Lovis Corinth

Wer war Lovis Corinth?

Lovis Corinth (1858–1925) zählt zu den bedeutendsten Malern Deutschlands im späten 19. und frühen 20. Jahrhundert. In seinem malerischen Werk verarbeitete der aus Ostpreußen stammende Künstler anfangs den Realismus, dann wandte er sich in religiösen Kompositionen dem Symbolismus und in Landschaftsbildern wie Porträts dem Impressionismus zu.

Als Maler wie als Präsident der Berliner Secession prägte Corinth das Kunstgeschehen in der Hauptstadt. 1911 erlitt Lovis Corinth einem Schlaganfall, von dem er sich erstaunlich schnell wieder erholte. Nach dem Zweiten Weltkrieg zog er sich zunehmend von öffentlichen Funktionen und dem Berliner Leben zurück. Seine Ehefrau, die Künstlerin Charlotte Berend-Corinth, hatte in am Walchensee (Bayern) ein Haus errichten lassen. Hier entstanden die vom Expressionismus geprägten späten Landschaftsbilder des berühmten Wahl-Berliners. Gemeinsam mit Max Liebermann und Max Slevogt gilt Lovis Corinth heute als einer der drei wichtigsten Maler des deutschen Impressionismus.

Dies „Selbstporträt mit schwarzem Hut und Stock“ entstand im April 1911, nur wenige Monate nachdem Corinth zum Präsidenten der Berliner Secession ernannt worden war. Die enorme künstlerische Produktion von rund 1.200 Gemälden, Hunderten von Aquarellen und Tausenden von Zeichnungen wurde jäh gebremst, als der 53-Jährige am 19. Dezember 1911 einen schweren Schlaganfall erlitt. Seine Ehefrau Charlotte erinnerte sich:

„Als er endlich aufstehen konnte, sah ich einen Lovis Corinth, wie ich ihn bisher nicht gekannt hatte, vor mir. Hohlwangig, mit weit aufgerissenen Augen, brütete er in seinem Sessel vor sich hin. Als er mit Einwilligung der Ärzte zum ersten Mal wieder das Atelier betrat, war bereits Februar des Jahres 1912 angebrochen.“

Als Lovis Corinth im Jahr 1912 wieder zu malen begann, wandelte es sich von einem Impressionisten zu einem Expressionisten. Kurz nach seinem schweren Schlaganfall schuf er 24 Ölgemälde. Im Sommer reiste er zur Erholung an die italienische Riviera. Lovis Corinth hielt sich von Februar bis April 1912 in Bordighera auf, wo auch schon Claude Monet gemalt hatte. Mühsam musste sich der Maler wieder die Beweglichkeit seiner Hand erarbeiten. Daher musste Corinth seine Maltechnik umstellen: So wurde sein Pinselduktus breiter und gestrichener. Zusätzlich arbeitete er das Stillleben mit vielen Brauntönen und verlieh ihm damit einen fast herben Charakter.

Etwa ein Dreivierteljahr nach dem einschneidenden Ereignis entstand das „Selbstporträt mit Panamahut“ (1912, Kunstmuseum Luzern). Im Vergleich zu früheren Selbstdarstellungen ist der Bildausschnitt eng gewählt und überschneidet Corinths Schulter und Arm. Der Fokus liegt auf dem Gesicht, das mit pastoser Farbe beinahe im Relief modelliert ist, während die ungewöhnlich leuchtend blaue Jacke, der Hut und auch der Hin­tergrund flächig gestaltet sind. Corinth schaut den Betrachter nicht nur ernst an, tiefe Erschütterung und große Verunsicherung sind ihm ins Gesicht geschrieben.

Das späte Werk des Impressionisten ist von heftigen, großzügig gesetzten Pinselstrichen geprägt, die sich hier ankündigen. Damit öffnete sich der Maler den jüngeren Expressionisten, wie den Mitgliedern der „Brücke“. Seit 1910 drängten sie in die „Berliner Secession“, deren Vorsitzender Corinth zwischen 1911 und 1912 war.

„[D]ie Lust, ganz nach eigenem Gutdünken, ohne jede andere Beeinflussung das Arrangement und die Auffassung treffen zu können, macht das Selbstporträt zum bevorzugtesten Studienmittel aller Maler“1 (Lovis Corinth)

 

Schüler von Lovis Corinth

  • Josef Ruederer
  • Charlotte Berend: 1901 (ab 26.3.1904 seine Ehefrau)
  • Otto Freundlich: 1907/08 (auch bei Lothar von Kunowski)
  • August Macke: Oktober 1907 bis Januar 1908

Beiträge zu Lovis Corinth

17. Juli 2018
Lovis Corinth, Selbstbildnis mit Skelett, Detail, 1896 (Städtische Galerie im Lenbachhaus und Kunstbau, München)

Lovis Corinth: Biografie Lebenslauf und wichtigste Werke des deutschen Impressionisten

Lovis Corinth (1858–1925) erhielt seine Ausbildung in Königsberg, München und Paris. Der Realist war an der Gründung der Münchner Sezession beteiligt. 1901 übersiedelte er nach Berlin, wo er Mitglied und Präsident der Berliner Secession wurde. Ehe, Kinder und wichtigste Werke.
12. Juni 2018
Max Slevogt, Dame am Meer, Detail, 1900, Öl/Lw (Kurpfälzisches Museum der Stadt Heidelberg © Kurpfälzisches Museum der Stadt Heidelberg)

Slevogt, Liebermann und Cassirer in Noordwijk „Ein Tag am Meer“ im Landesmuseum Mainz

Max Slevogt (1868–1932) reiste nur ein einziges Mal an die Nordseeküste Hollands: Im Juni/Juli 1908 verbrachte er auf Einladung des Verlegers und Kunsthändlers Paul Cassirer und dessen Frau Tilla Durieux einen Malurlaub in Noordwijk. Die Cassirer besaßen ein Strandhaus mitten in den Dünen. Dort entstand die bislang unbekannte „Skizze mit Flagge“ (1908) in Privatbesitz.
  1. Lovis Corinth, Das Erlernen der Malerei, Hildesheim 1979, S. 136.