Was ist Gotik?

Gotik ist ein Begriff, der seit der Renaissance abwertend für die Kunst zwischen dem 12. und dem 15. Jahrhundert verwendet wurde. Abgeleitet vom Stamm der Goten, die als „Barbaren“ galten, dienten er dem Florentiner Maler und Kunstschriftsteller Giorgio Vasari (1511–1574) als Synonym für den seiner Ansicht nach schwerfälligen Baustil der Gotik: In den 1550 erschienen „Viten“ spricht er von der „maniera tedesca [deutschen Manier/Stil]“ bzw. der „maniera dei Goti [Stil der Goten]“. Er beschreibt die Baukunst des Nordens

„als etwas Monströses und Barbarisches, dem jegliche Harmonie abgeht und das man ehestens als Durcheinander und als Un-Ordnung bezeichnen kann. Zahllose Werke dieser Bauart verseuchen die Welt. Ihre Portale zeigen unverhältnismäßig dünne Säulen, die zudem oft schreibenartig gedreht und nie so kräftig ausgebildet sind, dass sie ein Gewicht, wie gering es auch immer sei, [glaubhaft] zu tragen vermöchten. Dieser verfluchten Gestaltungsweise folgen auch jene verweirrend vielen kleine Gehäuse [Tabernakel, Anm. AM], von denen die Gebäude nach allen Seiten und in jeder verzierten Partie über und über bedeckt sind: eines ist über das andere gestaffelt und jeweils mit einer Zahl von Obelisken, Spitzen und Blättern ausgestattet. Erst recht in solcher Verschachtelung besitzen diese in sich selbst labil wirkenden Gehäuse keinerlei Standfestigkeit; uns die scheinen viel eher aus Papier, denn aus Stein oder Marmor gebildet. Die Goten waren es auch, die die spitzbogigen Wölbungen eingeführt und ganz Italien mit ihren verfluchten Machwerken erfüllt haben.“  (Giorgio Vasari, 1550)

Erst im späten 18. Jahrhundert entdeckten Kunstschriftsteller wie der erst 23-jährige Johann Wolfgang Goethe und im frühen 19. Jahrhundert Künstler der Romantik die Qualitäten gotischer Werke neu. Goethe besetzte in seiner zuerst anonym veröffentlichten Flugschrift „Von deutscher Baukunst“ 1772 über das Straßburger Münster die Gotik positiv. Maler wie Franz Pforr ließen sich von ihnen inspirieren. Der französische Architekt Eugène Emmanuel Viollet-le-Duc (1814–1879) interpretiete die gotische Kathedralbaukunst aus der Eisenbaukunst seiner Zeit und betonte den Skelettbau. Dies führte zu großangelegten Bauprojekten wie der Fertigstellung des Kölner Domes nach den originalen Plänen aus der Gotik.

 

Funktionen gotischer Kunst

Die meisten künstlerischen Leistungen kreisen in der Gotik – wie auch schon in der Romanik (1000–1175) – um den Dienst am christlichen Glauben, sei es von öffentlicher oder privater Seite, durch geistige oder staatliche Aktivitäten. Der Kirchenbau in Form der Kathedralen, das sind Bischofskirchen, aber auch Rathäuser und selten erhaltenen Bürgerhäuser zeigen sowohl Verstäderung, langwährende Organisationsstrukturen als auch neue bautechnische Möglichkeiten. Angesichts der Dominanz der gotischen Kathedralen sollte aber nicht auf den Bau von mächtigen Burgen und Festungen vergessen werden. Die ältesten Fachwerkshäuser datieren ebenfalls aus dem 13. Jahrhundert.

In der Malerei sollten vornehmlich erzieherische oder fromme Inhalte vermittelt werden. Die wichtigsten (erhaltenen) Leistungen der gotischen Malerei finden sich in der Buchmalerei, der italienischen Wandmalerei (Fresko) und dem sich etablierenden Tafelbild. Dekorationen vor allem als Wandmalerei war ebenso bekannt.

 

Phasen der Gotik

  • Frühgotik (1100–1200)
  • Hochgotik (1200–1300)
  • Spätgotik (1300–1500/erste Hälfte 16. Jh.)
    • Famboyant (Frankreich)
    • Perpendicular Style (England)
    • Parlerarchitektur (Deutschland)

Die Kunst der Gotik wird in drei Phasen eingeteilt: Früh-, Hoch-, und Spätgotik. Vor allem in der Architektur sind diese drei Perioden klar voneinander abgrenzbar. In der Skulptur und der Malerei lässt sich die Einteilung weniger deutlich nachvollziehen. Der Übergang von Früh- zur Hochgotik wurde mit der Entwicklung der französischen Kathedrale in der Île-de France (Paris und Umgebung) um 1140 mit dem partiellen Neubau der Abteikirche von Saint-Denis eingeläutet – die Druchsetzung der Gotik dauerte allerdings bis zu 100 Jahre.

Der neue Baustil gelangten vor allem von den Baustellen in Reims und Amiens (Ostteile) ab 1180 zuerst nach England (Canterbury, Wells, Salisbury, Lincoln, Westminster Abbey, Lichtfield), dann ab etwa 1235 nach Deutschland (Marburg, Trier, ab 1275 nach Köln, Straßburg, Regensburg) und Spanien (Burgos, Toledo). Wichtig für die Verbreitung der Gotik war der 1098 in Burgund gegründete Zisterzienserorden. Unter Bernhard von Clairvaux stieg der Orden ab 1122 zur bedeutenden Macht auf. Die Zisterzienser entwickelten für den Neubau von Clairvaux einen charakteristischen Stil samt rechteckigen Umgangschor. Ihre straffe Organisation machte durch einheitliche Bauten der Klöster den gotischen Stil über die Grenzen Frankreichs hinaus bekannt: Man vergleiche die Anlagen von Royaumont, Longpont, Maulbronn und Altenberg.

 

Merkmale der Gotik

Mit ihren hohen Proportionen und Strukturen wie Licht (farbige Glasfenster!) betonenden Bauweise wurde die Kathedrale zur Leitgattung dieser Epoche.Die stetige Steigerung der Raumhöhen gibt einen Eindruck von der technischen Bauleistung gotischer Baumeister: Noyon und Senlis sind 22 m hoch, Sens und Laon 24,5 m, Paris 33 m, Chartres 34,65 m, Bourges 37,15 m, Reims 38 Meter, Amiens 42,3 m, Köln 43,35 m, Beauvais 48,2 m hoch. Die Möglichkeiten in die Hphe zu bauen, wurden in Beauvais bereits überschritten. 1284 stürzte ein Teil des Langchores ein. Bei der Restaurierung wurden die Arkadenabstände halbiert und eine sechsteilige Rippenwölbung angewandt.

Die zur gotischen Kathedrale gehörige Bauplastik, vor allem der figürliche Schmuck an den Portalen, schöpfte einerseits aus dem Erbe der Antike und andererseits aus einem neuen Naturalismus (z.B. Naumburger Stifterfiguren, Bamberger Reiter).

In der Malerei begründete Giotto zu Beginn des 14. Jahrhunderts in Mittelitalien die abendländische Malerei. Ob die Malerei der Altniederländer im 15. Jahrhundert noch der Spätgotik oder schon der Renaissance zuzurechnen ist, ist Streitpunkt der Forschung. Wie auch für die anderen Epocheneinteilungen ist es für die Gotik schwierig, einen genauen Beginn und ein Ende festzulegen. Die „Erfindung“ der Renaissance wird heute gemeinhin mit der Entwicklung der Zentralperspektive, einem neuen Realismus in der Gestaltung sowie dem Kuppelbau im Florenz der 1430er Jahre in Verbindung gebracht.

Im Gegensatz zu späteren Jahrhunderten handelt es sich bei den verschiedenen Stilphasen der Kunst des Mittelalters vermutlich nicht um theoretisch begründete, bewusste Geschmacksveränderungen. Wenn auch der Einfluss der französischen Kunst, Kultur und Politik zwischen 1100 und 1350 in ganz Europa nachgewiesen werden kann, so wurde er interessanterweise nicht problematisiert. Einzig Burchard von Halle dachte in seinen Beschreibungen gotischer Architektur darüber nach („opus francigenum [französisches Werk]“). In Westeuropa sollte vielfach das römische Erbe lebendig gehalten werden, weshalb Übernahmen aus der byzantinischen Kunst häufig anzutreffen sind.

Um 1400 breitete sich der Internationale Stil (auch: Weicher Stil, Internationale Gotik) über ganz Europa aus. In der Folge entwickelte sich die Kunst der Spätgotik und Frührenaissance gleichzeitig, wenn auch in unterschiedlichen Zentren. Zu den wichtigen neuen Kunstgattungen zählt das Porträt, da bürgerliches Mäzenatentum in bislang unerhörtem Ausmaß auftrat. Zur selben Zeit setzte das Retabel, in dem sich Skulptur, architektonisches Rahmenwerk und zunehmend Malerei verbanden, zu seinem Siegeszug an. Plastik und Malerei hatten sich von der Architektur gelöst, ja, die Malerei rückte immer deutlicher ins Zentrum der Aufmerksamkeit. Als Tafelmalerei bzw. Tafelbild erlangte sie Beweglichkeit, Öffentlichkeit und Bedeutung, wobei zunehmend auch die Fähigkeiten der ausführenden Handwerker geschätzt und ihre Namen bekannt wurden.

 

Gotische Kathedralen

Anfang des 12. Jahrhunderts entwickelte sich auf der Île-de-France, d.h. in Paris und Umgebung, ein neuer Baustil, der sich durch eine zunehmend diaphane (= durchlässige) Wandstruktur auszeichnete. Die gotische Kirche (Kathedrale) konnte an Höhe gewinnen, indem die tragenden Strebepfeiler nach Außen verlegt wurden. Der Spitzbogen löste den romanischen Rundbogen ab, die Gewölbe wurden durch Kreuzrippen abgestützt. Die Portale wurden immer reicher mit Skulpturenschmuck ausgestattet, bunte Scheiben (vor allem Rosetten) tauchten das Innere in farbiges Licht.

Als „Gründungsbau“ der Gotik gelten Westfassade und Chor der Abteilkirche von Saint-Denis bei Paris (um 1137–1144 → Abteikirche von Saint-Denis). Meist waren es verheerende Brände, die Neubauten der Kirchen nötig machten. Die Kathedralen der französischen Hochgotik stehen daher in Chartres (1194 war die bedeutende Marien-Wallfahrtskirche abgebrannt), Reims (1210 war die Krönungskirche abgebrannt), Amiens (1218 abgebrannt) und in Paris. Auf einer Insel in der Seine hatte der französische König einen Palast und eine Bischofskathedrale errichten lassen: Notre-Dame de Paris (1163 beg., Westfassade um 1215–1220/25) und die Sainte-Chapelle als Palastkapelle. Zum gotischen Kirchentyp gehören auch gotisch geprägte Zisterzienserkirchen, Bettelordenskirchen, gotische Hallenkirchen im Poitou, die sich von der Gotik in der Île-de-France mitunter deutlich unterscheiden:

„Von der gotischen Kathedrale übernehmen diese „Gotiken“ (wenn man so sagen darf) Einzelformen, wie den Spitzbogen, die Gewölbeformen, die Dienstbündel, das Sonnenfenster, den Chorkapellenkranz, geben ihnen aber in einem neuen Zusammenhanf jedes Mal einen neuen Sinn […] Nicht „die“ Gotik erzeugt als die gotische Kathedrale, sondern die gotische Kathedrale erzeugt die Gotik.“ (Hans Sedlmayr)

Weitere wichtige Kirchenbauten der Gotik im mitteleuropäischen Raum sind der Stephansdom in Wien, das Freiburger Münster (→ Das Freiburger Münster: Baustelle Gotik), das Straßburger Müncher, der Kölner Dom (Chor), der Prager Veitsdom.

 

Bautypen der gotischen Sakral- und Fachwerkbaus

Basilika

Voraussetzung für eine Basilika ist ein minestens dreischiffiges Langhaus, wobei das Mittelschiff durch Arkaden von den Seitenschiffen getrennt ist. Im Querschnitt einer Basilika zeigt sich, dass das Mittelschiff höher als die angrenzenden Seitenschiffe ist. Dadurch entsteht der Eindruck einer abgetreppten Anlage. Der Obergaden, die Fensterzone in der Hochwand des Mittelschiffs, beleuchtet ebendieses eigenständig. Wenn das Mittelschiff keinen Obergaden aufweist, also keine eigene Lichtquelle besitzt, spricht man von einer pseudobasilikalen Anlage. Um das Mittelschiff besonders hoch zu bauen, wurde - wie in Reims - an den Außenmauern Strebewerk zur statischen Unterstützung der Mauern eingesetzt. Dies ist allerdings nicht zwingend (vgl. Magdeburg). Die breiteteste Basilika in Europa weist sieben Schiffe auf und steht in Antwerpen.

Hallenkirche

Eine Hallenkirche unterscheidet sich von einer Basilika durch die (annähernd) gleiche Höhe aller Schiffe. Dadurch werden die mittleren Schiffe nicht eigens beleuchtet. Die charakteristische Hallenkirche besitzt drei Schiffe, wobei das Mittelschiff indirekt beleuchtet ist. Es können aber auch fünf Schiffe nebeneinander angeordnet sein wie es in St. Petri in Lübeck zu finden ist. Falls das Mittelschiff erhöht ist, handelt es sich um eine Staffelhalle. Auffallend an der Hallenkirche ist, dass auf zusätzliche stützenden Elemente wie Strebebögen verzichtet werden kann, da die Schiffe sich gegenseitig stützen.

Zentralbau

Ein Zentralbau ist ein runder oder oktogonaler Bau, während eine Basilika oder eine Hallenkirche einen kreuzförmigen Grundriss aufweist. Auch ein Grundriss, der auf dem griechischen Kreuz (gleich lange Arme) aufbaut, wird als Zentralbau bezeichnet.

Saalkirche

Eine Saalkirche ist eine Einraumkirche, die allerding nicht zentral (rund oder oktogon) angelegt ist.

 

Bauteile des gotischen Sakralbaus

In der älteren Literatur wird die gotische Kathedrale gerne als konstruktiver Skelettbau erklärt. Dies leitet sich aus Vergleichen mit der Eisenarchitektur des 19. Jahrhunderts und den zeitgleich arbeitenden ersten Kunsthistorikern, die sich über die gotische Architektur Gedanken machten, zusammen. Stattdessen handelt es sich bei der gotischen Kathedralen - allen voran im französischen Kernland - um rinrn gegliederten Mauerbau, frddrn dichtbare Mauermassen allerdings möglichst weitgehend reduzierte und durch geometrisch bestimmte, steinmetzmäßig bearbeitete Gliederungselemente optisch unwirksam gemacht sind. Die gotische Kathedrale ist konstruktiv kein Skelettbau mit zwischengespannten Füllungen, auch wenn das optisch so erscheint. Die Konstruktionsweise hat nur dienende Funktion. Restaurieren der letzten Jahrzehnte haben gezeigt, dass die eigentlich tragenden und stützenden Elemente unsichtbar sind. Die Rippen und Dienstbündel tragen beispielsweise nicht das Gewölbe, sondern die Gewölbekappen. Günther Binding spricht daher von Illusionsarchitektur.

  • Spitzbogen (statt Rundbogen wie in der Romanik), da bei unterschiedlicher Breite von Spitzbögen deren Höhe aufgrund verschieden steiler Bogenschenkel gleich sein kann. Dies ermöglichte unterschiedlich große Räume gleichhoche Wölbungen einzuführen.
  • Raumvereinheitlichung (statt Raumaddition): Langhaus wird optisch verschliffen
  • Skelett-Strebesystem löst die dicke Mauermasse ab: Dienste markieren den Ort, an dem die Auflast des Gewölbes abgeleitet wird. Genauer wird diese Leistung von den Pfeilern, die hinter den Diensten in den Mauern nach oben streben, erfüllt.
  • Diaphanie, d.h. Auflösung der inneren und äußeren Raumgrenzen durch Profilierung von Stützen, Bogenläufen und Diensten. Die „diaphane Struktur“ wurde vom Kunsthistoriker Hans Jantzen 1927 erkannt und bezeichnet „ein Reliefgitter mit hinterlegtem Raumgrund von verschiedener Tiefenschichtung und optisch unterschiedlichem Charakter je nach der Stellung der Geschosse [...]. Die Wand als Begrenzung des Langhausinneren ist nicht ohne den Raumgrund auffassbar und erhält durch ihn ihren Wirkungswert. Der Raumgrund selbst zeigt sich als optische Zone, die der Wand gleichsam hinterlegt ist.“
  • Zerlegung der Hochschiffwand in zwei parallele Schalen entspricht dem Verbergen der Stärke der Mauer. Im Langhaus wird beispielsweise das Mittelschiff von zwei Seitenschiffen hinterfangen.
  • Mittelschiffwand ist anfgangs in vier Geschosse unterteilt, ab der Hochgotik nur noch dreigeschossig:
    • Arkade
    • Empore: In der Auvergne seit der Jahrtausendwende im Einsatz nahmen auch normannische und englische Baumeister die Empore ab der zweiten Hälfte des 11. Jahrhunderts in ihre Bauten auf. Mit der Kathedrale von Chartres wurde 1194 die Empore aufgegeben.
    • Triforium: Laufgang [franz. voie], der sich zum Mittelschiff in Arkaden oder Maßwerk öffnet. Der Begriff ist seit 1185 nachweisbar (Gervasius von Canterbury), um 1220/30 dokumentierte Villard de Honnecourt das Reimser Triforium. Die Verbindung des druchlichteten Triforiums mit den Hochschifffenstern im Langhaus von St.-Denis führte schlussendlich zur Aufgabe des Triforiums und des klassischen dreigeschossigen Wandaufbaus der gotischen Kathedrale.
    • Obergaden = Fensterzone
  • Gewölbe: In der Gotik werden Rippengewölbe benutzt.
    • Schildbogen trennt zwei Joche voneinander
    • Gurtbogen scheidet die Gewölbekappen von der Schildwand ab.
    • Kreuzrippen fangen den Schub der Gewölbekappen ab und leiten ihn in die Dienst über. Die Ästhetik der gotischen Architektur auf techniksche Konstruktion zu reduzieren, wurde in den letzten Jahren vehement abgelehnt. Neueste Berechnungsmethoden legen nahe, dass die Kreuzrippen nicht nur tragende, sondern vielfach auch rein dekorative Funktionen erfüllten. Ab Chartres fasst ein vierteiliges Rippengewölbe ein quergelagertes Joch zusammen.
      • Kreuzrippengewölbe: Das Kreuzrippengewölbe ist ab 1100 in der romanischen Architektur bereits nachweisbar. In der gotischen Architektur ist das Kreuzrippengewölbe allerdings mit den Diensten (Hochschiffwandgliederung) zu einer linearen Einheit verbunden.
      • Sterngewölbe
      • Netzgewölbe
      • Zellengewölbe
      • Schirmgewölbe
      • Gewölbe mit hängendem Schlussstein
      • Dominikalgewölbe
  • Maßwerk als geometrisch konstruiertes Bauornament der Gotik: Anfangs wurde das Maßwerk zur Gliederung von großen Fenstern wie der Rose verwendet. Grundform der Gestaltung ist der Paß als Dreipaß, Vierpaß oder Vielpaß. Die Fischblase, eine längliche, geschwungene Form, wurde erst in der Spätgotik eingesetzt. Bunte Glasfenster bilden eine leuchtende Folie auch hinter Maßwerksgeländern oder Triphorien (ab 1231 beim Umbau von Saint-Denis, Chor von Troyes).
    • Rosette oder Rose an der Westfassade
    • Maßwerksfenster an den Hochwänden
    • durchlichtetes Triphorium für eine einheitliche Lichtzone über den Arkaden
  • Lettner oder Chorschranke: Hierbei handelt es sich um ein trennendes Architekturelement zwischen Chor und Mittelschiff (Lettner) bzw. zwischen Chor und Umgangschor (Chorschranke). Priester und Mönche wurden dadurch von den Laien räumlich getrennt.
  • Außen Strebewerk, bestehend aus Strebepfeiler und Strebebogen zum Abfangen des Schubs (anstatt dicker Mauermassen wie in der Romanik)
    • Strebepfeiler: Senkrechter, dem Kräfteverlauf entsprechender über dem Kaffgesims abgetreppter und in die Mauer eingebundener Pfeiler. Dieser steht im Außenbau vor und bildet mit dem Dienst (innen) eine konstruktive Einheit. Strebepfeiler enden entweder mit einem Pultdach oder sind turmartig überhöht (auch mit Fialen besetzt, mit eingestellten Figuren bekrönt).
    • Strebebogen: Frei über den Seitenschiffdächern geführter, ansteigender Bogen samt darüberliegender Strebe, die den Strebepfeiler mit der Hochschiffwand verbinden. Ab 1160 nachweisbar. Strebebögen können sichtbar gestaltet oder unter dem Dach der Seitenschiffe verborgen geführt werden. Anfangs wurden Strebebögen als Zweckformen eingesetzt, später zum dominierenden Formträger des Außenbaus der gotischen Kathedrale.
  • Auflockerung des Steinmetzgliederbaus außen
    • Wimperge
    • Giebel
    • Fialen
    • Kreuzblumen
    • Krabben (auch: Kriechblumen)
    • Maßwerkbrüstung
  • Doppelturmfassade, in denen Türme und Fassade eine Einheit bilden
  • reich gestaltete Portalanlage
    • trichterförmiges Gewände (Seitenwände), wo Skulpturen stehen
    • ebenso skulptural gestaltetes Tympanon über den Türen
    • Das Typmanon wird eingefasst von Archivolten.
    • Trumeau (sprich: [Trümo]) zwischen den Türen. Hier steht meist eine Skulptur, die Madonna mit Kind oder der segnende Christus

Skulptur der Gotik

Die gotische Skulptur war vor allem wandgebunden, d.h. an Fassaden und Portalen der großen Kirchenbauten zu finden. Daher wurden gotische Skulpturen mit den hinter ihnen befindlichen Wandteilen aus einem Stück Stein gehauen. In Italien setzte sich diese Überzeugung nicht durch, stattdessen finden sich südlich der Alpen Skulpturen im Inneren der Kirchen (z.B. Kanzel, Grabmäler).

Zu den außergewöhnlichen Leistungen vor allem der Spätgotik gehören die monumentalen Schnitzaltäre nördlich der Alpen. Künstler wie Tilman Riemenschneider, Veit Stoß, den beiden Erhards in Ulm und Michael Pacher in Salzburg (?) beschäftigten in ihren Werkstätten Maler, Bildschnitzer, Fassmaler und Vergolder, um die Wandelaltäre anfertigen zu können.

 

Skulpturen von Chartres

Einmal mehr ist die Kathedrale von Chartres der Ort, an dem die gotische Kunst ihren Ursprung hat. Der Neubau von Chartres führte zwei weitere Portale an den Querhausfassaden im Norden und Süden ein, die das Westportal in seiner Bedeutung steigern halfen. An den Skulpturen des Westportals zeigen sich erste frühgotische Skulpturen, am Maria-Triumph-Portal (mittleres Nordportal) und am Weltgerichtsportal (Südportal) die Hinwendung zur Hochgotik.

19 erhaltene von ehemals 24 Figuren des sogenannten Königsportals (Westportal) können zwischen 1145 und 1155 datiert werden. In ihnen zeigt sich der Umbruch von der romanischen zur frühgotischen Skulptur. Die Figuren treten vor die Säulen der Portalgewände. Sie werden mit der Säule aus einem Stück Stein gehauen. Dennoch wirken sie unabhängig von der Architektur, weil sie nahezu vollrund gearbeitet sind. Die Steinmetze in Chartres kleideten die Dargestellten in reiche höfische Gewänder des 12. Jhs., wodurch sie ein neues Verhältnis zum Menschen und zur Natur offenbaren. Noch erscheinen die Figuren säulenhaft und unbewegt, die Falten fallen in ruhigen Bahnen geradewegs nach unten, wodurch sie die Vertikalität der Anlage betonen. Im zentralen Tympanon ist das Jüngste Gericht dargestellt: Christus in der Mandorla ist von den vier Evangelistensymbolen umgeben. Das Thema ist nicht neu wie ein Vergleich mit dem Südportal der ehemaligen Abteikirche Saint-Pierre in Moissac (1120–1135) belegt. Gleichzeitig scheint die Phantasiewelt der Romanik gebändigt und gezähmt. Das südliche Tympanon zeigt die Geburt Christi und das nördliche dessen Himmelfahrt.

 

Claus Sluter

Der in Burgund lebende und aus den Niederlanden stammende Bildhauer Claus Sluter (um 1355–1406) gilt als der bedeutendste Plastiker Frankreichs an der Schwelle vom Mittelalter zur Neuzeit. Seine Hauptwerke befinden sich in Dijon in der Kartause von Champmol. Hier sollte Sluter für Philipp den Kühnen die Grabeskirche der Herzöge von Burgund ausschmücken. Das Portal der Kapelle wird zwischen 1389 und 1406 datiert und ist stilistisch dem „Schönen Stil“ zuzurechnen. Der Bildhauer schuf eine äußerst bewegte Muttergottes mit Kind sowie Porträts seiner Auftraggeber Philipp dem Kühnen und dessen Frau Margarete von Flandern, begleitet von ihren Patronen, dem Hl. Johannes und der Hl. Katharina. Alle Figuren tragen porträthafte Züge und sind in ihrer Haltung realistisch und lebendig geschildert. Ein weiteres Hauptwerk ist der Mosesbrunnen (ab 1385), der in der Detailbeobachtung der Figuren die Renaissance vorwegnimmt.

 

Die berühmtesten Bildhauer der Gotik

Da Künstler im Mittelalter als Handwerker galten und auch in Zünften organisiert waren, sind ihre Namen nur höchst selten überliefert worden. Vor allem in Italien gibt es eine reiche Tradition namentlich bekannter Bildhauer, im deutschsprachigen Raum wurden in der Spätgotik, d.h. im 15. und frühen 16. Jahrhundert, einzelne Meister überregional bekannt. Viele Leistungen in England, Spanien, Frankreich und im Heiligen römischen Reich deutscher Nation bleiben dennoch die Schöpfungen anonymer Kunstschaffender.

  • Claus Sluter (um 1355–1406)
  • Benedetto Antelami (tätig um 1220)
  • Niccolò Pisano (um 1205–1280)
  • Giovanni Pisano (um 1248–nach 1314)
  • Arnolfo di Cambio (um 1254–1302/1310)
  • Lorenzo Maitani (um 1270–1330)
  • Andrea Pisano (1290/95–1348?)
  • Nino Pisano (um 1315–1368)
  • Filippo Calendario (gest. 1355)
  • Hans Multscher (um 1400–1467)
  • Veit Stoß (um 1447/48–1533)
  • Tilman Riemenschneider (1460–1531)

Gotische Malerei

Die Abgrenzung der gotischen Malerei von der romanischen fällt deutlich leichter als die zur Malerei der Renaissance, vor allem was die Leistungen altniederländischer Maler wie Jan van Eyck bis Hieronymus Bosch anlangt. Grosso modo wird die gotische Malerei zwischen 1250 und 1450 angesetzt.

In Frankreich entzog die Entwicklung der Kathedrale mit ihren Arkadenbögen und der diaphanen Wandstruktur den Malern die Grundlage ihres Tuns. Die romanische Wandmalerei erlebte im 12. Jahrhundert, als die frühgotische Kathedrale entwickelt wurde, ihren letzten Höhepunkt. Maler (und kaum dokumentierte Malerinnen) konzentrierten sich in den folgenden Jahrhunderten auf das Andachtsbild, Altarbild und umfassende Freskenzyklen zu Heiligenlegenden sowie Buchmalerei und Glasmalerei. Die Erfindung des eigenständigen Porträts wird mit dem Bildnis von Kaiser Rudolf IV. (Diözesanmuseum, Wien) in Verbindung gebracht.

Die Entwicklung der gotischen Malerei ist abhängig von der byzantinischen Ikone als tragbarem Tafelbild. Als Begründer der westlichen (italienischen) Malerei wurde schon von den Zeitgenossen Duccio di Buoninsegna in Siena erkannt. Gefolgt von seinem Schüler Giotto di Bondone, florierte die Malerei in Mittelitalien, vor allem in Padua, Assisi, Florenz. Gleichzeitig und unabhängig von den Schöpfungen in Pisa und Florenz entwickelten auch Maler nördlich der Alpen, wie der Meister von Flémalle, ein „neues Sehen“. Darunter versteht man den Versuch, die Welt realistisch und dreidimensional abzubilden. Der Bildraum wird zu einer Bühne, in der sich, räumlich nachvollziehbar, die Figuren bewegen. Giotto konstruierte den Raum, während sich die Niederländer den Raum mit Hilfe des Lichts und einzelner Figuren bzw. Gegenstände erschlossen haben. Als Grund für diese unterschiedliche Art, den Raum zu denken, wird die Ausmalung der Kirchen in Italien vermutet. Giotto und die Maler des Trecento (13. Jh.) öffneten gleichsam die Kapellenwand und setzten sie mit der vordersten Ebene der Darstellungen gleich. Damit erzielten sie eine engere Verbindung von Betrachter und Bild, da der Bildraum so in übertragenem Sinn „betretbar“ wurde. Giotto di Bondone führte einen naturalistischen Stil ein, der sich vom Byzantinismus seines Vorgängers deutlich unterscheidet und die Loslösung von den ehrwürdigen, überlieferten Bildformeln bedeutete.

Im 15. Jahrhundert fanden stilllebenhafte Elemente und Landschaftsschilderungen in Heiligenbildern immer größere Bedeutung zu, so dass in der flämischen Malerei des 16. Jahrhunderts sich erste Künstler in diesen neuen Gattungen etablieren konnten.

 

Bedeutende Maler der Gotik in Frankreich

  • Melchior Broederlam (sprich: Bruderlam)
  • Nicolas Froment (um 1435–um 1485)
  • Engeurrand Quarton
  • Jean Fouquet (um 1420–1480)
  • Brüder Limburg: Paul und Jean Limbourg
  • Jean Fouquet: Jean Fouquet: Madonna und Stifter wiedervereint
  • Nicolaus Gerhaert van Leyden

 

Bedeutende Maler der Gotik in Italien

  • Duccio di Buoninsegna
  • Cimabue
  • Giotto di Bondone (sprich: Tschotto)
  • Taddeo Gaddi
  • Maso di Banco
  • Simone Martini
  • Pietro Lorenzetti
  • Fra Angelico: Fra Angelico bediente sich bis in die späten 1420er Jahre noch eines traditionellen Stils und wandte sich ab 1430 den neuesten Erkenntnissen seiner Florentiner Zeitgenossen Ghiberti und Masolino zu.
  • Pisanello
  • Michael Pacher

 

Bedeutende Maler der Gotik in den Niederlanden

  • Jan van Eyck
  • Rogier van Weyden
  • Hans Memling
  • Dierc Bout (auch: Dieric Bouts)
  • Hugo van der Goes
  • Hieronymus Bosch

 

Bedeutende Maler der Gotik in Deutschland

  • Stefan Lochner
  • Konrad von Soest
  • Meister Bertram
  • Meister Theoderich
  • Lukas Moser
  • Konrad Witz
  • Martin Schongauer

Internationaler Stil

Der Internationale Stil (auch: der schöne Stil) kann zwischen dem Ende des 14. und dem beginnenden 15. Jahrhundert ausgehend vom Burgundischen Hof, der sich in Dijon befand, beobachtet werden. Die Themen wurden weltzugewandter, die Figuren filigran, elegant, weil schönlinig geformt und kostbar gekleidet. Dieser neue Stil verbreitete sich schnell in Frankreich und Italien.

Das Initialwerk des Internationalen Stils in der Malerei ist der Hauptaltar von Melchior Broederlam (?–um 1409) aus den frühen 1390er Jahren für die Karthause von Champmol bei Dijon. Da der Herzog Philipp der Kahle die Grablege seiner Familie dort plante, wurde die Kirche großzügig ausgestattet. Die gemalten Flügel umschlossen einen Schrein mit Skulpturen. Wichtige skulpturale Werke stammen vom Bildhauer Claus Sluter, vor allem sein Moses-Brunnen ist berühmt. Po, Hennequin und Herman de Limbourg gestalteten für den Herzog das reich illuminierte Stundenbuch „Très Riches Heures“ (vor 1416), in dem sie das höfische und bäuerliche Leben, Landschaften mit jahreszeitlichen Veränderungen und überzeugendem Tiefenraum schilderten.

In Italien sind die Werke von Simone Martini und den Lorenzetti Brüdern stilistisch vergleichbar, obwohl die mittelitalienischen Künstler wohl nie ein Werk von Broederlam gesehen haben. Der ebenfalls in Siena geborene, aber in Florenz arbeitende Kamaldulenser-Mönch Don Lorenzo Monaco (um 1370/72–um 1425) ist ebenfalls diesem Stil zuzurechnen. Gentile da Fabriano (um 1370–1427) schuf für Palla Strozzi eine „Anbetung der hl. Drei Könige“ (Mai 1423) und arbeitete ab 1425 in Rom. Vielleicht arbeitete Pisanello (1395–1455) noch unter Gentile, er folgte ihm in Venedig (1415–1422) und in Rom (ab 1427) nach. Genauso wie Stefano da Verona interessierte er sich für Vögel und Floristik, was er in einem „Paradiesgärtlein“ eindrucksvoll unter Beweis stellen konnte. Diese Begeisterung für Details ließ Pisanello auch zu einem bedeutenden Porträtisten werden, der die antike Kunst der Portät-Medaille 1438 wiederbelebte.

Beiträge zur Kunst der Gotik

6. Dezember 2017
Meister von Großgmain, Hl. Ambrosius, Detail, um 1498, Fichtenholz, 67 x 39,5 cm (© Belvedere, Wien)

Meister von Großgmain, Hl. Ambrosius Exzellenter Rhetoriker am Lesestuhl

Der unter dem Notnamen bekannte Meister von Großgmain stellte um 1498 für einen nicht näher bekannten, mehrteiligen Altar die Kirchenväter dar. Zwei der Tafeln, die der hll. Ambrosius und Augustinus, befinden sich im Belvedere. Zu ergänzen ist ein hl. Gregor.
3. Dezember 2017
Michael Pacher-Werkstatt, Hl. Barbara, Detail, um 1480/1490, Zirbenholz, 54,5 x 41 cm (Belvedere, Wien, Inv.-Nr. 4848)

Michael Pacher-Werkstatt, Hl. Barbara Spätgotischer Meister mit europäischer Bedeutung

Michael Pacher (um 1435–1498) lebte und arbeitete in der zweiten Hälfte des 15. Jahrhunderts in Bruneck im heutigen Südtirol. Er ist einer der Hauptmeister der Spätgotik – von gesamteuropäischer Bedeutung und wird in der Generation von Albrecht Dürer mit Martin Schongauer und Nicolaus Gerhaert van Leyden verglichen.
12. Oktober 2017
Rueland Frueauf d. Ä., Bildnis des Malers Jobst Seyfrid, Detail, um 1490 (© Belvedere, Wien)

Rueland Frueauf d. Ä. und sein Kreis Salzburger bzw. Passauer Malerei zwischen Spätgotik und Renaissance

Rueland Frueauf der Ältere ist zwischen 1470 und 1507 in Salzburg und Passau dokumentiert und zählt zu den bedeutendsten spätgotischen Malern des deutschsprachigen Raums. Das Belvedere zeigt Werke von Rueland Frueauf d. Ä., Rueland Frueauf d. J., sowie Tafeln aus Frueaufs Umkreis, etwa dem Meister von Großgmain.
9. August 2017
Jean Malouel, La Grande Pietà ronde, Detail, um 1400 (© 2009 Musée du Louvre / Erich Lessing)

Jean Malouel / Johan Maelwael Begründer der nordniederländischen Malerei und Onkel der Limburg Brüder

Jean Malouel (holländisch Jean Maelwael, um 1370–1415) war zwanzig Jahre lang der führende Hofmaler am Pariser Hof (dokumentiert 1397) und in Dijon, wo er für Herzog Philipp dem Kühnen und dessen Nachfolger Johann ohne Furcht arbeitet. In Dijon bemalte Malouel Fahnen, Banner und Rüstungen, fasste und vergoldete Skulpturen wie die berühmten Propheten des Moses-Brunnens von Claus Sluter.
19. Januar 2015
Albrecht Altdorfer (um 1480–1538), Die Anbetung der Könige, 1530/35, Lindenholz, 110 x 77,5 cm, Städel Museum, Frankfurt am Main, Foto: Städel Museum - U. Edelmann – ARTOTHEK.

Albrecht Altdorfer und das Expressive in der Kunst um 1500 Ausstellung "Fantastische Welten" im Städel und im KHM

Landläufig ist der Epochenbegriff Renaissance mit der Wiederentdeckung antiken Formenvokabulars und der realistische Wiedergabe des Gesehenen verbunden. Das Städel Museum in Frankfurt stellt hingegen das Expressive der mitteleuropäischen Kunst des frühen 16. Jahrhunderts in den Mittelpunkt.
9. Mai 2014
Pietro Lorenzetti, Christus als Schmerzensmann (um 1340), Tempera auf Holz, 35,3 x 26 cm, Lindenau-Museum Altenburg.

Deine Wunden Passionsimaginationen in christlicher Bildtradition und Bildkonzepte in der Kunst der Moderne

Zwischen „Ich habe es gesehen“ und „Man kann es nicht ansehen“ changieren menschliche Reaktionen auf Leid und Schmerz, bildlich darstellbar mit Hilfe von Wunden. Dass die Darstellung derselben in der spätmittelalterlichen, christlichen Kunst einen wichtigen Stellenwert einnahm, belegen die unzähligen Schmerzensmann-Darstellungen in Form von Gemälden und Druckgrafiken. Welche Verbindungen sich von der Imago pietatis über Francisco de Goyas „Desastres de la guerra“ zur Kunst der Moderne knüpfen lassen, darüber klärt der von Reinhard Hoeps und Richard Hoppe-Sailer herausgegebene Katalog zur Ausstellung „Deine Wunden“ auf. Über den Begriff der Verletzung lassen sich spätmittelalterliche schmerzensmann-Darstellungen mit Lucio Fontanas zerschlitzten Leinwänden und Arnulf Rainers Kreuzübermalungen miteinander in Beziehung setzen.
25. Dezember 2013
Das Hochchorgewölbe des Freiburger Münsters, Foto: Andreas Lechtape.

Das Freiburger Münster: Baustelle Gotik Wie baut man eine gotische Kathedrale?

Das Augustinermuseum in Freiburg im Breisgau (D) stellt in seiner Winterausstellung die Frage nach der Funktionsweise einer mittelalterlichen Baustelle. Mit dem Freiburger Münster besitzt die Stadt in Baden Württemberg einen der wichtigsten gotischen Kirchenbauten im oberrheinisch-elsässischen Raum, vergleichbar mit dem Straßburger Münster, dem Prager Veitsdom und dem Wiener Stephansdom. Im Jahr 1513 wurden Hochchor und Hauptaltar geweiht und die Kirche nach mehr als 300 Jahren Bauzeit vollendet. Ziel der Ausstellung „Baustelle Gotik“ ist, gemeinsam mit dem Münsterbauverein die Baugeschichte des Münsters anschaulich darzustellen. Wertvollste Leihgaben sind die Entwürfe für den Turm der Bischofskirche aus Berlin, Nürnberg, München, Wien und Fribourg (CH), die zu dieser Ausstellung vielleicht zum letzten Mal direkt verglichen werden können.