.

1901 gehörte Charlotte Berend-Corinth zu den ersten Schülerinnen ihres wenig später angetrauten Mannes in Berlin. Die aus (einst) wohlhabendem jüdischen Elternhaus stammende junge Frau faszinierte den um mehr als zwei Jahrzehnte älteren Maler – und verbrachte im Sommer 1902 einen ersten Urlaub mit ihm. In mehr als 60 Porträts hielt er seine Charlotte fest. Als Organisatorin und Mutter zweier Kinder war sie unerlässliche Stütze des an Despressionen leidenden Mannes. Dass sie auch malte und Druckgrafiken schuf, dass sie in der Berliner Sezession ausstellte und jahrelang in der Ausstellungsjury saß, machte Charlotte Berend-Corinth bis zu ihrer erzwungenen Emigration in die USA zu einer zentralen Figur in der Berliner Kunstszene.

Dem Vernehmen nach zeigt das Saarlandmuseum die Ölskizze „Die schwere Stunde“ (1908) aus dem LENTOS, Linz. Corinth hatte ihr vorgeschlagen, sich mit einem Blumenstillleben für die Secessionsausstellung zu bewerben. Charlotte Bernd-Corinth zeigte sich als würdige Schülerin ihres Mannes und überraschte alle mit der Darstellung einer Frau, die in den Geburtswehen liegt. Das äußerst kraftvoll gemalte Werk ist leider verschollen und kann heute nur noch in der Ölskizze und in fotografischen Abbildungen nachvollzogen werden. Es offenbart die Malerin als Impressionistin mit offenem Pinselstrich, thematisch ihrem Mann nahestehend (man vergleiche die Dramatik und Drastik, mit der er religiöse Szenen malt) und stilistisch mit Dora Hitz verwandt.

Vor allem ihre freizügigen Druckgrafikserien zu den Tänzerinnen Anita Berber und Valeska Gert um 1920 ließen kurzzeitig Charlotte Berend-Corinths Stern heller strahlen als jenen ihres Mannes. Lovis Corinth unterstützte seine Frau bei ihren Unternehmungen kaum. So hat er ihr sogar verboten, Landschaften am Walchensee zu malen, da die Gegend gleichsam ihm „gehörte“. Nach seinem Tod 1925 war sie mit der Ordnung seines Werks beschäftigt und verfasste das bis heute gültige Werkverzeichnis. Als Künstlerin trat Charlotte Bernd-Corinth erst Ende der 1920er/Anfang 1930er Jahre hervor.

Das Saarlandmuseum freut sich, in parallel zur Ausstellung „Lovis Corinth. Das Leben – ein Fest“ (→ Saarbrücken | Saarlandmuseum: Lovis Corinth) auch das Werk von Charlotte Berend-Corinth umfänglich zu präsentieren und damit einer Künstlerin die Ehre zu erweisen, die allzu lange von der Kunstgeschichte ausgeblendet wurde.
Kuratiert von Kathrin Elvers-Švamberk.

Charlotte Berend-Corinth im Saarlandmuseum: Bilder

  • Charlotte Berend-Corinth, Henny (Henriette Seckbach), 1905, Leinwand, 97 cm x 59 cm (Städtische Galerie im Lenbachhaus und Kunstbau München, © Rechtsnachfolge der Künstlerin)

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