Karl Hofer

Wer war Karl Hofer?

Karl Hofer (Karlsruhe 11.10.1878–3.4.1955 Berlin) war ein deutscher Maler des Expressionismus und des Magischen Realismus (→ Neue Sachlichkeit). Der in Karlsruhe ausgebildete Künstler lebte bis 1913 in Rom, Paris und Berlin; zudem bereiste er Indien. Den Ersten Weltkrieg verbrachte er in einem französischen Internierungslager und in der Schweiz, bevor er 1919 zu seiner Familie nach Berlin zurückkehren konnte. In den 1920er Jahren gelang Karl Hofer u.a. mit Tanz- und Varietészenen der nationale wie internationale Durchbruch. Seit 1920 lehrte Hofer an der Berliner Hochschule für die bildenden Künste, nach dem Zweiten Weltkrieg war er als ihr Direktor im Amt. Da sich Hofer bereits früh gegen den Nationalsozialismus positionierte, wurde seine Kunst als „entartet“ eingestuft. Während eines Bombenangriffs wurde sein Berliner Atelier mit unzähligen Werken zerstört. Nach 1945 trat der streitbare Maler gegen die Auffassung ein, dass Figuration und Abstraktion einander diametral gegenüberstehen würden.

„das Zentralproblem der bildenden Kunst ist und bleibt der Mensch und das Menschliche, das ewige Drama“1 (Karl Hofer, 1955)

Kindheit

Karl Christian Ludwig Hofer (Schreibweise auch Carl Hofer) wurde am 11. Oktober 1878 in Karlsruhe geboren. Sein Vater war der Militärmusiker Karl Friedrich Hofer, der vier Wochen nach der Geburt seines Sohnes an einem Lungenleiden starb. Seine Mutter Ottilie war die Schwester des Bildhauers Theodor Hengst und des Glasmalers Max Hengst. Da Karl Hofers Mutter den Lebensunterhalt verdienen musste, wurde Karl ab 1879 bei zwei Großtanten untergebracht. Von 1884 bis 1892 lebte Hofer in einem Waisenhaus. Mit 14 Jahren begann er eine Buchhändlerlehre, die er drei Jahre später abschloss. 1896 lernte er den drei Jahre jüngeren Leopold Ziegler kennen.

Ausbildung

Im Jahr 1897 begann Karl Hofer ein Malerei-Studium an der Kunstakademie Karlsruhe. Da seine Begabung frühzeitig erkannt wurde, erhielt er ein Stipendium aus dem Stipendienfonds des Großherzogs von Baden. Nach der Berufung Hans Thomas an die Karlsruher Kunstakademie wurde Hofer 1899 dessen Schüler. Hofer fühlte sich um 1900 vom Symbolismus, vertreten durch Odilon Redon, Arnold Böcklin, Edvard Munch, angezogen.

Im selben Jahr reiste Hofer zum ersten Mal nach Paris; 1900, im Jahr seines zweiten Paris-Aufenthalts, machte er die Bekanntschaft von Julius Meier-Graefe. Meier-Graefe machte ihn auf das bis dahin völlig vergessene Werk des deutsch-römischen Künstlers Hans von Marées aufmerksam. Marées Fresken in der Statione Zoologica in Neapel hielt er auch später noch „für die einzige moderne Lösung einer Freskenaufgabe seit der Renaissance und Antike.“

Hofer wurde 1901 Meisterschüler bei Thoma und im Jahr darauf Meisterschüler bei Leopold von Kalckreuth an der Königlichen Akademie der bildenden Künste in Stuttgart. In dieser Zeit begann seine Freundschaft mit dem Bildhauer Hermann Haller.

Ehefrauen und Kinder

1903 heirateten Karl Hofer und Mathilde Scheinberger in Wien. Sie gehörte einer jüdischen Familie an, wurde aber nicht im jüdischen Glauben erzogen und trat später in die evangelische Kirche ein. Das Paar hatte drei Söhne: Karl Johannes Arnold, genannt Carlino (1904–1947), Titus Wolfgang (1905–1906) und Hans-Rudi (*1911).

Anfang der 1920er Jahre nahm Karl Hofer eine Beziehung zu Elisabeth Schmidt auf, die er als Modell kennengelernt hatte. Im Sommer 1926 hatte er ein kurzfristiges Liebesverhältnis mit der Malerin, Sängerin und Ex-Frau von Hermann Hesse, Claudia Ruth Wenger (1897–1994). Seit 1927 lebten Karl und Mathilde Hofer getrennt, blieben aber verheiratet.

Vertrag mit Theodor Reinhart

Wesentlich für Karl Hofers weitere Entwicklung war seine Bekanntschaft mit dem Schweizer Unternehmer und Mäzen Theodor Reinhart, der Hofer mäzenatisch unterstützte und dem Künstler die Übersiedelung nach Rom ermöglichte. Im Jahr 1902 schloss Karl Hofer einen Fünfjahresvertrag mit Reinhart, in dem eine regelmäßige Unterstützung vereinbart wurde. Im Gegenzug erhielt Reinhart jedes Jahr zunächst drei, später vier Bilder Hofers. Der Vertrag wurde später um fünf Jahre bis 1913 verlängert.

Rom – Paris – Berlin

Reinharts Stipendium ermöglichte Karl und Mathilde Hofer die Übersiedlung nach Rom. Von 1908 bis 1913 lebte die Familie Hofer in Paris, wo u.a. Paul Klee seinen Landsmann im April 1912 besuchte. Unterbrochen wurde dieser Aufenthalt 1910 und 1911 durch Reisen Hofers nach Indien. Kurz darauf, im Jahr 1913, zog Karl Hofer nach Berlin.

In Rom, wo nach Hofers Auffassung die „Atmosphäre von Form“ herrschte, verflüchtigte sich der inhaltsschwere symbolistische Einfluss und er beschäftigte sich fortan – wie sein großes Vorbild Marées – mit den Form- und Farbproblemen bei der Gestaltung der Bildfläche. Marées war im Austausch mit seinem Mäzen und Freund, dem Kunsttheoretiker Konrad Fiedler auf den Spuren des autonomen Kunstwerks, das jeglichen inhaltlichen, narrativen Ballast abwerfen wollte, der in der offiziellen deutschen Kunst zwischen 1850 und 1900, insbesondere in der Historienmalerei gefordert wurde.

Bereits am Ende seines römischen Aufenthalts erschien ihm der starke Einfluss der formalen Elemente und die Vernachlässigung des rein Malerischen als Gefahr. Hofer übersiedelte 1908 – wiederum durch Meier-Graefe bestärkt – nach Paris, wo er schon im Herbst 1907 die rund 50 Werke umfassende Paul Cézanne-Retrospektive gesehen hatte. Die Werke des französischen „Vaters der Moderne“, dessen Kunst schließlich den Weg in den Kubismus eröffnet hatte, veränderten mit dem bisweilen auch aufscheinenden Einfluss El Grecos erneut die Malerei Hofers. Der Karlsruher Künstler schätzte Cézanne so hoch, dass er u.a. seinem jungen Kollegen August Macke auf dessen Werk aufmerksam machte.

Durchbruch in Deutschland

Seit 1905 wurden Hofers Bilder regelmäßig auf Ausstellungen gezeigt, 1908 war er auf der Ausstellung der von Max Liebermann gegründeten „Berliner Secession“ vertreten. Im Folgejahr 1909 wurde Hofer Mitglied der „Neuen Künstlervereinigung München (N.K.V.M.)“. In der Ausstellung von 1909 – veranstaltet von der Galerie Goltz – war Hofer u. a. mit seinem Werk „Am südlichen Strand“ (Sammlung Hartwig Garnerus) vertreten.

1913 wurde Hofer Mitglied der neuen „Freien Secession“ in Berlin und war auf deren erster Ausstellung 1914 vertreten, zusammen mit Max Liebermann, Erich Heckel, Ernst Ludwig KirchnerMax Pechstein und Karl Schmidt-Rottluff.

Erster Weltkrieg

Im Sommer 1914 wurde die Familie Hofer bei einem Aufenthalt in dem französischen Badeort Ambleteuse bei Boulogne vom Ausbruch des Ersten Weltkriegs überrascht und interniert. Mathilde und die Söhne durften Ende 1914 nach Deutschland zurückkehren, während Karl Hofer bis 1917 im Internierungslager bleiben musste. Der Maler wurde durch die Vermittlung von Reinhart 1917 in die Schweiz entlassen, zunächst nach Churwalden, dann nach Zürich.

Karl Hofer in Berlin

Karl Hofer kehrte 1919 zu seiner Familie nach Berlin zurück. In Berlin sicherte ein Zweijahresvertrag mit der Kunsthandlung Cassirer vorerst seine Existenz, nachdem sein Gönner Reinhart im selben Jahr verstorben war. Bereits im folgenden Jahre (1920) wurde er an die Hochschule für die bildenden Künste in Charlottenburg berufen und 1921 zum Professor ernannt. Die Hochschule für die bildenden Künste wurde 1924 mit der Unterrichtsanstalt des Kunstgewerbemuseums zu den Vereinigten Staatsschulen für Freie und Angewandte Kunst zusammengeschlossen. In Anerkennung seiner Verdienste als Künstler und als Hochschullehrer wurde Hofer 1923 in die Preußische Akademie der Künste aufgenommen.

„Nie habe ich eine Figuration nach der äußeren Natur des Zufälligen geschaffen. Der Impressionismus vermochte mich darum nicht zu berühren. Die Ekstasen des Expressionismus lagen mir nicht. Der Mensch und das Menschliche war und ist immerdauerndes Objekt meiner Darstellungen.“2 (Karl Hofer)

Zwischen den Kunstströmungen der 20er Jahre vertrat der mittlerweile über 40-jährige Hofer einen eigenen Stil, der in der Kunstwissenschaft später als „Magischer Realismus“ bezeichnet wurde. Gleichzeitig erlebte er seinen endgültigen künstlerischen Durchbruch, der sich in zahlreichen nationalen Ausstellungen, aber auch international dokumentieren lässt. So stellte Karl Hofer 1924 am Carnegie Institute in Pittsburgh aus und nutzte die Gelegenheit, die USA zu bereisen. Zeitlebens interessierte er sich für den Tanz, was zahlreiche, in den 1920er Jahren entstandene Werke belegen. Vermehrt wurden Bar- und Varietészenen zum Thema seiner Bilder. Anlässlich seines 50. Geburtstags 1928 fanden Ausstellungen in Mannheim und Berlin statt. Im selben Jahr wurde er Vorstand der „Berliner Secession“ und ein Jahr später Mitglied des Senats der Preußischen Akademie der Künste. Zu diesem Zeitpunkt besaßen bereits 27 Museen Werke Hofers.

„Sie wundern sich, daß in meinem Werk viel Vorahnung des Kommenden sich findet. Der Künstler ist eben ein Seismograph, der das Unheil vorausregistriert. Nicht nur bei mir findet sich diese Erscheinung.“ (Karl Hofer in einem Brief an Hans-Carsten Hager, 1947)

Wie Werner Heldt im „Aufmarsch der Nullen“ (1933/1934) erahnte Karl Hofer das kommende Unheil und schuf magische Metaphern, etwa in „Die Gefangenen“ (1933, Berlinische Galerie, Berlin), welche die Entwürdigung und Entindivualisierung des Menschen thematisieren.

Hofer im NS-Regime

In der Zeit des Nationalsozialismus wurde Hofers Gesamtwerk als „entartet“ verfemt. Bereits vor 1933 hatte sich der Maler gegen den Nationalsozialismus positioniert. So wandte er sich 1931 gegen Kritik in der von Goebbels herausgegebenen Zeitung „Der Angriff“, die behauptete, Hofer wäre Jude und würde dafür sorgen, dass der Staatspreis der Akademie der Künste an Juden vergeben werde. Im selben Jahr beteiligte er sich mit dem Beitrag „Faschismus, die dunkle Reaktion!“ an der Umfrage „Wie kämpfen wir gegen ein Drittes Reich?“ der Berliner Zeitung „Welt am Abend“. In diesem argumentierte er für eine überparteiliche Initiative gegen die NSDAP. Am 1. April 1933 wurde Hofer auf einem Plakat gemeinsam mit Oskar Schlemmer und weiteren Lehrern der Berliner Kunsthochschule als „Vertreter des zersetzenden liberalistisch-marxistisch-jüdischen Ungeistes“ diffamiert. Er wurde daraufhin beurlaubt und im Sommer 1934 entlassen.

Trotz seiner Ablehnung des Nationalsozialismus konnte Hofer seine Verfemung durch diesen zunächst nicht nachvollziehen, da er seine Kunst als deutsch verstand. Deshalb hielt er seine Beurlaubung für einen Kollateralschaden. Noch in der Ausstellung der „Berliner Secession“ im Sommer 1933 besagte das Katalogvorwort, dass sich in Hofers Kunst das Deutschtum offenbaren würde. Zur selben Zeit beteiligte er sich mit dem Artikel „Der Kampf um die Kunst“ an einer Reihe von Wortmeldungen zur deutschen Kunst in der „Deutschen Allgemeinen Zeitung“. Dort argumentierte er unter anderem, dass neben dem Militär kein Bereich der Gesellschaft so „judenfrei“ gewesen wäre wie die Kunst. Er beschwor zudem die Gefahr, dass einzelne Künstler als national herausgestellt und die anderen damit der Vernichtung anheimfallen würden. Zu Beginn der nationalsozialistischen Herrschaft versuchte also auch Hofer auf deren Ideologie bis zu einem gewissen Grad einzugehen. Später blendete Hofer seinen Artikel in der „DAZ“ aus, als er etwa seinen Freund Leopold Ziegler für seinen Versuch, in einer Rede 1934 Ähnlichkeiten zwischen seiner Position und der Ideologie der Nationalsozialisten herauszustellen, um seine Berufung zum Rektor der Frankfurter Universität zu erreichen, kritisierte.

311 Arbeiten Hofers wurden als „entartet“ aus deutschen Museen entfernt, verkauft, eingetauscht oder zerstört. 1937 war Karl Hofer mit acht Werken in der NS-Propagandaausstellung „Entartete Kunst“ in München vertreten. Heinz Lederer, der Chef der Landesleitung Berlin der Reichskammer der bildenden Künste, attestierte am 31. Januar 1938, Hofer habe sich

„durch experimentelle Umstellung auf modische Gegebenheiten von einer ursprünglich brauchbaren Mittelbegabung zu einer der gefährlichsten Systemzeit-Kunstgrößen entwickelt. […] Insbesondere sind zahlreiche jüngere Künstler durch Hofer als Lehrer und als Vorbild in solchem Maße verwirrt worden, daß die Auswirkungen seines Schaffens und Wirkens als geradezu verheerend angesehen werden müssen.“

Im Jahr 1938 wurde Karl Hofer aus der Preußischen Akademie der Künste ausgeschlossen. Wegen der Ehe mit Mathilde, die nach den nationalsozialistischen Ehegesetzen als Jüdin galt, obwohl sie der evangelischen Kirche angehörte, drohte Karl Hofer auch der Ausschluss aus der Reichskammer der bildenden Künste. Im Juli 1938 wurde die Ehe von Karl und Mathilde Hofer geschieden. Da die Bestätigung der Ehescheidung das Propagandaministerium spät erreichte, wurde Karl Hofer im Oktober 1938 dennoch aus der Reichskammer der bildenden Künste ausgeschlossen. Er durfte daraufhin seine Werke nicht mehr öffentlich im Kunsthandel oder auf Auktionen verkaufen; der Ausschluss galt daher als Berufsverbot. Im November 1938 heirateten Karl Hofer und die nach NS-Bestimmungen „arische“ Elisabeth Schmidt. Daraufhin wurde Hofer vom Präsidenten der Reichskammer im Februar 1939 wieder in die Kammer aufgenommen, und das Berufsverbot war damit aufgehoben.

Mathilde Hofer war nach der Scheidung nicht mehr durch das, was die Nürnberger Gesetze eine „privilegierte Mischehe“ nannten, geschützt. Sie wurde deportiert und am 21. November 1942 im Konzentrationslager Auschwitz-Birkenau ermordet. Der künstlerisch schwerste Schlag war die Vernichtung fast des gesamten frühen und mittleren Werks in seinem Berliner Atelier bei einem alliierten Bombenangriff am 1. März 1943:

„Etwa einhundertfünfzig Bilder, über tausend Zeichnungen nebst allem, was mich an mein früheres Dasein band, alles, was diese Aufzeichnungen hätte illustrieren können, war dahin, bis auf den Schlüssel, den ich in der Tasche trug.“ (Karl Hofer in seinen Erinnerungen)

Im November 1943 wurde auch die Wohnung von Karl und Elisabeth Hofer zerstört. Das Kriegsende erlebte Hofer in einem Versteck in einem Babelsberger Sanatorium. Carlino, der Sohn von Mathilde und Karl Hofer, wurde 1947 bei dem Versuch, zwei Einbrecher in einem Schuhgeschäft zu stellen, von einem der Täter getötet.

Hofers Kulturpolitik

Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs wurde Hofer im Juli 1945 zum Direktor der Hochschule der Künste in Berlin berufen. In dieser Zeit widmete er sich vor allem der kulturpolitischen Arbeit. Er war Gründungsmitglied des Kulturbundes und dessen Vizepräsident (1945–1947), der sich eine demokratische Erneuerung Deutschlands zum Ziel gesetzt hatte. Zusammen mit Oskar Nerlinger gab er bis 1949 die Zeitschrift Bildende Kunst heraus und wurde 1950 erster Präsident des wiedergegründeten Deutschen Künstlerbundes. Dennoch fühlte sich der späte Hofer mit seinem Festhalten am Ideal des Menschenbildes und der deutschen Tradition der figurativen Malerei unverstanden.

Nach der Katastrophe des „Dritten Reichs“ begann in Deutschland die Internationalisierung und Vorherrschaft der abstrakten Kunst, die vor allem einer Grundstimmung entgegenkam, nämlich mit der Illusion der „Stunde Null“ einen Neuanfang wagen zu können, der jeden Missbrauch der Kunst zu Machtzwecken ausschließen sollte. Die Konfrontation von Figuration und Abstraktion mündete schließlich 1950 im sogenannten Darmstädter Gespräch auf der Mathildenhöhe, in dessen Zentrum insbesondere die Thesen des Kunsthistorikers Hans Sedlmayr („Verlust der Mitte“) auf der einen und die Überzeugungen der Vertreter der Abstraktion wie Willi Baumeister auf der anderen kämpferisch vertreten wurden.

Nach Kriegsende war Hofer am Aufbau der Hochschule der bildenden Künste beteiligt, deren Direktor er seit Juli 1945 war. Er erhielt 1948 die Ehrendoktorwürde der Berliner Universität. Auch wurden ihm 1952 der Orden Pour le mérite für Wissenschaft und Künste und 1953 das Große Verdienstkreuz des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland zugesprochen. Sein autobiographischer Bildband „Aus Leben und Kunst“ erschien 1952 und ein Jahr später seine Autobiographie „Erinnerungen eines Malers“. Zur selben Zeit gab er gemeinsam mit Oskar Nerlinger (1893–1969) die Zeitschrift „Bildende Kunst“ heraus.

Schüler von Karl Hofer

Über das Gesetzliche in der bildenden Kunst

Im Jahr 1955 entbrannte zwischen Hofer und dem Kunstkritiker Will Grohmann – ein vehementer Verfechter und Förderer der abstrakten Kunst – ein öffentlicher, polemisch geführter Streit über die gegenstandslose Kunst. Während Hofer den Kunstkritiker zu den „Panegyrikern“ der internationalen abstrakten Kunst zählte, warf ihm dieser vor, die Kunst der Gegenwart aus einer „geradezu rätselhaften Haßpsychose“ heraus anzugreifen. Hofer plante tatsächlich einen umfassenden schriftlichen Angriff, der sich schon im Titel gegen das Manifest der abstrakten Kunst schlechthin richtete, nämlich gegen Wassily Kandinskys 1912 erstmals und 1952 erneut in der von Nina Kandinsky autorisierten Auflage erschienene Schrift „Über das Geistige in der Kunst“. Hofer erlebte das Erscheinen seiner Kampfschrift „Über das Gesetzliche in der bildenden Kunst“ nicht mehr, denn im selben Jahr 1955, auf dem Höhepunkt der Auseinandersetzung, erlitt der Künstler einen Schlaganfall, dem er wenig später erlag.

Ein Teil der Schrift wurde 1956 posthum in redigierter Form von Kurt Martin herausgegeben. Das Buch blieb ohne bedeutende Wirkung. Teile des Manuskripts sind untergegangen, und das gesamte noch erhaltene Fragment wurde von Daniel Kupper im Auftrag Elisabeth Hofer-Richolds im Hofer-Archiv gesichtet und 1995 kommentiert herausgegeben. Zusammen mit den von Christine Fischer-Defoy ebenfalls 1995 herausgegebenen Reden und Stellungnahmen gibt es Einblick in ein Denken und Schaffen, das die Entwicklung der deutschen Malerei in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts wesentlich beeinflusst und geprägt hat.

Tod

Am 3. April 1955 gab es einen öffentlich ausgetragenen Streit zwischen Hofer und dem Kunstkritiker Will Grohmann über Figuration und Abstraktion. Die Kontroverse war der Anlass für Ernst Wilhelm Nay, Willi Baumeister und Fritz Winter, aus dem Deutschen Künstlerbund auszutreten. Hofer starb während der Auseinandersetzung an den Folgen eines Schlaganfalls.

Posthume Ehren

Einige von Hofers Werken wurden posthum 1955 auf der „documenta 1“ in Kassel gezeigt. Die Bedeutung Hofers für die deutsche Malerei der Nachkriegszeit liegt in seinem Beharren darauf, dass der Gegensatz von figurativer und abstrakter Malerei unsinnig sei; ihm erschien die „Wertunterscheidung von gegenständlich und ungegenständlich als eine sinnlose Absurdität“. Die geschichtliche Entwicklung hatte aus dem Deutsch-Römer Hofer einen „desillusionierten Idealisten“ werden lassen: Werner Haftmann war der Meinung, dass gerade

„die Insistenz in der Litanei dieses persönlichen Stils hat Hofer seinen unverrückbaren Platz in der deutschen Malerei zwischen den Kriegen gegeben. Da war ein Mensch, der mit einem umgrenzten Traum von Schönheit und einer Vision des Klassischen begann; und dann war es das Auftreffen auf die Wirklichkeit, die diesen Traum zerschlug“.

Bei der „documenta 14“ wurde Hofers „Mann in Ruinen“ in der Kasseler Neuen Galerie gezeigt.

Beiträge zu Karl Hofer

  1. Karl Hofer, Zur Situation der bildenden Kunst, in: Der Monat, 7. Jg., Heft 77 (1955), S. 425–432, zit. n. Karl Hofer. Schriften, hg. v. Daniel Kupper, Berlin 1995, S. 291.
  2. Zit. n. Die Sammlung Schedlmayer. Eine Entdeckung (Ausst-Kat. Leopold Museum, Wien, 10.9.2021–16.1.2022), Wien 2021, S. 140.