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Berlin | Gropius Bau: Ausstellungen 2020 Welche Ausstellungen zeigt der Gropius Bau 2020?

Berlin, Gropius Bau, Ausstellungen 2020

Berlin, Gropius Bau, Ausstellungen 2020

Das spannende Ausstellungsprogramm 2020 des Berliner Gropius Bau orientiert sich an gesellschaftspolitischen und ökologischen Fragestellungen. Highlights des Berliner Ausstellungsjahres werden zweifellos das Aufeinandertreffen von amerikanischer und sowjetischer Malerei der 1960er bis 1990er Jahre unter dem Titel „The Cool and the Cold“ (ab 25.4.) und die großangelegte Überblicksausstellung der japanischen Künstlerin Yayoi Kusama. Die Gruppenausstellung „Masculinities: Liberation through Photography“ untersucht die Konstruktion von Männlichkeitsbildern in der Fotografie sei den 1960er Jahren (ab 16.10.). Einzelausstellungen von Akinbode Akinbiyi (ab 7.2.), Lee Mingwei (ab 27.3.), Otobong Nkanga (ab 30.4.), Thea Djordjadze (ab 10.9.) und Zheng Bo als Artist in Residence 2020 komplettieren die Ausstellungen 2020 im Berliner Gropius Bau.

 

Welche Ausstellungen zeigt der Gropius Bau 2020?

Akinbode Akinbiyi: Six Songs, Swirling Gracefully in the Taut Air (7.2.–17.5.2020)

Die Fotografieausstellung „Six Songs, Swirling Gracefully in the Taut Air“ versammelt Arbeiten aus Langzeitserien des in Berlin lebenden nigerianischen Fotografen Akinbode Akinbiyi aus vier Jahrzehnten. Als Chronist von gelebten Rhythmen und sozialen Texturen von Räumen hat Akinbiyi unter anderem in Städten wie Lagos, Berlin, Johannesburg, Bamako und Chicago vertraute Momente und das menschliche Zusammenleben festgehalten. Seine Sammlung von Schwarz-Weiß-Fotografien zeigt eine Welt häufig übersehener Narrative, Gesten und Glaubensvorstellungen inmitten von lauten Straßen, Küstenlinien und dicht besiedelten Vierteln. Das Umherwandern ist für Akinbiyi dabei zentrales Instrument, um soziale Realitäten zu dokumentieren und die Psychogeografie städtischer Umfelder zu erforschen. Die Ausstellung umfasst die international vielbeachtete Serie Lagos: All Roads und die fortlaufende Reihe African Quarter – Fotografien, die seit den späten 1990er Jahren in Berlin entstanden sind. Diese zeigen Straßen, in denen die historischen Spuren der deutschen Kolonialvergangenheit eingeschrieben sind, und offene Begegnungen in der afrikanischen Diaspora und in afrodeutschen Communitys in der Stadt, vor allem im Bezirk Wedding.

Kuratiert von Natasha Ginwala (assoziierte Kuratorin)

 

Lee Mingwei (27.3.–7.6.2020)

Im Mittelpunkt von Lee Mingweis künstlerischer Praxis stehen Rituale des Schenkens und Beschenktwerdens. Die Einzelausstellung präsentiert Performances und Installationen der letzten dreißig Jahre und untersucht Kunst als transformatives Geschenk. In Lees Arbeiten werden immaterielle Gaben wie Lieder, Gespräche und Raum für Kontemplation verschenkt und empfangen. Ansatzpunkt seiner Projekte sind häufig persönliche Begegnungen, auf deren Basis der Künstler Installationen entwickelt. Lee Mingweis Auseinandersetzung mit Erfahrungen, in denen Zeit verschenkt wird, bedingt seine Faszination für das Gastgeben. Im Herbst 2019 hat Lee daher Open Calls veröffentlicht, um Berliner*innen als Gastgeber*innen in seine kommende Ausstellung einzubinden. Im Rahmen des Projekts The Living Room sind diese Gastgeber*innen eingeladen, ihre persönlichen Sammlungen auszustellen, während sie in „The Mending Project“ mitgebrachte Textilien von Besucher*innen ausbessern und mit diesen ins Gespräch kommen. Diese Prozesse begründen einen gemeinsamen Erfahrungsraum, der gegenseitigen Austausch sowie heilende und fürsorgliche Rituale erlaubt.

Kuratiert von Stephanie Rosenthal (Direktorin, Gropius Bau) mit Clare Molloy (Assistenzkuratorin)

 

The Cool and the Cold. Malerei der USA und der UdSSR 1960–1990. Sammlung Ludwig (25.4.–6.9.2020)

Im Jahr des 30. Jubiläums der deutschen Wiedervereinigung ist im Gropius Bau eine Gruppenausstellung zu sehen, die zur Zeit des Kalten Krieges entstandene Gemälde aus beiden weltpolitischen Machtzentren vereint. Unter dem Titel „The Cool and the Cold. Malerei der USA und der UdSSR 1960–1990. Sammlung Ludwig“ werden unter anderem Arbeiten von Andy Warhol, Il’ja Kabakov, Erik Bulatov, Lee Lozano, Jackson Pollock, Helen Frankenthaler, Viktor Pivovarov, Natal’ja Nesterova und Ivan Čujkov aus der Sammlung Ludwig miteinander in Beziehung gesetzt.

Peter und Irene Ludwig gehörten zu den ersten europäischen Sammlern von US-amerikanischer Pop Art und Kunst aus der Sowjetunion; ihre umfangreiche Sammlung ermöglicht so die kritische Gegenüberstellung von Werken aus beiden Lagern des Ost-West-Konflikts. Die Ausstellung im Gropius Bau untersucht, wie Künstlerinnen und Künstler auf politische wie ästhetische Fragen ihrer Zeit reagierten und Vorstellungen individueller und gesellschaftlicher Freiheit verhandelten; im Dialog von Konzeptkunst und Pop Art aus drei Jahrzehnten wird Kunst als Ausdruck von und Kommentar zu Ideologien lesbar.

Kuratiert von Benjamin Dodenhoff und Brigitte Franzen (Peter und Irene Ludwig Stiftung)
Organisiert in Zusammenarbeit mit der Peter und Irene Ludwig Stiftung

 

Otobong Nkanga (30.4.–2.8.2020)

Otobong Nkangas Interesse gilt der komplexen Beziehung zwischen Mensch und Land, die sie in ihren Arbeiten im Spannungsfeld von Kolonialisierung und extraktivem Kapitalismus, von Reparatur und Fürsorge untersucht. Nach ihrem einjährigen Aufenthalt als In House: Artist in Residence im Gropius Bau bietet die Einzelausstellung einen Einblick in zentrale Fragestellungen ihres Schaffens.

Für Nkanga lassen sich der menschliche Körper und die Erde, auf der er sich bewegt, nicht losgelöst voneinander betrachten; auf Basis umfassender Recherchen und durch die Verschränkung verschiedener Medien wie Zeichnung, Installation und Performance zeichnet Nkanga die Bewegung von Mineralien, Gütern und Menschen nach, um ökonomische und ökologische Prozesse umfassend zu ergründen. In ihren Arbeiten erforscht sie zudem die variierenden Bedeutungen, die natürlichen Ressourcen in unterschiedlichen Kulturen zugeschrieben werden, sowie das gewaltsame Verhältnis, auf dem deren Abbau und Weiterverarbeitung fußen – und stellt so tradierte Denkweisen infrage.

Vorbehaltlich der Juryentscheidungen potenzieller Förderer
Kuratiert von Stephanie Rosenthal (Direktorin, Gropius Bau) mit Clara Meister (kuratorische Referentin)

 

Yayoi Kusama (4.9.2020–17.1.2021)

Berlin | Gropius Bau: Yayoi Kusama

Yayoi Kusama zählt zu den bedeutendsten japanischen Künstlerinnen der Gegenwart. Im Herbst 2020 widmet der Gropius Bau Kusama die erste umfassende Retrospektive in Deutschland, die einen Überblick über sämtliche Schaffensperioden der letzten siebzig Jahre bietet und neben aktuellen

 

Thea Djordjadze (10.9.–13.12.2020)

Thea Djordjadzes künstlerische Praxis lässt sich als Prozess des beständigen Wiederverwertens, Rekonfigurierens und Neuordnens von Objekten begreifen. Gleichermaßen von historischen Artefakten wie von Konzepten moderner Kunst und Architektur beeinflusst, zeichnen sich Djordjadzes skulpturale Arbeiten durch formale Brüche und eine eigenwillige Materialästhetik aus. Indem sie Materialien wie Gips, Metall, Gummi, Textilien, Holz oder Pappmaché kombiniert, schafft Djordjadze fragmentarische Raumsituationen, anhand derer sie das klassische Display – Vitrine, Sockel, Rahmung und Podest – als wiederkehrendes Motiv in ihrer Arbeit neu formuliert (vgl. ihre Ausstellung in der Wiener Secession → Thea Djordjadze – Yto Barrada).

Ab dem 10. September 2020 zeigt der Gropius Bau bestehende und neue Arbeiten der in Berlin lebenden Künstlerin; so auch im sogenannten Schliemann-Saal, der von 1881 bis 1885 die archäologischen Ausgrabungen Heinrich Schliemanns beherbergte. In Auseinandersetzung mit der Vergangenheit des Ausstellungshauses treten Djordjadzes Arbeiten und Interventionen in einen Dialog mit diesen geschichtsträchtigen Räumen. Die Ausstellung markiert den Beginn einer Reihe von künstlerischen Präsentationen, die sich mit der Geschichte der archäologischen Ausstellungen im Gropius Bau befassen.

Kuratiert von Julienne Lorz (Hauptkuratorin, Gropius Bau)

 

Masculinities: Liberation through Photography (16.10.2020–10.1.2021)

Unter dem Titel „Masculinities: Liberation through Photography“ untersucht eine umfangreiche Gruppenausstellung im Gropius Bau, auf welche Weise Männlichkeit seit den 1960er Jahren erlebt, performativ hergestellt und sozial konstruiert wird. In einer Zeit, in der sich klassische Männlichkeitsbilder in der Krise befinden und Begriffe wie „toxische“ und „fragile“ Männlichkeit gesellschaftliche Diskurse prägen, bieten über 300 Arbeiten von 50 internationalen Künstlerinnen und Künstlern, darunter Laurie Anderson, Richard Avedon, Rotimi Fani-Kayode, Peter Hujar, Isaac Julien, Annette Messager und Catherine Opie, ein Panorama der filmischen und fotografischen Auseinandersetzung mit dem Maskulinen in all seiner Widersprüchlichkeit und Komplexität. Zentrale Bezugspunkte sind Themen wie Patriarchat, Macht, queere Identität, Race und Class, Sexualität sowie die weibliche Wahrnehmung von Männlichkeit, welche als ein weitgehend fließendes, performatives Identitätskonzept ins Blickfeld rückt.

Kuratiert von Alona Pardo (Kuratorin, Barbican Art Gallery)
Organisiert vom Barbican Centre, London

 

In House: Artist in Residence 2020 – Zheng Bo

Im Rahmen des 2018 von Stephanie Rosenthal initiierten Programms In House: Artist in Residence wird nach Wu Tsang und Otobong Nkanga der Künstler und Theoretiker Zheng Bo für ein Jahr ein Studio im Gropius Bau beziehen. Vergangenheit und Zukunft sind zentrale Parameter seiner politisch und wissenschaftlich informierten künstlerischen Praxis, in der er sich mit sozialökonomischen Themen und dem Verhältnis von Mensch und Natur befasst. Im Gropius Bau wird Zheng verschiedenen Fragen nachgehen: Wie können Pflanzen, insbesondere in Zeiten des rasant fortschreitenden Klimawandels, Teil einer politischen Idee werden und helfen, sich von anthropozentrischen Vorstellungen von Freiheit zu entfernen? Wie lässt sich die Gleichstellung der Arten auf dem Planeten imaginieren und realisieren? Während seines Aufenthaltes wird der Künstler seine Recherchen im Austausch mit Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler vertiefen und zu Künstlergesprächen sowie mehrtägigen Workshops einladen.

Quelle: Pressetext

Alexandra Matzner
Gründerin von ARTinWORDS * 1974 in Linz, Studium der Kunstgeschichte, Geschichte und Romanistik in Wien und Rom. Seit 1999 Kunstvermittlerin in Wien, seit 2004 Autorin für verschiedene Kunstzeitschriften. Jüngste Publiktionen entstanden für das Kunsthaus Zürich, Schirn Kunsthalle Frankfurt, Albertina und Belvedere in Wien.