Christo und Jeanne-Claude

Wer waren Christo und Jeanne-Claude?

Christo (Gabrovo 13.6.1935–31.5.2020 New York) war ein bulgarischstämmiger Künstler der Land Art. Ab 1958 arbeitete er mit Jeanne-Claude an großen Installationen im öffentlichen Raum. Kurz danach schloss er sich der Gruppe „Nouveau Réalisme [Neuer Realismus]“ an, gleichwohl er nie offizielles Mitglied war. Seit 1964 in New York lebend, entwickelten Christo und Jeanne-Claude viele berühmt gewordene Verhüllungsaktionen,  darunter die Brücke Pont-Neuf (1975–1985), der Berliner Reichstag, die Installation am Iseo See bis zum letzten Werk Christos, der verhüllte Triumphbogen in Paris.

Jeanne-Claude (Casablanca 13.6.1935–18.11.2009 New York) war die Ehefrau Christos und – wie beide 1995 betonten – seine gleichberechtigte Mitschöpferin. Das Künstlerpaar wurde deshalb unter dem Namen „Christo und Jeanne-Claude“ bekannt und publizierte seine Kunstwerke unter diesem Namen. Kurz nach dem Ableben von Christo wird diese Zusammenarbeit jedoch wieder stärker unter der Federführung von Christo gedeutet.

Kindheit

Christo wurde am 13. Juni 1935 als Christo Wladimirow Jawaschew (Христо Владимиров Явашев) im bulgarischen Gabrovo geboren.

Jeanne-Claude kam am 13. Juni 1935 als Jeanne-Claude Marie Denat im marokkanischen Casablanca zur Welt.

Christo in Paris (1958–1964)

1956 floh Christo aus dem kommunistischen Bulgarien nach Prag, 1957 entkam er zuerst nach Wien und dann nach Genf. Er ließ sich schließlich im März 1958 in Paris nieder, wo er die 23-jährige Jeanne-Claude traf. Die folgenden sieben Jahre zwischen 1958 und 1964, die Christo in Paris lebte, waren ungemein bedeutend für seine Entwicklung als Künstler. Er überschritt die Gattungsgrenze der Malerei, als er anfing, Alltagsgegenstände zu verpacken und temporäre Kunstwerke im öffentlichen Raum zu schaffen. Christo begann auch, Kunstwerke in monumentaler Dimension konzipieren, indem er zahlreiche temporäre Projekte für den öffentlichen Raum zu planen.

Trotz seiner klassischen Ausbildung an der Nationalen Kunstakademie in Sofia gelangte Christo während seiner Pariser Jahre zu einer eigenen künstlerischen Sprache. Für ihn wurde das Arbeiten mit Textur, Oberfläche, Objekte, Größe und Aneignung des Raumes wichtig. In den frühen 1960er Jahren beschritt er mit seinen frühen Werken einen neuen Weg und wurde Mitglied der Künstlergruppe Nouveau Réalisme rund um den Kunstkritiker Pierre Restany. Jeanne-Claude begann mit Christo zusammenzuarbeiten und ihn mit ihrem Organisationstalent zu unterstützen. Bekannt wurde das Künstlerpaar durch ihre selbstfinanzierten (!), monumentalen, aber immer nur temporären Projekte, die gratis zu besuchen waren.

Als Christo in Paris ankam, verdiente er seinen Lebensunterhalt als Porträtist von Familien der High-Society. Die meisten seiner Bilder signierte mit seinem Nachnamen: „Javacheff“. Aber im kleinen Dienstbotenzimmer, in dem er lebte und arbeitete, begann er das zu erschaffen, was er sein „Inventar“ nannte – eine Sammlung kleiner Dosen, Flaschen, Kisten und später Fässer, in Stoff gewickelt, mit Lack versteift und mit einer Schnur zusammengebunden. Diese neuartigen Kunstwerke signierte er mit seinem Künstlernamen „Christo“. Zu dieser Art der Verhüllung inspirierte Christo die Oberfläche:

„Es ging nicht so sehr darum, ein Objekt machen, aber mehr um die Textur des Objekts selbst.“

Kontinuierlich experimentierte Christo mit unterschiedlichen Objekten und nannte sie beispielsweise „Surfaces d’Empaquetage [Verpackungsoberflächen]“. Die wenig bekannte und erstmals im Centre Pompidou ausgestellte Serie besteht aus gefaltetem und zerknittertem lackiertem Tuch oder Papier, das er gewaschen zu Reliefs und Cratères umgestaltete. Die äußerst beeindruckende physische Präsenz entsteht durch die Oberflächenbeschichtung aus Sand, Farbe und Leim vermischt mit Staub, die ein erdiges Aussehen erzeugt. Das wie ein Stück Mondoberfläche wirkende Flachrelief kann als Antwort Christos auf Jean Dubuffets sehr strukturierte Werke der 1950er Jahre gedeutet werden.

Die meisten von Christos legendären „Empaquetages [Paketen]“ entstanden zwischen 1958 und den frühen 1960er Jahren. Er wickelte einfach Alltagsgegenstände ein. Anfangs benutzte er dafür Stoff, zuerst lackiert und gewaschen, später unbeschichtet und einfach gefaltet und mit Seilen oder Schnur zusammengebunden. Nach und nach veränderte sich das Aussehen der „Pakete“, da Christo Polyethylen verwendete. Polyethylen, das genauso durchsichtig wie robust ist, erwies sich als der ideale Werkstoff für das Einwickeln auch von monumentalen Objekten und Luft.

Christos erste Kunstwerke im öffentlichen Raum waren vorübergehend aufgestellte Strukturen aus gestapelten oder gestapelten Fässern. Die meisten dieser Kunstwerke sammelte er in einem Atelier in Gentilly, am Stadtrand von Paris. Christo selbst erklärte seine Materialwahl so:

„Ich fand, dass die zylindrischen Ölfässer schon so aussahen wie Skulpturen selbst. Das verschüttete Öl, die ausgebleichte Farbe, Rost, Unebenheiten - ich fand sie sehr bezaubernd, sehr schön, weil sie „echt“ waren.“

Als Reaktion auf den Bau der Berliner Mauer im Jahr 1961 verbarrikadierten Christo und Jeanne-Claude in der Nacht vom 27. Juni 1962 eine der engsten Straßen in Paris, die Rue Visconti. Eine Wand aus 89 Fässern bildete eine provisorische Grenze: „Mur provisoire de tonneaux métalliques - Le Rideau de fer, Rue Visconti, Paris, 1961-1962 [Temporäre Mauer aus Ölfässern - Der Eiserne Vorhang, rue Visconti, Paris, 1961/62] war das zweite temporäre Projekt, das Christo und Jeanne-Claude gemeinsam bauten, bevor die Polizei sie zwang, die Skulptur wieder abzutragen.

1961 machten Christo und Jeanne-Claude auch ihren ersten Vorschlag, ein öffentliches Gebäude (Konzertsaal, Konferenzsaal, Gefängnis, Parlament...) zu verhüllen. Zu dieser Zeit lebte Christo in der Nähe des Arc de Triomphe und führte mehrere Studien diesem Projekt durch. Darunter befindet sich die Fotomontage “Édifice public empaqueté (Projet pour l’Arc de Triomphe, Paris) [Eingewickeltes öffentliches Gebäude (Projekt für The Arc de Triomphe, Paris)]“. Eigentlich hätte dieses Projekt im Frühjahr 2020 verwirklicht werden sollen. Coronabedingt findet diese Aktion vom 18. September bis 3. Oktober 2021 statt.

The Pont-Neuf Wrapped, Paris (1975–1985)

Christo hat bereits 1962/63 erste Zeichnungen zu „The Pont-Neuf Wrapped, Paris“ (1975–1985) geschaffen. Eine Sammlung von rund 300 Objekten, darunter Originalzeichnungen und Collagen, ein Modell (1981–1991), Fotografien von Wolfgang Volz, Dokumente, Ingenieurstudien und originale Komponenten des realisierten Projekts dokumentieren die Arbeit Pont-Neuf und zeichnen den Weg von der Konzeption bis zur Realisierung.

Die „Pont-Neuf Wrapped Documentation Exhibition“ ist eine Sammlung von 337 Artikeln, darunter 36 Originalzeichnungen und Collagen, ein großes Modell, Original-Archivdokumente, technische Komponenten, Originalteile aus dem abgeschlossenen Projekt und etwa 200 Fotografien von Wolfgang Volz. Volz war über 40 Jahre lang der dokumentierende Fotograf der Arbeiten von Christo und Jeanne-Claude, begleitete das Künstlerpaar rund um den ganzen Globus.

Die Idee einer Dokumentation, die Christo und Jeanne-Claude für jedes Projekt machten, entstand, um die Erinnerung an ihre temporären Kunstwerke zu erhalten. Gleichzeitig vermitteln sie damit die Größe und Komplexität der Installationen. Indem man mit Christo und Jeanne-Claude ihre Geschichten vom ursprünglichen Konzept über den Genehmigungsprozess und schließlich zur Realisierung verfolgen kann, bekommt man einen kleinen Einblick in die organisatorische Leistung Jeanne-Claudes und der Hartnäckigkeit Christos.

Christo und Jeanne-Claudes temporäre Großprojekte wurden ausschließlich durch den Verkauf von Christos originalen Vorstudien, Zeichnungen und Collagen, maßstabsgetreuen Modellen und Werken aus den 1950er und 1960er Jahren finanziert. Das Künstlerpaar erhielt nie öffentliche oder private Mittel, um gänzlich unabhängig agieren zu können.

„Alle unsere temporären Projekte sind sehr nomadisch, im Übergang und immer in Bewegung. Sie sind einmal im Leben und bleiben nur in unseren Erinnerungen. Diese Qualität ist ein wesentlicher Bestandteil unserer Arbeit. Es ist sehr menschlich: Nichts hält ewig, das ist die Schönheit von am Leben sein."

Christo & Jeanne-Claude im Film

Der Film „Christo in Paris“ (1990) von Albert und David Maysles (1926–2015/1931–1987) dokumentiert zehn Jahre im Leben von Christo und Jeanne-Claude: In dieser Zeit widmeten sie sich dem Projekt „Pont-Neuf Wrapped“, gleichzeitig erzählt der Film die Biographie dieses außergewöhnlichen Künstlerpaares, das einige der spektakulärsten Werke des 20. und 21. Jahrhunderts produziert hat.

Beiträge zu Christo und Jeanne-Claude

12. September 2021
Christo & Jeanne-Claude, L'Arc de Triomphe, Wrapped, Paris, 1961–2021, Foto: Benjamin Loyseau © 2021 Christo and Jeanne-Claude Foundation

Christo verhüllt den Arc de Triomphe, Paris

„L’Arc de Triomphe, Wrapped” in Paris ist Christos letztes Werk. Bereits 1962 in einer Fotomontage vorgestellt, konnte der berühmte Künstler es seit 2017 vorbereiten. Vom 18. September bis zum 3. Oktober 2021 verwandelt sich der Arc de Triomphe in ein lebendiges Kunstwerk Christos!
1. Juni 2020
Christo und Jeanne-Claude, The Pont-Neuf Wrapped, Paris, 1975 – 1985, © Christo 1985 / Photo © Wolfgang Volz

Paris | Centre Pompidou: Christo und Jeanne-Claude „Paris!“ widmet sich den Anfängen des populären Künstlerpaares

Christo und Jeanne-Claude von 1958 bis 1964: Das Centre Pompidou zeigt das Frühwerk des Verhüllungskünstlers Christo mit der Pont-Neuf und dem Triumphbogen.