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München | Lenbachhaus: Das Malerische Was bedeutet „gut gemalt“ um 1900?

Lovis Corinth, Hymnus an Michelangelo, Detail, 1911 (Städtische Galerie im Lenbachhaus und Kunstbau München, Dauerleihgabe der BayernLB, Foto: Lenbachhaus)

Lovis Corinth, Hymnus an Michelangelo, Detail, 1911 (Städtische Galerie im Lenbachhaus und Kunstbau München, Dauerleihgabe der BayernLB, Foto: Lenbachhaus)

„Der Satz, dass die gutgemalte Rübe besser sei, als die schlechtgemalte Madonna, gehört bereits zum eisernen Bestand der modernen Ästhetik. Aber der Satz ist falsch; er müsste lauten: Die gutgemalte Rübe ist ebenso gut wie die gutgemalte Madonna.“ (Max Liebermann, 1916)

Dieses Zitat Max Liebermanns ist Ausgangspunkt für eine Ausstellung im Lenbachhaus, die untersucht, was und vor allem wie die Künstlerinnen und Künstler im 19. und frühen 20. Jahrhundert gemalt haben. Die Präsentation widmet sich der Frage, was „gut gemalt“ bedeutet, und untersucht verschiedene Aspekte des Malerischen.

Dazu gehören beispielsweise das Tempo beim Malen, das Glück des Anfängers, Zuschreibungsfragen, Farbverbote und die Suche nach einer reinen Malerei: So schuf Lovis Corinth in nur drei Tagen einen riesigen gemalten Blumenstrauß als Geburtstagsgeschenk für seine Frau. Als Franz von Stuck begann, mit Ölfarben zu experimentieren, notierte er auf der Vorderseite des gelungenen Bildes stolz „mein erstes Ölgemälde“ - für sich wie für die Nachwelt (→ Franz von Stuck. Sünde und Secession). Ein virtuos hingeworfenes, unsigniertes Frauenporträt könnte sowohl von Wilhelm Busch wie von Franz von Lenbach stammen, die beide in jungen Jahren sehr ähnlich malten. Wer denkt, dass Landschaftsmaler doch ein ganz besonderes Faible für die Farbe „Grün“ haben müssten, wird sich darüber wundern, dass reines Grün aus der Tube als „Spinat“ verspottet wurde. Wilhelm Leibl schließlich interessierte nur das „Wie“, nicht das „Was“; Leibls Streben nach dem „Reinmalerischen“ inspirierte seinen Kollegen Carl Schuch zu einem radikal vereinfachten Stillleben mit Lauch.

Kuratiert von Karin Althaus
Quelle: Pressetext

Das Malerische im Lenbachhaus: Bilder

  • Lovis Corinth, Hymnus an Michelangelo, 1911 (Städtische Galerie im Lenbachhaus und Kunstbau München, Dauerleihgabe der BayernLB, Foto: Lenbachhaus)
  • Carl Schuch, Stillleben mit Porree, um 1886/88 (Städtische Galerie im Lenbachhaus und Kunstbau München, Foto: Lenbachhaus)
  • Franz von Stuck, Die Wilde Jagd, um 1888 (Städtische Galerie im Lenbachhaus und Kunstbau München, Foto: Lenbachhaus)

Aktuelle Ausstellungen in Deutschland

17. September 2022
Aenne Biermann, Kaktus, Detail, um 1929, Gelatinesilberpapier, 17,1 x 12,1 cm (Museum Ludwig, Köln, Foto: Rheinisches Bildarchiv, Köln)

Köln | Museum Ludwig: Grüne Moderne Die neue Sicht auf Pflanzen | 2022/23

Die Ausstellung „Grüne Moderne. Die neue Sicht auf Pflanzen“ führt uns zurück ins frühe 20. Jahrhundert und wie die Künste Pflanzen betrachteten — nicht die Natur im großen Maßstab, sondern einzelne Pflanzen.
16. September 2022
Ernst Wilhelm Nay, Mit roten und schwarzen Punkten, 1954 (Hamburger Kunsthalle. © Hamburger Kunsthalle ⁄ bpk, © Ernst Wilhelm Nay Stiftung, Köln ⁄ VG Bild-Kunst, Bonn 2021, Foto: Elke Walford)

Wiesbaden | Museum Wiesbaden: Ernst Wilhelm Nay Retrospektive | 2022/23

Zu sehen sind nicht nur Ernst Wilhelm Nays berühmte Lofoten-, Scheiben- oder Augenbilder, sondern auch die in der Rhein-Main-Region entstandenen Hekate- und Fugalen Bilder.
9. September 2022
Joan Jonas, They Come to Us without a Word II, 2015, Performance at Teatro Piccolo Arsenale, Venice, Italy, 2015. Photo by Moira Ricci. © 2017 Joan Jonas: Artists Rights Society (ARS), New York: DACS, London.

Joan Jonas. Multimediakünstlerin aus New York 50 Jahre Nachdenken über Weiblichkeit, Mythos und Raum

Joan Jonas (*1936 in New York) wurde Ende der 1960er und Anfang der 1970er Jahre als Pionierin der Video- und Performancekunst bekannt und ist eine der einflussreichsten Künstlerinnen der Gegenwart. Mit ihren experimentellen Installationen verfolgt sie einen originellen und interdisziplinären Ansatz. Sie vereint darin collageartig Film, Video, Musik, Fotografie, Zeichnung, Soundscapes, Objekte, Requisiten und Masken oder auch Schauspiel und Tanz. Im Zentrum ihrer Arbeit steht oft eine erzählende Komponente. Jonas findet ihre Inspiration u.a. in der Literatur, im No-Theater und in Ritualen, die sie auf zahlreichen Reisen über die Jahre miterlebt hat.
9. September 2022
David Novros, Four Seasons, 1974, Öl auf Leinwand, je 174 x 351 (4-teilig) (Hamburger Kunsthalle. Schenkung Sammlung Lafrenz, © Hamburger Kunsthalle, Foto: Fred Dott, © VG Bild-Kunst, Bonn 2022)

Hamburg | Hamburger Kunsthalle: Viermalvier Die 4 in der Kunst | 2022

Die Ausstellung „VIERMALVIER / FOURTIMESFOUR“ greift die verschiedenen Bedeutungsebenen der Vier assoziativ auf und nimmt einmal mehr die Architektur der von Oswald Mathias Ungers geschaffenen Galerie der Gegenwart mit ihren besonderen räumlichen Bedingungen zum Ausgangspunkt einer kuratorischen Betrachtung.
7. September 2022
Christo und Jeanne-Claude, Arc de Triomphe, Wrapped (Project for Paris), Place de l'Etoile – Charles de Gaulle, 2019, Collage, Bleistift, Wachsmalstift, Emailfarbe, Fotografie von Wolfgang Volz, Karte und Klebeband, 43,2 x 56,9 cm (Ingrid und Thomas Jochheim Collection, © 2021 Christo and Jeanne-Claude Foundation)

Düsseldorf | Kunstpalast: Christo und Jeanne-Claude Paris. New York. Grenzenlos | 2022/23

Die Ausstellung zeichnet die kunsthistorische Entwicklung von Christo und Jeanne-Claude seit Mitte der 1950er Jahre bis heute nach und stellt das in Frankreich ent­standene künstlerische frühe Schaffen im Kontext mit Arbeiten von Weggefährt:innen vor.
2. September 2022
Donatello, Madonna mit Kind (Madonna Pazzi), Detail, um 1420–1425 (Staatliche Museen zu Berlin – Preußischer Kulturbesitz. Skulpturensammlung und Museum für Byzantinische Kunst. Foto Antje Voigt)

Berlin | Gemäldegalerie: Donatello Erfinder der Renaissance | 2022

Im Fokus der Ausstellung „Donatello. Erfinder der Renaissance“ in der Gemäldegalerie steht neben der Vielschichtigkeit seines Werkes vor allem dessen Einfluss auf die Entwicklung der gesamten Renaissancekunst, nicht zuletzt auch auf die Malerei.
Alexandra Matzner
Gründerin von ARTinWORDS * 1974 in Linz, Studium der Kunstgeschichte, Geschichte und Romanistik in Wien und Rom. Seit 1999 Kunstvermittlerin in Wien, seit 2004 Autorin für verschiedene Kunstzeitschriften. Jüngste Publiktionen entstanden für das Kunsthaus Zürich, Schirn Kunsthalle Frankfurt, Albertina und Belvedere in Wien.