Leonardo da Vinci: Werke, Biografie, alles Wissenswerte

Leonardo da Vinci

Wer war Leonardo da Vinci?

Leonardo da Vinci (Vinci 15.4.1452–2.5.1519 Schloss Fontainebleau) gilt heute - wie auch schon seinen Zeitgenossen - als „Uomo universale“, als allgemein interessierter und gebildeter Mensch der Renaissance. In der Werkstatt von Andrea del Verrocchio zum Maler (und vielleicht auch zum Plastiker) ausgebildet, schuf der Künstler, Wissenschaftler und Ingenieur nur rund 20 Gemälde, die in Italien, Deutschland, Frankreich, Großbritannien, den USA und Katar verstreut sind.

Zu den unvergleichlichen Leistungen des Renaissance-Genies zählen theoretische Texte über die Malerei, wissenschaftliche Zeichnungen (Anatomiestudien), die erste Landschaftszeichnung der Renaissance-Kunst (Arnolandschaft, 1473), Entwürfe von militärischen Anlagen und Waffen, Arbeit an einem Reiterdenkmal in Mailand. Die vielfältigen Interessen des Künstlers sind in seinen Zeichnungen dokumentiert. Zwei seiner bedeutendsten Werke wurden nie vollendet, und das Wandgemälde Schlacht von Anghiari entfaltete zwar große Wirkung in Florenz und wurde trotzdem innerhalb von 60 Jahren übermalt. Ein Reiterstandbild für Francesco Sforza, vielleicht sein Meisterwerk, fiel Krieg und Politik zum Opfer. Das theoretische Werk Leonardos wurde erst im 19. Jahrhundert entdeckt und transkribiert. Dennoch gehören zumindest zwei seiner Bild zu den berühmtesten der Welt: die „Mona Lisa“ (eigentlich das Porträt der Lisa Gherardini) im Louvre und das Wandgemälde „ Das Abendmahl“ in Mailand.

Kindheit

Leonardo da Vinci wurde am Samstag, dem 15. April 1452, um drei Uhr nachts in Vinci geboren. Sein Vater, Ser Piero, bewohnte den Palazzo del Podestré in Florenz; Leonardos Großvater hielt dies in seinen Erinnerungen fest. Vinci liegt etwa 50 Kilometer westlich von Florenz. Leonardos Geburtshaus existiert noch heute und gehörte der Familie seines Vaters, die seit vier Generationen Notare und seit dem 13. Jahrhundert in Vinci ansässig waren. Als Grundbesitzer gehörte Leonardo da Vincis Familie zur oberen Mittelschicht und zu den angesehensten Familien in der Gegend.
Leonardos Mutter hieß Caterina. Sie stammte aus einer niederen Schicht und war nicht mit Ser Piero verheiratet. Bis ins Alter von fünf Jahren lebte Leonardo da Vinci im Haus seines Vaters und hatte die erste Ehefrau Ser Pieros als Stiefmutter.

In Leonardos umfangreichen Schriften werden seine Eltern kaum erwähnt und auch seine Jugend fast nie. Sicherlich wurde er im Schreiben, Lesen und Rechnen unterrichtet. Später hat er seine mangelnde akademische Bildung bedauert und sich bemüht, Latein und Geometrie zu erlernen. Für seine künstlerische Entwicklung war die heimische Landschaft von größter Bedeutung.

Ein Bauer soll Leonardos Vater gebeten haben, einen hölzerenen Schild für ihn in Florenz bemalen zu lassen. Ser Piero übergab das Objekt allerdings seinen Sohn. Angeregt von seiner eigenen Sammlung von Eidechsen, Fledermäusen und anderen Tieren, bemalte Leonardo den Schild mit einem fürchterlichen und so lebensecht scheinenden Ungeheuer, dass es seinen Vater in Angst und Schrecken versetzte. Leonardos Vater erwarb für den Bauern einen anderen bemalten Schild - und verkaufte das Werk seines Sohnes mit beträchtlichem Gewinn. Das soll ihn davon übrzeugt haben, dass Leonardos Talent ihm auch einen Lebensunterhalt verdienen würde. Danach durfte Leonardo bei dem hochgeachteten Florentiner Künstler Andrea del Verrocchio in die Lehre gehen.

Ausbildung

Leonardo da Vinci erhielt seine Ausbildung bei dem Maler und Plastiker Andrea del Verrocchio (1435–1488), einem ausgewiesenen Spezialisten für monumentale Denkmäler und führenden Künstler seiner Zeit. In der Werkstatt Verrocchios lernte Leonardo neue Methoden und Techniken des Zeichnens kennen, mit denen sein Meister den Naturalismus seiner Werke steigern wusste. Verrocchio hielt seine Schüler an, Zeichnungen nach antiken Skulpturen, Aktmodellen und Gipsabgüssen von Gliedmaßen zu machen. Am Übergang von Früh- zu Hochrenaissance wurde die Antike als Vorbild immer wichtiger; zum einen sollte die idealisierte Schönheit der Figuren übertroffen und zum anderen deren emotionale Ausdrucksstärke erreicht werden. Zudem wurde Leonardo in Geometrie, Linearperspektive, dreidimensionales Gestalten mittels Licht (Höhungen und Schattierungen), Proportion und Anatomie sowie Wissen über die körperlichen Reaktionen auf Gefühle ausgebildet.

Werke

Frühwerk

Leonardo da Vincis Name ist erstmals 1472 in der Liste der florentinischen Maler der Lukasgilde eingetragen. Von 1469 bis 1472 ist kein Werk Leonardos bekannt. In den 1470er Jahren zählte er allerdings zu den aufstrebenden Malern in Florenz. Es gibt allerdings keinerlei Anhaltspunkte für die Existenz von Werken Leonardos aus den ersten 20 Jahren seines Lebens.

Leonardos früheste Notizen stammen aus der Zeit um 1478. Sechs Jahre nachdem er seine Ausbildung von Verrocchio abgeschlossen hatte. Da viele seiner Manuskripte verloren sind, lässt sich nicht genau sagen, ab wann der Maler und Erfinder tägliche Aufzeichnungen zu seinen Überlegungen, Aktivitäten, Erfahrungen und Eindrücken machte. Die erste Schriftprobe Leonardos befindet sich auf der berühmten Landschaftszeichnung vom 5. August 1473, die er von den toskanischen Bergen machte (→ Leonardo, Landschaft von Arno und Flusstal, datiert 5. August 1473).

Giorgio Vasari zufolge war es Leonardos außergewöhnliche Begabung für Zeichnen und seine Arbeit im Relief, die den Vater auf die Idee brachte, seinen Sohn in die Lehre bei einem Künstler zu geben. Dadurch besuchte Leonardo da Vinci nie die Lateinschule, die ihm später geholfen hätte, wissenschaftliche Literatur zu lesen. Eine weitere führe Quelle berichtet, dass Leonardo als junger Mann bei Lorenzo de’ Medici (1449–1492) wohnte, der dem angehenden Künstler für Gartenarbeit auf der Piazza von San Marco in Florenz entlohnte. In den 1470er Jahren hatte der Mäzen seinen Skulpturengarten für vielversprechende junge Maler und Bildhauer geöffnet, um ihnen eine Möglichkeit zu geben, antike Skulpturen unter der Anleitung des Bildhauers Bertoldo di Giovanni (nach 1420–1491) zu studieren. Vielleicht kam der Kontakt durch Andrea del Verrocchio zustande, der während der späten 1460er Jahre große Aufträge für Lorenzo de‘ Medici und dessen Bruder Giuliano ausführte (darunter der Restaurierung antiker Statuen im Palazzo Medici).

Verkündigung (Uffizien) & Madonna mit der Vase (München)

Die frühesten erhaltenen Kunstwerke Leonardo da Vincis sind die Gemälde zur Verkündigung (Uffizien, Florenz) und die Madonnan mit der Vase (Alte Pinakothek, München). Beide Gemälde werden in die Jahre 1473 bis 1475 datiert.

Gleichzeitig arbeitete der junge Künstler noch an der Taufe Christi (1473-1475, Uffizien, Florenz) von Andrea del Verrocchio mit. Er malte daüfr den knienden Engel und die Landschaft im Hintergrund.

Verkündigung (Louvre)

Die Verkündigung (Louvre, Paris) wird in die Jahre zwischen 1476 und 1478 datiert. Ursprünglich hatte es sich hierbei um einen Auftrag für Verrocchio gehandelt, der von Leonardo übernommen wurde.

Altarbild im Palazzo Vecchio

Im Januar 1478 erhielt Leonardo da Vinci einen Auftrag für das Altarbild der Kapelle im Palazzo della Signoria von Florenz. Später wurde dieses Gemälde von Filippino Lippi ausgeführt.
Am 10. Januar 1478 ist ein Auftrag für ein Altarbild im Palazzo Vecchio überliefert. Und am 14. März erhielt der Künstler die erste Zahlung für dieses Werk.

In diesem Jahr, 1478, begann Leonardo da Vinci auch mit seinen erhaltenen Aufzeichnungen und Notizen, darunter den Codex Atlanticus (1478-1518) und die Blätter in der Sammlung Windsor (1478-1518). Im letzten Drittel des Jahres 1478 entstand eine Federzeichnung von zwei Köpfen und mechnaischen Vorrichtungen (Uffizien, Florenz). Die zerrissene Zeichnung ist nicht nur für das beginnende Interesse Leonardos für Maschinen bedeutend, sondern auch wegen einer Notiz am unteren Rand:

"... 1478 begann ich die beiden Madonnenbilder."

Damit sind die "Benois-Madonna" (Eremitage, St. Petersburg) und das Bildnis der Ginevra Benci (National Gallery of Art, Washington) gemeint.

Ginevra de‘ Benci

Das um 1478 bis 1480 gemalt Bildnis zeigt Ginevra de' Benci (1457–1520), eine Frau aus einer prominenten florentinischen Familie, die jahrzehntelang eng mit den Medici verbunden war. Der Auftrag für dieses Porträt stammt wahrscheinlich nicht von ihrem Ehemann, mit dem Ginevra de‘ Benci seit 1474 verheiratet war, sondern vom Humanisten Bernardo Bembo (1433–1519), der in der zweiten Hälfte der 1470er Jahre als venezianischer Gesandter in Florenz diente. Als Bembo zwischen 1475 und 1480 nach Venedig zurückkehrte, widmeten Cristoforo Landino und Alessandro Braccesi, zwei Humanisten aus dem Umkreis von Lorenzo de‘ Medici, Ginevra mehrere lateinische Gedichte und bezeichneten sie darin als Bembos „platonische Liebe“. Darin rühmen sie Ginevras außergewöhnliche Schönheit und Tugend und verweisen auf Bembos Bewunderung für ihre Keuschheit. Vielleicht entschied sich Leonardo deshalb, sie nicht im Profil, sondern in Dreiviertelansicht darzustellen. Wie sehr Leonardo da Vinci mit der flämischen Porträtmalerei vertraut war, geht aus dem erkennbaren Einfluss von „Porträt einer jungen Frau“ (Berlin) von Petrus Christus hervor. Was bei vielen flämischen Porträts gängige Praxis war, gehörte in der Florentiner Malerei der Frührenaissance nicht zum Usus. Durch die Drehung aus dem Bild heraus, kann man der Dargestellten in die Augen sehen, „die Fenster zur Seele“.

Hl. Hieronymus (Vatikan)

Im Jahr 1480 entand Leonardos eindrückliche Schilderung des Heiligen Hieronymus (1480, Pinacoteca Vaticana).

Anbetung der Könige (Uffizien)

Das Kloster San Donato a Scopeto gab 1481 Leonardo den Auftrag für die Anbetung der Könige (Uffizien, Florenz). Am 28. September bezahlten die Mönche die letzte Summe für das Werk.

Als der Maler 1482 nach Mailand zog, ließ er die Anbetung unvollendet zurück. Er hielt sich bis zum Sturz von Lodovico il Moro 1499 in Oberitalien auf.

Madonna in der Felsengrotte (Louvre)

Am 25. April 1483 beauftragten die Confratelli della Concezione Leonardo da Vinci und die Brüder De Predis mit der Ausführung des Hochaltargemäldes ihrer Kapelle in San Francesco il Grande. Es entstand von 1483 bis 1486 die Madonna in der Felsengrotte (Louvre, Paris).

Reiterdenkmal für Francesco Sforza

Aus dem Jahr 1484 datiert die erste Entwurfszeichnung, bzw. Studie für das bronzene Reiterdenkmal zu Ehren von Francesco Sforza, dem Vater von Lodovico il Moro (Windsor 12358r).

Im Manuskript C, Folio 15v findet sich die Notiz: "Am 23. April 1490 fing ich dieses Buch an und begann wieder mit dem Pferd."

Am 17. Mai 1491 wurde der Guss des "Cavallo [Pferdes]" vorbereitet. Dem folgen 1493 Aufzeichnungen über das Gussverfahren im Codex Madrid II (151v).

Cecilia Gallerani (Krakau)

In den Jahren von 1484 bis 1488 malte Leonardo da Vinci ein Bildnis der Mätresse von Lodovico il Moro, Cecilia Gallerani (Krakau).

Das am 23. April 1485 bei ihm in Auftrag gegebene Gemälde mit der Geburt Christi für den ungarischen König Matthias Corvinus, ist nicht erhalten.

Kuppel des Mailänder Doms

Von Juli 1487 bis Januar 1488 wurde Leonardo für ein Modell eines Teils der Kuppel des Mailänder Doms bezahlt.

Im Jahr 1487 dürften die Grotesken Köpfe (Windsor 12495r) entstanden sein. In diesem Jahr begann er auch den Codex Forster iz (Fol. 41-55, 1487-1490) und das Manuskript B (1487-1488). Leonardo machte Studien für eine Kuppelkirche (1488) und anatomische Studien (1489); auf Folio 42 des Anatomischen Manuskripts B (Windsor 19059r) notierte der Künstler und Gelehrte das Datum 2. April (1489).

Bildnis eines Musikers (Ambrosiana)

Leonardo malte das "Bildnis eines Musikers" (Ambrosiana, Mailand) im Jahr 1490.

Am 22. Juli 1490 zog Salai, Jacopo dei Caprotti, bei Leonardo da Vinci ein. In dieses Jahr datieren auch Untersuchungen von Francesco di Giorgio Martini mit Bemerkungen von Leonardo.

Dekoration der Sala delle Asse

Die Dekoration der Sala delle Asse im Castello Sforzesco, Mailand, kann in die Jahre 1495 bis 1497 datiert werden. Etwa zur selben zeit entstand das Manuskript M (1495-1497) und das Manuskript I (1495-1499).

Das Abendmahl

Das Abendmahl

Leonardo da Vinco malte "Das Abendmahl" in der Mailänder Kirche Santa Maria delle Grazie von 1495 bis 1498.

In die selbe Zeit fällt auch seine Freundschaft und Zusammenarbeit mit Luca Pacioli, für den er Zeichnungen der "regelmäßigen Körper" in dessen "De divina proportione" anfertigte. Am 9. Februar 1498 nahm Leonardo am "ehrenvollen und wissenschaftlichen Wettstreit" am Hof der Sforza teil, der von Lodovico il Moro überwacht wurde. Weitere Teilnehmer waren Pacioli sowie Theologen, Professoren und Physiker. Am 2. Oktober erhielt der Maler einen Weinberg vom Monarchen (registriert am 26.4.1499). Pacioli schrieb, dass Leonardo gerade sein Buch über Malerei beendet habe und ein Trakta über "Kraft und Gewicht" fertigstelle.

Matteo Bandello hielt in seinen "Novelle" fest, dass er Leonardo von Sonnenaufgang bis zur Dämmerung malen sah (1497).

Hl. Anna Selbdritt (National Gallery, London)

Der Karton für Hl. Anna Selbdritt (The National Gallery of Art, London) entstand 1498/99.

Am 3. April 1501 schrieb Novellara in einem Brief an Isabella d'Este von dem Karton, den Leonardo für eine Darstellung der Hl. Anna gezeichnet hatte. Gleichzeitig arbeitete er schon an der "Madonna mit der Spindel".

Bildnis der Isabella d'Este

Am 14. Dezember 1499 verließ der Künstler, Gelehrte und Theoretiker Mailand in Richtung Florenz. Davor hatte er sich 600 Goldgulden auf sein Konto in Florenz überweisen lassen. Das Jahr 1500 verbrachte Leonardo da Vinci reisend: Im Februar hielt er sich mit Pacioli in Mantua auf, im März war er in Venedig und bereits den ganzen venezianischen Staat. Am 24. April 1500 kehrte er, wieder zusammen mit Pacioli, nach Florenz zurück. Der betätigte sich nun als Festungsingenieur und zeichnete Pläne für einen Staudamm im Isonzo-Tal, um den Landstrich zur Abwehr osmanischer Truppen zu überfluten.

In Mantua schuf er den Karton für das "Bildnis der Isabella d'Este" (Louvre, Paris).

Madonna mit der Spindel

Am 4. April 1501 berichtete Novellara in einem Brief an Isabella d'Este, dass Leonardo an der "Madonna mit der Spindel" arbeitete.

Architekt und Militäringenieur

Am 18. August 1502 hielt Cesare Borgia, Herzog von Valentinois, fest, dass er Leonardo als Architekt und Militäringenieur einstellt. Leonardo da Vinci bereiste mit Borgia und Machiavelli die Romagna. Es entstand der Pan von Imola (Windsor 12248) und topografische Studien (Manuskript L).

Schlacht bei Anghiari

1503 kehrte Leonardo da Vinci endgültig nach Florenz zurück und entnahm Geld von seinem Konto.

Der Karton und das Wandgemälde (?) der "Schlacht bei Anghiari" entstand in den Jahren 1503 bis 1506. Er erhielt 1504 monatliche Zahlungen für seine Arbeit an dem Wandgemälde; im Jahr 1505 wurden ihm höhere Zahlungen ausbezahlt.

Am 25. Januar 1504 soll er mit einigen Kollegen über die Aufstellung von Michelangelos "David" mitbestimmen. Am 9. Juli dieses Jahres starb sein Vater, Ser Piero da Vinci. Im November hielt sich der Künstler in Piombio auf.

Mona Lisa

Leonardo da Vincis berühmtestes Werk, die "Mona Lisa" oder auch "Bildnis der Mona Lisa del Giocondo" (Louvre, Paris), entsten 1504 bis 1506.

Trivulzio Denkmal

Am 30. Mai 1506 verließ Leonardo Florenz und kehrte vorübergehend nach Mailand zurück. Am 18. August bat der Gouverneur von Mailand die Signoria in Florenz um Verlängerung des Urlaubs für den Künstler um drei Monate. Am 28. August wurde dieses Gesuch bewilligt. Leonardo da Vinci sollte Ende September wieder nach Florenz zurückkehren, allerdings hielt er sich am 12. Januar 1507 noch immer in Oberitalien auf. Er lernte Melzi kennen und Lönig Ludwig XII. möchte den Künstler in seinen Dienst nehmen. In der Folge reiste Leonardo offenbar mehrfach zwischen Florenz und Mailand hin und her (5.3. und 18.9. in Florenz, Juli 1508 in Mailand).

Der Künstler begann 1506 am Trivulzio Denkmal zu arbeiten.

Hl. Anna Selbdritt (Louvre)

Leonardo malte die Hl. Anna (Louvre, Paris) zwischen 1509/10.

Anatomiestudien

Die Zusammenarbeit von Leonardo da Vinci mit Marcantonio della Torre, Professor für Anatomie, ist für das Jahr 1510 bezeugt.

Im Anatomischen Manuskript A ist auf Folio A17 vermerkt:

"In diesem Winter 1510 werde ich wohl die ganze Anatomie abschließen."

In den Jahren 1510/11 erhielt der Künstler und Gelehrte sein Gehalt von Ludwig XII.

Selbstbildnis

Das berühmte Selbstbildnis Leonardos (Biblioteca Reale, Turin) entstand um 1512.

Rom: Johannes der Täufer (Louvre)

Am 25. März 1513 holte noch dei Domverwaltung in Mailand einen Rat Leonardos ein. Am 24. September verließt er mit Freunden und Schülern die Stadt, um am 10. Oktober in Florenz und am 1. Dezember in Rom einzutreffen. Dort bezog Leonardo ein Atelier im Belvedere des Vatikan. Leonardo arbeitete am Manuskript E. Zwei verlorengegangene Zeichnungen waren für G. B. Branconi bestimmt.

In Rom schuf Leonardo den "Johannes den Täufer" (1513-1516, Louvre, Paris).

In den Jahren von 1514 bis 1516 lebte Leonardo da Vinci in Rom, er unternahm aber zahlreiche Reisen:

  • Frühjahr 1514: Civitavecchia
  • 25. September 1514: Parma
  • 14. Dezember 1514: Rom
  • 17. März 1515: Florenz / Tod von Giuliano de' Medici, der Leonardo gefördert hatte.
  • 9. Dezembr 1515: Mailand und Reise nach Tivoli auf der Suche nach antiken Ruinen

Um 1514 entstand "Die Sintflut" (Windsor 12380).

Leonardo schickte einen mechanischen Löwen nach Lyon zu den Krönungsfeierlichkeiten für Franz I. (12.7.1515). Er schuf Entwürfe für Stallungen für Giuliano de' Medici und Pläne für die Trockenlegung der Pontinischen Sümpfe.

Frankreich

Im Winter 1516 übersiedelte Leonardo nach Frankreich. Er nahm seine Schüler und Freunde Salai und Melzi mit, der später den größten Teil von Leonardos Nachlass erben würde, mit.

Am 17. Januar 1517 hielt sich Leonardo mit Franz I. in Romorantin auf. Er zeichnete Pläne für ein Schloss der Königinmutter. Am Himmelfahrtstag war er in Cloux bei Amboise. In diesem Jahr sind vor allem seine gemetrischen und architektonischen Studien zu erwähnen.

Am 19. Juni 1518 war Leonardo an den Planungen von Festspielen für die Hochzeit von Lorenzo di Pietro de' Medici und Madeleine de La Tour d'Auvergne beteiligt.

Leonardo da Vinci als Zeichner

Wer sich Leonardo da Vinci nähern möchte, sollte dies über die Zeichnungen tun. Von dem Florentiner Maler und Denker haben sich Hunderte Zeichnungen erhalten - mehr als von jedem anderen Renaissance-Künstler überhaupt (→ Royal Collection stellt 2019 Leonardo Zeichnungen aus). Sie sind technisch brillant ausgeführt und belegen die vielfältigen Interessen des Menschen Leonardo. Nur ein kleiner Teil davon ist mit künstlerischen Projekten verbunden. Die meisten spiegeln sein unendliches Staunen über die Welt und ihre Erscheinungsformen. Diese wollte er erfassen, ergründen und verstehen. Vielfach waren diese Arbeiten auf Papier nicht für die Öffentlichkeit bestimmt. In ihnen dachte er nach, suchte alle Varianten von Kompositionen zu durchdenken, ein privates Laboratorium zu pflegen.

Theorie

Leonardos erhaltene Manuskripte waren jahrhundertelang verschollen und wurden erst im 19. Jahrhundert wiederentdeckt, transkribiert und veröffentlicht. Heute werden sie v.a. in der Biblioteca Ambrosiana in Mailand, der Bibliothèque de l'Institut de France in Paris und einigen anderen Bibliotheken aufbewahrt. Sie zeigen ein außergewöhnliches Wechselspiel von Bild und Wort.

In der Farbtheorie unterschied Leonardo da Vinci bereits zwischen einfachen und natürlichen Farben. Allerdings widerspricht sich Leonardo in seinen theoretischen Ausführungen, beschreibt aber die einfachen Farben einmal als Primärfarben (Weiß, Gelb, Grün, Blau, Rot, Schwarz); die natürlichen nannte er Brombeerfarbe (Violettblau?) und Löwenfarbe (Orange?). Neben dieser Unterscheidung in primäre und sekundäre Farben beschrieb Leonardo noch den Simultankontrast.

Bereits Leonardo empfahl in seinem Traktat von der Malerei für das schnelle Skizzieren das Mitführen eines Notizbuches:

„Trage also darum gern ein kleines Büchlein bei dir, mit Blättern, die mit Knochenmehl präpariert sind, und notiere dir derlei Bewegungen in der Eile mit dem Silberstifte […]. Und wenn du dein Buch voll hast, so lege es beiseite und hebe es wohl auf für das, was du vorhast, und nimm ein anderes und fahre darin ebenso weiter fort.“

Tod

Leonardo da Vinci starb am 2. Mai 1519 im Schloss von Amboise, wo er auch beigesetzt wurde. Am 23. April hatte er sein Testament gemacht.

"Der Erblasse will in der Kirche Saint Florentin zu Amboise begraben werden, und sein Leichnam soll von den Kapellanen derselben dorthin verbracht werden. Er wünscht, dass bei seinem begräbnis sechzig große Wachskerzen von sechzig armen Männern getragen werden, denen dafür Geld zu geben ist [...] Derselbe Erblasser schenkt und vermacht für alle Zeit und Dauer seinem Diener Battista de Vilanis eine Hälfte [...] seines Gartens, der vor den Stadtmauern von Mailand liegt, und die andere Hälfte desselben Gartens seinem Diener Salai [...] Ferner schenkt der Erblasser seiner Magd Maturina einen Mantel aus gutem schwarzem Tuch und pelzgefüttert [...] Genannter Erblasser schenkt und vermacht dem Messer Francesco da Melzi, Edelmann aus Mailand, als Entgelt für die ihn in der Vergangenheit erwiesenen Dienst und Gefälligkeiten alle und jedes der Bücher, welche der Erblasser zur Zeit besitzt, sowie die zu seiner Kunst und seinem Berufe als Maler gehörenden Instrumente und Bildnisse.
Errichtet am 23. Tage des April 1519, vor Ostern."1 (Leonardos Testament)

Alle Beiträge zu Leonardo da Vinci

8. Mai 2024
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Leonardo da Vinci, Kopf eines Kriegers, Detail, 1504, Rötel, 19 x 21 cm (Szepmueveszeti Muzeum, Budapest)

Leonardo im Teylers Museum Idealschöne Köpfe, Grotesken und Physignomiestudien

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16. November 2017
Leonardo da Vinci, Salvator Mundi (mit Rahmen), Detail, Öl/Walnuss, 65.7 x 45.7 cm, um 1500 (Privatsammlung, courtesy Sothenby‘s)

Leonardo da Vincis „Salvator Mundi“ für 450 Mio. USD verkauft Teuerstes auktioniertes Kunstwerk aller Zeiten

Um 2 Uhr früh MEZ fiel in New York der Hammer bei 450 Millionen USD (450.312.500 USD mit Gebühren), oder umgerechnet 380 Millionen Euro. Leonardo da Vinci’s (1452–1519) erst 2005 wiederentdeckter „Salvator Mundi“ ging von dem im Exil lebenden Russen Dimitri Rybolowiew an eine_n anynome_n Sammler_in.
5. August 2017
Leonardo, Landschaft von Arno und Flusstal, datiert 5. August 1473, Beschriftung: „di dì s[an]ta maria della neve / addj 5 daghossto 1473“ [Am Tag von Santa Maria della Neve / am 5. August 1473], Feder und zwei Farben brauner Tinte, 19,5 x 28,6 cm (Gabinetto Disegni e Stampe, Gallerie degli Uffizi, Florenz, 8 P recto)

Leonardo, Landschaft von Arno und Flusstal, datiert 5. August 1473 Erste „realistische“ Landschaftszeichnung der mitteleuropäischen Kunst?

Am 5. August 1473 datierte der 21-jährige Leonardo da Vinci (1452–1519) diese berühmte Landschaftszeichnung aus den Uffizien. Sie zeigt das Arno-Tal, jener Flusslauf, an dem Leonardo in Vinci zur Welt gekommen war. Das Dorf Vinci befindet sich im unteren Arno-Tal, nördlich von Empoli. Leonardo wurde am 15. April 1452 auf einem Bauernhof in Anchiano geboren. Bis heute prägen sanfte Hügel, Weinberge und Olivenhaine die Umgebung am Fuße des Monte Albano, und es scheint sich der Maler wenig von der Landschaft seiner Kindheit für seine späteren Gemälde abgeschaut zu haben.
29. April 2017
Leonardo da Vinci, Das Abendmahl, um 1494–1498, Tempera und Öl auf Mörtel, 460 x 880 cm (Refektorium von Santa Maria delle Grazie, Mailand)

Leonardo da Vinci: Werke Die wichtigsten Bilder des Renaissance-Malers

Leonardo da Vinci (1452–1517) war ein homo universalis, ein Universalgelehrter der Renaissance. Als Maler wie als Anatom, Erfinder und Bildhauer revolutionierte er die Kunst seiner Zeit. Heute sind 31 Werke – Gemälde, bildwürdige Kartons (schwarz-weiße Kreidezeichnungen auf Papier) – von ihm bekannt. Seine berühmtesten Werke sind zweifellos die „Mona Lisa“ und das „Abendmahl“ – aber auch seine vielfältigen Madonnen-Bilder zeigen Leonardo als erfindungsreichen Schöpfer bewegter und bewegender menschlicher Figuren.
30. Dezember 2016
Leonardo da Vinci, Dame mit dem Hermelin, 1489/1490, Öl und Tempera auf Holz, 54,7 x 40,3 cm (Czartoryski-Museum, Krakau)

Leonardos „Dame mit dem Hermelin“ bleibt in Polen Renaissance-Meisterwerk vom polnischen Staat angekauft

Polen kauft die Czartoryski Stiftung, deren Star zweifellos Leonardos „Dame mit dem Hermelin“ ist, für erschwingliche € 100 Millionen ($ 105 Millionen) von dem in Madrid lebenden Adam Fürst Jerzy Czartoryski. Der Kauf sichert den weiteren Verbleib des ikonischen Frauenporträts der italienischen Renaissance in Polen, wie Premierminister und Kulturminister Piotr Glinski beteuerte. Doch auch der „Rest“ ist sehenswert.
  1. Zitiert nach Ladislao Reti (Hg.), Leonardo. Künstler - Forscher - Magier, Frankfurt a. M. 1974, S. 19.
  2. Zitiert nach Ladislao Reti (Hg.), Leonardo. Künstler - Forscher - Magier, Frankfurt a. M. 1974, S. 19.