Odilon Redon: Literatur, Musik und Malerei in synästhetischen Erlebnissen
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Odilon Redon träumt vom Gesamtkunstwerk Kröller Müller Museum und Ny Carlsberg Glyptotek zeigen synästhetische Schau

Odilon Redon, Le cyclope [Der Zyklop], Detail, um 1914, Öl auf Karton auf Holz, 65,8 x 52,7 cm (Coll. Kröller-Müller Museum, Otterlo)

Odilon Redon, Le cyclope [Der Zyklop], Detail, um 1914, Öl auf Karton auf Holz, 65,8 x 52,7 cm (Coll. Kröller-Müller Museum, Otterlo)

Odilon Redon (1840–1916) ließ sich in seinem grafischen Werk von vielen unterschiedlichen Quellen inspirieren. Das Kröller-Müller Museum in Otterloo und die Ny Carlsberg Glyptotek in Kopenhagen stellen mehr als 160 Gemälde, Pastelle, Zeichnungen und Lithografien des französischen Symbolisten aus (→ Symbolismus). Ergänzt werden sie durch musikalische und literarische Werke in Soundduschen, die den Künstler nachweislich beeinflussten. Die Ny Carlsberg Glyptotek thematisiert im Herbst/Winter 2018/19 den Kontext Redons, seine Zeitgenossen und Vorbilder. Aus der eigenen Sammlung ergänzen ausgewählte Gemälde von Edgar Degas, Paul GauguinPierre Bonnard und Vincent van Gogh sowie Skulpturen aus dem Alten Ägypten und Griechenland die Redon-Schau.

Im Traum

Odilon Redon war (Pastell-)Maler, Zeichner und Lithograf, lernte jedoch schon in jungen Jahren auch Geige und Klavier spielen und entdeckte seine Liebe zur Literatur. Er unterhielt enge Freundschaften zu Schriftstellern und Komponisten und betätigte sich zudem selbst als Autor und Musiker. Musik, literarische Themen und bildende Kunst waren für ihn untrennbar miteinander verbunden. Schon zu Lebzeiten erntete er viel Lob für seine sehr individuelle Art, diese expressiven Künste in seinem Werk zu vereinen. Wie kein Zweiter griff er damit das im späten 19. Jahrhundert populäre Konzept der Synästhesie auf: die Auffassung, dass das gleichzeitige Ansprechen mehrerer Sinne zu einem intensiveren Kunsterlebnis führt.

Redon fand Inspiration in literarischen und musikalischen Quellen von der klassischen Antike bis hin zu Richard Wagner. Die Ausstellung verdeutlicht dies anhand einer Reihe spezifischer Themen. Dazu gehören z. B. das geflügelte Pferd (Pegasus) oder die Frau, die einerseits als Symbol der Schönheit (Beatrice), andererseits in Gestalt der fatalen Verführerin (Salome) auftritt. Redon verarbeitete diese Themen stets aufs Neue, änderte ihre Erscheinungsform und verlieh ihnen immer wieder neue Bedeutung und machte so ungewöhnliche Assoziationen möglich.

 

 

Seine Bewunderung für Wagner lässt sich u. a. an den Darstellungen von Brünnhilde und Parsifal erkennen (vgl. v.a. Henri Fantin-Latours sehr wörtliche Wagner-Illustrationen). Meistens ist jedoch der Bezug zur Musik weniger direkt – vielmehr geht es Odilon Redon darum, einen bestimmten Gemütszustand wachzurufen. Zeitgenossen beschreiben sein Werk oft als musikalische Erfahrung, und er selbst bezeichnet sich als „peintre symphonique“.

„Es ist schwierig, Redons überraschende Kunst zu beschreiben. Es gibt keine echten Vorbilder, außer vielleicht unter den Musikern und insbesondere den Dichtern.“ (Joris-Karl Huysmans in: L’art moderne, 1883)

 

 

Wort und Bild

Redons Rolle als Schriftsteller und Illustrator wird in der Ausstellung anhand einer Reihe von Lithografien gewürdigt, die er für von ihm bewunderte Schriftsteller schuf, wie Gustave Flaubert, Edgar Allan Poe oder Charles Baudelaire. Zudem kombinierte er Lithografien mit eigenen Texten zu visuellen und textuellen Gedichten, wie z.B. seine „Hommage à Goya“. Wort und Bild verschmelzen darin zu einem Gesamtkunstwerk.

Die Ausstellung ist eine Kooperation zwischen dem Kröller-Müller Museum in Otterlo (Holland) und der Ny Carlsberg Glyptotek in Kopenhagen (Dänemark).

Quelle: Pressetext

 

Odilon Redon. Im Traum: Bilder

  • Odilon Redon, Märtyrer oder Kopf eines Märtyrers auf der Schale oder der heilige Johannes, 1877, Kohle auf Papier, 36,6 x 36,3 cm (Kröller-Müller Museum, Otterlo, Foto: Sammlung Kröller-Müller Museum, Otterlo)
  • Odilon Redon, Triste montée [Trauriger Aufstieg], 1879, Lithografie, 41,6 x 28,6 cm (Kröller-Müller Museum, Otterlo)
  • Odilon Redon, La fleur du marécage: une tête humaine et triste [Die Sumpfblume: ein trauriger und menschlicher Kopf], 1885, Lithografie, 45,3 x 31,2 cm
  • Odilon Redon, Femme voilée [Verschleierte Frau], um 1895–1900, Pastell und Kreide auf blauem Papier, 47,8 x 32 cm (Kröller-Müller Museum, Otterlo)
  • Odilon Redon, Pegasus und die Hydra, nach 1900, Öl auf Karton, 47 x 63.1 cm, Collection Kröller-Müller Museum, Otterlo, The Netherlands (KM 104.067) © Collection Kröller-Müller Museum, Otterlo. Photo Rik Klein Gotink
  • Odilon Redon, Le cyclope [Der Zyklop], um 1914, Öl auf Karton auf Holz, 65,8 x 52,7 cm (Coll. Kröller-Müller Museum, Otterlo)
8. Februar 2014
Odilon Redon, Cover

Odilon Redon Meister des Pastells

Fünf großformatige Landschaftsbilder empfangen die Besucher_innen im Foyer der Fondation Beyeler in Riehen bei Basel. Vor der dunkellila gestrichenen Wand kommen die lichten Farbkompositionen von Odilon Redon (1840–1916) wunderbar zur Geltung und verblüffen durch ihren hohen Grad an Abstraktion. Offensichtlich ließ sich der französische Symbolist von japanischer Malerei inspirieren, eroberte wie die Impressionisten und die Jugendstil-Künstler die Flächigkeit und ging mit der Befreiung der Farbe den Nabis und den Fauves voraus.
Alexandra Matzner
Gründerin von ARTinWORDS * 1974 in Linz, Studium der Kunstgeschichte, Geschichte und Romanistik in Wien und Rom. Seit 1999 Kunstvermittlerin in Wien, seit 2004 Autorin für verschiedene Kunstzeitschriften. Jüngste Publiktionen entstanden für das Kunsthaus Zürich, Schirn Kunsthalle Frankfurt, Albertina und Belvedere in Wien.