Christo und Jeanne-Claude

Wer waren Christo und Jeanne-Claude?

Christo (Gabrovo 13.6.1935–31.5.2020 New York) war ein bulgarischstämmiger Künstler der Land Art. Ab 1958 arbeitete er mit Jeanne-Claude an großen Installationen im öffentlichen Raum. Kurz danach schloss er sich der Gruppe „Nouveau Réalisme [Neuer Realismus]“ an, gleichwohl er nie offizielles Mitglied war. Seit 1964 in New York lebend, entwickelten Christo und Jeanne-Claude viele berühmt gewordene Verhüllungsaktionen,  darunter die Brücke Pont-Neuf (1975–1985), der Berliner Reichstag, die Installation am Iseo See bis zum letzten Werk Christos, der verhüllte Triumphbogen in Paris.

„Ich schaffe Werke, die völlig irrational, unverantwortlich und ohne Rechtfertigung sind. Gleichzeitig beziehen sie Tausende von Menschen in einen poetischen Akt ein.“1

Jeanne-Claude (Casablanca 13.6.1935–18.11.2009 New York) war die Ehefrau Christos und – wie beide 1995 betonten – seine gleichberechtigte Mitschöpferin. Das Künstlerpaar wurde deshalb unter dem Namen „Christo und Jeanne-Claude“ bekannt und publizierte seine Kunstwerke unter diesem Namen. Kurz nach dem Ableben von Christo wird diese Zusammenarbeit jedoch wieder stärker unter der Federführung von Christo gedeutet.

„Die Christos geben ihr Geld nicht für Mainstream-Vergnügen aus. Sie haben ihre eigenen Prioritäten […], nämlich Kunstwerke der FREUDE und SCHÖNHEIT zu schaffen.“2

1964 siedelten Christo und Jeanne-Claude nach New York über. Dort begannen sie, ihre Arbeit stärker auf die sie umgebende Architektur und Landschaft zu fokussieren und Projekte zu entwerfen, deren Maßstab immer größer und öffentlicher wurden. Christo und Jeanne-Claude machten ihre gemeinsame Autorschaft an den ab den 1960er-Jahren entstandenen Großprojekten erst 1994 offiziell. Seither werden die Entwürfe - Zeichnungen, Fotomontagen, Pläne - unter seinem Namen veröffentlicht, während die realisierten Installationen unter der Autorschaft des Künstlerpaares stehen.

Kindheit

Christo wurde am 13. Juni 1935 als Christo Wladimirow Jawaschew (Христо Владимиров Явашев) im bulgarischen Gabrovo geboren. Sein Vater, Vladimir Javacheff, war Besitzer einer Chemiefabrik (Textilfärberei), die vom kommunistischen Regime beschlagnahmt wurde. Seine Mutter, Tzveta Dimitrova, war Sekretärin des Direktors (Generalsekretärin) der Akademie der Schöne Künste in Sofia, bevor sich die Familie in Gabrovo niederließ. Christo war der zweite von drei Söhnen. Das Haus der Familie war regelmäßig Treffpunkt von Künstler:innen, Schriftsteller:innen und Schauspieler:innen. Christos Mutter, die großzügig, kultiviert und eng mit Avantgarde-Kreisen verbunden war, förderte früh die Leidenschaft für die Kunst ihres Sohnes. Ab seinem sechsten Lebensjahr erhielt Christo privaten Kunstunterricht.

Im Winter 1942 marschierten deutsche Truppen in Gabrovo ein. Christo wurde Zeuge, wie vor dem Haus der Familie mehrere Partisanen exekutiert wurden. Christos Mutter sah sich gezwungen, ihre umfangreiche Bibliothek zur Kunst und Literatur der russischen Avantgarde zu verbrennen, die als kommunistische Propaganda angesehen wurde.

Jeanne-Claude Marie Denat kam am 13. Juni 1935 als Jeanne-Claude Marie Denat im marokkanischen Casablanca zur Welt. Ihre Eltern, Major Léon Denat (ein Kommandant der Streitkräfte) und Précilda Angela Eton Laporte, trennten sich vor ihrer Geburt. Als die Nazis im Juni 1940 in Paris einmarschierten, schloss sich Précilda der Résistance an. Im März 1941 wurde sie von der Vichy-Polizei bis zur Befreiung durch die Amerikaner im November 1942 inhaftiert und war gezwungen, Jeanne-Claude in die Obhut ihres Vaters Léon Denat in Marokko zu geben.

Ende 1943 lernte Jeanne-Claudes Mutter General Jacques de Guillebon kennen, der im August 1944 zusammen mit General Jacques-Philippe Leclerc die Kapitulation der deutschen Truppen in Paris erwirkt hatte. Nach Kriegsende konnte Jeanne-Claude wieder zu ihrer Mutter nach Paris. Am 10. Januar 1947 heiratete Précilda General Jacques de Guillebon, der Jeanne-Claude adoptierte. Von 1948 bis 1952 lebte die Familie in der Schweiz, und von 1952 bis 1957 in Tunesien.

Ausbildung

Christo studierte von Frühjahr 1953 bis 1956 an der Akademie der Schönen Künste in Sofia. Er besuchte Kurse in Malerei, Bildhauerei, Architektur und angewandter Kunst. Dort musste der junge Rebell sich dem Lehrplan beugen und ein konventioneller Vertreter des Sozialistischen Realismus werden. 1954 sah er im Haus des französischen Konsuls Joseph Bonavita erstmals eine Reproduktion eines Werkes der modernen Kunst sowie vom Regime verbotene, westliche Bücher. Daher verband Christo das kommunistische Bulgarien mit Demütigung, Terror und Freiheitsverlust. Zensur war nicht nur Teil eines kontrollierten Alltags; es behinderte auch die Entwicklung seiner Kunst.

Jeanne-Claude erwarb 1952 ihren Bachelor-Abschluss an der Universität von Tunis. Im Juli 1957 ließ sich Jeanne-Claude mit ihren Eltern in Paris nieder, wo ihr Adoptivvater Direktor der École Polytechnique wurde. Am 10. Juli 1958 nahm Jeanne-Claude am ersten Bal des Débutantes in der Orangerie des Schlosses Versailles teil. Sie war eine junge Frau aus gutem Hause, gesellschaftlich sehr gefragt, die ihre eigene Identität suchte. Im April 1959 begann Jeanne-Claude eine Ausbildung zur Flugbegleiterin bei der Air France. Am 11. August heiratete sie den Ingenieur Philippe Planchon. Das Paar verbrachte seine Flitterwochen in Tunesien. Kurz darauf reichte Jeanne-Claude die Scheidung ein.

Christos Flucht nach Paris

Prag

Mit 21 Jahren verließ Christo im Herbst 1956 Bulgarien, um seine Cousins in Prag zu besuchen. Nach der gewaltsamen Unterdrückung des Ungarischen Volksaufstandes beschloss er, nicht nach Bulgarien zurückzukehren, sondern blieb bis Januar 1957. Er besuchte illegal das Lager der Nationalgalerie, wo er dank des Direktors, des Dramatikers Emil František Burian, erste Werke moderner Kunst sah. Burians Einfluss bewog Christo zur Flucht in den Westen.

Wien

Am 10. Januar 1957 bestach er einen Bahnangestellten, versteckte sich in einem verplombten Güterwaggon in Richtung Westen und ließ sich in Wien nieder. Dort gab er seinen bulgarischen Pass ab und bat um politisches Asyl. Um nicht in ein Flüchtlingslager gesteckt zu werden, schrieb sich Christo an der Akademie der bildenden Künste ein. Sein Status als Student schützte ihn. Während dieses Aufenthaltes besuchte er die Bildhauerklasse von Fritz Wotruba und reiste mit anderen Studenten nach Florenz und Venedig. Seinen Lebensunterhalt verdiente er sich mit Aushilfsjobs als Teller- und Autowäscher sowie als Porträtmaler. Die Frau eines kanadischen Offiziers der Vereinten Nationen, deren Porträt Christo malte, stellte ihn ihrem Coiffeur Monsieur Rochat vor, der ihn daraufhin an seine Kundinnen vermittelte. In der Galerie nächst St. Stephan besuchte Christo eine Ausstellung mit Arbeiten von Hans Arp und Sophie Taeuber-Arp (Mai bis Juni), zudem lernte er Arnulf Rainer kennen.

Genf

Im Oktober 1957 erhielt Christo ein vorläufiges Visum für die Schweiz. Er zog nach Genf, wo er bis März 1958 bei einem alten Schulfreund blieb. Um seinen Lebensunterhalt zu verdienen, malte er Porträts von Persönlichkeiten der internationalen High Society und baute so ein Netzwerk von Kontakten auf. In den Schweizer Kunstmuseen kam Christo erstmals mit Werken der europäischen Moderne und Avantgarde in Kontakt und arbeitete die Stile der Klassischen Moderne auf. Weil er kein Geld hatte, um sich Farbe, Leinwand oder Papier zu kaufen, begann er, Wände und Türen zu bemalen. Unter dem Einfluss von Jean Dubuffet schuf er ab 1958 erste Reliefs und Collagen aus zerknülltem Papier (bis 1961), deren Arbeiten er später als „Surface d’Empaquetage“ betitelte.

Christo in Paris (1958–1964)

Christo verließ die Schweiz am 1. März 1958 mit dem Zug in Richtung Paris. Am 9. März erhielt er eine französische Aufenthaltserlaubnis, die für ein Jahr gültig und verlängerbar war, auf Vermittlung von Joseph Bonavita. Bei seiner Ankunft aktivierte er sein Genfer Netzwerk: Der Vater von Jean de Cabarusse, einem Aristokraten, den er dort kennengelernt hatte, half ihm, seine erste Unterkunft zu finden, ein Dachzimmer in der Rue Quentin-Bauchart 8 im 8. Arrondissement. Bald darauf (im April/Mai) zog Christo an die Place des États-Unis (bis Ende 1958). Etwa zur gleichen Zeit lernte er den aus Genf bekannten Coiffeur René Bourgeois kennen, der ihn vorübergehend in seinem Dachzimmer in der Rue Ernest-Psichari 14 beherbergte. Durch René Bourgeois lernte Christo auch Jacques Dessange kennen, der ihm ein weiteres Dachzimmer in der Rue de Saint-Senoch 14 im 17. Arrondissement mit Blick auf den Arc de Triomphe anbot. Dieser enge Raum wurde sein Atelier, bis er 1964 in die Vereinigten Staaten übersiedelte. Christo schuf die meisten seiner Werke hier. Um seinen Lebensunterhalt zu bestreiten, malte er Porträts – Aufträge, die er hauptsächlich durch Kunden seiner Friseurfreunde fand. Die meisten seiner Bilder signierte mit seinem Nachnamen: „Javacheff“, nur wenige Bildnisse sind mit „Christo“ ausgewiesen.

Die sieben Jahre zwischen 1958 und 1964 in Paris, waren für Christos Entwicklung ungemein bedeutend. Trotz seiner klassischen Ausbildung an der Nationalen Kunstakademie in Sofia gelangte Christo in dieser Phase zu einer eigenen künstlerischen Sprache. Für ihn wurde das Arbeiten mit Textur, Oberfläche, Objekte, Größe und Aneignung des Raumes wichtig. Inspirationen zog er aus Werken von älteren Künstler*innen wie Jean Dubuffet (1901–1985), Lucio Fontana (1899–1968), Maria Helena Vieira da Silva oder Alberto Burri (1915–1995) ebenso wie die Mitstreiter:innen Yves Klein (928–1962), Arman (1928–2005), César oder Niki de Saint Phalle, die von dem Kritiker Pierre Restany als Nouveaux Réalistes bezeichnet wurden.

In den frühen 1960er Jahren beschritt Christo mit seinen Werken einen neuen Weg und wurde Mitglied der Künstlergruppe Nouveau Réalisme rund um den Kunstkritiker Pierre Restany. Indem er Alltagsgegenstände verpackte und temporäre Kunstwerke im öffentlichen Raum schuf, überschritt er die Gattungsgrenze der Malerei. Jeanne-Claude begann mit Christo zusammenzuarbeiten und ihn mit ihrem Organisationstalent zu unterstützen. Bekannt wurde das Künstlerpaar durch ihre selbstfinanzierten (!), monumentalen, aber immer nur temporären Projekte, die gratis zu besuchen waren.

Inventaire & Empaquetages

In seinem Atelier erforschte Christo verschiedene Techniken, arbeitete mit Papier, Leinwand und Stoff und experimentierte mit verschiedenen Texturen, indem er Farbe, Lack und Sand mischte. Unterschiedlichste Oberflächen bedeckt Christo mit dicken Schichten aus Autolack, Farbe, Sand und Terpentin, um ihnen so ein ärmliches, klägliches Aussehen zu verleihen. Er begann die Serie „Inventaire [Inventar]“, die aus Kompositionen von verpackten Objekten (Blechdosen, rechteckige Schachteln mit unterschiedlichem Gewicht, Flaschen) in Kombination mit selbst hergestellten Möbeln (Regale, Tische) besteht. Die Sammlung besteht aus kleinen Dosen, Flaschen, Kisten und später Fässern, in Stoff gewickelt, mit Lack versteift und mit einer Schnur zusammengebunden. Diese neuartigen Kunstwerke signierte er mit seinem Künstlernamen „Christo“. Zu dieser Art der Verhüllung inspirierte Christo die Oberfläche:

„Es ging nicht so sehr darum, ein Objekt machen, aber mehr um die Textur des Objekts selbst.“

Als im Frühling 1958 die emigrierte russische Künstlerin Anna Staritsky, eine Freundin von Christos Mutter, ihn in seinem Atelier besuchte und seine Arbeit mit „zerknitterten Stücken Papier“ sah, war sie nicht begeistert. Dennoch riet sie Christus, sich mit Pierre Restany zu treffen, der ihrer Meinung nach seine künstlerische Arbeit eher zu schätzen wüsste.

Kontinuierlich experimentierte Christo mit unterschiedlichen Objekten und nannte sie beispielsweise „Surfaces d’Empaquetage [Verpackungsoberflächen]“. Die wenig bekannte und erstmals im Centre Pompidou ausgestellte Serie besteht aus gefaltetem und zerknittertem lackiertem Tuch oder Papier, das er gewaschen zu Reliefs und Cratères umgestaltete. Die äußerst beeindruckende physische Präsenz entsteht durch die Oberflächenbeschichtung aus Sand, Farbe und Leim vermischt mit Staub, die ein erdiges Aussehen erzeugt. Das wie ein Stück Mondoberfläche wirkende Flachrelief kann als Antwort Christos auf Jean Dubuffets sehr strukturierte Werke der 1950er Jahre gedeutet werden. Christos Werke sind Ende der 1950er Jahre Ausdruck von Armut, Kargheit und Isolation. Der Künstler beschreibt in mehreren Briefen seine soziale Isolation, Einsamkeit und finanzielle Notlage.

Die meisten von Christos legendären „Empaquetages [Paketen]“ entstanden zwischen 1958 und den frühen 1960er Jahren. Er wickelte einfach Alltagsgegenstände ein. Anfangs benutzte er dafür Stoff, zuerst lackiert und gewaschen, später unbeschichtet und einfach gefaltet und mit Seilen oder Schnur zusammengebunden. Nach und nach veränderte sich das Aussehen der „Pakete“, da Christo Polyethylen verwendete. Polyethylen, das genauso durchsichtig wie robust ist, erwies sich als der ideale Werkstoff für das Einwickeln auch von monumentalen Objekten und Luft. Christo interessierte sich dabei weniger für die Bedeutung der Objekte denn für die Textur und Gestalt der Gegenstände, deren Form durch seine Eingriffe hervorgehoben wird.

Christos erste Kunstwerke im öffentlichen Raum waren vorübergehend aufgestellte Strukturen aus gestapelten Fässern. Die meisten dieser Kunstwerke sammelte er in einem Atelier in Gentilly, am Stadtrand von Paris. Christo selbst erklärte seine Materialwahl so:

„Ich fand, dass die zylindrischen Ölfässer schon so aussahen wie Skulpturen selbst. Das verschüttete Öl, die ausgebleichte Farbe, Rost, Unebenheiten - ich fand sie sehr bezaubernd, sehr schön, weil sie „echt“ waren.“

Den Spätsommer 1958 verbrachte Christo in Deutschland, in Wuppertal und Köln. Nach einem Treffen mit Edith und Dieter Rosenkranz, Sohn eines alten Geschäftsfreundes von Christos Vater, der im Frühjahr sein Atelier besucht hatte, wurde er von der deutschen Industriellenfamilie zu einem Aufenthalt im Rheinland eingeladen. Dort lernte Christo die junge Künstlerin Mary Bauermeister sowie Karlheinz Stockhausen, John Cage, David Tudor, Nam June Paik und Joseph Beuys kennen. Vor allem mit Paik und Beuys entwickelte Christo eine intensive Freundschaft. In Düsseldorf traf er Heinz Mack, Otto Piene und Günther Uecker. Er besucht die Galerie von Alfred Schmela und sah erstmals Arbeiten von Lucio Fontana. Als sich Christo mit einer verhüllten Dose an einer Gruppenausstellung in der Galerie DuMont in Köln beteiligte, erwarb Fontana das Werk. Die beiden Künstler trafen einander aber erst zwei Jahre später persönlich.

Christo und Jeanne-Claude

Anfang Oktober 1958 lernte Christo über ihren Friseur René Bourgeois die Familie Guillebon kennen. Jeanne-Claudes Mutter Précilda beauftragt ihn, ihr Porträt zu malen. Christo schuf zwei Porträts von Précilda de Guillebon 1958, eines im klassischen Stil und das andere kubistisch inspiriert. Beide sind mit „Javacheff“ signiert. Ein drittes, signiert „Christo“, wurde 1959 ausgeführt. Nach und nach freundete sich der junge Christo mit der Familie Guillebon an.

Ab Juli 1959 sahen sich Christo und Jeanne-Claude regelmäßig und begannen eine heimliche Affaire. Dennoch heiratete Jeanne-Claude am 11. August Philippe. Ihre Flitterwochen verbrachte das Paar in Tunesien, im Strandhaus der Guillebons. Nach ihrer Rückkehr setzte Jeanne-Claude Philippe vor die Tür und reichte die Scheidung (1. März 1960) ein. Jeanne-Claude war schwanger. Christo wurde auf das Anwesen der Familie Guillebon in Essertaux in der Picardie eingeladen, wo er das Porträt von General Jacques de Guillebon malte, signiert mit „Javacheff“. Auf diesem Porträt ist Jeanne-Claudes Stiefvater in beigem Anzug abgebildet. Ein zweites Porträt des Generals zeigt ihn in Uniform.

Am 11. Mai 1960 kam Christos und Jeanne-Claudes Sohnes Cyril zur Welt. Jeanne-Claude verbrachte zwei Monate mit dem Neugeborenen in Essertaux. Im Sommer stieß Christo dazu und schuf ein Gemälde des Familienanwesens. Als Jeanne-Claudes Mutter im November von der Liaison ihrer Tochter mit Christo erfuhr, warf sie Jeanne-Claude aus ihrem Apartment und strich ihr sämtliche finanzielle Unterstützung. Jeanne-Claude zog daraufhin zu Christo auf die Île Saint-Louis. Das Paar heiratete am 28. November 1962 standesamtlich. Ihre Trauzeugen waren Pierre Restany und Jeannine de Goldschmidt.

Cratères

Christo besuchte die Ausstellung „Jean Dubuffet. Célébration du sol [Das beispielhafte Leben des Bodens]“ (28.4.-7.6.1959) in der neuen Galerie Daniel Cordier in der Rue de Miromesnil in Paris. Das Gesehene motivierte ihn zu seiner Serie „Cratères [Krater]“, darunter der Werkblock „Matériologies“. Weitere Einflüsse gehen auf von Lucio Fontana, Antoni Tàpies und René Burri zurück. Christo schuf eine Reihe von Gemälden, deren pastose Oberfläche, gemischt mit Sand und Leim, gebeizt mit Emaille und sogar kleinen, zylindrischen Metalldosen (für die Vulkankrater), die evokative Kraft einer Mond- oder Vulkanlandschaft hat.

Als einen seiner größten ästhetischen Schocks erinnert sich Christo an die großformatigen expressionistischen Gemälde, die im Januar 1959 in der Ausstellung „Jackson Pollock et la nouvelle peinture américaine [Jackson Pollock und die neue amerikanische Malerei]“ im Musée National d’Art Moderne in Paris zu sehen waren (16.1.-15.2). Auch die Einzelausstellung von Jasper Johns in der Galerie Rive Droite hinterließ bleibenden Eindruck (16.1.-März); Christo und Jeanne-Claude lernten den amerikanischen Künstler am 13. Juni 1961 bei der Eröffnung seiner Einzelausstellung in der Galerie Rive Droit kennen. Einige von Christos Werken aus den Jahren 1958 bis 1960 scheinen direkt von diesen Erfahrungen beeinflusst zu sein.

Restany machte Christo mit Arman bekannt, während Daniel Cordier einen Kontakt zu Alberto Giacometti vermittelte, den Christo in dessem Atelier besuchte. Er war fasziniert von den in feuchte Leinentücher gehüllten Gipsskulpturen, mit denen Giacometti seine Arbeiten vor dem Austrocknen bewahrte.

Pietà auf Korsika

Jean Bretton lud Christo im Sommer 1959 nach Korsika ein. Die beiden kannten einander seit Christos Aufenthalt in Genf – der Künstler war oft in Brettons Schweizer Heimat, um Porträts seiner dreizehn Kinder zu malen. In der Familienkapelle der Brettons malte Christo ein Fresko mit einer Pietà in einer Felsenlandschaft am Meer sowie ein Ölgemälde der Madonna mit Kind, das über dem Altar hing. In diesem Sommer verbrachte Christo auch Zeit in Rom, wo er Felician Brys traf, einen in Belgien geborenen Schweizer Beamten, der bei den Vereinten Nationen arbeitete. Er vermittelte Christo mehrere Porträtaufträge.

Erste Ausstellungen

Das Aktivieren des Publikums konnten Christo und Jeanne-Claude anhand des Werks von Niki de Saint-Phalle analysieren. Das Paar besuchte die Einzelausstellung der Künstlerin in der Galerie J (30.6.-12.7.1961). Während der Eröffnung durften die Besucher:innen auf die ausgestellten Arbeiten schießen. Teilnehmer:innen waren u.a. Yves Klein, Jasper Johns und Robert Rauschenberg, Frank Stella sowie die Kunsthändlerin Iris Clert und der Galerist Leo Castelli. Im Juli baute Christo erstmals Säulen aus unverhüllten Ölfässern und weitere temporäre Installationen in Gentilly. Gleichzeitig assemblierte er aus Altmetall und Industrieschrott Skulpturen, die später zerstört wurden und nur durch Fotografien dokumentiert sind.

Vom 28. Juli bis zum 31. August 1961 hatte Christo seine erste Einzelausstellung in der Galerie Haro Lauhus in Köln; der Galerist war der Lebensgefährte von Mary Bauermeister. Christos künstlerisches Vokabular war bereits etabliert; die Ausstellung vereinte „Empaquetages [Verpackungen]“ (Pakete und eingewickelte Möbel mit unbehandeltem Stoff), Konstruktionen aus Fässern (Säulen und Stapel), Elemente seiner allerersten Arbeiten mit dem Titel „Inventaire [Inventar]“ und ein Außenprojekt für den Kölner Hafen.

Christo und Jeanne-Claude entwickelten in Köln ihr erstes gemeinsames ephemeres Projekt im öffentlichen Raum, „Monuments Temporaires [temporäre Denkmäler]“, heute bekannt unter dem Titel „Stacked Oil Barrels and Dockside Packages“ (Dauer: 2 Wochen). Mit Hilfe von Hafenarbeitern im Kölner Hafen umwickelte das Paar verschiedene Ensembles große Ölfässer mit Industriepapierrollen, Planen und Seilen. Andere Ensembles aus unverpackten Fässern waren im Hafen geradlinig gestapelt angeordnet. Etwa zehn Tage vor der Eröffnung traf das Paar in Köln ein, um vor Ort die vielen Werke zu schaffen, die Christo in der Galerie präsentierte. Diese konnten in mehreren Kategorien ausgeführt werden: Es gibt solche mit lackiertem Stoff und Elemente aus Christos Inventar. Christos Wandbild Empaquetages [Packages] (bei dem der Stoff unbehandelt ist), wie das große Package, das er im Herbst für die Fotomontagen eines „Projet d’un édifice public empaqueté [Projekt für ein verhülltes, öffentliches Gebäude]“ und „Projet pour l’empaquetage de l’École militaire à Paris [Projekt zur Verhüllung der École militaire in Paris]“ werden ebenfalls erstmals präsentiert. Die meisten dieser inzwischen verschwundenen Werke sind nur durch Fotografien von Wewerka bekannt.3 Die Ausstellung erhielt eher gemischte Kritiken.

In Paris nahm ihn Pierre Restany im Dezember 1961 in der Galerie J4 in seine Gruppenausstellung „Nouvelles aventures de l’objet [Neue Abenteuer des Objekts]“ (19.12.1961–20.1.1962:) auf. Im Juni 1962 folgte eine Einzelausstellung Christos in der selben Galerie.

Yves Klein, der seit 1960 ein von ihm patentiertes Blau für die Gestaltung seiner Werke nutzte, beeindruckte Christo nachhaltig:

„Ich denke, die Idee, blaues Pigment zu verwenden, war sehr wichtig. Man muss die Zeit verstehen. Es gab ein Interesse an der Oberfläche von Gemälden. Die zwei Schlüsselfiguren waren Tàpies und Burri, deren Arbeiten eine Verbindung zu Dubuffet hatten, der mit Macht an der Entwicklung dieses Interesses an der Oberfläche arbeitete. Auf der anderen Seite war da diese konzeptuelle Haltung. Bei Yves’ blauen Gemälden war mir schon bewusst, dass sie mehr waren als nur Gemälde. Es war Regen und Erde und blaues Pigment. Es war eine vollkommen andere Idee.“5

Anfang 1962 heirateten Yves Klein und Rotraud Uecker (21.1.). Daraufhin schufen Christo und Yves Klein gemeinsam ein Hochzeitsporträt, das aufgrund des frühen Todes Kleins unvollendet blieb. Christo nutzte im Januar 1962 Gil, ein Modell Kleins, für seine ersten beiden „Empaquetages de femme [Eingewickelte Frauen]“. Er beginnt auch mit der Herstellung anderer Verpackungen, insbesondere von Gepäckträgern. Er präsentiert seine Arbeiten zum ersten Mal in den Vereinigten Staaten.

Mur provisoire de tonneaux métalliques - Le Rideau de fer, Rue Visconti, Paris, 1961-1962

Als Reaktion auf den Bau der Berliner Mauer im August 1961 verbarrikadierten Christo und Jeanne-Claude in der Nacht vom 27. Juni 1962 eine der engsten Straßen in Paris, die Rue Visconti. Eine Wand aus 89 Fässern bildete eine provisorische Grenze: „Mur provisoire de tonneaux métalliques - Le Rideau de fer, Rue Visconti, Paris, 1961-1962 [Temporäre Mauer aus Ölfässern - Der Eiserne Vorhang, rue Visconti, Paris, 1961/62]“ war das zweite temporäre Projekt, das Christo und Jeanne-Claude gemeinsam bauten, bevor die Polizei sie zwang, die Skulptur wieder abzutragen. Das Projekt war neun Monate lang vorbereitet und offiziell beantragt worden, das Künstlerpaar hatte allerdings keine Genehmigung erhalten.6

Harry Shunk und János Kender halfen Christo, Fotomontagen zu erstellen, um die urbanen Projekte zu visualisieren, die er sich mit Jeanne-Claude vorgestellt hatte. Christo beschrieb ihre Vision in maschinengeschriebenem Text (getippt von Jeanne-Claude). Im September und Oktober entstanden bereits die nächsten beiden Entwürfe: für „Projet pour l’empaquetage de l’École Militaire à Paris [Projekt zum Einwickeln der École militaire in Paris]“ (Sept.–Okt. 1961) und das „Project for a Wrapped Public Building“ (Oktober 1961). Bis zum Juni 1962 hatten die Beteiligten auch ein Typoskript und Fotomontagen von „Mur provisoire de tonneaux métalliques—Le Rideau de fer 27 juin 1962 (rue Visconti, Paris VI)“ erstellt.

Christo errichtete „Mur provisoire de tonneaux métalliques—Le Rideau de fer 27 juin 1962 (rue Visconti, Paris VI)“ am Eröffnungsabend seiner ersten Einzelausstellung in Paris in der Rue Visconti: „Christo. Monument temporaire. Mur d’assemblage“ [Christo: Temporäres Denkmal. Wandmontage], Galerie J (27.6.–3.7.). Dieser aus 89 Ölfässern bestehende bunte „Eiserne Vorhang“, der sich bis zu einer Höhe von 4,3 Metern erhob, wurde öffentlich und in Anwesenheit mehrerer Fotografen produziert. Diese öffentliche Aktion fand zwischen 21:00 und 22:00 Uhr statt, wie auf der Einladung angegeben. Das Paar bereitete sie gründlich vor, auch wenn es dem Ehepaar nicht gelang, eine Genehmigung der Polizeipräfektur einzuholen. 
Für seine erste Einzelausstellung in einer Pariser Galerie überzeugte Christo Jeannine de Goldschmidt und Pierre Restany, wenn auch nicht ohne Schwierigkeiten, in der Galerie für einige Tage eine „Wandmontage oder die exakte Nachbildung des temporären ‚Eisernen Vorhangs‘ zu präsentieren“.

Christo lenkte die Aufmerksamkeit gänzlich auf seine Arbeiten mit Fässern; so zeigte er ein einziges verhülltes Objekt oder „Empaquetage“. Diese radikale Geste in der Öffentlichkeit beschleunigte Christo und Jeanne-Claudes Aufstieg in der Kunstszene. Trotz der ephemeren Situation hatte das Werk große internationale Wirkung - mit ihm erreichten Christo und Jeanne-Claude ihren Durchbruch. Das Künstlerpaar stellte Ende des Jahres in der Gruppenschau „New Realists“ (1.11.–1.12.) in der Sidney Janis Gallery, New York, aus.

Pierre Restany schrieb nicht nur den einflussreichen Text „Le Docker et le Décor“ für das Künstlerpaar, sondern er lud ihn im Februar 1963 ein, an dem zweiten Festival du Nouveau Réalisme in der Neuen Galerie im Künstlerhaus in München teilzunehmen (8.2.–Mitte März). Dort stellten Christo und Jeanne-Claude am Eröffnungstag in einer der Arkaden im Innenhof eine Wand aus Ölfässern auf. Die Ausstellung „Christo“ in der Düsseldorfer Galerie Schmela, die am 20. Februar eröffnet wurde, bedeutete den Druchbruch des Künstlerpaares (20.2.–20.3.). Da der Galerist sich geweigert hatte, die Transportkosten zu übernehmen, schufen Christo und Jeanne-Claude in mehrmonatiger Arbeit die Werke in Düsseldorf. Sie wohnten im Atelier von Günther Uecker. Einen Tag vor der Eröffnung verhüllten sie einen VW Käfer, was der Fotograf und Sammler Charles Wilp mit der Kamera dokumentierte. Zur Überraschung des Künstlers wurden alle Arbeiten verkauft. Zu den wichtigen neuen Künstlerkontakten und -freundschaften der folgenden Jahre gehörten der Bildhauer Norbert Kricke, Lucio Fontana, Marcel Duchamp, Claes Oldenburg.

Christo fühlte sich unter den Künstler:innen der Nouveau Réalisme nicht wohl, auch weil er einer der am wenigsten verstandenen in der Gruppe war. Kritiker suchten einen Weg, seinen Ansatz zu verorten, da dieser weder eine Ästhetik des Abfalls oder gefundener Objekte noch eine neue Aneignung des Readymade oder eine einfache Stellungnahme zur Frage von Verpackung in der Industriegesellschaft war. Christos Geste blieb für die Zeitgenoss:innen verwirrend, zumal der Künstler selbst sich weigerte, darüber zu sprechen. Zudem brachte Restany den Nouveau Réalisme gegen die Pop Art in Stellung, was Christo mißfiel. Im September 1964, nachdem Christo und Jeanne-Claude eine Vielzahl von Einzelausstellungen vor allem in Italien, Frankeich, Belgien und den Niederlanden hatten, zogen sie mit Cyril nach New York City.

Christo und Jeanne-Claude in New York

Ende Februar 1964 zogen Christo, Jeanne-Claude und Cyril nach New York City. Ileana und Michael Sonnabend sowie Leo Castelli, der Christo für das folgende Jahr eine Ausstellungsbeteiligung in seiner New Yorker Galerie in Aussicht stellte, bestärkten sie in diesem Schritt. Im Dezember mieteten sie in ein Gebäude in SoHo, in dem Christo sein Atelier einrichtete. Bis zu ihrem Tod lebten und arbeiteten Christo und Jeanne-Claude in dem Gebäude.

Im Jahr 1966 schufen Christo und Jeanne-Claude ihr erstes Air Packge mit einem Durchmesser von 5 Metern und Seilen. Der Wrapped Tree im Van Abbemuseum Eindhoven, Niederlanden, wurde ein Monat belassen.
Die Dimensionen ihrer Arbeiten wuchsen in diesem Jahr ins Monumentale. Gemeinsam mit 147 Studierenden schuf das Künstlerpaar „42,390 Cubic Feet Package“ in der Minneapolis School of Art in Minnesota. Dafür nutzten sie vier Heliumballoons der US Army von der Höhe von je 5,5 Metern und einem Durchmesser von 7,62 Metern. 2.800 farbige Balloons mit 70 Zentimeter Durchmesser begleiteten sie. Sie wurden aufgeblasen, versiegelt und mit 914 Metern Manila-Seil umwickelt. Das längsrechteckige Packet wurde ebenfalls mit Gasgeneratoren gefüllt. Produktion und Präsentation dauerte eine Woche.

Verhüllte Museen und Landschaften

Die Bedeutung von Christo und Jeanne-Claude wurde 1968 in vier Ereignissen deutlich:

  • Für drei Wochen konnten sie in Spoleto, Italien, einen barocken Brunnen und einen mittelalterlichen Turm einhüllen.
  • Die Kunsthalle Bern, Schweiz, wurde eine Woche lang von ihrenen verhüllt. Das war das erste öffentliche Gebäude, das dem Künstlerpaar zum Wrappen anvertraut wurde.
  • Christo und Jeanne-Claude wurden auf die „documenta IV“ in Kassel eingeladen. Christo schuf eine „Corridor Sotre Front“ und Jeanne-Claude war mit „5.600 Cubicmeter Package“ vertreten.
  • Im Institute of Contemporary Art, Philadelphia, schufen Christo und Jeanne-Claude „1,240 Oil Barrels Mastaba“.

Wrapped Museum of Contemporary Art

Das zweite Museum, das Christo und Jeanne-Claude erlaubte, seine Räumlichkeiten temporär zu verändern war 1969 das Museum of Contemporary Art in Chicago. Für „Wrapped Museum of Contemporary Art“ und „Wrapped Floor and Stairway“ wurden 900 m² Tarpaulin für die Fassade und 260 m² Tücher für die Böden und Stiegenhäuser eingesetzt. Die Installation konnte 45 Tage bleiben.

Warpped Coast (1968-69)

Für die Dauer von zwei Monaten verhüllten Christo und Jeanne-Claude 2,4 Kilometer Küstenstreifen in Australien: „Warpped Coast, One Millian Square Feet, Little Bay, Sydney, Australia, 1968-69“ verhüllte eine zwischen 46 und 244 Metern breite sowie 26 Metern hohe Küstenlinie. Insgesamt 92.900 m² Anti-Erosions-Gewebe und 56,3 km Seile wurden eingesetzt.

Houston Mastaba

Die schiere Größe der ortsspezifischen Internventionen erforderte präzise Planung und zunehmend Organisationstalent. Die „Houston Mastaba“, bestehend aus 1,250.000 Ölfässern, wurde 1969 beispielsweise nicht umgesetzt, gefolgt von einer kleiner dimensionierten, aber genauso wenig realisierten „Mastaba“ 1973 in einem Parkhaus beim Kröller-Müller Museum in Otterlo, Niederlanden.

Valley Curtain (1970-72)

So begann Christo beispielsweise 1970 mit den ersten Studien zu „Valley Curtain“, das 1972 realisiert wurde. Am 10. August 1972, nach 28 Monaten Verhandlunge und einem ersten mißglückten Versuch am 9. Oktober 1971, enthüllten Christo und Jeanne-Claude einen orangen, pyramidalen Vorhang zwischen zwei Bergen. Die Aktion dauerte nur 28 Stunden. Die Stoffbahn war 381 Meter weit und 111 Meter hoch.

The Wall - Wrapped Roman Wall, Via Veneto and Villa Borghese, Rome (1973-74)

„The Wall - Wrapped Roman Wall, Via Veneto and Villa Borghese, Rome, Italy, 1973-74“, Dauer: 40 Tage

Ocean Front (1974)

„Ocean Front, Newport, Rhode Island, 1974“, Dauer: 8 Tage

Running Fence (1972-76)

„Running Fence, Sonoma and Marin Counties, 1972-76“: Nach vier Jahren Verhandlungen und Studien konnte diese Installation in Kalifornien realisiert werden. „Running Fence“ ist 5,5 Meter hoch und durchschneidet 39,4 km Land, das 59 Bauern in den Counties Sonoma und Marin gehört. Für das Kunstwerk nutzten Christo und Jeanne-Claude 200.000 m² weißen Nylonstoff, 145 Stahlkabel, 2.050 Stahlpfosten mit 8 Zentimentern Durchmesser und eine Höhe von 6 Metern. Dauer: 14 Tage

The Mastaba (noch nicht realisiert)

„The Mastaba Project für the United Arab Emirates“ in Abu Dhabi von 1977 ist das einzige auf Dauer angelegte Großprojekt von Christo und Jeanne-Claude. In der Wüste soll die größte zeitgenössische Skulptur der Welt entstehen.

Wrapped Walk Ways (1977-78)

„Wrapped Walk Ways, Jacob Loose Paris, Kansas City, Missouri, 1977-78“: Christo und Jeanne-Claude verhüllten 4,4 Kilometer Wege mit Hilfe von 12.540 m² gelbem Nylonstoff. Dauer 14 Tage

Surrounded Islands (1980-83)

„Surrounded Islands, Biscayne Bay, Greater Miami, Florida, 1980-83“: Am 7. Mai 1983 waren elf Inseln in der Biscayne Bay in Miami von 603.870 m² pinkem Polypropylen-Stoff umgeben, welche auf dem Wasser trieben. Dauer: 14 Tage.

1985 stellte Christo in der Fondation Maeght 200 Zeichnungen, Modelle, Fotografien, Pläne und Studien aus, die in der Projektphase entstanden sind.

Architekturmuseum, Basel (1984)

„Wrapped Floors and Stairways and Covered Windows“ verhüllte 1984 die Böden und Stiegenhäuser aller vier Stockwerke mit Abdecktüchern, die normalerweise von Anstreichern verwendet werden. Die Fenster waren mit braunem Verpackungspapier eingehüllt. Dauer: 17 Tage.

The Pont-Neuf Wrapped, Paris (1975–1985)

Christo hat bereits 1962/63 erste Zeichnungen zu „The Pont-Neuf Wrapped, Paris“ (1975–1985) geschaffen. Am 23. September 1985 war nach dreitägiger Installation die Verhüllung der Pont-Neuf vollendet. Für das Kunstwerk brauchten Christo und Jeanne-Claude 40.876 m² Polyamid-Stoff und 13.076 Meter Seil. Dauer: 14 Tage.

Eine Sammlung von rund 300 Objekten, darunter Originalzeichnungen und Collagen, ein Modell (1981–1991), Fotografien von Wolfgang Volz, Dokumente, Ingenieurstudien und originale Komponenten des realisierten Projekts dokumentieren die Arbeit Pont-Neuf und zeichnen den Weg von der Konzeption bis zur Realisierung.

„Meine Zeichnungen und Collagen […] sind auch die einzigen Dinge, die mich in meinem Glauben bestärken, dass ein Projekt gelingen wird, denn Jeanne-Claude und ich haben oft schwere Zeiten erlebt, in denen ein Projekt nicht vorankam oder abgelehnt wurde. Wenn das passiert, gehe ich in mein Atelier und schaue mir die Skizzen an. Sie helfen mir, weiterhin an unsere Träume zu glauben. Sie halten mein Feuer am Brennen.“7 (Christo)

Die „Pont-Neuf Wrapped Documentation Exhibition“ ist eine Sammlung von 337 Artikeln, darunter 36 Originalzeichnungen und Collagen, ein großes Modell, Original-Archivdokumente, technische Komponenten, Originalteile aus dem abgeschlossenen Projekt und etwa 200 Fotografien von Wolfgang Volz. Volz war über 40 Jahre lang der dokumentierende Fotograf der Arbeiten von Christo und Jeanne-Claude, begleitete das Künstlerpaar rund um den ganzen Globus.

Die Idee einer Dokumentation, die Christo und Jeanne-Claude für jedes Projekt machten, entstand, um die Erinnerung an ihre temporären Kunstwerke zu erhalten. Gleichzeitig vermitteln sie damit die Größe und Komplexität der Installationen. Indem man mit Christo und Jeanne-Claude ihre Geschichten vom ursprünglichen Konzept über den Genehmigungsprozess und schließlich zur Realisierung verfolgen kann, bekommt man einen kleinen Einblick in die organisatorische Leistung Jeanne-Claudes und der Hartnäckigkeit Christos.

Christo und Jeanne-Claudes temporäre Großprojekte wurden ausschließlich durch den Verkauf von Christos originalen Vorstudien, Zeichnungen und Collagen, maßstabsgetreuen Modellen und Werken aus den 1950er und 1960er Jahren finanziert. Das Künstlerpaar erhielt nie öffentliche oder private Mittel, um gänzlich unabhängig agieren zu können.

„Alle unsere temporären Projekte sind sehr nomadisch, im Übergang und immer in Bewegung. Sie sind einmal im Leben und bleiben nur in unseren Erinnerungen. Diese Qualität ist ein wesentlicher Bestandteil unserer Arbeit. Es ist sehr menschlich: Nichts hält ewig, das ist die Schönheit von am Leben sein."

The Umbrellas (1984-91)

„The Umbrellas, Japan-USA, 1984-91“: 1.340 blaue Sonnenschirme in Ibaraki, Japan, und 1.760 gelbe Sonnenschirme in Kalifornien. Jeder von ihnen hat eine Höhe von 6 Metern und einen Durchmesser von 8,66 Metern. Erstmals arbeiteten Christo und Jeanne-Claude für ein Projekt an zwei unterschiedlichen Orten. Dauer: 18 Tage.

Over the River

„Over the River, Project für the Arkansas River, State of Colorado“: Für das Projekt planten Christo und Jeanne-Claude Stoffbahnen über den Arkansas River zu spannen und seinem kurvigen Verlauf zu folgen.

Museum Würth (1995)

„Wrapped Floors and Stairways and Covered Windows“: Das Museum Würth in Künzelsau, Deutschland, wurde 1995 auf die gleiche Weise bearbeitet wird zuvor schon das Architekturmuseum in Basel.

Wrapped Reichstag, Berlin (1971-95)

„Wrapped Reichstag, Berlin, 1971-95“: 1995 realisierten Christo und Jeanne-Claude das Verhüllen des Berliner Reichstags mit 100.000 m² Polypropylen-Stoff mit einer Alubeschichtung und 15,6 Kilometern Seil. Dauer: 14 Tage.

Wrapped Trees, Fondation Beyeler (1997-98)

„Wrapped Trees, Fondation Beyeler and Berower Park, Riehen, Switzerland, 1997-98“: Christo und Jeanne-Claude verhüllten im Jahr 1998 178 Bäume im Park der Fondation Beyeler mit 55.000 m² gewebtem Polyesterstoff und 23 Kilometer Seil. Dauer: 23 Tage.

The Wall - 13.000 Oil Barrels, Gasometer Oberhausen (1998-99)

„The Wall - 13.000 Oil Barrels, Gasometer Oberhausen, Germany, 1998-99“: Auf einer Höhe von 26 Metern und einer Breite von 68 Meter, Tiefe 7,23 Meter. Dauer: 6 Monate

The Gates (1979-2005)

„The Gates, Central Park, New York City, 1979-2005“: Diese Installation von Christo und Jeanne-Claude gehört zu den berühmtesten ihres Werks. Sie bestand aus 7.503 Vinyl-Toren von einer Höhe bis zu 5 Metern. Davon hinten auf der Länge von 37 Kilometern safranfarbene Stofftücher. Dauer: 16 Tage

Big Air Package, Gasometer Oberhausen (2010-13)

„Big Air Package, Gasometer Oberhausen, Germany, 2010-13“: Da Jeanne-Claude 2009 verstorben war, setzte Christo in den folgenden zehn Jahren seine Projekte allein um. Auf einer Höhe von 90 metern, einem Durchmesser von 50 metern und einem Volumen von 177.000 m³. 20.350 m² Polyester-Stoff und 4.500 Meter Polypropylen Seil. Gewicht: 5,3 Tonnen. Dauer: 9,5 Monate

The Floating Piers, Lake Iseo (2014-16)

„The Floating Piers, Lake Iseo, Italy, 2014-16“: Am 18. Juni 2016 eröffnete die Installation, die auf einer Länge von 3 Kilometern eine Promenade über den Iseo See in Italien anbot (bis 3.7.). Der gelbe Stoff setzte sich noch 1,5 Kilometer auf den Gehwegen von Sulzano und Peschiera Maraglio fort. Dauer: 16 Tage

Triumphbogen (1961-2021)

Bereits 1961 machten Christo und Jeanne-Claude auch ihren ersten Vorschlag, ein öffentliches Gebäude (Konzertsaal, Konferenzsaal, Gefängnis, Parlament...) zu verhüllen. Zu dieser Zeit lebte Christo in der Nähe des Arc de Triomphe und führte mehrere Studien diesem Projekt durch. Darunter befindet sich die Fotomontage „Édifice public empaqueté (Projet pour l’Arc de Triomphe, Paris) [Eingewickeltes öffentliches Gebäude (Projekt für The Arc de Triomphe, Paris)]“ von 1962. Eigentlich hätte dieses Projekt im Frühjahr 2020 verwirklicht werden sollen. Coronabedingt fand diese Aktion vom 18. September bis 3. Oktober 2021 statt. Sechs Millionen Menschen kamen, um den verhüllten Triumphbogen zu sehen.

Christo & Jeanne-Claude im Film

Der Film „Christo in Paris“ (1990) von Albert und David Maysles (1926–2015/1931–1987) dokumentiert zehn Jahre im Leben von Christo und Jeanne-Claude: In dieser Zeit widmeten sie sich dem Projekt „Pont-Neuf Wrapped“, gleichzeitig erzählt der Film die Biographie dieses außergewöhnlichen Künstlerpaares, das einige der spektakulärsten Werke des 20. und 21. Jahrhunderts produziert hat.

Literatur zu Christo und Jeanne-Claude

  • Christo und Jeanne-Claude. Paris. New York. Grenzenlos, hg. v. Kay Heymer und Sophie-Marie Sümmermann (Ausst.-Kat. Kunstpalast, Düsseldorf, 7.9.2022–22.1.2023; Stiftung Schleswig-Holsteinische Landesmuseen Schloss Gottorf, Schleswig Museum für Kunst und Kulturgeschichte, 17.3.2023–8.10.2023), Dortmund 2022. Mit einem Beitrag von Kay Heymer und einer ausführlichen Chronologie von Matthias Koddenberg.
  • Christo et Jeanne-Claude. Paris !, hg. v. Sophie Duplaix (Ausst.-Kat. Centre Pompidou, Musée National d’Art Moderne, Galerie 2, Paris, 18.3.–15.6.2020), München 2020.
  • Matthias Koddenberg, Christo. The Early Years, Dortmund 2020.
  • Christo und Jeanne-Claude (Ausst.-Kat. Fondation Maeght, 4.6.–27.11.2016), Saint-Paul de Vence-Dortmund 2016.
  • Matthias Koddenberg (Hg.), Christo et Jeanne-Claude, en/hors atelier, Dortmund-Paris 2015.
  • Matthias Koddenberg, Christo and Jeanne-Claude. Early Works 1958–64, Bönen 2009.
  • Burt Chernow, Christo and Jeanne-Claude: An Authorized Biography, New York 2005.
  • Christo: Dessins, collages, photos (Ausst.-Kat. Centre d’art Nicolas de Staël, Braine-l’Alleud, 7.–29.11.1987), Braine-l’Alleud 1987.
  • Cyril Christo, Christo. A Radical Attitude, in: Yves Klein (Ausst.-Kat. Musée national d’art moderne – Centre Georges Pompidou), Paris 1983.
  • Pierre Restany, Le Docker et le Décor, auf der Einladungskarte für Le Rideau de fer, 27. Juni 1962, und der Ausstellung Christo: Monument temporaire. Mur d’assemblage (Galerie J, Paris, 27.6.–3.7.1962), Paris 1962.

Beiträge zu Christo und Jeanne-Claude

7. September 2022
Christo und Jeanne-Claude, Arc de Triomphe, Wrapped (Project for Paris), Place de l'Etoile – Charles de Gaulle, 2019, Collage, Bleistift, Wachsmalstift, Emailfarbe, Fotografie von Wolfgang Volz, Karte und Klebeband, 43,2 x 56,9 cm (Ingrid und Thomas Jochheim Collection, © 2021 Christo and Jeanne-Claude Foundation)

Düsseldorf | Kunstpalast: Christo und Jeanne-Claude Paris. New York. Grenzenlos | 2022/23

Die Ausstellung zeichnet die kunsthistorische Entwicklung von Christo und Jeanne-Claude seit Mitte der 1950er Jahre bis heute nach und stellt das in Frankreich ent­standene künstlerische frühe Schaffen im Kontext mit Arbeiten von Weggefährt:innen vor.
12. September 2021
Christo & Jeanne-Claude, L'Arc de Triomphe, Wrapped, Paris, 1961–2021, Foto: Benjamin Loyseau © 2021 Christo and Jeanne-Claude Foundation

Christo verhüllt den Arc de Triomphe, Paris

„L’Arc de Triomphe, Wrapped” in Paris ist Christos letztes Werk. Bereits 1962 in einer Fotomontage vorgestellt, konnte der berühmte Künstler es seit 2017 vorbereiten. Vom 18. September bis zum 3. Oktober 2021 verwandelt sich der Arc de Triomphe in ein lebendiges Kunstwerk Christos!
1. Juni 2020
Christo und Jeanne-Claude, The Pont-Neuf Wrapped, Paris, 1975 – 1985, © Christo 1985 / Photo © Wolfgang Volz

Paris | Centre Pompidou: Christo und Jeanne-Claude „Paris!“ widmet sich den Anfängen des populären Künstlerpaares

Christo und Jeanne-Claude von 1958 bis 1964: Das Centre Pompidou zeigt das Frühwerk des Verhüllungskünstlers Christo mit der Pont-Neuf und dem Triumphbogen.
13. Juli 2017
Kunst ins Leben! Der Sammler Wolfgang Hahn und die 60er Jahre, Ausstellungsansicht Museum Ludwig, Köln 2017, Foto: Rheinisches Bildarchiv Köln, Britta Schlier

Sammlung Hahn: Eine Wanderausstellung gegen Phantomschmerzen Die Sammlung Wolfgang Hahn kehrt temporär nach Köln zurück

Zwischen Wien und Köln liegen 750 Kilometer. Als 1978 die Kunstsammlung des Kölner Restaurators Wolfgang Hahn (1924-1987), welche zu diesem Zeitpunkt 385 Werke umfasste, von der Republik Österreich für das Museum des 20. Jahrhunderts (heute: mumok) erworben wurde, mag diese Distanz noch eine große Herausforderung bedeutet haben. Und tatsächlich hat es beinahe 40 Jahre gedauert, bis die exportierten Kunstwerke diesen Weg in entgegengesetzte Richtung angetreten haben. Was passiert nun, wenn eine Sammlung nach so langer Zeit an den Ort ihres Ursprungs zurückkehrt? Augenscheinlich dasselbe wie bei Menschen: vor allem viele revitalisierte Erinnerungen, welche von Idealisierung und Nostalgie gekennzeichnet sind.
  1. Zit. n. Christo, Interview mit Marcel Daloze, in: Christo: Dessins, collages, photos (Ausst.-Kat. Centre d’art Nicolas de Staël, Braine-l’Alleud, 7.–29.11.1987), Braine-l’Alleud 1987, S. 12.
  2. Christo et Jeanne-Claude, Erreurs les plus fréquentes, Paris 1998, o. S.
  3. Die Ausstellung war ein finanzielles Debakel für den Künstler. Der Galerist behauptete, alle Werke zerstört zu haben. Dennoch tauchen am Kunstmarkt immer wieder Objekte aus dieser Schau auf. Siehe: Christo & Jeanne-Claude 2022, S. 150.
  4. Pierre Restanys Frau Jeannine de Goldschmidt eröffnete die Galerie J, die in den folgenden Jahren den Künstler:innen des Nouveau Réalisme zahlreiche Ausstellungen widmete Die Eröffnungsausstellung mit Werken von Arman, César, Dufrêne, Hains, Klein, Rotella, Spoerri, Tinguely und Villeglé trug den Titel „A 40° au-dessus de DADA“ (17.5.–10.6.1961).
  5. Cyril Christo, Christo. A Radical Attitude, in: Yves Klein (Ausst.-Kat. Musée national d’art moderne – Centre Georges Pompidou), Paris 1983, S. 268
  6. Das auf den 25. Juni datierte Unter-lassungsschreiben traf erst Tage später ein. Christo und Jeanne-Claude 2022, S. 156.
  7. Zit. n. Matthias Koddenberg (Hg.), Christo et Jeanne-Claude, en/hors atelier, Dortmund-Paris 2015, S. 12.