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Berlin | Kulturforum: Ausstellungen 2020 Welche Ausstellungen zeigen Gemäldegalerie, Kupferstichkabinett und Kunstgewerbemuseum 2020?

Berlin, Kulturforum, Ausstellungen 2020

Berlin, Kulturforum, Ausstellungen 2020

Zwei höchst konträr programmierte Großausstellungen sollen das Berliner Publikum 2020 ins Kulturforum locken: „Pop on Paper. Von Warhol bis Lichtenstein“ zeigt die Schätze des Kupferstichkabinetts (ab 3.4.), während „Spätgotik. Aufbruch in die Neuzeit“ das permanente Wechselspiel der Medien Malerei und Skulptur anschaulich macht (ab 9.10.). Nach der Restaurierung von Bastianinos „Das lebende Kreuz“ (um 1560/70) aus Ferrara, wird das einzige Werk dieses Spätmanieristen in einem deutschen Museum in der Gemäldegalerie der Öffentlichkeit vorgestellt (ab Juni).

Das Kupferstichkabinett widmet mit „Raffael in Berlin. Meisterwerke aus dem Kupferstichkabinett“ dem Hauptvertreter der italienischen Hochrenaissance eine Schau zu dessen 500. Todestag (ab 28.2.). Im Spätsommer flankiert die Ausstellung „Wir heben ab!“ die langersehnte Eröffnung des Berliner Flughafens mit Werken zum Thema Fliegen (ab 29.8.).

Die Kunstbibliothek zeigt 2020 Ausstellungen zu „Marken: Zeichen. Das Grafische Atelier Stankowski + Duschek“ (ab 13.3.), „Piranesi 300“ anlässlich des 300. Geburtstags des Architekturvisionärs (ab 5.10.) und „Claudia Skoda. Mode, Fotografien, Filme, Musik und Performance“ (ab 29.10.). Im Kunstgewerbemuseum ist dem Designer Herman August Weizenegger (* 1963, Kempten) eine erste große Einzelausstellung gewidmet (ab 12.6.), in der er mit der Sammlung interagiert. Unter dem Titel „Mehr produzieren – besser leben. Design für eine klassenlose Gesellschaft“ (ab 27.11.) stellt das Kunstgewerbemuseum Wohn- und Städtebau der Nachkriegszeit in Ost- und Westberlin einander gegenüber.

 

Hier geht es zu den weiteren Ausstellungen der Staatlichen Museen zu Berlin:

 

Kulturforum: Ausstellungen 2020

Pop on Paper. Von Warhol bis Lichtenstein (3.4.–26.7.2020)

Berlin | Kulturforum: Pop Art auf Papier

Das Kupferstichkabinett besitzt eine herausragende Sammlung an Druckgraphik der 1960er-Jahre – mit einem besonderen Schwerpunkt auf Werken der Pop Art. Schlaglichtartig sollen die verschiedenen Facetten, besonders der US-amerikanischen Pop Art, vorgestellt werden, deren wichtigstes Medium der weltweiten Verbreitung der Siebdruck war. Dieser erlaubte es den Künstler*innen, die bunte Konsumwelt mit Motiven aus Werbung, Zeitungen oder Comic-Strips in farbenkräftige, oftmals plakative Bilder zu übersetzen. Dies bezeugen rund 100 Werke u.a. von Andy Warhol, Roy Lichtenstein, James Rosenquist, Tom Wesselmann, Allen Jones, Richard Hamilton, Claes Oldenburg, Robert Indiana, Sigmar Polke, R. B. Kitaj, Maria Lassnig und Ulrike Ottinger.

 

Gemäldegalerie: Ausstellungen 2020

Bastianino. Das lebende Kreuz aus Ferrara (Juni–Oktober 2020)

Das großformatige Altarbild mit der ungewöhnlichen Darstellung des „Lebenden Kreuzes von Ferrara“ – eine Allegorie des Alten und Neuen Testaments – konnte als Dauerleihgabe der Humboldt-Universität Berlin und durch Unterstützung der Ernst von Siemens Kunststiftung 2018/19 in der Gemäldegalerie restauriert werden. Nach Abschluss der Restaurierung wird das Gemälde in einer fokussierten Ausstellung der Öffentlichkeit wieder zugänglich gemacht. Wenngleich das aus der Konventskirche Santa Catarina Martire in Ferrara stammende Altarbild auf zwei Werken Garofalos basiert, ist der lebhafte, skizzenhafte Malstil des Spätmanieristen Sebastiano Filippi, gen. Bastianino (um 1532–1602), unverkennbar. Das um 1560/70 entstandene „Lebende Kreuz“ dürfte bislang das einzige Werk Filippis sein, welches sich in einer öffentlichen Sammlung in Deutschland befindet.

 

Spätgotik. Aufbruch in die Neuzeit (9.10.2020–14.2.2021)

Berlin | Gemäldegalerie: Spätgotik

Als erste umfassende Ausstellung im deutschsprachigen Raum widmet sich die Sonderausstellung in der Gemäldegalerie der Kunst der Spätgotik (→ Gotik). Angeregt durch niederländische Entwicklungen veränderten sich ab den 1430er Jahren die künstlerischen Ausdrucksmittel: Licht und Schatten, Körper und Raum wurden zunehmend wirklichkeitsnah dargestellt; mit der Erfindung der Drucktechnik finden diese Neuerungen eine massenhafte Verbreitung. Trotz ihrer religiösen Zweckbestimmung wurden Bilder immer stärker als Kunst wahrgenommen. Mit etwa 120 Objekten – darunter herausragende Leihgaben sowie zentrale Werke aus den Beständen der Staatlichen Museen zu Berlin – werden in der Gegenüberstellung verschiedener Kunstgattungen die medialen Innovationen des 15. Jahrhunderts nachvollziehbar. Vielfältige Zusammenhänge zeugen von einem permanenten Wechselspiel der Medien, die die Kunst der Spätgotik in ihrer Gesamtheit erfahrbar werden lassen.

 

Kupferstichkabinett: Ausstellungen 2020

Raffael in Berlin. Meisterwerke aus dem Kupferstichkabinett (28.2.–1.6.2020)

Berlin | Kupferstichkabinett: Raffael in Berlin

Anlässlich des 500. Todestags von Raffael widmen die Staatlichen Museen zu Berlin dem bedeutendsten Künstler der italienischen Renaissance zwei Sonderausstellungen. Parallel zu der im Dezember 2019 startenden Ausstellung „Raffael in Berlin. Die Madonnen der Gemäldegalerie“ zeigt das Kupferstichkabinett die kleine, aber bedeutende Gruppe eigenhändiger Zeichnungen des Künstlers aus eigenem Bestand. Diese selten gezeigten Blätter führen die überragende schöpferische Bandbreite Raffaels vor Augen – ergänzt durch Werke seines Lehrers Perugino und seiner wichtigsten Schüler und Mitarbeiter Gianfrancesco Penni, Giulio Romano und Perino del Vaga sowie seines Kupferstechers Marcantonio Raimondi.

 

Wir heben ab! Eine Sommerausstellung des Kupferstichkabinetts (29.8.–6.12.2020)

Im August 2020 knüpft das Kupferstichkabinett wieder an das beliebte Format seiner Sommerausstellungen an. Im Herbst soll Berlins Großbaustelle, der Flughafen BER, endlich eröffnet werden. Ob der Zeitplan diesmal wirklich gehalten werden kann? Das Kupferstichkabinett widmet sich unter dem Titel „Wir heben ab“ dem Thema „Fliegen“ zwischen jahrhundertelanger Faszination und aktueller Flugscham. Gezeigt werden Arbeiten vom 15. bis 21. Jahrhundert aus eigenem Bestand, darunter Werke von Albrecht Dürer, Rembrandt van Rijn, Francisco de GoyaEugène Delacroix und Eberhard Havekost.

 

Kunstbibliothek: Ausstellungen 2020

Marken: Zeichen. Das Grafische Atelier Stankowski + Duschek (13.3.–28.6.2020)

Logo, Leitsystem, Corporate Identity – was heute selbstverständlich zum Image jeder Firma gehört, steckte Mitte des 20. Jahrhunderts noch in den Kinderschuhen. Bahnbrechend in der Entwicklung war das Stuttgarter Grafikatelier Stankowski + Duschek, das mehr als drei Jahrzehnte lang zu den führenden Büros für Kommunikationsdesign in Deutschland zählte. Berühmte Markenzeichen und Erscheinungsbilder gingen seit 1972 aus der Partnerschaft hervor, u.a. für die Deutsche Bank, Viessmann oder die Messe Frankfurt. Die konstruktive Ästhetik der Zeichensysteme lässt das Umfeld der konkreten Kunst erkennen, in dem sich Anton Stankowski (1906–1998) und Karl Duschek (1947–2011) zeitgleich bewegten. In der Ausstellung treten rund 300 Entwürfe und Drucksachen aus dem Bestand der Kunstbibliothek in Dialog mit Kunstwerken. Erstmals entsteht eine Übersicht über das umfangreiche Schaffen von Stankowski + Duschek.

 

Piranesi 300 (5.10.2020–7.2.2021)

Die Kunstbibliothek feiert 2020 den 300. Geburtstag des italienischen Architekturvisionärs Giovanni Battista Piranesi (1720–1778) mit einer Sonderausstellung am Kulturforum. Im Mittelpunkt stehen der weltweit einzigartige Bestand an Zeichnungen Piranesis und den von ihm herausgegebenen Prachtbänden in der Kunstbibliothek, sowie die reiche Sammlung von Drucken des Kupferstichkabinetts. In Zusammenarbeit mit Nachwuchswissenschaftler*innen der Humboldt Universität zu Berlin konzipiert die Kunstbibliothek die Ausstellung als eine Bühne, auf der Piranesi in all seinen Rollen in Erscheinung tritt – als Archäologe, als Designer, als Wissenschaftler, als Bühnengestalter und Visionär.

 

Claudia Skoda. Mode, Fotografien, Filme, Musik und Performance (29.10.2020–21.2.2021)

Claudia Skoda (* 1943) ist mit ihrer Mode eine Schlüsselfigur und Ikone der Berliner Undergroundszene der 1970er und 1980er Jahre. Mit ihren Designs revolutionierte sie das Verständnis von Strickmode. Ihre performanceartigen Modenschauen wie „Big Birds“ (1979), „Trommelfeuer“ (1980), „Dressater“ (1988) und „Deep Diving for Whales“ (1997) sorgten für internationales Aufsehen. Skodas erste Einzelausstellung wird Mode, ca. 200 Fotografien, Filme und Musik von Künstler*innen wie Martin Kippenberger, Luciano Castelli, Salomé, Jim Rakete, Ulrike Ottinger, Silke Grossmann, Manuel Göttsching, Kraftwerk u.a. umfassen. Neben ihren Kollektionen, deren Fertigung und Vertrieb werden ihre Kommune Fabrikneu, ihre Modenschauen und Verkaufsateliers, ihre Zeit in New York sowie Skodas Netzwerk und ihre Zusammenarbeit mit verschiedenen Künstler_innen Thema der Ausstellung sein.

 

Kunstgewerbemuseum: Ausstellungen 2020

ATMOISM. Hermann August Weizenegger (12.6.–11.10.2020)

Mit „ATMOISM“ widmet das Kunstgewerbemuseum dem bedeutenden Designer Herman August Weizenegger (* 1963, Kempten) eine erste große Einzelausstellung. Gezeigt werden 13 bühnenbildartige Interventionen, die Weizenegger eigens für die Ausstellung entworfen hat und die in Dialog mit der Dauerausstellung des Kunstgewerbemuseums treten. Weizenegger sagt: „Als Designer gestalte ich Räume des Handelns. Der Nutzer wiederum erhält die Chance, eine kognitive, emotionale und persönliche Bindung zum Gegenstand herzustellen, er erfährt etwas über den Herstellungskontext und darüber hinaus. Bei ihm entsteht Bewusstsein für die bestehenden Produktionsbedingungen, vielleicht sogar Verantwortung. So schafft Gestaltung kulturellen und gesellschaftlichen Mehrwert.

 

Mehr produzieren – besser leben. Design für eine klassenlose Gesellschaft (27.11.2020–28.2.2021)

Im Berlin der Nachkriegszeit starteten in Ost und West nationale Aufbauprogramme zur Beschaffung von Wohnraum. Flaggschiffe waren die Stalinallee ab 1950 im Osten und das Hansaviertel 1957 im Westen. Städtebau und Architektur wurden zum Instrument der Systemkonkurrenz und stark propagandistisch aufgeladen. Zusätzlich wurde der ideologisch umkämpfte Markt im geteilten Berlin durch Wohnausstellungen aufgeheizt. Ausgehend von diesem Kontext fragt die Ausstellung nach der gesellschaftspolitischen Dimension des Wohnens und der Rolle des Designs zwischen Utopie, Macht- und Genderdiskursen in Zeiten des Kalten Kriegs. Dabei richtet sie den Blick vor allem auf die Länder des ehemaligen Ostblocks und deren Wohn- und Konsummodelle. Sie entsteht in Zusammenarbeit mit einem internationalen, eigens für das Projekt aufgestellten Research- und Designteam.

 

Berlin | Kulturforum. Ausstellungen 2020: Bilder

  • Pop on Paper. Von Warhol bis Lichtenstein, 3.4.–26.7.2020, Sonderausstellungshalle Kulturforum / Kupferstichkabinett: Andy Warhol, Marilyn, 1967, Farbsiebdruck aus dem 10teiligen Portfolio, © 2019 The Andy Warhol Foundation for the Visual Arts, Inc. / Artists Rights Society (ARS), New York, Staatliche Museen zu Berlin, Kupferstichkabinett / Jörg P. Anders
  • Spätgotik. Aufbruch in die Neuzeit, 9.10.2020–14.2.2021, Gemäldegalerie: Konrad Witz, Die Königin von Saba vor Salomo, um 1430/37, Öl auf Eichenholz, © Staatliche Museen zu Berlin, Gemäldegalerie / Jörg P. Anders
  • Raffael in Berlin. Meisterwerke aus dem Kupferstichkabinett, 28.2.–1.6.2020, Kupferstichkabinett: Raffael, Pluto, 1517/1518, Rötel über schwarzem Stift, weiß gehöht, gegriffelt, auf Papier, © Staatliche Museen zu Berlin, Kupferstichkabinett / Volker-H. Schneider
  • Marken: Zeichen. Das Grafische Atelier Stankowski + Duschek, 13.3.–28.6.2020, Kunstbibliothek: Stankowski + Duschek, Das Logo der Deutschen Bank als Op Art, Lamellenobjekt für Schaufenster, © Staatliche Museen zu Berlin, Kunstbibliothek / Dietmar Katz
  • ATMOISM. Hermann August Weizenegger, 12.6.–11.10.2020, Kunstgewerbemuseum: Hermann August Weizenegger, Leuchte „Heron“, © Hermann August Weizenegger, Foto: Bernd Hiepe
  • Piranesi 300, 5.10.2020–7.2,2021, Kunstbibliothek: Giovanni Battista Piranesi, Veduta di Roma – Der Petersdom mit den Kolonnaden und dem Petersplatz, um 1750, Radierung, © Staatliche Museen zu Berlin, Kunstbibliothek / Knud Petersen
  • Claudia Skoda. Mode, Fotografen, Filme, Musik und Performance, 29.10.2020–21.2.2021, Kunstbibliothek: Martin Kippenberger, Ohne Titel (Claudia Skoda mit ihrer Strickmaschine im U-Bahnhof Kottbusser Tor, Berlin), um 1976-77, Silbergelatine-Vintageprint, © Estate of Martin Kippenberger, Galerie Gisela Capitain, Cologne
Alexandra Matzner
Gründerin von ARTinWORDS * 1974 in Linz, Studium der Kunstgeschichte, Geschichte und Romanistik in Wien und Rom. Seit 1999 Kunstvermittlerin in Wien, seit 2004 Autorin für verschiedene Kunstzeitschriften. Jüngste Publiktionen entstanden für das Kunsthaus Zürich, Schirn Kunsthalle Frankfurt, Albertina und Belvedere in Wien.