Maurice Utrillo

Wer war Maurice Utrillo?

Maurice Utrillo (Paris 26.12.1883–5.11.1955 Dax) war ein französischer Maler der Klassischen Moderne (→ Klassische Moderne) und der Sohn von Suzanne Valadon. Utrillo wird zur Schule von Paris [École de Paris] gezählt und ist bekannt für pittoreske Stadtansichten von Paris.

Kindheit und Alkoholkrankheit

Maurice Utrillo wurde am 26. Dezember 1883 in der Rue du Poteau 8 im 18. Pariser Gemeindebezirk (Montmartre) als unehelicher Sohn der damals 18-jährigen Malerin Suzanne Valadon geboren. Wer sein Vater war, ist ungeklärt. In seiner Kindheit lebte er bei seiner Mutter und seiner Großmutter im Hôtel Hochard in Pierrefitte-sur-Seine 2 (heute Seine-Saint-Denis). Utrillos Großmutter wird als gefühlskalt beschrieben. Als seine Mutter Suzanne Valadon zu zeichnen begann, wählte sie ihren Sohn als ihr erstes Modell. Sie ermutigte ihn schon als Kind zu malen.

Utrillo nahm 1891, den Namen seines Adoptivvaters, des katalanischen Malers und Kunstkritikers Miquel Utrillo, an. Schon als Jugendlicher war Maurice Utrillo alkoholkrank und machte als 17-Jähriger im Jahr 1900/01 einen Entzug in Sainte Anne. Danach wurde er von seiner Mutter zum Malen angehalten und war auch sogleich erfolgreich. Als er nach Paris zurückkehrte, saß er in „Le Chat sans queue“ oder „La Guinguette“.

Utrillo als Künstler

Maurice Utrillo war Autodidakt und malte zum Vergnügen. Utrillo teilte sich das Atelier seiner Mutter in der Rue Cortot 12 in Montmartre. Maurice Utrillo lernte den Maler Alphonse Quizet (1885–1955) kennen und begann 1910 regelmäßig zu malen, sodass er ab den 1910er Jahren seiner Malerei leben konnte. 1905 hatte Utrillo sein erstes Werk verkauft und 1909 im renommierten Salon d’Automne ausgestellt. Seine Kunst half ihm, seinen schmerzhaften täglichen Kampf zu überwinden, der von Aufenthalten in Irrenhäusern und Behandlungen wegen seines Alkoholismus unterbrochen wurde.

Der Pariser Maler hielt sein Leben lang die Straßen und Gassen des Viertels Montmartre fest. Das Viertel lieferte Utrillo ein Motiv für Hunderte von Gemälden. Er machte zahlreiche Gemälde einer Straße oder eines Denkmals, die ihn inspirierten, wie die Eglise de Clignancourt. Strenge Gebäude wechseln sich mit kleinen, animierten Figuren ab. Stilistisch stand er dem „Primitivismus“ von Henri Rousseau nahe. Zu seinen Lieblingsmalern gehörten Alfred Sisley und Camille Pissarro.

1908: Auf dem berühmten Bankett, das Pablo Picasso anlässlich seines Kaufs eines „Frauenporträts“ zu Ehren des „Zöllners“ ausrichtete, präsentierte der Gastgeber die Neuerwerbung vor seiner eigenen „La bouteille de Bass“ (1912–1914, Mailand, Museo del Novecento). Zu den Gästen zählten neben Maurice Utrillo noch Apollinaire, Marie Laurencin und Max Weber, die amerikanischen Sammler Leo und Gertrude Stein, Hélène Jastrebzoff, sowie Max Jacob und Georges Braque. Guillaume Apollinaire widmete Rousseau ein Gedicht, während dieser mit seinem Walzer „Clemence“ antwortete.

Auch wenn Maurice Utrillo durch die Kunst seine Bestimmung fand, so setzte er seinen Alkohol- und Drogenmisbrauch auch in den folgenden Jahrzehnten weiterhin fort. Sein Konsum von Alkohol und Opium, den er mit seinen Freunden Amedeo Modigliani und Chaim Soutine teilte, wurde beispielsweise 1914 in der Presse aufgegriffen.

Das Werk von Maurice Utrillo wird gemeinhin in vier Phasen unterteilt. Auf die impressionistische, aber dunkle Periode (1900–1903) folgte die Periode von Montmagny (etwa 1904–1906). Bei einer Reise in die Bretagne hatte er das Licht entdeckt. In der gleichnamigen Vorstadt im Norden von Paris malte er hauptsächlich Straßenszenen. Allmählich hellte er die Palette seiner Gemälde auf. Bekannt machte Utrillo die sogenannte „Weiße Periode“ (1906–1914), die als Höhepunkt seiner Karriere angesehen wird (1912–1914). Um mehr Helligkeit zu erzielen, mischte Maurice Utrillo seinen Farben hellen Sand und Gips bei. Durch das weiße Impasto, das er mit der Spachtel auftrug, erhielten seine Gemälde eine charakteristische Struktur. Helles Rosa und milchiges Weiß dominierten in den Jahren vor dem Ersten Weltkrieg seine Bilder. Ab 1915 wird Utrillos Malerei farbig. Damit hatte er jenen Stil gefunden, den er bis zu seinem Tod beibehielt.

Ausstellungen

Der Kunsthändler Paul Guillaume (1891–1934) entdeckte Utrillos Gemälde in den Jahren nach 1910 dank des ebenfalls in Montmartre lebenden Dichters Max Jacob (1876–1944). 1922 organisierte Paul Guillaume schließlich eine Ausstellung von 35 Werken Utrillos, die seinen Durchbruch in der Pariser Kunstszene bedeutete. In den 1920er Jahren war Maurice Utrillo ein berühmter Maler und stellte 1924 erstmals mit seiner Mutter Suzanne Valadon aus. Die französische Regierung ehrte ihn 1929 mit dem Kreuz der Ehrenlegion.

Ab 1924 lebte Utrillo 20 Jahre lang einen Teil des Jahres im Château de Saint-Bernard (Ain), das er gekauft hatte. Utrillo war über mehrere Jahrzehnte sehr produktiv, allerdings wurden seine Werke häufig gefälscht, weshalb es fragwürdige Zuschreibungen gibt.

Trotz des Widerstands seiner Mutter heiratete Maurice Utrillo 1935 im Alter von 51 Jahren Lucie Valore, die Witwe des Kunstsammlers Pauwels Lucie Pauwels, mit der er zuerst in die Route de la Plaine Nr. 27, dann 1936 in die Route des Bouleaux Nr. 18 (Villa La Bonne Lucie) nach Le Vésinet zog. Utrillos Mutter spielt eine wichtige Rolle bei der Verwaltung der Finanzen des Paares und passte auf ihren Sohn auf, um einen Rückfall in den Alkoholismus zu verhindern und ihn zur Arbeit zu drängen.

An einem Sommertag im Jahr 1945 machte ihn sein Schwager mit Charles Féola (Onkel des Malers Roland Irolla), einem Anfänger, bekannt, den er beim Malen des Place du Tertre in Paris kennengelernt hatte. Maurice Utrillo hielt Verbindungen zu seinem Schüler, besuchte seine Ausstellungen in Montmartre und finanzierte sogar einige seiner Ausstellungen in London, New York, Rio, Kairo, Tel Aviv, Tokio und Skandinavien.

Tod

Maurice Utrillo starb am 5. November 1955 im Alter von 71 Jahren im Hôtel Splendid in Dax bei einem Kuraufenthalt. Er ist auf dem Pariser Friedhof Cimetière Saint-Vincent am Montmartre begraben, gegenüber dem Lapin Agile.

Musée Utrillo-Valadon

In Sannois liegt das 1995 eröffnete Musée Utrillo-Valadon, das einzige Maurice Utrillo gewidmete Museum. Das Haus, die Villa Rozée, ein Bürgerhaus aus dem 18. Jahrhundert, zeigt neben seinen Werken persönliche Objekte wie seine Paletten und ein Klavier. Es stellt auch Arbeiten seiner Mutter Suzanne Valadon aus.

Nachruhm

Die französische Post gab am 5. Dezember 1983 eine 4 Francs-Sondermarke heraus. Das verwendete Gemälde zu Utrillos 100. Geburtstag zeigt die Weinschänke Le Lapin Agile auf dem Montmartre. Kürzlich erzielten Werke von Utrillo bei einer Versteigerung an die 1 Million US-Dollar.