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München | Pinakothek der Moderne: Emil Nolde Meine Art zu malen analysiert Noldes Maltechnik und Künstlermaterialien

Emil Nolde, Tanz um das Goldene Kalb, Detail, 1910, Öl/Lw, 87,5 x 105 cm, Inv. Nr. 13351 (Pinakothek der Moderne, München © Stiftung Seebüll Ada und Emil Nolde, Foto: Bayerische Staatsgemäldesammlungen, Sibylle Forster)

Emil Nolde, Tanz um das Goldene Kalb, Detail, 1910, Öl/Lw, 87,5 x 105 cm, Inv. Nr. 13351 (Pinakothek der Moderne, München © Stiftung Seebüll Ada und Emil Nolde, Foto: Bayerische Staatsgemäldesammlungen, Sibylle Forster)

Emil Nolde (1867–1956) zählt unbestritten zu den bekanntesten und wichtigsten Vertretern des deutschen Expressionismus und ist in der Pinakothek der Moderne unter anderem mit einem seiner frühen Schlüsselwerke „Tanz um das goldene Kalb“ von 1910 prominent vertreten. „Meine Art zu malen ist ohne alle Kunststücke ...“ - wie dieses titelgebende Zitat des Künstlers zu verstehen ist, untersucht erstmals ein vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) gefördertes Kooperationsprojekt zur Maltechnik und den Künstlermaterialien Emil Noldes.

Durch eine Auswertung des umfangreichen Künstlerarchivs und des Ateliernachlasses am ehemaligen Wohn- und Arbeitsort des Künstlers in Seebüll sowie maltechnische und materialanalytische Untersuchungen an rund 45 Gemälden aller Werkphasen aus den beteiligten Sammlungen wird erstmals die Malweise Emil Noldes umfassend kunsttechnologisch erforscht. Für den Herbst 2021 ist die Präsentation der Forschungsergebnisse in einer dreiteiligen Ausstellung in Seebüll, Hamburg und München geplant.

Tanz um das Goldene Kalb

Emil Hansen, der sich seit 1901 nach seinem Geburtsort Nolde nannte, wurde 1906 für eineinhalb Jahre Mitglied der Brücke (→ Emil Nolde: Biografie). Über die Dachauer Schule und einen Aufenthalt in Paris, wo ihn der Impressionismus, Vincent van Gogh, Paul Gauguin, aber auch Edvard Munch stark beeinflussten, kam Nolde zu einer spontan vorgetragenen Malerei, deren leuchtende „Farbstürme“ die Brücke-Künstler derart begeisterte, dass sie ihm nach einer Ausstellung 1906 in Dresden sofort die Mitgliedschaft antrugen (→ Die Brücke).

Der „Tanz um das Goldene Kalb“ gehört zu einer Serie religiöser Bilder, die Emil Nolde 1909, nach der Genesung von einer schweren Krankheit, begann. Beim Malen dieser ganz aus der Farbe gestalteten Bilder habe er, so Nolde, Gott nicht vor, sondern in sich gehabt, „heiß und heilig wie die Liebe Christi“. Keinem dogmatischen Bibelbild, sondern der malerischen Vision eines rauschhaften Zustands verleiht Nolde hier Gestalt. Es ist ein heidnisches Freudenfest voller Farbenglut. Die für dieses Bildthema üblichen moralischen Verweise auf die Torheit heidnischer Götzenanbetung fehlen völlig. Das Bild gehört vielmehr in den typisch expressionistischen Themenbereich einer im Motiv des Tanzes ins Dionysische gesteigerten Lebensfreude.

„Meine Art zu malen“ – die Maltechnik Emil Noldes

Die Studioausstellung in der Pinakothek der Moderne stellt den eigenen Bestand der Münchner Pinakothek der Moderne in den Mittelpunkt – bei besonderer Betrachtung der Besonderheiten von Noldes Arbeitsweise und der maltechnischen Entwicklung in seinem langen Schaffen. Selbstzeugnisse und Malutensilien wie Farbtuben und Pigmente ergänzen die Präsentation. Die von Nolde intendierte künstlerische Wirkung seiner expressiven Werke beruht wesentlich auf der bewussten Wahl und Variation von Leinwandtexturen, teils sichtbaren farbigen Grundierungen und Unterzeichnungen, sowie seinem meisterhaften Umgang mit reinen, unvermischten Tubenfarben. Bemerkenswert viele Spuren späterer malerischer Überarbeitungen oder Formatänderungen zeugen von teilweise langen Schaffensprozessen, in denen Nolde die Wirkung seiner Werke noch zu „steigern“ suchte. Dank neuester bildgebender Verfahren können die Untersuchungsergebnisse den Besuchern im Vergleich mit den Originalen anschaulich vermittelt werden.

Hauptpartner des multidisziplinären Forschungsverbundes sind das Doerner Institut der Bayerischen Staatsgemäldesammlungen, die Stiftung Seebüll Ada und Emil Nolde und die Hamburger Kunsthalle.
Quelle: Pinakothek der Moderne, München

Emil Nolde in München 2021: Bilder

  • Emil Nolde, Tanz um das Goldene Kalb, 1910, Öl/Lw, 87,5 x 105 cm, Inv. Nr. 13351 (Pinakothek der Moderne, München)

Beiträge zu Emil Nolde

15. Juli 2021
Franz Marc, Liegender Stier, Detail, 1913, Tempera auf Papier, 40 x 46 cm (Museum Folkwang, Essen, Foto: Jens Nober)

Essen | Museum Folkwang: Expressionismus am Folkwang Entdeckt – Verfemt – Gefeiert

Im Herbst 2022 zeichnet diese Ausstellung erstmals das besondere Verhältnis zwischen dem Museum Folkwang und den Künstler*innen des Expressionismus nach.
10. Juli 2021
Ernst Ludwig Kirchner, Vier Badende, Detail, 1909/10 (Von der Heydt-Museum, Wuppertal)

Wuppertal | Von der Heydt-Museum: Brücke und Blauer Reiter Zusammenwirken der beiden Künstlergruppen

Die umfassende Ausstellung soll anhand ausgewählter Hauptwerke einen frischen Blick auf die Bedeutung und das Zusammenwirken dieser beiden Formationen Brücke und Der Blaue Reiter ermöglichen.
17. Mai 2021
Ernst Ludwig Kirchner, Sitzende Frau mit Holzplastik, Detail, 1912

Berlin | Brücke Museum: Nolde und Kirchner

Das Werk von Ernst Ludwig Kirchner (1880–1938) und Emil Nolde (1867–1956) vor dem Hintergrund des deutschen Kolonialismus zwischen 1908 und 1918. betrachtet Es bringt weniger bekannte, gewalttätige Aspekte des Expressionismus ans Licht und fragt nach dem Kontext der Bilde.

Aktuelle Ausstellungen

19. September 2021
Hermann Carl Eduard Biewend, Ich und mein Luischen, Detail, 1851, kolorierte Daguerreotypie (Private Sammlung © Collection H. G.)

Schweinfurt | Museum Georg Schäfer: Frühe Jahre der Fotografie Neue Wahrheit? Kleine Wunder!

Erste Präsentation einer britischen Privatsammlung zu Louis Daguerre, Daguerreotypien aus EU & USA, Karikaturen, Stereofotografie, Porträts und einer seltenen Ambrotypie.
19. September 2021
Berthe Morisot, Junge Frau auf dem Sofa [Jeune Femme au Divan], Detail, 1885, Öl/Lw, 61 x 50.2 cm (Tate, London; Bequeathed by the Hon. Mrs A.E. Pleydell-Bouverie through the Friends of the Tate Gallery 1968, Photo ©Tate)

Riehen b. Basel | Beyeler: Close Up. Berthe Morisot bis Elizabeth Peyton

Die Ausstellung zeigt Werke von Künstlerinnen, deren Schaffen herausragende Positionen innerhalb der Geschichte der Moderne seit 1870 bis heute darstellen. Es ist der Zeitraum, zu dessen Beginn es Künstlerinnen in Europa und Amerika erstmals möglich wurde, auf breiter Basis professionell tätig zu sein.
18. September 2021
Alicja Kwade, Selbstporträt, 2020, Courtesy of the artist; KÖNIG GALERIE, Berlin/ London/ Seoul/ Decentraland, Foto: Roman März

Berlin | Berlinische Galerie: Alicja Kwade. In Abwesenheit

Alicja Kwade (* 1979) erarbeitet 2021 eine ortsspezifische Installation in der ersten großen Ausstellungshalle der Berlinischen Galerie.