Potsdam | Museum Barberini: Max Liebermann und der Impressionismus in Deutschland

Max Liebermann, Blumenstauden am Gärtnerhäuschen nach Osten, 1923, Öl auf Leinwand, 55,5 x 75,5 cm (Privatsammlung)
Max Liebermann (1847–1935) stieß mit seiner impressionistischen Malerei die erste Avantgardebewegung in Deutschland an. Als Sammler und Vermittler des französischen Impressionismus und als Präsident der Berliner Secession hat er im national geprägten Kaiserreich für die Internationalität der Kunstwelt gekämpft. Auch unter dem Einfluss Claude Monets und seiner Kollegen wandten sich junge Maler in Städten wie München und Berlin einer neuen Bildsprache zu, die sich durch eine dynamische Pinselführung und leuchtende Farbigkeit auszeichnet. Im Frühjahr 2026 widmet das Museum Barberini der einflussreichsten Bewegungen der europäischen Kunstgeschichte eine spannende Überblicksausstellung.
Avantgarde. Max Liebermann und der Impressionismus in Deutschland
Deutschland | Potsdam: Museum Barberini
28.2. – 7.6.2026
#LiebermannBarberini
- Max Liebermann, Selbstbildnis, 1934, Öl auf Leinwand, 92,1 × 73,3 cm (Tate, Schenkung Lord Marks 1935 © Photo: Tate)
- Max Liebermann, Papageienmann, 1901, Öl auf Leinwand, 85 × 63,5 cm (Privatsammlung)
Liebermann und der deutsche Impressionismus im Museum Barberini
Die Ausstellung im Museum Barberini widmet sich im Frühjahr 2026 der Entwicklung des Impressionismus in Deutschland und damit der Vielfalt an Themen und Stilen zwischen 1870 und 1930. Unter den gezeigten Bildern befinden sich Schlüsselwerke von Max Liebermann, Max Slevogt, Lovis Corinth und Fritz von Uhde aber auch von weniger bekannten Künstlerinnen und Künstlern wie Maria Slavona und Lesser Ury. Eine Privatsammlung bildet den Kern der groß angelegten Sonderausstellung zur Malerei des deutschen Impressionismus. Mit neun Gemälden von Max Liebermann, bedeutenden Werken von Max Slevogt und Lesser Ury ist sie der Ausgangspunkt der Untersuchung. Bereichert wird dieser durch mehr als 100 Leihgaben aus etwa 50 internationalen Museums- und Privatsammlungen.1 Die Ausstellung soll die Vielfalt und Diversität des deutschen Impressionismus anhand dieser künstlerischen Positionen reflektieren. Dabei spannt sie einen chronologischen Bogen von den 1870er bis zu den 1930er Jahren.
„Dieses Unsichtbare sichtbar zu machen, das ist, was wir Kunst nennen. Ein Künstler, der darauf verzichtet, das Unsichtbare, das, was hinter der Erscheinung liegt – nennen wir es Seele, Gemüt, Leben – vermittelst seiner Darstellung der Wirklichkeit auszuwirken, ist kein Künstler.“ (Max Liebermann, 1922)
- Max Liebermann, Freistunde im Amsterdamer Waisenhaus, 1881/82, Öl auf Leinwand, 78,5 × 107,5 cm (Städel Museum, Frankfurt am Main, Eigentum des Städelschen Museums-Vereins e. V. Inv.-Nr. 1351)
Impressionismus in Deutschland. Erste Schritte
Während an deutschen Akademien eine dunkeltonige Ateliermalerei und idealisierende Historienmalerei gepflegt wurde - man erinnere sich an Wassily Kandinskys vernichtendes Urteil zur „braunen Sauce“ -, arbeitete die Pariser Avantgarde ab den späten 1860er Jahren an immer skizzenhafteren, bunten, lichterfüllten Gemälden. Der Name Impressionismus leitet sich vom Begriff „impression“ ab, der für „Eindruck“ aber auch „Skizze“ steht. Damit sind sowohl die formalen als auch die inhaltlichen Grundlagen des impressionistischen Malens beschrieben, wollten die Impressionistinnen und Impressionisten doch die Flüchigkeit des modernen Lebens in ihren Kompositionen einfangen.
Viele deutsche Künstlerinnen und Künstler reisten nach 1870 nach Paris, um sich mit der Malerei der französischen Moderne vertraut zu machen. Andere entdeckten sie durch Ausstellungen in fortschrittlichen Galerien wie dem Berliner Kunstsalon von Paul Cassirer. Bereits in den 1890er Jahren begann Hugo von Tschudi, Direktor der Nationalgalerie, bedeutende Werke des französischen Impressionismus für die Berliner Sammlung zu erwerben. Liebermann reiste 1873 erstmals nach Paris und baute in den folgenden Jahrzehnten eine beachtliche Privatsammlung impressionistischer Malerei auf, die Gäste in seiner Villa am Wannsee bewundern konnten. Dort entstand ab 1909 auch sein berühmter Garten, dessen farbintensive Blütenpracht zum Hauptmotiv seines impressionistischen Spätwerks wurde. Doch davon später.
Deutsche Künstlerinnen und Künstler orientierten sich in den 1870ern noch an der Malerei vor dem Impressionismus, an der Schule von Barbizon und der niederländischen Haager Schule. Diese Künstlerinnen und Künstler hatten mit ihrem naturalistischen Ansatz seit den 1840er Jahren die Landschaftsmalerei zu einer Leitgattung der kunsthistorischen Entwicklung gemacht und im Wald von Barbizon ihre romantischen Landschaften direkt vor dem Motiv entwickelt. In realitätsnahen, erzählerischen Schilderungen von Landleben und Natur und durch den Einsatz von realistischen Farben boten sie einen praktikablen Ansatz für die Neuausrichtung der deutschen Malerei fernab der hochgelobten Historienmalerei.
Die Ausstellung im Museum Barberini beginnt mit einem überraschenden Werk von Max Liebermann: „Die Wochenstube – Schweinekoben“ (1888, Privatsammlung). Mit Bildern wie diesem „erarbeitete“ sich der Berliner Maler seinen Ruf als Maler des Abstoßenden und international vernetzer Star. Ab Mitte der 1880er Jahre wurde Liebermanns Kunst national und international zunehmend anerkannt und ein Jahr vor Entstehung der „Wochenstube – Schweinekoben“ erstmals in einem Artikel besprochen worden:
„Und das ist der Ausgangspunkt der neuen Kunst, welche die Kunst ist, die nur die Impression durch die Natur kennt. Diese Kunst senkt sich in einer Weise in die Dinge, die über das optische Sehen hinausgreift. Den Gehalt der Dinge, ihre Eigenschaft, ihren Geruch will sie erreichen. Malt sie felder, so sollen sie nicht malerisch wirken, sondern es soll dich der warme Duft des reifenden Getreides entzücken, malt sie eine ärmliche Stube mit einem offenen Fenster, so sollst du, wie die alte Frau, die in der Stube an der Fensterbank sitzt und einen Strumpf stopft, die Luft einatmen, die durch das Fenster von außen kommt, und die der Maler malte. Das ist der Ehrgeiz der neuen Kunst: elementar will sie wirken. [...] Das nennt die neue Kunst: Aufrichtigkeit“2 (Hermann Helferich, Studie über den Naturalismus und Max Liebermann, 1887)
So als habe der Autor Hermann Helferich, alias der Kunstsammler und Publizist Emil Heilbutt, die Bilder von Gotthardt Kuehl, Fritz von Uhde und Max Liebermann aus der Potsdamer Ausstellung vor Augen, beschrieb er die Atmosphäre der ausgewählten Alltagsszenen. Die drei genannten widmen sich in ihren Werken den im Haus arbeitenden Frauen und Mädchen, Einblicken in Waisenhäuser und Familien im Hinterhof. Im berühmten Werk „Freistunde im Amsterdamer Waisenhaus“ (1881/82, Städel Museum, Frankfurt am Main) zeigt Liebermann erstmals sein Interesse an Sonnenflecken und der Beobachtung des Lichts. Darstellungen von Schweine- und Gemüsemärkten in Haarlem und Delft, vom Stevenstift in Leiden und Spitalgarten in Edam, von der Judengasse in Amsterdam gehören fortan zu den wichtigsten Motiven Liebermanns.
Friedrich Kallmorgens „Heiterer Wintertag“ (1881, Privatsammlung) belegt, dass auch die schneebedeckte Landschaft mit blau-violetten Schatten im Impressionismus ein Thema sein kann. Mit Maria Slavonas skizzenhafter „Landschaft an der Oise“ (1901–1906, Lübecker Museen. Museum Behnhaus Drägerhaus) betritt eine Malerin die Bühne, während Lovis Corinths 1904 entstandener „Blühender Bauerngarten“ (Museum Wiesbaden) mit seinem flirrenden Farbauftrag bereits in die spätimpressionistische Phase überleitet.
- Philipp Franck, Wannsee, 1915 (Privatsammlung, Frankfurt am Main)
Frische und Dynamik. Draußen im Freien
Zu den zentralen Fragestellungen der Impressionistinnen und Impressionisten gehört die menschliche Figur im Sonnenlicht. Nachdem die Freilichtmalerei sich in den 1890er Jahren in Deutschland durchgesetzt hatte, entdeckten die Malerinnen und Maler die Freizeitkultur als neues Motivfeld. Mit Reitausflügen und Segelpartien wandten sie sich dem bürgerlichen Sport zu; mit Badenden und Strandläuferinnen, Gartenlokale und Biergärten konnte auch die ländliche Bevölkerung gemeint sein.
Konrad von Kardorff, Sohn des preußischen Politikers und Reichstagsabgeordneten Wilhelm von Kardorff, hat nur wenige Werke hinterlassen. Kurz nach 1900 kehrte er aus München in die Reichshauptstadt zurück und wurde Vorstandsmitglied der Berliner Secession. Sein Bild „Königin-Augusta-Straße am Calandrelli-Platz in Berlin“ (Stiftung Stadtmuseum Berlin) von 1911 zeigt die bürgerliche Stadt, Flaneure in einem Park, geschäftiges Treiben. Liebermann nahm das Thema auf und stellte in unzähligen Varianten den Tiergarten dar mit den Nannys (damals Bonnen genannt), den Kinderwägen und den Kindern. Wo seine Biergärten zu finden waren, lässt sich aufgrund der skizzenhaften, nunmehr fast aufgelösten Malweise nur noch am Bildtitel feststellen. Vom grünen Blätterdach gebildete Sonnenflecken und der flüchtige Eindruck beschäftigten nun auch Maler wie Max Uth und Max Slevogt.
Pferde- und Wassersport sind in Baden-Baden vielfältig durchdekliniert. Max Liebermann zeigt in „Reiter und Reiterin am Strand“ (1903, Wallraf-Richartz-Museum & Fondation Corboud, Köln) sowie „Zwei Reiter am Strand nach links“ (um 1910, Museum Kunst der Westküste, Alkersum/Föhr), wie er eine Kompositionsidee mit unterschiedlichem Personal und verschieden tänzelnden Pferden umsetzen konnte. Darauf folgenden sonnenbeschienene Strände und fröhlich im Wasser plantschende, splitterfasernackte Jungs. Mädchen und Frauen mussten sich an holländischen Stränden weiterhin bedeckt halten, auch wenn ihnen das Graben im Sand erlaubt war. Zu den Entdeckungen der Schau könnte Philipp Franck gehören. Seins im goldgelben Licht aufglänzenden Segelboote am „Wannsee“ (1915, Privatsammlung, Frankfurt am Main) gleiten über ein mosaikartig aufgefasste Wasseroberfläche.
- Lesser Ury, Hochbahnhof Bülowstraße, 1922, Öl auf Leinwand, 70 × 100,5 cm (Privatsammlung Süddeutschland)
Stadtbilder - die Moderne im Blick
Als deutsche Künstlerinnen und Künstler den Impressionismus in den 1890ern übernahmen, befand sich ihre Hauptstadt im Umbau (seit 1862). So wie Paris wurde auch Berlin zu einer modernen Reich-, Haupt- und Residenzstadt ausgebaut und umgestaltet. Das moderne, großstädtische Leben bot mannigfaltige Inspiration für die malende Zunft.
Max Slevogts Gemälde „Unter den Linden (Fahnen in Berlin)“ (1913, Hessisches Landesmuseum Darmstadt) verbindet Nationalstolz mit Architektur und Menschen, die nur noch als Schemen zu erkennen sind. Im Gegensatz dazu gibt sich der Bootsverleih am „Neuen See im Berliner Tiergarten“ (1903, Kunsthalle Mannheim international, gemalt von Lovis Corinth. Fahnen wehen aber auch über der Eisbahn, mit der sich Max Liebermann und erneut Lovic Corinth auseinandergesetzt haben.
Zu den Meistern des nächtlichen Berlin muss Lesser Ury gezählt werden. Der Berliner widmete sich mit großem Einfühlungsvermögen den Effekten von nasser Fahrbahn und Lichtern, von flüchtigen Begegnungen an den Boulevards oder im Café. Wenig erfahren wir über die Menschen, vieles bleibt Spekulation. Doch der Eindruck, den Farben, Licht und Dunkelheit hinterlassen, wird in Ewigkeit eingefangen.
- Kunsthalle, Geschenk von Alfred Beit, 1901 © bpk / Hamburger Kunsthalle)
Intime Welten. Haus und Garten
Auch wenn der Impressionismus im Alltag seine Motive fand, so darf man nicht vergessen, dass er weiterhin eine Kunst des Bürgertums blieb - ausgeführt von bürgerlichen Kunstschaffenden, gesammelt von - in ihrem Kunstgeschmack etwas aufmüpfigen - Bürgerinnen und Bürgern. Viele Bilder zeigen deshalb die Lebenswelt des Bürgertums, sei es das Lesen auf dem Sofa oder neben dem Goldfischbecken, die Morgensonne im kuscheligen Bett, der Spaziergang im Garten, der Stolz auf die selbst gezogenen Rosenlaube oder die Schönheit blühender Apfelbäume und Malvengärten. Ergänzt wird diese Aufzählung noch durch friedvoll und wohlerzogen spielende Kinder.
Man kann darin eine Art von Weltflucht sehen, die der Schönheit der Farbe, dem Schimmern der Dinge im Licht mit großem Beharrungsvermögen huldigt, während Industrialisierung, Kolonialismus und Neuerungen auf allen Gebieten der Wissenschaft die Wahrnehmung der Welt täglich beschleunigt und verändert. Kritik wird, wenn überhaupt nur subtil geäußert. Die harschen Lebensbedingungen der proletarischen Klasse finden eher im Naturalismus als im Impressionismus einen Widerhall. Vielleicht macht aber gerade diese Zeitlosigkeit den Reiz des Impressionismus aus.
- Maria Slavona, Stillleben vor rotem Hintergrund, 1911, Öl auf Leinwand, 80,5 × 100 cm (Stiftung Schlösschen im Hofgarten Wertheim)
Stillleben - Befreiung der Farbe
Das Stillleben entwickelte sich in den Niederlanden des 17. Jahrhunderts zur eigenständigen Bildgattung, wobei häufig Botschaften mit den arrangierten Dingen verbunden wurden. Im 19. Jahrhundert machten Malerinnen und Maler das Genre zu einem Experimentierfeld künstlerischer Erneuerung, vor allem in Bezug auf Farbwahrnehmung und Farbkonzepte.
Die Stillleben der deutschen Impressionistinnen und Impressionisten spiegeln ebenfalls die Befreiung der Farbe als autonomen ästhetischen Wert. Mit energischer Pinselführung und skizzenhafter Oberflächengestaltung verliehen sie den dekorativen Arbeiten eine noch nie gesehene Leuchtkraft. Manchmal lösen sich die Dinge auch im Licht fast auf, sodass sie der Grenze zur Abstrakten Kunst manchmal nahekommen.
Das Museum Barberini versammelt eine repräsentative Auswahl impressionistischer Stilllen von Slevogt, Corinth, Maria Slavona, Georg Burmester, Lesser Ury und Heinrich Hübner. Die prächtigen Blumensträuße würden jede Wohnung verschönern. Bei Conrinth mischt sich schon ein Quäntchen expressive Pinselführung hinzu. Und Max Slevogts Schokoladenhase würde jedes Kinderherz erfreuen. Die Stillleben des deutschen Impressionismus verzücken auch heute noch und verweisen auf eine Welt des Wohlstands und des Friedens.
- Max Slevogt, Das Champagnerlied/Der »Weiße d’Andrade«, 1902, Öl auf Leinwand, 215 x 160 cm , Staatsgalerie Stuttgart, Inv. 1123 © Staatsgalerie Stuttgart.
- Max Slevogt, Der schwarze d’Andrade, 1903, Öl auf Leinwand, 150 x 109 cm (© Hamburger Kunsthalle / bpk Foto: Elke Walford)
Theatralität - Große Gefühle auf Bühne und Leinwand
Ungeachtet der Hauptthemen Landschaft und Genrebild widmeten sich die Malerinnen und Maler des deutschen Impressionismus auch der Bühne - beziehungsweise inszenierten sich selbst oder Freunde auf der Leinwand mit Zeichen ihrer Profession.
Hierbei macht es keinen Unterschied, ob es sich um eine erotische Tänzerin oder eine Femme fatale aus Religion oder Literaturgeschichte handelt. „Simson und Delila“ (1902, Städel Museum, Frankfurt am Main) von Max Liebermann und „Gertrud Eysoldt als Salome“ (1903, Klassik Stiftung Weimar) von Lovis Corinth verwandelt beide Frauen in mächtige Gestalten, die grenzenlos über die Körper wehrloser Männer verfügen. Im Gegensatz dazu inszeniert Max Slevogt einen „Frauenraub“ (1905, Niedersächsisches Landesmuseum Hannover) im Dschungel; die an einen Turban erinnernde Kopfbedeckung des Mannes dürfte als Chiffre für Exotik zu verstehen sein.
Diese wüste Phantasie leitet direkt über zu Slevogts berühmte Bildnisse des portugiesischen Baritons Francisco d`Andrade. Maler und Starsänger trafen einander 1902 zum ersten Mal. Sogleich verewigte Slevogt d'Andrade in „Das Champagnerlied“ (1902, Staatsgalerie Stuttgart) aus Mozarts „Don Giovanni“, einer Paraderolle des Sängers. Dem ersten Erfolg folgten „Der schwarze d’Andrade“ (1903, Hamburger Kunsthalle) und „Der Sänger Francisco d’Andrade als Don Giovanni in Mozarts Oper“ (1912, Staatliche Museen zu Berlin, Nationalgalerie). Damit sind in Potsdam alle drei wichtigen d'Andrade-Porträts versammelt!
- Max Liebermann, Die Blumenterrasse im Wannseegarten, 1923, Öl auf Leinwand (Privatbesitz)
- Max Liebermann, Mein Haus in Wannsee mit Garten, um 1926, Öl auf Leinwand, 70,5 × 90,2 cm (Privatsammlung)
Max Liebermanns Paradies am Wannsee
Max Liebermann kaufte 1909 eines der letzten freien Wassergrundstücke in der Großen Seestraße am Großen Wannsee und ließ sich darauf ein großzügiges Landhaus mit Atelier erbauen. Der Garten wurde auf den Rat von Alfred Lichtwark (1852–1914) straßenseitig als Blumen- und Gemüsegarten und seeseitig als Park mit Laubengang gestaltet, was dem Konzept der Gartenreformbewegung folgt. Kunstförderung, Gartengestaltung, Lebensreform und Kunstproduktion gehören in diesem Ensemble zusammen.
Das besondere Augenmerk des Malers galt dem Garten mit seinen Blumenterrassen in jährlich wechselnden Farben, heckengesäumten Rosenhöfen und Rondellen. Diese Motive prägen das späte Werk des Malers. Liebermann apostrophierte seinen Landsitz als „Ort der Muße und Freiheit“ – und formulierte damit ein Bedürfnis, das sich mit den Haltungen von Claude Monet aber auch Gustav Klimt vergleichen lässt. Der Garten wird in der Vorstellung der Avantgardekünstler zum Refugium, zum Hortus Conclusus einer zwar abgeschotteten, aber auch geruhsamen Idylle.
In Potsdam sind Liebermanns späte Wannsee-Bilder zu sehen: Der Nutzgarten mit seinen Rabatten wurde vom Künstler genauso motivisch verarbeitet wie die Blumenstauden am Gärtnerhäuschen sowie der Blick über Blumenterrasse und Wiese zum Seeufer, die Birkenallee und die einladende Gartenbank unter dem Kastanienbaum. In rund 200 Werken beschäftigte sich der Berlin mit seinem Garten, den sich der Maler selbst von Jahr zu Jahr gestalten konnte.
Bereits während des Ersten Weltkriegs war die Villa am Wannsee zum Rückzugsort des Künstlers geworden, da er nicht mehr reisen konnte. Seine Hinwendung zum Motiv des Gartens ging aber auch mit einer politischen Wandlung einher, am Ende derer sich der knapp 70-jährige Professor zunehmend ins Privatleben zurückzog. Der Aufstieg der NSDAP und die Machtübernahme im Januar 1933 bedeuteten eine neuerliche Verfolgung des Künstlers durch die nunmehr neuen Machthaber: So wie vor dem Ersten Weltkrieg Kaiser Wilhelm II. kein Freund von Liebermanns Kunst war, so sollte nun auch noch seine jüdische Familie zur Invektive werden. Seine Ende der 1920er Jahre entstandenen Garten- und Blumenbilder lassen nichts von diesen Schwierigkeiten erahnen. In der Farbigkeit realistisch, trieb Liebermann die Formauflösung zu einem Höhe- und Endpunkt in seinem Werk. Als Max Liebermann am 8. Februar 1935 verstarb, hatte er bereits sein Amt als Ehrenpräsident der Preußischen Akademie der Künste niedergelegt und war ausgetreten. Von den ehemaligen Mitstreitern traute sich nur Konrad von Kardorff zum Begräbnis. Mit Liebermannn war die Freiluftmalerei und die Freiheit der Kunst gestorben.
Ausgestellte Künstler und Künstlerinnen
Neben Schlüsselwerken von seit Langem fest im Kanon verankerten Malern wie Lovis Corinth, Max Liebermann, Max Slevogt oder Fritz von Uhde werden auch Arbeiten weniger bekannter Künstler miteinbezogen, darunter Philipp Franck, Theodor Hagen, Friedrich Kallmorgen, Gotthardt Kuehl, Christian Landenberger, Heinrich Eduard Linde-Walther, Ernst Oppler, Franz Skarbina, Lesser Ury, Max Uth und Heinrich von Zügel.
Darüber hinaus wirft die Ausstellung ein Schlaglicht auf den immer noch vernachlässigten Beitrag, den Frauen zur Entwicklung des deutschen Impressionismus geleistet haben, so etwa Charlotte Berend-Corinth, Dora Hitz, Sabine Lepsius und Maria Slavona.
Zu den Leihgebern gehören u. a. die Alte Nationalgalerie in Berlin, die Galerie Neue Meister in Dresden, das Folkwang Museum in Essen, das Städel Museum in Frankfurt am Main, die Hamburger Kunsthalle, die Neue Pinakothek in München, das Musée d’Orsay in Paris und das Belvedere in Wien.
Die Ausstellung ist eine Kooperation mit dem Museum Burda in Baden Baden, wo sie im Herbst 2025 zu sehen ist. → Baden-Baden | Museum Frieder Burda: Max Liebermann und seine Zeit
Quelle: Museum Barberini
- Max Liebermann, Selbstbildnis im Anzug neben der Staffelei, 1922, Öl auf Leinwand, 90 × 75,3 cm (Galerie Bastian, Berlin)
- Max Slevogt, Der Malvengärtner, 1920, Öl auf Leinwand, Öl auf Leinwand, 98 × 66,5 cm (Kunsthalle Mannheim)
Bilder
- Max Liebermann, Blumenstauden am Gärtnerhäuschen nach Osten, 1923, Öl auf Leinwand, 55,5 x 75,5 cm (Privatsammlung)
- Heinrich Hübner, Rittersporn, 1913 (Staatliche Museen zu Berlin, Nationalgalerie)
- Maria Slavona, Stillleben vor rotem Hintergrund, 1911 (Stiftung Schlösschen im Hofgarten Wertheim)
- Max Slevogt, Stillleben mit Schokoladenhasen, 1923 (Landesmuseum Mainz)
- Dora Hitz, Bildnis eines kleinen Mädchens, vor 1897 (Staatliche Museen zu Berlin, Nationalgalerie)
- Heinrich Eduard Linde-Walther, Kind im Spielzimmer, 1901 (Lübecker Museen. Museum Behnhaus Drägerhaus)
- Max Slevogt, Der Malvengärtner, 1920 (Kunsthalle Mannheim)
- Philipp Franck, Wannseegarten (Rosenlaube im Arnholdschen Garten), 1919 (Privatsammlung)
- Lovis Corinth, Dame am Goldfischbassin, 1911 (Belvedere, Wien)
- Lovis Corinth, Die Lesende, 1911 (Privatsammlung)
- Eva Stort, Blick aus dem Fenster (Schöneberg), 1890 (Sammlung David Ragusa)
- Philipp Franck, Wannsee, 1915 (Privatsammlung, Frankfurt am Main)
- Friedrich Kallmorgen, Heiterer Wintertag, 1881 (Privatsammlung)
- Gotthardt Kuehl, Waisenkinder in Lübeck, 1884 (Albertinum, Staatliche Kunstsammlungen Dresden)
- Max Liebermann, Judengasse in Amsterdam, 1909 (Privatsammlung Brennet GmbH)
- Max Liebermann, Die Blumenterrasse im Wannseegarten nach Süden, 1921 (Privatsammlung)
- Max Liebermann, Gartenbank unter dem Kastanienbaum – Blühende Kastanien, 1916 (Privatsammlung)
- Max Liebermann, Der Nutzgarten in Wannsee nach Westen, auf dem Wege eine Gärtnerin, um 1924 (Privatsammlung)
- Max Liebermann, Blumenstauden am Gärtnerhäuschen nach Norden, 1928 (Privatsammlung)
- Max Liebermann, Mein Haus in Wannsee mit Garten, um 1926 (Privatsammlung)
- Max Slevogt, Das Champagnerlied, 1902 (Staatsgalerie Stuttgart)
- Max Liebermann, Simson und Delila, 1902 (Städel Museum, Frankfurt am Main)
- Max Liebermann, Selbstbildnis im Anzug neben der Staffelei, 1922 (Galerie Bastian, Berlin)
- Max Liebermann, Freistunde im Amsterdamer Waisenhaus, 1881/82, Öl auf Leinwand, 78,5 × 107,5 cm (Städel Museum, Frankfurt am Main, Eigentum des Städelschen Museums-Vereins e. V.)
- Max Liebermann, Papageienmann, 1901, Öl auf Leinwand, 85 × 63,5 cm (Privatsammlung)
- Max Liebermann, Biergarten „De Oude Vink“ bei Leiden, 1905, Öl auf Leinwand, 71 × 88 cm (Kunsthaus Zürich)
- Max Liebermann, Mein Haus in Wannsee mit Garten, um 1926, Öl auf Leinwand, 70,5 × 90,2 cm (Privatsammlung)
- Max Liebermann, Selbstbildnis, 1934, Öl auf Leinwand, 92,1 × 73,3 cm (Tate, Schenkung Lord Marks 1935)
- Lesser Ury, Hochbahnhof Bülowstraße, 1922, Öl auf Leinwand, 70 × 100,5 cm (Privatsammlung Süddeutschland)
- Fritz von Uhde, Kinderstube, 1889, Öl auf Leinwand, 110,7 × 138,5 cm (Hamburger Kunsthalle, Geschenk von Alfred Beit, 1901)
- Sabine Lepsius, Doppelportrait der Geschwister Cornelia (geb. 1921) und Charlotte Hahn (geb. 1926), 1932, Öl auf Leinwand, 80,5 × 85,5 cm (Jüdisches Museum Berlin)
- Max Slevogt, Der Malvengärtner, 1920, Öl auf Leinwand, Öl auf Leinwand, 98 × 66,5 cm (Kunsthalle Mannheim)
- Max Liebermann, Freistunde im Amsterdamer Waisenhaus, 1881/82, Öl auf Leinwand, 78,5 × 107,5 cm (Städel Museum, Frankfurt am Main, Eigentum des Städelschen Museums-Vereins e. V. Inv.-Nr. 1351)















![Claude Monet, Aiguille d’Étretat, marée basse [Felsnadel von Étretat bei Ebbe], Detail, 1883, Öl auf Leinwand, 60 x 81 cm (Privatsammlung, Foto: Alexandra Matzner, ARTinWORDS)](https://artinwords.de/wp-content/uploads/Claude-Monet-Felsnadel-von-Etretat-bei-Ebbe-Detail-778x500.jpg)


