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Josef Albers: Biografie Leben und Werk des deutsch-amerikanischen Malers und Farbexperten

Josef Albers, Mitla, 1935–1939, Gelatinesilber, 8.5 × 12.1 cm (The Josef and Anni Albers Foundation © 2017 The Josef and Anni Albers Foundation/Artists Rights Society (ARS), New York)

Josef Albers, Mitla, 1935–1939, Gelatinesilber, 8.5 × 12.1 cm (The Josef and Anni Albers Foundation © 2017 The Josef and Anni Albers Foundation/Artists Rights Society (ARS), New York)

Josef Albers (1888–1976) war ein bedeutender Lehrer am Bauhaus, Entwerfer von Glasfenstern und Möbeln. Nach seiner Emigration in die USA begann er 1935 zu malen. Die Bilder – darunter der berühmte Serie „Hommage to the Square“ – sind als Wahrnehmungsexperimente gemeint, um die Veränderung der Wahrnehmung Farbtöne durch ihre Nachbarschaften ungeachtet ihrer physikalischen Qualitäten. In Deutschland würdigt seit 1983 das Josef Albers Museum im Quadrat Bottrop die Leistung des deutsch-amerikanischen Glaskünstlers, Malers und Farbexperten.

Josef Albers wurde am 19. März 1888 in Bottrop im Ruhrgebiet in Nordrhein-Westfalen geboren und verstarb am 25. März 1976. Nach einer Ausbildung zum Volksschullehrer (1905–1908) entdeckte er 1908 Josef Albers Werke von Paul Cézanne und Henri Matisse im Museum Folkwang in Hagen. Diesem Erlebnis folgte eine mehrjährige Ausbildung an der Königlichen Kunstakademie in Berlin (1913–1915), der Kunstgewerbeschule in Essen (1916–1919), an der Akademie der bildenden Künste in Berlin (1919) und der Königlich Bayerischen Akademie der bildenden Künste in München (1919–1920), bevor er das Bauhaus in Weimar entdeckte. 1920 begann der 32-jährige Josef Albers seine Ausbildung am Bauhaus, wo er die Glasmalereiwerkstatt besuchte und bei Johannes Itten (1888–1967), dem Begründer der Farbtypenlehre, den vorbereitenden Vorkurs belegte.

 

Glasfenster

Albers begann schnell, sich als Entwerfer von Glasfenstern zu betätigen. Einen ersten Auftrag hatte er bereits 1918 für eine Kirche in Bottrop erhalten. 1920/21 schuf er die abstrakt, geometrischen Buntglasfenster für das Treppenhaus von Haus Sommerfeld in Berlin. Nach dem Umzug nach Dessau arbeitete Albers für die Berliner Firma Puhl & Wagner, Gottfried Heinersdorff (1927). Sein Hauptwerk sind die 18 Glasfenster, die er für das Haupttreppenhaus des Grassi Museum in Leipzig gestaltet (1943 zerstört und 2011 rekonstruiert). Ein weiteres Fenster wurde für die Druckerei Ulstein in Tempelhof, Berlin angefertigt (zerstört). Um die Farbwirkung der Glasfenster zu erhöhen, arbeitete Josef Albers mit einer speziellen Methode: Er begann mit einem Milchglas, das er mit einem sehr dünnen Glasfilm überzog. Diese Scheibe wurde mit Schablonen abgedeckt und dann sandgestrahlt. So erreichte er die für ihn essentielle Perfektion und Schärfe der Formen bei Flächigkeit des Entwurfs.

 

Lehrer am Bauhaus

Bereits 1922 hatte Josef Albers als Bauhausgeselle die technische Leitung der Glaswerkstätte übernommen. Er gab Grundkurse in Materialkunde, fertigte aus Glasabfällen assemblierte „Gitterbilder“. Drei Jahre später wurde er zum Jungmeister bestellt und als Werkmeister der Glasmalereiwerkstatt am Bauhaus bestellt. Zu Albers‘ Prinzipien zählte die Vermittlung eines ökonomischen Einsatzes der verfügbaren Mittel.

Nach Ittens Abgang wurde Josef Albers 1923 zum Lehrer am Bauhaus berufen und übernahm nach den völlig neu strukturierten Vorkurs (1925–1928 gemeinsam mit László Moholy-Nagy (1895–1946). Der Architekt Walter Gropius (1883–1969), der das Bauhaus 1919 gegründet hatte, bestellte ihn zwei Jahre später zum Jungmeister. Im gleichen Jahr heiratete er Annie Fleischmann (1899–1994), die noch am Bauhaus studierte und Ende der 1920er Jahre als Textilkünstlerin und Stoffdesignerin ebenfalls am Bauhaus lehrte.

1928 übernahm Josef Albers die Möbelwerkstatt und 1929 die Leitung der Tischlereiwerkstatt. In den Jahren zuvor hatte er die heute als „Nesting Tabls“ bekannten Beistelltische aus Holz und lackiertem Glas entworfen. Bereits 1928 wurde Albers neben Mies van der Rohe stellvertretender Direktor des Bauhaus, unterrichtete aber weiterhin Glastechnik und Holzverarbeitung zw. leitete den Vorkurs und lehrte Zeichnen und Schrift.

 

Josef Albers in Amerika

Als die Nationalsozialisten am 10. August 1933 das Bauhaus in Berlin schlossen und alle Lehrer entließen, emigrierte Albers mit seiner Frau Anni in die USA. Von November 1933 bis 1949 unterrichtete Josef Albers am Black Mountain College in Ashville in North Carolina. Anni Albers wurde Assistant Professor für Weberei. 1939 erhielt er die amerikanische Staatsbürgerschaft. Von 1950 bis 1959 war Josef Albers Direktor der Kunstschule des Institute of Fine Arts an der Yale University in New Haven.

Ab 1936 Albers lehrt weltweit als Gastprofessor, etwa auf Einladung von Walter Gropius an der Graduate School of Design der Harvard University, an der University of Hartford in Connecticut, an der Cincinnati Art Academy in Ohio, am Instituto Superior de Arte in Havanna, an der Architekturschule der Universidad Católica in Santiago de Chile sowie 1954 und 1955 an der Hochschule für Gestaltung in Ulm, die an die Bauhaus-Traditionen anknüpft.

 

Albers als Maler

Josef Albers begann erst in den USA zu malen, in den Bauhaus-Jahren in Deutschland trat er der Entwerfer von Glasfenstern oder auch als Designer von Möbelstücken hervor. Um 1935 datieren erste gegenstandslose Ölbilder, die durch Reisen vor allem nach Mexiko und Südamerika ausgelöst wurden. Die lokale Architektur beeindruckte Josef und Anni Albers tief, was sich aus den erhaltenen Fotografien deutlich nachweisen lässt.

In den Jahren ab 1940 beschäftigte sich Josef Albers mit Abstraktion und ungegenständlicher Farbfeldmalerei.

  • 1941/42 Serie „Graphic Tectonic“: mehrere überlappende Bildebenen in unterschiedlicher Farbigkeit werden durch ein weißes Liniengefüge gegeneinander aufgeklappt.
  • 1946–1966 Serie „Variant/Adobe“
  • 1949 „Structural Constellations“ oder „Transformations of a Scheme“, in denen er Raumwahrnehmung auf planer Fläche als Funktion eines phänomenalen und in der Physiologie verankerten Sehens demonstrierte. Dominante Strukturmuster werden von den Betrachtenden zu logischen Formen zusammengeführt.
  • 1950–1972 Serie „Hommage to the Square“: Die Nachbarschaft von Farbtönen beeinflusst die Wahrnehmung derselben. Albers entwickelte auf Basis von Verhältnissen ein System von Quadraten, die er mit unvermischten Farben und scharfen Kanten ausmalte. Damit zählt Josef Albers zu den Vertretern der Neuen Konkreten, bereitete die Op-Art mit vor wie auch die Hard-Edge-Malerei der amerikanischen Kunst.

In seinem 1963 publizierten Hauptwerk „Interactions of Color“ legt Albers die Relativität der Farbwahrnehmung dar.

 

Ehefrau

 

Schüler von Josef Albers

  • Robert Rauschenberg (1925–2008): Die rigiden Lehrmethoden von Josef Albers hätten Robert Rauschenberg dazu angeregt, es genau anders machen zu wollen.
  • Donald Judd (1928–1994)
  • Willem de Kooning (1904–1997)
  • Robert Motherwell (1915–1991)
  • Eva Hesse (1936–1970)
  • Richard Serra (* 1939)
  • Sheila Hicks (* 1934)

 

Weitere Beiträge zu Josef Albers

 

Biografie von Josef Albers (1888–1976)

  • 19.3.1888

    Am 19. März 1888 wurde Josef Albers als Sohn eines Malers und Anstreichers in Bottrop im Ruhrgebiet in Nordrhein-Westfalen geboren.
  • 1905–1908

    Ausbildung am Lehrerseminar im westfälischen Büren.
  • 1908

    Josef Albers sah zum ersten Mal Werke von Paul Cézanne und Henri Matisse im Museum Folkwang in Hagen.
  • 1908–1913

    Josef Albers unterrichtete als Volksschullehrer.
  • 1913–1915

    Studium an der Königlichen Kunstakademie in Berlin
  • 1916–1919

    Studium an der Kunstgewerbeschule in Essen bei Jan Thorn Prikker, der sich nahezu ausschließlich mit Glaskunst auseinandersetzte.
  • 1918

    Josef Albers erhielt seinen ersten öffentlichen Auftrag: Glasfenster für die Kirche in Bottrop
  • 1919

    Studium an der Akademie der bildenden Künste in Berlin
  • 1919–1920

    Studium an der Königlich Bayerischen Akademie der bildenden Künste in München bei Franz von Stuck (1863–1928) und Max Doerner (1870–1939).
  • 1920

    Der 32-jährige Josef Albers ging, vorerst drei Jahre zum Studium, ans Bauhaus nach Weimar, wo er die Glasmalereiwerkstatt besuchte und bei Johannes Itten (1888–1967), dem Begründer der Farbtypenlehre, den vorbereitenden Vorkurs belegte. Itten war von 1919 bis 1923 Lehrender Meister (Formmeister mehrerer Werkstätten) am Bauhaus und lehrte im Vorkurs grundlegende gestalterische Fragen wie formale Effekte und Farbkontraste.
  • 1920/21

    Entwarf nach Absolvierung des Vorkurses die abstrakt, geometrischen Buntglasfenster für das Treppenhaus von Haus Sommerfeld in Berlin.
  • 1922

    Als Bauhausgeselle übernahm er die technische Leitung der Glaswerkstätte. Er gab Grundkurse in Materialkunde, fertigte aus Glasabfällen assemblierte „Gitterbilder“.
  • 1923

    Josef Albers wurde zum Lehrer am Bauhaus berufen und übernahm nach Ittens Abgang den völlig neu strukturierten Vorkurs. Zu seinen Prinzipien zählte die Vermittlung eines ökonomischen Einsatzes der verfügbaren Mittel.
  • 1924

    „Park“ (Tate Modern, London)
  • 1925

    Der Architekt Walter Gropius (1883–1969), der das Bauhaus 1919 gegründet hatte, bestellte ihn zum Jungmeister. Übersiedlung des Bauhaus nach Dessau. Heirat mit Annie Fleischmann (1899–1994), die noch am Bauhaus studierte und Ende der 1920er Jahre als Textilkünstlerin und Stoffdesignerin ebenfalls am Bauhaus lehrte.
  • 1925–1928

    Albers leitete gemeinsam mit László Moholy-Nagy (1895–1946) den Vorkurs. Josef Albers entwickelte eine richtungsweisende Kunstpädagogik. Durch seine intensive Beschäftigung mit Glasmalerei und der Herstellung von Glasfenstern wurde er noch als Geselle zum Werkmeister der Glasmalereiwerkstatt am Bauhaus bestellt.
  • 1926/27

    Entwarf die heute als „Nesting Tabls“ bekannten Beistelltische aus Holz und lackiertem Glas.
  • 1927

    Josef Albers arbeitete für die Berliner Firma Puhl & Wagner, Gottfried Heinersdorff, für die er Glasfenster entwarf. Sein Hauptwerk in diesem Bereich sind die 18 Glasfenster, die er für das Haupttreppenhaus des Grassi Museum in Leipzig gestaltet (1943 zerstört und 2011 rekonstruiert). Ein weiteres Fenster wurde für die Druckerei Ulstein in Tempelhof, Berlin angefertigt (zerstört). Um die Farbwirkung der Glasfenster zu erhöhen, arbeitete Josef Albers mit einer speziellen Methode: Er begann mit einem Milchglas, das er mit einem sehr dünnen Glasfilm überzog. Diese Scheibe wurde mit Schablonen abgedeckt und dann sandgestrahlt. So erreichte er die für ihn essentielle Perfektion und Schärfe der Formen bei Flächigkeit des Entwurfs.
  • 1928

    Josef Albers übernahm die Möbelwerkstatt und wurde neben Mies van der Rohe stellvertretender Direktor des Bauhaus.
  • 1929

    Albers wurde Leiter der Tischlereiwerkstatt.
  • 1930

    Zum stellvertretenden Direktor des Bauhaus berufen. Josef Albers unterrichtete Glastechnik und Holzverarbeitung.
  • 1932

    Josef Albers hatte seine erste Einzelausstellung.
  • Oktober 1932–April 1933

    Das Bauhaus musste von Dessau nach Berlin übersiedeln. Josef Albers war Leiter des Vorkurses und Lehrer für Zeichnen und Schrift.
  • 1933

    Als die Nationalsozialisten 1933 das Bauhaus schlossen und alle Lehrer entließen, emigrierte Albers mit seiner Frau Anni in die USA.
  • November 1933–1949

    Josef Albers unterrichtete am Black Mountain College in Ashville in North Carolina. Anni Albers wird dort Assistant Professor für Weberei. Zu seinen bekanntesten Schülern gehören Robert Rauschenberg (1925–2008) und Donald Judd (1928–1994) sowie Willem de Kooning (1904–1997) und Robert Motherwell (1915–1991). Albers pflegte den Kontakt mit John Cage und Merce Cunningham.
  • 1934–1936

    Albers schloss sich der Pariser Künstlergruppe Abstraction-Création an.
  • 1935

    Reise nach Kuba. Um 1935 datieren auch erste gegenstandslose Ölbilder. Josef Albers begann erst in den USA zu malen! Erste Ausstellung seiner Werke in den USA in der Addison Gallery of American Art, Andover (Mass).
  • Winter 1935/36

    Erste Reise nach Mexiko und Südamerika, wo die lokale Architektur Josef und Anni Albers tief beeindruckte. Insgesamt reisten Annie und Josef Albers 14-mal Mittel- und Südamerika.
  • Ab 1936

    Albers lehrte weltweit als Gastprofessor, etwa auf Einladung von Walter Gropius an der Graduate School of Design der Harvard University, an der University of Hartford in Connecticut, an der Cincinnati Art Academy in Ohio, am Instituto Superior de Arte in Havanna, an der Architekturschule der Universidad Católica in Santiago de Chile sowie 1954 und 1955 an der Hochschule für Gestaltung in Ulm, die an die Bauhaus-Traditionen anknüpft.
  • 1939

    Josef Albers erhielt die amerikanische Staatsbürgerschaft.
  • 1941/42

    Serie „Graphic Tectonic“: mehrere überlappende Bildebenen in unterschiedlicher Farbigkeit werden durch ein weißes Liniengefüge gegeneinander aufgeklappt.
  • 1946

    Josef Albers begann die Serie „Variant/Adobe“ (bis 1966)
  • 1949

    „Structural Constellations“ oder „Transformations of a Scheme“, in denen er Raumwahrnehmung auf planer Fläche als Funktion eines phänomenalen und in der Physiologie verankerten Sehens demonstrierte. Dominante Strukturmuster werden von den Betrachtenden zu logischen Formen zusammengeführt.
  • 1950

    Umzug des Ehepaares Albers nach Connecticut. Josef Albers begann die berühmte Serie „Hommage to the Square“ (1950–1972)
  • 1950–1959

    Josef Albers war Direktor der Kunstschule des Institute of Fine Arts an der Yale University in New Haven, wo unter anderen Eva Hesse (1936–1970) und Richard Serra (* 1939) zu seinen Studenten gehörten.
  • 1955

    Albers entwarf für die von Marcel Breuer entworfene St. John’s Abbey Church in Collegeville, Minnesota, die White Cross Windows.
  • 1956

    Teilnahme an der documenta 1 in Kassel.
  • 1957

    Albers entwarf Türeinlagen für das Todd Theater von Chicago von Bertrand Goldberg.
  • 1958

    Der deutsche Bundespräsident zeichnete Josef Albers mit dem Verdienstkreuz Erster Klasse der Bundesrepublik Deutschland aus.
  • 1962

    Albers wurde zum Ehrendoktor der Yale University ernannt. Insgesamt erhält er 14 Ehrendoktorate.
  • 1963

    Publizierte sein Hauptwerk: „Interactions of Color“. In dem Buch legt Albers die Relativität der Farbwahrnehmung dar, d. h. dass die Nachbarschaft von Farbtönen diese in der Wahrnehmung verändern. Schuf das Wandbild „Manhattan“ für die Lobby des Wolkenkratzers New York City’s Pan Am (heute: MetLife) auf Basis des Glasgemäldes „Stadt“ (1928). Das Werk wurde 2000 entfernt.
  • 1968

    Teilnahme an der 4. Documenta in Kassel. Albers wurde in die American Academy of Arts and Letters gewählt.
  • 1970

    Seine Geburtsstadt Bottrop machte Josef Albers zu einem Ehrenbürger der Stadt. Anni Albers schenkte der Stadt einen großen Nachlass.
  • 1973

    Josef Albers wurde in die American Academy of Arts and Sciences gewählt.
  • 25.3.1976

    Am 25. März 1976 verstarb Josef Albers in New Haven, Connecticut, knapp nach seinem 88. Geburtstag.
  • 1983

    Eröffnung des Josef Albers Museums im Quadrat Bottrop.
Alexandra Matzner
Gründerin von ARTinWORDS * 1974 in Linz, Studium der Kunstgeschichte, Geschichte und Romanistik in Wien und Rom. Seit 1999 Kunstvermittlerin in Wien, seit 2004 Autorin für verschiedene Kunstzeitschriften. Jüngste Publiktionen entstanden für das Kunsthaus Zürich, Schirn Kunsthalle Frankfurt, Albertina und Belvedere in Wien.