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Gustav Klimt und die Kunstschau 1908 Epochale Ausstellung der Jugendstilkünstler Wiens

Klimt, Kuss, Detail, 1907/08, Öl/Lw (Belvedere)

Klimt, Kuss, Detail, 1907/08, Öl/Lw (Belvedere)

„Wir sind keine Genossenschaft, keine Vereinigung, kein Bund, sondern haben uns in zwangloser Form eigens zum Zweck dieser Ausstellung zusammengefunden, verbunden einzig durch die Überzeugung, dass kein Gebiet menschlichen Lebens zu unbedeutend und gering ist, um künstlerischen Bestrebungen Raum zu bieten, dass (…) auch das unscheinbarste Ding, wenn es vollkommen ausgeführt wird, die Schönheit dieser Erde vermehren hilft, und dass einzig in der immer weiter fortschreitenden Durchdringung des gesamten Lebens mit künstlerischen Absichten der Fortschritt der Kultur begründet ist.“ (aus der Festrede von Gustav Klimt anlässlich der Eröffnung)

Zielsetzung der ehemaligen Secessionisten

Als Gustav Klimt am 1. Juni 1908 die Kunstschau eröffnete, sollten mit dem Projekt mehrere Bedürfnisse gestillt werden. Der Zeitpunkt war mit großem Bedacht gewählt, feierte doch Kaiser Franz Joseph in diesem Jahr sein 60-jähriges Thronjubiläum. Da die beteiligten Künstler 1905 aus der Secession ausgetreten waren, verfügten sie über keine Ausstellungshalle mehr, in der sie ihre Kunst und Philosophie einem breiten Publikum präsentieren hätten können. Koloman „Kolo“ Moser sprach sich im Zuge der Vorbereitungen dafür aus, nur Künstler „österreichischen Ursprungs“ zuzulassen und 1909 eine Internationale Kunstschau auszurichten. Indem die Organisatoren rund um Josef Hoffmann die Bereiche Architektur und Kunstgewerbe besonders stark präsentierten, sollte die Idee des Gesamtkunstwerks wie bereits in den Secessionsausstellungen einem breiten Publikum zugänglich gemacht werden. Erfolgreiche Projekte aus dem Jahr 1907 wie die Ausstattung des Wiener Cabaret Fledermaus und auch die Auftragserteilung für das Brüsseler Palais Stoclet gaben den Künstlern Mut. Gleichzeitig erhofften sie sich wohl auch einen finanziellen Erfolg, den Klimt in seiner oben zitierten Eröffnungsrede nicht durch öffentliche Aufträge des Staates, sondern durch die „ideale Gemeinschaft aller Schaffenden und Genießenden“ verwirklicht sah. Das Konzept des Gesamtkunstwerks beinhaltete somit wohl nicht nur eine Verschönerung der Welt mit Hilfe des Designs, sondern auch die gesellschaftliche Integration des Künstlers.

 

Kunstschau 1908

Auf der Gesamtfläche von etwa 6.500m² errichtete Josef Hoffmann auf dem Baugrund des heutigen Konzerthauses (Lothringerstraße) ein aus 30 Pavillons, Gärten und einem Schau-Friedhof bestehendes, provisorisches Ausstellungsgebäude. 176 Künstler – etwa ein Drittel davon weiblich (!) – stellten bis Beginn November hunderte von Objekten und Gemälden aus. Bedeutenden Künstlerpersönlichkeiten wie Gustav Klimt, Carl Moll, Koloman Moser und dem heute wenig bekannten Bildhauer Franz Metzner wurden ganze Säle gewidmet, andere waren thematisch zusammengefasst. Koloman Moser gestaltete den Klimt-Raum mit einer delikaten Musterung sowie ornamentale Einfassungen der Türen. In der Rekonstruktion der Räume, die Klimt und ein weiterer der Wiener Werkstätte gewidmet waren, stellt sich so nicht nur der Eindruck von Ruhe und elitärem Glanz ein, sondern auch das Gefühl für die nahezu liebevolle Präsentation der Werke. Ganz im Gegenteil dazu sind die Plakate von Bertold Löffler und seinen Schülern (darunter der aufstrebende Oskar Kokoschka) mit leuchtenden Primärfarben gestaltet und waren wie im Stadtbild nahtlos und überbordend an die Wände affichiert.

 

Rekonstruktion der Kunstschau 1908

Die schwierigste Arbeit für die Ausstellungsmacher war aus einem dünnen Katalog und einigen erhaltenen Dokumentationsfotos eine ganze Ausstellung zu rekonstruieren. Etwa drei Viertel davon wurde ausfindig gemacht und manches davon konnte erstmals wieder zusammengeführt werden. Nicht alle Kunstobjekte – wie etwa das erste Porträt der Adele Bloch-Bauer von Gustav Klimt – wurden von ihren Besitzern jedoch für die Ausstellung zur Verfügung gestellt. Ausgleich dafür soll vor allem der monumentale Katalog bieten. Auf über 500 Seiten werden die Ausstellungsobjekte der Kunstschau 1908 vorgestellt. Für Kenner der Wiener Kunst des beginnenden 20. Jahrhunderts bietet die Schau einen spannenden Überblick über alle Gattungen im „Stichjahr“ 1908 – von der Malerei, über Kunsthandwerk bis hin zu Kinderkunst sowie Kunst für Kinder. Die einzige Neuentdeckung mag der Bildhauer Franz Metzner sein, dessen heroisch-gefühlsbetonte Männerbilder irgendwo zwischen postsymbolistisch und monumental einzuordnen sind.

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26. September 2015
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Gustav Klimts Gold für das Paradies Vergoldungstechnik im Beethovenfries

Zu den bekanntesten Werken aus Gustav Klimts (1862─1918) „Goldener Periode“ zählt zweifellos der Beethovenfries. Das Wandgemälde entstand als temporärer Dekorationsmalerei für die XIV. Ausstellung der Wiener Secession, die vom 15. April bis 27. Juni 1902 zu sehen war. Insgesamt 20 Secessionskünstler und eine Künstlerin gestalteten den Raum für die Beethovenstatue von Max Klinger. Technologische Untersuchungen enthüllen den präzisen Umgang des Künstlers mit Materialien und Techniken.
2. Juli 2015
Gustav Klimt, Die Musik (Entwurf), Detail, 1895, Öl auf Leinwand, 37 × 44,5 cm (Bayerische Staatsgemäldesammlungen München – Neue Pinakothek)

Gustav Klimt, die Musik und das Palais von Nicolaus Dumba Hans Makart und Klimt im Vergleich

Gustav Klimt malte zwischen 1895 und 1898 zwei Supraportenbilder für das Musikzimmer des Palais Dumba: „Musik“ und „Schuber am Klavier“. Wenn auch die ausgeführten Werke 1945 verbrannten, so geben die beiden erhaltenen Entwürfe doch einen guten Einblick, wie sich der Maler vom Historistmus zum Jugendstil entwickelte.
3. Mai 2015
Joseph Maria Olbrich, Entwurf für die Secession, 1898, Archiv der Secession.

Baugeschichte der Wiener Secession Wie Joseph Maria Olbrich und Gustav Klimt die Ikone des Jugendstils entwarfen

Die Vereinigung bildender Künstler_innen Wiener Secession öffnet anlässlich des Ringstraßen-Jubiläums ihr Archiv und zeigt Zeichnungen, Pläne und Entwürfe zur Baugeschichte ihres Ausstellungshauses. Nach zwei Jahren heftiger Auseinandersetzungen rund um den Pavillon konnten die Secessionisten am 12. November 1898 die Pforten endlich öffnen. Es hätte das modernste Haus an der Ringstraße werden können, denn ursprünglich planten die Gründungsväter die Secession schräg gegenüber des Museums für Angewandte Kunst zu errichten, dort wo heute das Lueger-Denkmal steht. Doch es kam anders!
27. Oktober 2014
Claude Monet, Waterloo Bridge, Sonne im Nebel, 1903, Öl auf Leinwand, 73,7 x 100,3 cm, Erworben 1914 © National Gallery of Canada, Ottawa.

Impressionismus in Österreich Einfluss des Pariser Impressionisten auf die österreichische Malerei

Für Claude Monet war die Entstehung eines Gemäldes gleichbedeutend mit der Unmöglichkeit, die Schönheit der Stimmung einzufangen, in der sich seine Bildsujets befanden. Es ging ihm weniger darum, einen Hühnerhof, Blumen im Garten, die Kathedrale von Rouen, das Londoner Parlament oder einfach tosende Wellen an der Atlantikküste festzuhalten, als das Licht und die Atmosphäre treffend wiederzugeben. Formen und Volumina der Objekte konnte er daher vernachlässigen, Farben und Farbharmonien erlangten ungleich größere Bedeutung.
24. Februar 2014
Franz Lerch, Mädchen mit Hut, 1929, Öl auf Leinwand, 80 x 60 cm © Belvedere, Wien.

Kunst in Wien und Berlin (1900-1935) Kunst zweier Metropolen

Gemeinsam mit der Berlinischen Galerie, Landesmuseum für Moderne Kunst, Fotografie und Architektur erarbeitete das Belvedere die reiche Schau „Wien – Berlin. Kunst zweier Metropolen“. Der zeitliche Horizont spannt sich hierbei von den Secessionsbildungen 1897 in Wien und 1898 in Berlin bis in die frühen 30er-Jahre, d.h. stilistisch vom Jugendstil über den Expressionismus, hin zu Dada, Konstruktivismus und Neue Sachlichkeit.
4. April 2012
Moritz Nähr, Gustav Klimt mit Katze, Detail

Gustav Klimt in Wien 2012 Mehr als nur "Der Kuss"

Zur 150. Wiederkehr von Gustav Klimts Geburtstag feiern zehn Ausstellungen in Wien seine Kunst, beschäftigen sich mit seiner Person und seinem Umfeld. In Wien zelebriert man den vielleicht wichtigsten, sicher aber teuersten aller österreichischen Künstler mit Präsentationen aus den eigenen Hausbeständen. Zehn Ausstellungen nutzen spektakuläre Brücken, geben detaillierte Einblicke und dekonstruieren den Mythos. Wer zudem seinen Klimt-Pass mit Stempeln von allen Veranstaltern füllt, nimmt an der Verlosung eines Attersee-Wochenendes teil.
20. März 2012
Gustav Klimt, Lebensbaum (drei mittlere Zeichnungen), 1910/1911 (© MAK/Georg Mayer)

Gustav Klimt: Lebensbaum – Erwartung – Erfüllung – Ritter Der Mosaikfries für das Palais Stoclet in Brüssel

Lebensbaum – Erwartung – Erfüllung – Ritter sind Figuren aus dem Stoclet-Fries von Gustav Klimt. Der Wiener schuf zwischen Juli 1910 und Juni 1911 neun Entwürfe für den Mosaikfries im Speisesaal des Brüsseler Palais, die heute im Museum für Angewandte Kunst in Wien verwahrt werden.
8. Januar 2012
Gerwald Rockenschaub, Plattform und Gustav Klimt, Beethoven Fries, Secession 2012, Foto: Wolfgang Thaler.

Rockenschaub „Plattform“ für Klimts Beethoven-Fries Dem Ungeheuer in die Augen schauen

Der Beethovenfries von Gustav Klimt für die sog. Beethoven-Ausstellung in der Wiener Secession 1902 als trockene Wandmalerei ausgeführt, wird anlässlich des Klimt-Jahres durch die „Plattform“ von Gerwald Rockenschaub aus der Nähe erlebbar (geb. 1952 in Linz, lebt und arbeitet in Berlin).
10. August 2010
Annette Vogel (Hg.): Gustav Klimt. Beethovenfries. Zeichnungen, 2010 (Hirmer Verlag)

Gustav Klimt. Zeichnungen zum Beethovenfries 125 vorbereitende Studien

Das wichtigste Werk der Wiener Moderne – dem Beethovenfries von Gustav Klimt – entschlüsselt und einfühlsam mit Zeichnungen „erklärt“. Dem berühmtesten Wiener Jugendstilkünstler, Gustav Klimt, ist diese Publikation im Hirmer Verlag gewidmet. Annette Vogel befragt darin den Stellenwert der Zeichnung im Werk Klimts und würdigt dabei besonders den Beethovenfries, der als Fresko für die XIV. Secessionsausstellung 1902 entstanden und heute in der Secession ausgestellt ist.
Alexandra Matzner
Gründerin von ARTinWORDS * 1974 in Linz, Studium der Kunstgeschichte, Geschichte und Romanistik in Wien und Rom. Seit 1999 Kunstvermittlerin in Wien, seit 2004 Autorin für verschiedene Kunstzeitschriften. Jüngste Publiktionen entstanden für das Kunsthaus Zürich, Schirn Kunsthalle Frankfurt, Albertina und Belvedere in Wien.