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Dresden | Zwinger: Edward Hopper „Die innere und die äußere Welt“ des amerikanischen Realisten

Edward Hopper, Morning Sun, 1952, Öl/Lw, 71 x 102 cm (Columbus Museum of Art, Ohio: Museum Purchase, Howald Fund)

Edward Hopper, Morning Sun, 1952, Öl/Lw, 71 x 102 cm (Columbus Museum of Art, Ohio: Museum Purchase, Howald Fund)

Edward Hoppers eindrucksvolles Gemälde „Morning Sun“ wird im Herbst/Winter 2021/22 als besonderer Gast aus dem Columbus Museum of Art in der Gemäldegalerie Alte Meister zu sehen sein. Gemeinsam mit grafischen Arbeiten Hoppers wird dieses Werk erstmals in einer Ausstellung in Dresden präsentiert. Gleichzeitig ist dies auch das erste Mal, dass ein Museum in den neuen Bundesländern sich dem Gesamtwerk des amerikanischen Künstlers in einer Ausstellung widmet.

Hopper und Vermeer: innere Wirklichkeiten

Ein Schwerpunkt der Schau ist die Gegenüberstellung von „Morning Sun“ aus dem Jahr 1952 mit einigen Gemälden aus unserer Sammlung. Auch dies ist ein Novum, da Werke von Hopper und den Alten Meistern noch nie gemeinsam gezeigt wurden. Parallel ist die Ausstellung „Johannes Vermeer. Vom Innehalten“ im Winckelmann-Forum der Gemäldegalerie Alte Meister zu sehen (→ Dresden | Zwinger: Vermeer). Insgesamt zehn Gemälde von Johannes Vermeer, darunter auch das frisch restaurierte „Brieflesende Mädchen am offenen Fenster“, sind dort ausgestellt (→ Jan Vermeer: Brieflesendes Mädchen am offenen Fenster).

Die Ausstellung regt daher dazu an, die Parallelen zu Jan Vermeers Malerei und im Besonderen zu dessen restauriertem Meisterwerk zu entdecken. Obwohl beide Gemälde in einem zeitlichen Abstand von fast dreihundert Jahren entstanden und in einem sowohl örtlich als auch geistig unterschiedlichen Kontext geschaffen wurden, offenbaren sich verblüffende Gemeinsamkeiten, die über das rein Kompositorische hinausgehen. Beide Bilder wurden oft im Hinblick auf die Isolation der beiden Protagonistinnen interpretiert. Die Ausstellung hinterfragt diese Interpretation nun kritisch.

Die Restaurierung von Vermeers „Brieflesendem Mädchen am offenen Fenster“ hat dessen Aussage und Bedeutung grundlegend verändert. Statt einer weißen Zimmerwand erscheint nun hinter dem Mädchen das Gemälde eines Liebesgottes (Cupido), der auf den amourösen Inhalt des Briefes, aber auch auf die moralische Botschaft verweist: dass Liebe Aufrichtigkeit verlangt. Zwar befindet sich das Mädchen noch immer allein im Raum, doch ist nun deutlich, dass ihre Versunkenheit keine Einsamkeit ausdrückt. Ähnliches gilt für Hoppers „Morning Sun“, in dem eine Frau auf dem Bett sinnend aus dem Fenster blickt. Sie sitzt im Schein der Sonne, der durch das Fenster von außen auf sie fällt und eine Verbindung zwischen der äußeren und inneren Welt schafft. Zwar bleibt es dem Betrachter überlassen, das Innehalten der Frau zu ergründen, ihre Einsamkeit im Raum sollte dabei jedoch, wie in Vermeers Bild, in den Hintergrund treten. Hopper lädt den Betrachter dazu ein, über die gezeigte Szenerie nachzudenken. Dabei ging es für ihn selbst stets um die Darstellung seiner eigenen inneren Wirklichkeit, ausgedrückt durch die äußere Welt.

Quelle: Staatliche Kunstsammlungen Desden

Hopper in Dresden: Bilder

  • Edward Hopper, Morning Sun, 1952, Öl/Lw, 71 x 102 cm (Columbus Museum of Art, Ohio: Museum Purchase, Howald Fund)
  • Jan Vermeer, Brieflesendes Mädchen am offenen Fenster Zustand während der Restaurierung am 16.01.2020 (© Gemäldegalerie Alte Meister, Staatliche Kunstsammlungen Dresden, Foto: Wolfgang Kreische)

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