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Berlin | Schloss Charlottenburg: Antoine Watteau Kunst – Markt – Gewerbe rund um das „Ladenschild des Kunsthändlers Gersaint“

Antoine Watteau, Das Ladenschild des Kunsthändlers Gersaint [L’Enseigne], Detail, um 1721/1732 (unbekannter Maler) (© SPSG / Jörg P. Anders)

Antoine Watteau, Das Ladenschild des Kunsthändlers Gersaint [L’Enseigne], Detail, um 1721/1732 (unbekannter Maler) (© SPSG / Jörg P. Anders)

2021 jährt sich der Todestag des französischen Malers Antoine Watteau (1684–1721) zum 300. Mal. Der Ruhm des schon zu Lebzeiten gefeierten Künstlers wirkt bis heute, seine Werke sind begehrte Sammelobjekte. Nach dem Louvre in Paris besitzt die Stiftung Preußische Schlösser und Gärten Berlin-Brandenburg die bedeutendste Gemäldesammlung dieses Künstlers.

Unter dem Motto „Kunst – Markt – Gewerbe“ ehrt eine Sonderausstellung im Schloss Charlottenburg diesen herausragenden Maler des 18. Jahrhunderts. Im Mittelpunkt der Schau steht eines der Hauptwerke Watteaus: das „Ladenschild des Kunsthändlers Gersaint“. 1746 von Friedrich dem Großen (1712–1786) erworben, gilt das Gemälde seit seiner Entstehung als ein Meisterwerk des Rokoko. Ursprünglich als Medium der Geschäftswerbung und als „Aushängeschild“ des Pariser Kunsthandels entstanden, regt das Bild bis heute aktuelle Fragen an, die die Vermarktung, den Handel, aber auch das Sammeln und die intellektuelle Auseinandersetzung mit Kunst betreffen.

Edme-François Gersaint & Jean de Jullienne: Promotoren von Watteaus Kunst

Vorgestellt werden zwei Protagonisten des Pariser Kunstlebens: Edme-François Gersaint (1694–1750) und Jean de Jullienne (1686–1766). Der junge aufstrebende Kunsthändler Gersaint nutzte sein Geschäft auf der Pariser Pont Notre Dame, um nach dem Tode Watteaus die Werke des Künstlers durch neue Werbemedien und -formate europaweit zu vermarkten. Zusammen mit Jullienne, einem Sammler und Förderer Watteaus, realisierten sie die Idee, alle Zeichnungen und Gemälde des Malers druckgrafisch zu reproduzieren. Mit dieser Edition, dem „Recueil Jullienne“, entstand der Prototyp einer modernen illustrierten Werksammlung, die in ihrer Nachwirkung eine regelrechte Modewelle auslösen sollte: In ganz Europa erwarben Sammler, Manufakturbesitzer und Gewerbetreibende die nach den Werken Watteaus entstandenen Druckgrafiken. Die Bildwelt Watteaus inspirierte auch die Hofmalerei und das Kunsthandwerk in Preußen. Motive á la Watteau finden sich nicht nur in der Malerei, sondern auch auf Wandschirmen, Tapeten, Fächern, Porzellanen und Bildteppichen der friderizianischen Zeit wieder.

Watteau Modern

Als Inspirationsquelle wirkt Watteau bis in die Moderne. Zeitgenössische Künstler wie der Schweizer Maler Thomas Huber (*1955) und die britische Modedesignerin Vivienne Westwood (*1941) sind mit jeweils einem Werk in der Ausstellung vertreten. Ihre künstlerischen Positionen zeigen, dass Watteau bis heute als innovativer Künstler wahrgenommen wird und sein Werk zur schöpferisch-kreativen Auseinandersetzung anregt. Die unter der Schirmherrschaft der französischen Botschafterin Anne-Marie Descôtes stehende Ausstellung zeichnet ein facettenreiches Bild zu Watteau als Künstler und Stilikone, dessen Nachruhm mit dem Laden des Kunsthändlers Gersaint auf der Pariser Pont Notre Dame begründet wurde.

Antoine Watteau in Schloss Charlottenburg: Bilder

  • Antoine Watteau, Das Ladenschild des Kunsthändlers Gersaint [L’Enseigne], um 1721/1732 (unbekannter Maler) © SPSG / Jörg P. Anders
  • Antoine Watteau, Die Einschiffung nach Cythera [L’Embarquement pour Cythère], 1718/1719 (© Berlin, SPSG / Jörg P. Anders)
  • Königliche Porzellan-Manufaktur Berlin, Mehrteiliges Déjeuner mit eisenroter Watteaumalerei, um 1770 (© SPSG, KPM-Porzellansammlung des Landes Berlin / Franca Wohlt)
  • Manufaktur Alexandre (Paris) nach Antoine Watteau, Faltfächer mit dem Motiv Die Einschiffung nach Cythera, um 1860–1870 (© Deutsches Fächermuseum / Barisch Stiftung)
  • Ein Paar Damenschuhe mit Stickerei und Seidenbändern, um 1720 (© Germanisches Nationalmuseum)
  • Thomas Huber, Das Ladenschild, 2014 (© Thomas Huber/ Bildkunst Bonn, Foto: Winfried Mateyka)
  • Die Abendrobe Big Bow von Vivienne Westwood, präsentiert von dem Model Stella Tennant in der Frühjahr/Sommer-Modenschau in Paris im Oktober 1996 © Bloomsbury Publishing Plc., Foto: Niall McInerney

Beiträge zur Kunst des Rokoko

16. Mai 2021
François Boucher, Schäfer und Schäferin, Detail, 1760 (Staatliche Kunsthalle Karlsruhe)

Karlsruhe | Staatliche Kunsthalle Karlsruhe: François Boucher Hauptmeister des Rokoko zum 250. Todestag geehrt

Erste monografische Ausstellung über François Boucher (1703–1770) in der Karlsruher Kunsthalle anlässlich dessen 250. Todestags.
10. Juli 2020
William Hogarth, A Scene from ‘The Beggar’s Opera’ VI, 1731 (Tate, London)

London | Tate Britain: Hogarth und Europa

Zum ersten Mal wird diese Ausstellung Hogarths wichtigste Werke mit denen seiner Kollegen auf dem gesamten Kontinent zusammenbringen – darunter Francesco Guardi in Venedig, Chardin in Paris und Cornelis Troost in Amsterdam –, um die grenzüberschreitenden Strömungen, Parallelen und Sympathien aufzuzeigen.
10. Januar 2020
Joshua Reynolds, The Hon. Miss Monckton, Detail, 1777/78, Öl/Lw, 240 x 147,3 cm (Tate Britain, London)

Von Reynolds bis Turner. Das Goldene Zeitalter der englischen Malerei Hauptwerke der Tate Britain im Musée du Luxembourg

Die 1760er Jahre sind ein Wendepunkt für die britische Kunst. Kurz nach Mitte des 18. Jahrhunderts begann der Siegeszug von Joshua Reynolds (1723–1792) und Thomas Gainsborough (1727–1788). Das Musée du Luxembourg in Paris zeigt ab Herbst 2019 Hauptwerke aus der Tate Britain.

Aktuelle Ausstellungen

15. Juni 2021
René Magritte, La préméditation [Vorsatz], Detail, 1943, Öl/Lw, 55 x 46 cm, unten rechts signiert „Magritte“ (Privatsammlung © Photothèque R. Magritte / Adagp Images, Paris, 2021)

Paris | Musée de l’Orangerie: Magrittes Renoir-Periode „Surrealismus in vollem Sonnenlicht“ als künstlerischer Befreiungsschlag

René Magritte gehört heute zu den berühmtesten Künstlern des Surrealismus. Doch die so genannt „Renoir Periode” zählt zu den unbekannten Seiten des belgischen Malers. Zwischen 1943 und 1947 arbeitete der sonst so fast altmeisterlicher Technik malende Künstler im Stilidiom des Impressionismus unter Einbezug einer Farbharmonie, für die Pierre-Auguste Renoir berühmt geworden ist.
6. Juni 2021
James Ensor, Der tote Hahn, 1894 (Kunsthalle Mannheim)

Mannheim | Kunsthalle Mannheim: James Ensor

James Ensor in der Kunsthalle Mannheim 2021 zu den Motivkreisen Selbstbildnis – Maske – Tod – Stillleben, incl. Grafikmappe „La Gamme d'Amour“ & 93 Einzelblättern.
2. Juni 2021
Paul Signac, Saint-Tropez. Fontaine des Lices, 1895, Öl auf Leinwand, 65 x 81 cm (Privatsammlung)

Paris | Musée Jacquemart-André: Paul Signac Farbige Harmonien des „Apostels“ des Neoimpressionismus

Paul Signac im Musée Jacquemart-André gibt einen aufschlussreichen Überblick zum Werk des französischen Malers, Aquarellisten und Tuschezeichners.