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Rockefeller-Auktion: Picasso für 115 Mio. & 7 neue Rekorde Erster Tag der Rockefeller-Auktion brachte 646 Millionen Dollar

Pablo Picasso, Mädchen mit Blumenkorb, Detail, 1905, 154,6 x 66,1 cm (Privatsammlung)

Pablo Picasso, Mädchen mit Blumenkorb, Detail, 1905, 154,6 x 66,1 cm (Privatsammlung)

Bei $ 115,000.000.- fiel gestern Nacht der Hammer für Picassos „Fillette à la corbeille fleurie [Junges Mädchen mit Blumenkorb]“ (1905). Damit wurde das Gemälde aus der Rosa Periode zwar nicht zum teuersten Picasso (→ Pablo Picasso: Rosa Periode), brachte aber – angesichts seines frühen Entstehungsjahres – die erwartete (oder erhoffte) Marke von 100 Millionen Dollar. Neue Weltrekord-Preise für weitere sieben Maler: Monet, Matisse, Corot, Delacroix, Seguin, Morandi und Redon. Insgesamt brachte der erste Tag der Rockefeller-Auktion $ 646,133.594.- (£ 476,148.559.- | € 541,380.911.-) – und damit ist Christie’s seinem Ziel, erstmals eine Privatsammlung für eine Milliarde zu auktionieren, einen großen Schritt nähergekommen. Darüber hinaus ist damit die Rockefeller-Sammlung schon jetzt die wertvollste, die bisher versteigert wurde, brachte doch die Auktion der Sammlung von Yves Saint Lautrent und Pierre Bergé 2009 bei Christie’s wenig mehr als $ 400 Millionen ein, wie das Auktionshaus stolz verkündet.

 

 

Das Auktionshaus hätte, so berichtet die New York Times mit Berufung auf einen Insider, der Familie einen Mindesterlös von $ 650 Millionen in Aussicht gestellt (→ http://Pulled From Rockefeller Walls, Picasso, Matisse and Monet Fetch Big Prices). Der Erlös kommt verschiedenen Wohltätigkeits-Organisationen zugute, die Peggy und David Rockefeller ausgewählt hatten. Der im letzten Jahr im Alter von 101 Jahren verstorbene Milliardenerbe und Bankier gehörte mit seiner Frau Peggy zum amerikanischen Adel. Nun kann sich nahezu jeder mit einem Stück aus seinem Haushalt das Leben verschönern, denn es werden nicht nur die hochpreisigen Gemälde versteigert, sondern auch Hunderte Objekte vom Serviettenring zu Nippes-Porzellan in einer Online-Auktion angeboten.

 

 

Die wertvollsten Gemälde kamen am 8. Mai 2018 unter den Hammer, wobei für sieben Maler der Klassischen Moderne neue Weltrekorde erzielt wurden: Pablo Picassos „Fillette“ wurde als „Star des Abends“ vom Auktionshaus besonders beworben – und durchbrach die erhoffte 100 Millionen Marke. Claude Monets „Nymphéas en fleur [Seerosen in Blüte]“ (1914–1917) erzielten $ 84, 687.500.-, Henri Matisses „Odalisque chouchée aux magnolias [Odaliske mit Magnolien]“ $ 80,750.000.-, Eugène Delacroix‘ „Junger Tiger“ brachte 9,875.000.-. Eine Ansicht von Venedig von Jean-Baptiste Corot wurde um $ 9,009.844.- verkauft und Odilon Redon für knapp über $ 4 Millionen. Für Seguin fiel der Hammer bei $ 7,737.500.- und für Giorgio Morandi ist zukünftig von einer Preislage bei $ 4,332.500.- auszugehen. Das Auktionshaus hat noch keine Angaben zu den Käuferinnen und Käufern der Werke gemacht. Da Xin Li Cohen, zuständig für Christie’s Asien Geschäft, die Zuschläge für die Gemälde von Matisse und Monet erhalten hat, wäre es möglich, dass diese Werke nach China gehen.

 

 

Heute Abend geht die Rockefeller Auktion mit dem ersten Teil der Auktion englischem und europäischem Möbel, Keramik und Kunsthandwerk sowie den amerikanischen Gemälden und Aquarellen weiter. Hier wären noch das Marly Rouge Service von Sévres herauszustreichen, das Napoleon in sein Exil mitnahm (Schätzwert 6-8 Mio.). Das höchstdotierte Werk der Auktion amerikanischer Werke ist Willem de Koonings „Untitled XIX“ (6-8 Mio.), gefolgt von Edward Hoppers außergewöhnlicher Landschaft „Cape Ann Granite“ (6-8 Mio.) und Diego Riveras „The Rivals“ (5-7 Mio.). Für drei bis fünf Millionen könnte man John Singer Sargents „San Geremia“, Edward Hoppers „Rich’s House“ oder Georgia O’Keeffes „Near Abiquiu, New Mexico“ nach Hause holen. Immer noch mehr als eine Million wird man für Maurice Brazil Prendergasts „Steps of Santa Maria d’Aracoeli, Rome“ (1,5-2,5 Mio.), Alexander Calders monumentale Skulptur „The Plow“ (2,5-3,5 Mio.), Georgia O’Keeffes „New Mexico – Near Taos“ (2-3 Mio.) ausgeben müssen. Im Vergleich zu diesen Millionenwerten sind der ansehnliche „Eisberg“ von Albert Bierstadt für 200 bis 300 Tausend und das Porträt von George Washington von Gilbert Stuart für 800 Tausend bis 1,2 Million.

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Alexandra Matzner
Gründerin von ARTinWORDS * 1974 in Linz, Studium der Kunstgeschichte, Geschichte und Romanistik in Wien und Rom. Seit 1999 Kunstvermittlerin in Wien, seit 2004 Autorin für verschiedene Kunstzeitschriften. Jüngste Publiktionen entstanden für das Kunsthaus Zürich, Schirn Kunsthalle Frankfurt, Albertina und Belvedere in Wien.