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Würzburg | Museum im Kulturspeicher: Italiensehnsucht 1905–1933 Auf den Spuren deutschsprachiger Künstlerinnen und Künstler nach Italien

Josef Eberz, Felsenküste bei Amalfi, Detail, um 1923, Öl auf Leinwand, 49 x 65 cm (Kunstsammlungen der Stadt Limburg an der Lahn © foto-studio karl, Limburg)

Josef Eberz, Felsenküste bei Amalfi, Detail, um 1923, Öl auf Leinwand, 49 x 65 cm (Kunstsammlungen der Stadt Limburg an der Lahn © foto-studio karl, Limburg)

Mit Italien verbinden sich seit Goethes berühmter Reise südliche Sehnsuchtsbilder, die viele Künstlergenerationen magisch anzogen. Auch zu Beginn des 20. Jahrhunderts blieb Italien ein häufig frequentiertes Reiseziel für junge Künstlerinnen und Künstler: August Macke, Walter Ophey, Erich Heckel, Max Pechstein, Anita Rée, Emy Roeder und viele andere machten sich hier auf die Suche nach Inspirationen abseits der ausgetretenen Pfade. Die Ausstellung vereint Werke u. a. von Ernst Barlach, Adolf Erbslöh, Erich Heckel, Alexander Kanoldt, Carlo Mense, Gabriele Münter, Walter Ophey, Max Pechstein, Hans Purrmann, Anita Rée, Maria Caspar-Filser, Emy Roeder und Karl Schmidt-Rottluff.

Auch wenn Anfang des 20. Jahrhunderts vielen Künstlerinnen und Künstlern Paris als wichtigstes Reiseziel galt, war das alte Sehnsuchtsland Italien keineswegs vergessen. Die Ausstellung spürt erstmals den Spuren von Kunstschaffenden der expressionistischen und neusachlichen Generationen in Italien nach. Sei es in den Kulturstädten von Antike, Renaissance und Barock wie Florenz und Rom, wo Stipendien der „Villa Romana“ oder „Villa Massimo“ lockten, oder an den malerischen Orten der Amalfiküste und am Golf von Sorrent, auf Sizilien, Capri oder Ischia: Vielfältig waren die kulturellen Anregungen, überwältigend das südliche Lebensgefühl.

So schrieb der Bildhauer Gerhard Marcks 1925 an einen Freund:

„Und wenn Ihr Euch mal von Grund aus aufmöbeln wollt, so rate ich Euch: Fahr nach Italien – da lebt sichs halb so schwer, man ist sozusagen immer leicht besoffen, von Luft, Sonne, Wein, Apfelsinen etc.“

Sie wollten antike Schätze, geschichtsgesättigte Städte und eine sonnendurchflutete Mittelmeerlandschaft entdecken. Expressionistische Dramatik und neoklassizistische Kühle – beide Temperaturlagen finden sich in der Auseinandersetzung der deutschsprachigen Avantgarde zwischen 1905 und 1933 mit dem Land, seiner Kultur, seinen Menschen und seinen Legenden, erstmals vorgestellt in einem Band mit über 100 Gemälden, Papierarbeiten, Skulpturen und Fotografien.

Die Ausstellung entsteht in Kooperation mit dem Museum August Macke Haus, Bonn, wo die Ausstellung vom 18. Juni bis 19. September 2021 zu sehen ist.
Quelle: Museum im Kulturspeicher, Würzburg

Italiensehnsucht in Würzburg: Bilder

  • Gabriele Münter, Bagni Louisa, Rapallo, 1906, Öl/Lw/Pappe, 18,5 x 27 cm (THE EKARD COLLECTION © Foto: Tom Haartsen, Ouderkerk a/d Amstel)
  • Ernst Barlach, Ruhender Däubler, 1910/11, Bronze (Guss nach 1980), 35,2 x 53,5 x 24,5 cm (Ernst Barlach Museen, Güstrow)
  • Alexander Gerbig, Italienische Taverne (Künstlerkneipe „Lapi“ in Florenz), 1913, Öl/Lw, 63 x 73 cm (Galerie Brusberg, Berlin)
  • Josef Eberz, Felsenküste bei Amalfi, um 1923, Öl/Lw, 49 x 65 cm (Kunstsammlungen der Stadt Limburg an der Lahn)
  • Hans Purrmann, Forum Romanum, 1923, Öl/Lw, 29,5 x 46 cm (Privatbesitz)
  • Adolf Erbslöh, Marine in Positano/Aus Positano, 1923, Öl/Lw, 48 x 37 cm (Privatbesitz © Privat)
  • Carlo Mense, Blinder von Positano, um 1924, Tempera auf Karton, 60 x 45 cm (Privatsammlung Köln)

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