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Ferdinand Hodler: Biografie Gemälde und Leben des Schweizer Symbolisten

Ferdinand Hodler, Selbstbildnisse

Ferdinand Hodler, Selbstbildnisse

Der aus ärmlichen Verhältnissen stammende Schweizer Maler Ferdinand Hodler (1853–1918) verlor bereits vor seinem 18. Geburtstag seine Eltern und Geschwister durch die Tuberkulose. Gottlieb Schüpbach, Hodlers Stiefvater, lehrte dem Volksschüler das Zeichnen. In der Nachfolge des berühmten Malers der Schweizer Alpen, Alexandre Calame, schulte sich Ferdinand Hodlers in der Landschaftsmalerei. Mit Hilfe von Barthélemy Menn an der Genfer École des Beaux-Arts lernte er in den 1807ern auch die Konzepte der Schule von Barbizon und Camille Corot kennen.

1881 nahm Ferdinand Hodler erstmals an einer internationalen Ausstellung in London teil, mit dem „Schwingerumzug“ (1882) gestaltete er sein erstes erfolgreiches Ausstellungsbild. Gleichzeitig beschäftigte sich Ferdinand Hodler mit Alten Meistern im Louvre, Prado und der Alten Pinakothek, aber auch mit dem französischen Symbolismus. Mitte der 1880er Jahre verzichtete der Schweizer Maler auf den Realismus zugunsten eines persönlichen Stils, den er Parallelismus nannte. Fünf Jahre später begann seine symbolistische Phase durch Aufladung der Figurenbilder und Landschaften zu Schicksalsdarstellungen.

Den internationalen Durchbruch erzielte Ferdinand Hodler sowohl am Salon in Paris wie vor allem auch in der Wiener Secession, wo er 1904 einen fulminanten Erfolg feierte. Wiener Sammler machten Ferdinand Hodler über Nacht zum Millionär. Die größten Diskussionen provozierte der Schweizer Maler mit seinen Entwürfen für Wandmalereien, in denen er heldenhafte Figuren in historischen Kostümen auftreten ließ. Der so genannte „Hodler—Streit“ bezieht sich auf die Unterschrift des Künstlers unter eine Petition gegen die Bombardierung der Kathedrale von Reims durch deutsche Truppen kurz nach Ausbruch des Ersten Weltkriegs. Ferdinand Hodler war zuvor sowohl in Österreich als auch in Deutschland als „deutscher“ Künstler vereinnahmt und gefeiert worden. Sein Widerspruch wurde als „anti-deutsche Haltung“ verunglimpft und Hodler als allen deutschen Künstlervereinigungen ausgeschlossen.

Neben Porträts, Landschaften und Allegorien widmete sich Ferdinand Hodler 1914 in zahllosen Zeichnungen und auch Gemälden seiner sterbenden Geliebten Valentine Godé-Darel (gest. 1915). Wie schon Claude Monet setzte sich der Maler über seine Kunst emotional mit dem Verlust auseinandersetzen.

 

„Wenn ich noch hundert Jahre zu leben hätte, würde ich weiterhin ähnliche Dinge ausdrücken, die Übereinstimmungen, die Harmonien der Menschheit.“ (Letzter Eintrag von Ferdinand Hodler in seinem Notizbuch)

 

Ehen und Frauen

  • Augustine Dupin (1852–1909), Mutter des Sohnes Hector (geb. 1887)
  • Bertha Stucki, 1. Ehefrau (1889–1891)
  • Berthe Jacques (1868–1957), 2. Ehefrau (ab )
  • Valentine Godé-Darel (1915), Mutter der Tochter Paulette (1913–1999)

 

Kinder

  • Hector (geb. 1887)
  • Paulette (1913–1999)

 

Weitere Beiträge zu Ferdinand Hodler

 

Vorbilder von Ferdinand Hodler

 

Freunde, Förderer und Kollegen von Ferdinand Hodler

 

Die Biografie wurde mit folgenden Katalogen zusammengestellt:

  • Ferdinand Hodler. Eine Symbolistische Vision (Ausst.-Kat. Szépművészeti Múzeum Budapest, 9.9.–14.12.2008), Ostfildern 2008.
  • Ferdinand Hodler. Maler der frühen Moderne (Ausst.-Kat. Bundeskunsthalle Bonn, 8.9.2017–28.1.2018), Bielefeld 2017.
  • Ferdinand Hodler. Wahlverwandtschaften von Klimt bis Schiele (Ausst.-Kat. Leopold Museum, Wien, 2017–2018), Wien 2017.

 

Weitere Beiträge zu Ferdinand Hodler

Ferdinand Hodler: Biografie (1853–1918)

  • 1853

    Am 14. März 1853 wurde Ferdinand Hodler in Bern als Sohn des Tischlers Johann Hodler (1829–1860) und der Köchin Margareta Neukomm (1828–1867) in ärmlichen Verhältnissen geboren. Die fünf Geschwister des Erstgeborenen Hodler starben bis 1885 an der Tuberkulose: Johann Adolf (1854), Marie Elise (1855), Friedrich Gustav (1858), August (1859) und Theophil August (1860).
  • 1859

    Umzug nach La Chaux-de-Fonds
  • 1860

    Tod des Vaters an Tuberkulose (Dezember).
  • 1861

    Rückkehr der Familie nach Bern, wo Hodlers Mutter den Dekorations- und Flachmaler Gottlieb Schüpbach (1814–1873) aus Steffisburg heiratete. Schüpbach führte bis 1865 in Bern, danach in Steffisburg eine Malerwerkstatt und unterrichtete Ferdinand Hodler neben der Volksschule in Zeichnen.
  • 1867

    Tod der Mutter. Bevor Ferdinand Hodler 14 Jahre alt war, verlor er bereits beide Eltern durch Tuberkulose. Sein Onkel, der Schuster Friedrich Neukomm (1834–1895), nahm die verwaisten Kinder bei sich in Langenthal auf. Hodler zog nach Steffisburg (bei Thun), wo er seinem Stiefvater in der Malerwerkstatt half und die Sekundarschule besuchte.
  • 1868–1870

    Lehre bei dem Vedutenmaler Ferdinand Sommer (1822–1901) in Thun, wo Ferdinand Hodler unter anderem nach Vorlagen der Genfer Alpenmaler François Diday (1802–1877) und Alexandre Calame (1810–1864) Souvenirlandschaften für Touristen herstellte.
  • 1870

    Ein Missgeschick veranlasste Hodler, die Lehre vorzeitig abzubrechen. Er zog wieder zu Johann Friedrich Neukomm nach Langenthal, wo er mit dem Verkauf von ersten eigenen Landschaftsansichten seinen Lebensunterhalt verdiente.
  • 1871

    Hodlers Stiefvater Gottlieb Schüpbach wanderte mit zwei Kindern nach Boston aus. Hodler begann zu signieren und ließ sich mit Palette und Pinsel in der Hand fotografieren. Ende des Jahres ging er zu Fuß nach Genf, um Werke von Alexandre Calame zu kopieren (Ende des Jahres).
  • 1872

    Aufenthaltsgenehmigung in Genf (6.2.) sowie die Erlaubnis, im Musée Rath die Werke von Diday und Calame zu kopieren.
  • 1873–1878

    Studium in Genf an der École des Beaux-Arts bei Barthélemy Menn, einem Schüler von Jean-Auguste-Dominique Ingres (1780–1867) und einem Freund von Camille Corot. Menn legte Wert auf Zeichnung sowie auf die genaue Beobachtung von Licht und Farbe. Durch ihn Abkehr von der Vedute, künstlerische Erweiterung zur lichterfüllten Landschaft, zum Figurenbild, zum Porträt, zum Tierbild, zur Kunsttheorie (Dürers „Vier Bücher von menschlicher Proportion“ von 1528; Charles Blancs „Grammaire des Arts du Dessin“ von 1867) und zur Geschichte der Kunst. Hodler musste Schulbildung nachholen und besuchte Vorlesungen beim Geologen und Zoologen Carl Vogt (1817–1895). Seit 1872 zahlreiche Selbstbildnisse (bis 1918) und vielfaches Einbringen des Porträts in Genre- und Historienbilder.
  • 1874

    Im Sommer verfasste Ferdinand Hodler ein Regelwerk von zehn Geboten, in denen er die Grundlagen seiner Kunsttheorie zusammenfasste. Ende des Jahres gewann der 21-jährige Hodler mit dem Werk „Waldinneres [Le Nant de Frontex]“ zum ersten Mal den mit 300 Franken dotierten Concours Calame. Hodler malte seinen Bruder Theophil August sowie mehrere Bildnisse seines Onkels Friedrich Neukomm und zeigt sein „Selbstbildnis (Der Studierende)“ in einer seiner ersten nationalen Ausstellungen in Genf.
  • 1875

    Aufenthalt in Basel, um Holbeins „Der tote Christus im Grab“ und Dürers Proportionslehre zu studieren.
  • 1876

    Erste Teilnahme an der nationalen Turnusausstellung des Schweizerischen Kunstvereins (März bis Oktober).
  • 1877

    Vermutlich erste von zahlreichen Reisen nach Paris und erster Besuch des Louvre, Ferdinand Hodlers zeigte sich beeindruckt vor allem von Andrea Mantegna, keine Neugier auf die zeitgenössische französische Malerei. Ende des Jahres Abreise nach Madrid.
  • 1878/79

    Reise über Lyon, Marseille und Barcelona nach Madrid, wo Hodler die Kunst von Francisco de Goya entdeckte. Im Prado acht Monate Studium der Malerei der italienischen Renaissance und des französischen, flämischen und spanischen 17. Jahrhunderts (u. a. Tizian, Velázquez, Raffael, Rubens). Seine Palette hellte sich auf und Hodler malte in der Gegend der Genfer Jonction Landschaften im Pleinair-Stil. Zurück in Genf immatrikulierte er sich an der Genfer Universität für die Vorlesungen des Naturwissenschaftlers Carl Vogt (1817–1895) über vergleichende Anatomie und Geologie.
  • 1880

    Ferdinand Hodler erhielt den zweiten Preis beim Concours Diday, einem Wettbewerb für Figurenmalerei, an dem er sich 1888 zum letzten Mal beteiligte.
  • 1881

    Anfang des Jahres bezog Ferdinand Hodler ein Atelier an der Grand-Rue 35 in Genf, wo er bis 1902 arbeitete. Erste internationaler Ausstellungsbeteiligung in London mit zwei Landschaftsgemälden. Mitarbeit am Bourbaki-Panorama von Edouard Catres in Luzern. In dem 112 Meter langen und 12 Meter hohen Riesenrundgemälde wird die französische Ostarmee des General Charles Denis Sauter Bourbaki beim Übertritt in die Schweiz am Ende des Deutsch-Französischen Krieges von 1870/71 gezeigt. Die Armee wird von der Zivilbevölkerung entwaffnet und umsorgt, eine der ersten humanitären Aktionen des Roten Kreuzes. Hodler stellte sich selbst als Berner Soldat dar. Malte „Selbstbildnis (Der Zornige)“.
  • 1882

    „Schwingerumzug“ ist das erste großformatige Ausstellungsbild Ferdinand Hodlers. Hodler belegte an der Genfer Fondation Bouchet eine Vorlesung über den Symbolismus. Reist nach München und Besuch der Pinakothek, wo er Albrecht Dürers „Vier Apostel“ sah. Für den Concours Diday hielt er sich sechs Monate in Langenthal auf. Er gewann den ersten Preis für sein Figurenbild „Müller, Sohn und Esel“.
  • 1883

    Hodler belegte an der Genfer Fondation Bouchet einen Kurs über ägyptische Kunst. Malte den „Zornigen Krieger“ als Reaktion auf die Misserfolge und negativen Kritiken in der Schweiz. Ferdinand Hodler erhielt den mit 1.100 Schweizer Franken dotierten ersten Preis des Concours Calame für eine „Alpenlandschaft (Das Stockhorn)“. Ende Juli bis Anfang August besucht er in München die „Internationale Kunstausstellung“, den Kunstverein und die Alte Pinakothek.
  • 1884

    „Zorniger Krieger“ wurde von der Kritik als Vorbote einer „nationalen Schule“ begrüßt. Lernte die Genfer Schneiderin Augustine Dupin (1852–1909) kennen, die er mehrfach porträtierte. 1887 brachte sie den gemeinsam Sohn Hector zur Welt. Das „Zwiegespräch mit der Natur“ entstand als Gegenbild zum „Zornigen Krieger“.
  • 1885

    In seinem Atelier traf sich eine Runde befreundeter Künstler und Literaten, mit denen er seine Kunsttheorie diskutieren und schärfen konnte: Verzicht auf den Realismus zugunsten eines persönlichen Stils, den Hodler Parallelismus nannte. Um das Zyklische in der Natur hervorzuheben, wiederholte er Figuren und Landschaften symmetrisch. Die Landschaft „Buchenwald“ für den Concours Calame, die Hodlers Prinzip des Parallelismus veranschaulicht, fand bei der Jury keinen Anklang.
  • 1887

    Das Kunstmuseum Bern zeigte eine große Einzelausstellung mit 60 Werken (Juli bis September). Geburt des Sohnes Hector (Oktober) in Genf. Lernte Bertha Stucki in Därligen am Thunersee kennen.
  • 1888

    Ferdinand Hodler schrieb ein kurzes Exposé über Bildnis-Malerei, um sich an der Universität Genf als Privatdozent zu bewerben. Ablehnung wegen „mangelnder Qualifikation“.
  • 1889

    Teilnahm an der Pariser Weltausstellung, wo er für die zweite Fassung von „Schwingerumzug“ seine erste offizielle Auszeichnung im Ausland erhielt und seinen ersten internationalen Erfolg feierte. Hochzeit mit der 21-jährigen Bertha Stucki in La Chaux-de-Fonds. Die im Musée Rath in Genf unter dem Titel „Un soir (canton de Berne)“ gezeigte Ansicht vom Thuner- und Brienzersee wurde im „Journal de Genève“ als großer Fortschritt in der Gebirgsdarstellung gelobt.
  • 1890

    Beginn von Hodlers symbolistischer Phase durch Aufladung der Figurenbilder und Landschaften zu Schicksalsdarstellungen. Erfolglose Teilnahme am Wettbewerb für die Aula der Eidgenössischen polytechnischen Schule (heute: ETH) Zürich mit den Entwürfen „Baukunst“ und „Ingenieurkunst“. Gemälde: „Die Nacht“ (Winter 1889/90, Kunstmuseum, Bern) ist Ferdinand Hodlers erstes monumentales Hauptwerk. Erst nach langer psychischer Krise konnte Ferdinand Hodler dieses Gemälde fertigstellen. Es bedeutete den endgültigen Bruch mit dem Naturalismus und brachte ihm internationale Anerkennung.
  • 1891

    Ausschluss der „Nacht“ aus sittlichen Gründen („unzüchtiger Figurendarstellung“) von der Genfer Ausstellung im Musée Rath. Öffentlicher Protest Hodlers und erfolgreiche, selbst organisierte Präsentation des Bildes im Genfer Palais Électoral [Wahlgebäude, Eintritt 1 Franken], anschließend Reise nach Paris und Ausstellung der „Nacht“ im Salon du Champ-de-Mars durch Pierre Puvis de Chavannes (1824–1898) und August Rodin (1840–1917). Kontakte zu Félix Vallotton und zum Schriftsteller und Kunstkritiker Joséphin Péladan (1858–1918), dem Gründer des Salon de la Rose + Croix. Scheidung von Bertha Stucki. Im Herbst sitzen auf dem Genfer Friedhof St. Georges für „Die Lebensmüden“ fünf alte Männer Modell.
  • 1892

    Ferdinand Hodler stellte im Genfer Wahlgebäude „Die Lebensmüden“, „Enttäuschte Seelen“ sowie „Nacht“ aus. Teilnahme am spirituell-katholizistisch ausgerichteten Salon Rose + Croix in der Galerie von Paul Durand-Ruel in Paris (10.3.1892). Der an Öffentlichkeit interessierte Hodler nahm mit „Enttäuschte Seelen“ daran teil. Nicht die von den Rosenkreuzern angestrebte Beziehung zwischen Kunst und Gott, sondern die pantheistische Einheit zwischen Natur und Mensch entsprach seinem künstlerischen und lebensphilosophischen Ideal.
  • 1893

    Im Februar hielt sich Ferdinand Hodler für einige Tage im Tessin auf und malte Landschaften in der Umgebung von Locarno. Arbeitete am „Auserwählten“, der seine pantheistische Naturverehrung zeigt. Lernte seine zweite Ehefrau Berthe Jacques (1868–1957) kennen, als sie ihm Modell stand.
  • 1894

    Ferdinand Hodler schuf im Auftrag des Genfer Unternehmers Charles-Gustave Henneberg für die Weltausstellung in Antwerpen (5.5.–5.11.) das von Gustave Doré inspirierte zweiteilige Diorama „Aufstieg und Absturz“ (Schweizer Alpines Museum Bern): Hodler malt die Themen des Aufstiegs einer Bergsteigergruppe in den Alpen und der folgenden Katastrophe beim Abstieg. Eine dritte Leinwand mit der Bergung der Leichen bleibt unausgeführt. Präsentierte den „Auserwählten“ im Frühling im Genfer Wahlgebäude und anschließend im Pariser Salon.
  • 1895

    Letzte Ausstellung im Genfer Wahlgebäude mit „Eurhythmie“ (März). Bis Jahresende entstanden mehrere Studien für die unvollendet gebliebene „Weibliche Eurhythmie“. Gewann den Wettbewerb für die Dekorationen der Außenseite des Palais des Beaux-Arts bei der Schweizerischen Landesausstellung von 1896. Ausführung der 27 Leinwände mit Kriegerfiguren in historische Gewändern (1895/96), wo die Figuren und Exponate Hodlers eine Pressepolemik auslösten.
  • 1896

    Erfolglose Teilnahme am Wettbewerb für die Dekoration des Berner Rathauses mit „Der Rückzug der Schweizer aus der Schlacht von Marignano 1515“ (Sommer). Ab November unterrichtete Hodler einmal wöchentlich eine Klasse in Öl- und Aquarellmalerei an der Gewerbeschule in Freiburg i.Üe.
  • 1897

    Hodler erhielt den erster Preis (3.000 Schweizer Franken) für die Dekoration des Waffensaals im Landesmuseum in Zürich: „Rückzugs der Schweizer aus der Schlacht bei Marignano“; der folgende intensivste und längste Kunststreit in der Schweiz wurde nach pausenlosen Umarbeitungen in zahlreichen Fassungen und großen Kartons durch den Ausführungsbeschluss des Bundesrates 1899 entschieden. Für Vorarbeiten und Ausführung der Fresken erhielt Hodler 53.000 Franken ((1897–1900). Auf der „7. Internationalen Kunstausstellung“ in München wurde Hodler mit der Goldmedaille 1. Klasse für „Die Nacht“ und „Eurhythmie“ ausgezeichnet. Im Vortrag vor dem Verein der Kunstfreunde Freiburg mit dem Titel „Die Aufgabe des Künstlers [La mission de l’artiste]“ fasste Ferdinand Hodler seine Gestaltungsprinzipien und den Parallelismus zusammen (12.3.). Louis de Romain (1844–1912) lud Hodler auf das nahegelegene Schlösschen Breitfeld ein. Hodler revanchierte sich mit einem Porträt des Komponisten und Schriftstellers, das auf der Secessionsausstellung 1904 in Wien gezeigt wurde. Entwarf mehrere Skizzen zur Legende des Wilhelm Tell – ursprünglich für die Außenfassade des Landesmuseums bestimmte, machte Hodler daraus ein monumentales Ölgemälde. „Der Tag“, zwei Plakatentwürfe für die Zürcher Kunstgesellschaft, die er später zu „Der Traum“ und „Die Poesie“ weiterentwickelte. Im Dezember lud ihn Gustav Klimt (1862–1918) in seiner Funktion als Präsident der Wiener Secession zur Teilnahme an einer Ausstellung ein. Hodler leistete dieser Einladung keine Folge.
  • 1898

    Hochzeit mit Berthe Jacques in Bern (11.3.), Trauzeuge war Cuno Amiet (1868–1961). War das gesamte Jahr mit den Marignano-Entwürfen beschäftigt.
  • 1899

    Bis Mai hatte Ferdinand Hodler vier Kartons in Originalgröße angefertigt. Hörte im Juni auf, an der Freiburger Gewerbeschule zu unterrichten, da er Zeit für die Kartons und den „Tag“ benötigte.
  • 1900

    Mitglied der Wiener Secession (K.M., Oktober) und Berliner Secession. Stellte „Tag I“ gemeinsam mit „Die Nacht“ und „Eurhythmie“ auf der Pariser Weltausstellung aus und erhielt dafür eine Goldmedaille. Teilnahme an der „VIII. Ausstellung der Wiener Secession“ mit „Kämpfender Krieger“ und „Sterbender Krieger“ (November).
  • 1901

    Durch die einsetzenden öffentlichen Erwerbungen (Kunstmuseum Bern) und die überaus zahlreichen Bildnisaufträge erlangte Ferdinand Hodler zunächst finanzielle Unabhängigkeit, dann großen Reichtum: „Der Tag“, „Die Nacht“, „Eurhythmie“ und „Die Enttäuschten Seelen“ wurde am 25. Juli vom Kunstmuseum Bern erworben. Er selbst bezeichnete die Gemälde als „Ehren-Hodler“. Mit „Frühling I“ und dem „Auserwählten“ beteiligte sich Ferdinand Hodler an der „XII. Ausstellung der Wiener Secession“. Der Wiener Arzt und Sanatoriumsbesitzer Dr. Anton Loew kaufte den „Auserwählten“ für 6.000 Mark. Bei der „8. Internationalen Kunstausstellung“ im Königlichen Glaspalast in München wurde der „Der Auserwählte“ gezeigt. Hodler lernte Jeanne Charles kennen, die ihm für zahlreiche Figurenbilder Modell stand.
  • 1902

    Spätestens ab 1902 abonnierte Hodler das Kunstmagazin „Ver Sacrum“. Stellte „Die Empfindung“ fertig. Umzug in ein neues Atelier an der Rue du Rhône 29. Malte „Wahrheit I“ und im Juli während eines Aufenthalts in Reichenbach das Landschaftsgemälde „Jungfrau von der Isenfluh aus“, das er in der „XIX. Secessionsausstellung“ präsentierte.
  • 1903

    Anfang des Jahres hielt sich Ferdinand Hodler sieben Wochen in Wien auf, wo er für Loew eine neue Fassung des „Auserwählten“ malte. Rückreise über München, wo er – auf Empfehlung von Max Klinger (1857–1920) – in die Münchner Secession aufgenommen wurde. Da er auch auf die nächste Internationale Ausstellung der Secession eingeladen wurde, besuchten ihn Koloman Moser (1868–1918) und Carl Moll im Juni in Genf, um eine Auswahl der Werke für die Ausstellung zu treffen. Hodler malte die Bilder „Der bewunderte Küngling“, „Weib am Bach“ und „Wahrheit II“. Ende 1903 entwarf er das Plakat für die Wiener Secession mit dem schlafenden Jüngling und dem Text „Ver Sacrum“.
  • 1904

    Mit 31 Werken Teilnahme an der „XIX. Ausstellung“ der Wiener Secession (22.1.–5.3.), Plakat von Hodler und sein endgültiger internationaler Durchbruch. Ausgestellt waren u.a. „Abendruhe“, „Das Kiental mit Blümlisalp“, „Sommerlandschaft (Kastanienbaum)“ und „Die Blumenwiese“. Mit der Ausstellung gelang Ferdinand Hodler der internationale Hodler wohnte im Haus des Kunstfotografen Friedrich Viktor Spitzer (1854–1922), das Josef Hoffmann (1870–1956) entworfen hatte. Carl Reininghaus (1857–1929), österreichischer Kunstförderer und Sammler, erwarb acht Bilder aus der Ausstellung und machte den Künstler über Nacht zum Millionär. Im Juni/Juli 1904 ist er zu Gast bei Robert Freiherr von Bach auf Schloss Leesdorf in Baden bei Wien, wo er das „Bildnis Käthe von Bach (im Garten)“ sowie den „Weg mit Bäumen (Baden bei Wien)“ malte. „Tag II“ für Carl Reininghaus (November).
  • 1905

    Der Deutsche Künstlerbund stellte dem Maler in der „II. Ausstellung“ in der Berliner Secession einen eigenen Saal zur Verfügung. Hier präsentierte er zwölf Werke, darunter „Abendruhe“, Gustav Klimt war mit 15 vertreten. Reise nach Italien (Februar), wo Hodler erstmals in Florenz, Assisi und Padua die massiven Körper Giottos (1266–1337) studierte. In der Mystik der Armut, der brüderlichen Nähe zum Tod und dem Dialog mit der Natur, alles gepredigt von Franz von Assisi, fand Ferdinand Hodler sich wieder. 1906 Ausstellung im Künstlerhaus Zürich und der Münchner Secession (fünf Werke).
  • 1907

    Auftrag der Gesellschaft der Kunstfreunde von Jena und Weimar für ein großformatiges Wandbild für die Friedrich-Schiller-Universität in Jena: „Der Auszug der Jenenser Studenten in den Freiheitskrieg gegen Napoleon 1813“ (Auftrag 1908, ausgeführt 1909). Im August und Herbst hielt sich Hodler im Engadin auf, wo zahlreiche Landschaften entstanden. Er lernte seinen späteren Biografen, den Berner Schriftsteller Carl Albert Loosli, kennen. Der Kunstsalon von Paul Cassirer in Berlin zeigte 24 seiner Werke, darunter „Die Lebensmüden“.
  • 1908

    Wahl zum Präsidenten der Gesellschaft Schweizerischer Maler Bildhauer und Architekten (GSMBA). Ausstellung in Frankfurt. „Begierde“ (1907/08), erste Kompositionsstudien zur „Liebe“. Im Frühjahr lernte Hodler die Pariserin Valentine Godé-Darel (1873–1915) kennen, die ihm bis zu ihrem Tod Modell und Geliebte war. Auftrag der Schweizer Nationalbank mit dem Entwurf einer neuen 50- und 100-Franken-Banknote (September). Hodler wählte die Sujets „Holzfäller“ und „Mäher“. Da er von den kleinformatigen Banknoten nicht befriedigt war, führte er die Motive auch in großformatigen Ölgemälden aus. Die Staatsgalerie Stuttgart erwarb Hodlers „Selbstbildnis“. Der Verband der Kunstfreunde in den Ländern am Rhein zeigte im Kunstgewerbehaus Georg Herwig im Auftrag des Frank furter Kunstvereins „Tanne bei Chamby“.
  • 1909

    In der Zeitschrift „Morgen“ erschien Hodlers Aufsatz „Über das Kunstwerk“, in dem er seine ästhetischen Notizen zum Parallelismus (1.1.). Hodler stellte sein Wandbild „Auszug der deutschen Studenten in den Freiheitskrieg von 1813“ im Kunsthaus Zürich aus. Der erotische Fries „Die Liebe“ skandalisierte in Zürich Presse und Publikum; Josef Müller, der Bruder der Sammlerin Gertrud Müller, erwarb das Bild. Weitere Fassung von „Thunersee mit symmetrischer Spiegelung“. Die erste „Internationale Kunstausstellung“ in Interlaken zeigte neben Werken von Hodler auch Arbeiten von Max Liebermann, Jan Toorop und Fritz von Uhde. Tod von Augustine Dupin, der Mutter von Hector Hodler.
  • 1910

    Aufträge für das Landesmuseum („Schlacht bei Murten“, nicht ausgeführt) und für ein Wandbild im Zürcher Kunsthaus („Blick in die Unendlichkeit“). Hodler erhielt das Ehrendoktorat der Philosophischen Fakultät der Universität Basel. Die Zürcher Kunstgesellschaft bestellte ein großes Wandbild für das neue Kunsthaus. Hodler arbeitete bis 1917 an den zwei monumentalen Hauptfassungen von „Blick ins Unendliche“. Gertrud Müller legte mit dem Kauf von „Steigende Nebel am Wetterhorn“ den Grundstein ihrer Hodler-Sammlung. Als Präsident der Gesellschaft der Schweizerischen Maler, Bildhauer und Architekten organisierte der Maler eine Gruppenausstellung im Budapester Nemzeti Szalon.
  • 1911

    Auftrag für großformatige Wandbilder für das Rathaus in Hannover über Vermittlung von Max Liebermann: „Einmütigkeit“ (bis 1913). Hodler-Retrospektiven in Köln, Frankfurt, Basel, Zürich und München. Hodler erhielt einen Besuch von Emil Orlik (1870–1932), mit dem er in Wien Freundschaft geschlossen hatte. Die Winterferien 1911/12 verbrachte Hodler gemeinsam mit der befreundeten aus Solothurn stammenden Sammlerin und Fotografin Gertrud Müller (1888–1980) in Grindelwald. Ihre Fotografien gehören zu den wichtigsten Bilddokumenten zu Hodlers Leben.
  • 1912

    Ferdinand Hodler malte das „Bildnis Valentine Godé-Darel“ sowie vier Selbstporträts für den Winterthurer Sammler Theodor Reinhart (1849–1919). Im April mietete er ein zweites Atelier an der Rue des Grands-Bureaux 22, um seine großen Wandbilder auszuführen. Auf der Großen Dresdener Kunstausstellung wurden Hodlers „Aufstieg und Absturz“ ausgestellt: Hodler wurde Mitglied der Akademie der Bildenden Künste, Dresden. Obwohl die beiden Gemälde von den Kritikern positiv besprochen werden, finden sie keinen Käufer. Definitiver Auftrag für ein Wandbild im Rathaus von Hannover. Malte ein „Selbstbildnis“ im Auftrag von Theodor Reinhart (1849–1919), dem Vater von Oskar Reinhart.
  • 1913

    Einweihung von „Einmütigkeit“ im neuen Rathaus in Hannover in Anwesenheit von Kaiser Wilhelm II. und Ferdinand Hodler. Auftrag für ein Wandbild in der Aula der Universität Zürich (nicht ausgeführt). Durch Empfehlung von Mathias Morhardt (1863–1939) zum Offizier der Légion d’Honneur ernannt. Hodler traf in Paris mit Auguste Rodin zusammen und wurde Mitglied des Salon d’Automne. Geburt der Tochter Paulette (1913–1999) durch Valentine Godé-Darel (13.10.). Im Dezember bezog er zusammen mit seiner Frau Berthe eine luxuriöse Wohnung am Quai du Mont-Blanc in Genf, für die Josef Hoffmann das Interieur entwarf. Fritz Burger publiziert seine Studie „Cézanne und Hodler. Einführung in die Probleme der Malerei der Gegenwart“.
  • 1914

    Nach seiner Unterschrift unter den Genfer Protest von 1914 gegen die Beschießung der Kathedrale von Reims durch die deutsche Artillerie (September) brachen die geschäftlichen und künstlerischen Beziehungen mit Deutschland ab. Hodler wurde als Verräter beschimpft, das „Bildnis Giulia Leonardi“ im Wallraff-Richartz-Museum aus der Ausstellung verbannt, der Maler aus allen deutschen Künstlervereinigungen ausgeschlossen, und das Jena-Bild mit Brettern zugedeckt. Der Schriftsteller und spätere Literaturnobelpreisträger Carl Spitteler (1845–1924) trat öffentlich für Hodler ein. Der Künstler schenkte ihm sein Bildnis zum 70. Geburtstag. Das Sterben seiner Geliebten, der Sängerin Valentine Godé-Darel, hielt Hodler wie vor ihm schon Claude Monet in Zeichnungen und Gemälden fest.
  • 1915

    Ferdinand Hodler zeichnete den Todeskampf der Geliebten Valentine Godé- Darel in Vevey rastlos auf. Im „Bildnis der toten Valentine Godé-Darel“ (26.1.) klingt Holbein des Jüngern (1497/98–1543) „Der tote Christus im Grab“ (1521/22) an, den der Maler bereits 1875 als junger Mann in Basel gesehen hatte. Wegen chronischer Atembeschwerden Aufenthalt im französischen Kurort Néris-les-Bains im Sommer, sein letzter Auslandsaufenthalt. Alexej von Jawlensky (1864–1941) besuchte Ferdinand Hodler in dessen Genfer Atelier.
  • 1916

    Von Februar 1916 bis Juni 1917 erteilte Ferdinand Hodler einmal wöchentlich Zeichenunterricht an der Genfer École des Beaux-Arts. Malte über 20 Selbstbildnisse sowie mehrere Ansichten der „Dents du Midi“ im Kanton Wallis. Arbeitete an dem Wandbild „Die Schlacht bei Murten“ als Gegenstück zu dem Fresko „Rückzug von Marignano“ im Schweizerischen Landesmuseum.
  • 1917

    Erste und umfassendste Retrospektive von Ferdinand Hodlers Werk während seines Lebens im Kunsthaus Zürich mit über 600 Werken (14.6.–15.8.). Erstmals fan der Künstler eine breite nationale Anerkennung und wurde einstimmig als bedeutendster Schweizer Maler der Gegenwart gewürdigt. Mehrere Reisen nach Caux, wo er den Ausblick auf den Genfersee und die Bucht von Cully malte. Hodler litt an Depressionen und dachte an Selbstmord. „Bildnis Emma Schmidt-Müller“ (1915–1917), Reihe von Porträts ihrer Schwester Gertrud, „Bildnis von Félix Vibert“ entstanden. Vom Fenster seiner Wohnung am Quai du Mont-Blanc malt er über 20 Ansichten des Genfersees bei verschiedenen Wetter- und Lichtverhältnissen. Seine Gesundheit verschlechterte sich.
  • 1918

    Ferdinand Hodler erkrankte an einem Lungenödem und starb am Morgen des 19. Mai 1918 im Alter von 65 Jahren. Der Maler hatte in seiner fünfzigjährigen Karriere rund 2.000 Gemälde und etwa 10.000 Zeichnungen geschaffen.
Alexandra Matzner
Gründerin von ARTinWORDS * 1974 in Linz, Studium der Kunstgeschichte, Geschichte und Romanistik in Wien und Rom. Seit 1999 Kunstvermittlerin in Wien, seit 2004 Autorin für verschiedene Kunstzeitschriften. Jüngste Publiktionen entstanden für das Kunsthaus Zürich, Schirn Kunsthalle Frankfurt, Albertina und Belvedere in Wien.