Was ist Gotik?

Gotik ist ein Begriff, der seit der Renaissance abwertend für die Kunst zwischen dem 12. und dem 15. Jahrhundert verwendet wurde. Abgeleitet wurde er vom Stamm der Goten. Erst im frühen 19. Jahrhundert entdeckten Kunstschriftsteller (Goethe) und Künstler der Romantik die Qualitäten gotischer Werke neu. Dies führte zu großangelegten Bauprojekten wie der Fertigstellung des Kölner Domes nach den originalen Plänen aus der Gotik.

 

Gotische Kathedralen

Anfang des 12. Jahrhunderts entwickelte sich auf der Île-de-France ein neuer Baustil, der sich durch eine zunehmend diaphane Wandstruktur auszeichnete. Die gotische Kirche (Kathedrale) konnte an Höhe gewinnen, indem die tragenden Strebepfeiler nach Außen verlegt wurden. Der Spitzbogen löste den romanischen Rundbogen ab. Die Portale wurden immer reicher mit Skulpturenschmuck ausgestattet, bunte Scheiben (vor allem Rosetten) tauchten das Innere in farbiges Licht.

Als Gründungsbau gilt der Chor der Abteilkirche von Saint-Denis bei Paris. Die Kathedralen der französischen Hochgotik sind in Chartres, Reims, Notre-Dame de Paris und die Sainte-Chapelle als Palastkapelle. Weitere wichtige Kirchenbauten sind der Stephansdom in Wien, das Freiburger Münster, das Straßburger Müncher, der Kölner Dom (Chor), der Prager Veitsdom.

12. Oktober 2017
Rueland Frueauf d. Ä., Bildnis des Malers Jobst Seyfrid, Detail, um 1490 (© Belvedere, Wien)

Rueland Frueauf d. Ä. und sein Kreis Salzburger bzw. Passauer Malerei zwischen Spätgotik und Renaissance

Rueland Frueauf der Ältere ist zwischen 1470 und 1507 in Salzburg und Passau dokumentiert und zählt zu den bedeutendsten spätgotischen Malern des deutschsprachigen Raums. Das Belvedere zeigt Werke von Rueland Frueauf d. Ä., Rueland Frueauf d. J., sowie Tafeln aus Frueaufs Umkreis, etwa dem Meister von Großgmain.
25. Dezember 2013
Das Hochchorgewölbe des Freiburger Münsters, Foto: Andreas Lechtape.

Baustelle Gotik. Das Freiburger Münster Wie baut man eine gotische Kathedrale?

Das Augustinermuseum in Freiburg im Breisgau (D) stellt in seiner Winterausstellung die Frage nach der Funktionsweise einer mittelalterlichen Baustelle. Mit dem Freiburger Münster besitzt die Stadt in Baden Württemberg einen der wichtigsten gotischen Kirchenbauten im oberrheinisch-elsässischen Raum, vergleichbar mit dem Straßburger Münster, dem Prager Veitsdom und dem Wiener Stephansdom. Im Jahr 1513 wurden Hochchor und Hauptaltar geweiht und die Kirche nach mehr als 300 Jahren Bauzeit vollendet. Ziel der Ausstellung „Baustelle Gotik“ ist, gemeinsam mit dem Münsterbauverein die Baugeschichte des Münsters anschaulich darzustellen. Wertvollste Leihgaben sind die Entwürfe für den Turm der Bischofskirche aus Berlin, Nürnberg, München, Wien und Fribourg (CH), die zu dieser Ausstellung vielleicht zum letzten Mal direkt verglichen werden können.
29. November 2013
Hans Baldung Grien, Muttergottes mit dem schlafenden Kind, 1520, Foto: Michael Jensch (c) Augustinermuseum - Städtische Museen Freiburg.

Freiburg im Breisgau – Augustinermuseum Oberrheinische Gotik bis Anselm Feuerbach

Seit seiner Neuaufstellung im Jahr 2010 präsentiert sich das Augustinermuseum in Freiburg im Breisgau als Zentrum für die gotische und barocke Skulptur, besitzt aber auch einige bemerkenswerke Altargemälde der deutschen Renaissance. Vor allem die Schätze aus dem Münster der Stadt - originale Skulturen vom Außenbau, Glasfenster und Gemälde - sowie die Objekte der "Schatzkammer" sind seither gattungsgerecht und imposant inszeniert.

Gotische Malerei

Die Entwicklung der gotischen Malerei ist abhängig von der byzantinischen Ikone als tragbarem Tafelbild. Als Begründer der westlichen (Italienischen) Malerei wurde schon von den Zeitgenossen Duccio erkannt. Gefolgt von seinem Schüler Giotto di Bondone, florierte die Malerei in Mittelitalien, vor allem in Padua, Assisi, Florenz.

12. Oktober 2017
Rueland Frueauf d. Ä., Bildnis des Malers Jobst Seyfrid, Detail, um 1490 (© Belvedere, Wien)

Rueland Frueauf d. Ä. und sein Kreis Salzburger bzw. Passauer Malerei zwischen Spätgotik und Renaissance

Rueland Frueauf der Ältere ist zwischen 1470 und 1507 in Salzburg und Passau dokumentiert und zählt zu den bedeutendsten spätgotischen Malern des deutschsprachigen Raums. Das Belvedere zeigt Werke von Rueland Frueauf d. Ä., Rueland Frueauf d. J., sowie Tafeln aus Frueaufs Umkreis, etwa dem Meister von Großgmain.
9. August 2017
Jean Malouel, La Grande Pietà ronde, Detail, um 1400 (© 2009 Musée du Louvre / Erich Lessing)

Jean Malouel / Johan Maelwael Begründer der nordniederländischen Malerei und Onkel der Limburg Brüder

Jean Malouel (holländisch Jean Maelwael, um 1370–1415) war zwanzig Jahre lang der führende Hofmaler am Pariser Hof (dokumentiert 1397) und in Dijon, wo er für Herzog Philipp dem Kühnen und dessen Nachfolger Johann ohne Furcht arbeitet. In Dijon bemalte Malouel Fahnen, Banner und Rüstungen, fasste und vergoldete Skulpturen wie die berühmten Propheten des Moses-Brunnens von Claus Sluter.
9. Mai 2014
Pietro Lorenzetti, Christus als Schmerzensmann (um 1340), Tempera auf Holz, 35,3 x 26 cm, Lindenau-Museum Altenburg.

Deine Wunden Passionsimaginationen in christlicher Bildtradition und Bildkonzepte in der Kunst der Moderne

Zwischen „Ich habe es gesehen“ und „Man kann es nicht ansehen“ changieren menschliche Reaktionen auf Leid und Schmerz, bildlich darstellbar mit Hilfe von Wunden. Dass die Darstellung derselben in der spätmittelalterlichen, christlichen Kunst einen wichtigen Stellenwert einnahm, belegen die unzähligen Schmerzensmann-Darstellungen in Form von Gemälden und Druckgrafiken. Welche Verbindungen sich von der Imago pietatis über Francisco de Goyas „Desastres de la guerra“ zur Kunst der Moderne knüpfen lassen, darüber klärt der von Reinhard Hoeps und Richard Hoppe-Sailer herausgegebene Katalog zur Ausstellung „Deine Wunden“ auf. Über den Begriff der Verletzung lassen sich spätmittelalterliche schmerzensmann-Darstellungen mit Lucio Fontanas zerschlitzten Leinwänden und Arnulf Rainers Kreuzübermalungen miteinander in Beziehung setzen.
15. November 2013
Meister von Schloss Lichtenstein, Anbetung der Heiligen Drei Könige, um 1445, Malerei auf Tannenholz, 101 x 50 cm © The State Pushkin Museum of Fine Arts, Moscow.

Der Meister von Schloss Lichtenstein und seine Zeit Ausstellung "WIEN 1450" im Belvedere

Das malerisch gelegene Schloss Lichtenstein ob Honau in Baden-Württemberg ist der Namensspender für jenen anonymen Maler des Spätmittelalters, der als Meister von Schloss Lichtenstein bereits seit Jahrzehnten zu Spekulationen Anlass bot.

Skulptur der Gotik

Die gotische Skulptur war vor allem wandgebunden, d.h. an Fassaden und Portalen der großen Kirchenbauten befestigt. Zu den außergewöhnlichen Leistungen vor allem der Spätgotik gehören die monumentalen Schnitzaltäre nördlich der Alpen. Künstler wie Tilman Riemenschneider, Veit Stoß, den beiden Erhards in Ulm und Michael Pacher in Salzburg (?) beschäftigten in ihren Werkstätten Maler, Bildschnitzer, Fassmaler und Vergolder, um die Wandelaltäre anfertigen zu können.

12. Oktober 2017
Rueland Frueauf d. Ä., Bildnis des Malers Jobst Seyfrid, Detail, um 1490 (© Belvedere, Wien)

Rueland Frueauf d. Ä. und sein Kreis Salzburger bzw. Passauer Malerei zwischen Spätgotik und Renaissance

Rueland Frueauf der Ältere ist zwischen 1470 und 1507 in Salzburg und Passau dokumentiert und zählt zu den bedeutendsten spätgotischen Malern des deutschsprachigen Raums. Das Belvedere zeigt Werke von Rueland Frueauf d. Ä., Rueland Frueauf d. J., sowie Tafeln aus Frueaufs Umkreis, etwa dem Meister von Großgmain.
19. Januar 2015
Albrecht Altdorfer (um 1480–1538), Die Anbetung der Könige, 1530/35, Lindenholz, 110 x 77,5 cm, Städel Museum, Frankfurt am Main, Foto: Städel Museum - U. Edelmann – ARTOTHEK.

Albrecht Altdorfer und das Expressive in der Kunst um 1500 Ausstellung "Fantastische Welten" im Städel und im KHM

Landläufig ist der Epochenbegriff Renaissance mit der Wiederentdeckung antiken Formenvokabulars und der realistische Wiedergabe des Gesehenen verbunden. Das Städel Museum in Frankfurt stellt hingegen das Expressive der mitteleuropäischen Kunst des frühen 16. Jahrhunderts in den Mittelpunkt.
30. April 2013
Brot & Wein

Brot & Wein Niederösterreichische Landesausstellung 2013

Die Niederösterreichische Landesausstellung 2013 „Brot & Wein“ beschäftigt sich in umfassender Weise mit einer Kulturgeschichte dieser beiden Grundnahrungsmittel. Der sakramentale Gesichtspunkt, der im Titel deutlich mitschwingt, tritt an verschiedenen Orten und Räumen der Ausstellung auf, ist aber keineswegs ein tragender. Vielmehr werden in vielfältiger Weise die Herstellung von Brot und Wein, vor allem in ihrer Bedeutung für die Wirtschaft, das tägliche Leben und die unterschiedlichsten kulturellen Anwendungsformen anschaulich nachgezeichnet.

Internationaler Stil

Der Internationale Stil (auch: der schöne Stil) kann zwischen dem Ende des 14. und dem beginnenden 15. Jahrhundert ausgehend vom Burgundischen Hof, der sich in Dijon befand, beobachtet werden. Die Themen wurden weltzugewandter, die Figuren filigran, elegant, weil schönlinig geformt und kostbar gekleidet. Dieser neue Stil verbreitete sich schnell in Frankreich und Italien.

Das Initialwerk des Internationalen Stils ist der Hauptaltar von Melchior Broederlam (?–um 1409) aus den frühen 1390er Jahren für die Karthause von Champmol bei Dijon. Da der Herzog Philipp der Kahle die Grablege seiner Familie dort plante, wurde die Kirche großzügig ausgestattet. Die gemalten Flügel umschlossen einen Schrein mit Skulpturen. Wichtige skulpturale Werke stammen vom Bildhauer Claus Sluter, vor allem sein Moses-Brunnen ist berühmt. Po, Hennequin und Herman de Limbourg gestalteten für den Herzog das reich illuminierte Stundenbuch „Très Riches Heures“ (vor 1416), in dem sie das höfische und bäuerliche Leben, Landschaften mit jahreszeitlichen Veränderungen und überzeugendem Tiefenraum schilderten.

In Italien sind die Werke von Simone Martini und den Lorenzetti Brüdern stilistisch vergleichbar, obwohl die mittelitalienischen Künstler wohl nie ein Werk von Broederlam gesehen haben. Der ebenfalls in Siena geborene, aber in Florenz arbeitende Kamaldulenser-Mönch Don Lorenzo Monaco (um 1370/72–um 1425) ist ebenfalls diesem Stil zuzurechnen. Gentile da Fabriano (um 1370–1427) schuf für Palla Strozzi eine „Anbetung der hl. Drei Könige“ (Mai 1423) und arbeitete ab 1425 in Rom. Vielleicht arbeitete Pisanello (1395–1455) noch unter Gentile, er folgte ihm in Venedig (1415–1422) und in Rom (ab 1427) nach. Genauso wie Stefano da Verona interessierte er sich für Vögel und Floristik, was er in einem „Paradiesgärtlein“ eindrucksvoll unter Beweis stellen konnte. Diese Begeisterung für Details ließ Pisanello auch zu einem bedeutenden Porträtisten werden, der die antike Kunst der Portät-Medaille 1438 wiederbelebte.