Franz Hagenauer

Wer war Franz Hagenauer?

Franz Hagenauer (Wien 22.2.1906–26.9.1986 Salzburg) war ein österreichischer Kunsthandwerker der Klassischen Moderne (→ Klassische Moderne). Die kunsthistorische Einordnung der teils stark abstrahierten, im Rahmen der Werkstätte Hagenauer entstandenen Designobjekte auch funktionalistischen Werke ist äußerst schwierig. Zumeist wird Hagenauers Kunst jedoch mit der Neuen Sachlichkeit und dem Art déco in Verbindung gebracht (→ Neue Sachlichkeit).

„Das Wort Künstler habe ich nie gemocht, ich wollte nie so genannt werden. Das stammt noch aus der Zeit, da ich als Jüngling in der Kunstschau, der jetzigen Secession, zwischen Josef Hoffmann, Anton Faistauer und Franz Zülow gesessen bin und ihren Streitereien über Ausstellungen zugehört habe.“1

Kindheit

Franz Hagenauer kam am 22. Februar 1906 als Sohn des renommierten Gürtlermeisters und Ziseleurs Carl Hagenauer (1872–1928) und seiner Frau Ottilie (geb. Zentner, 1875–1952) in Wien zur Welt.2 Er hatte vier ältere Geschwister; mit Margarethe „Grete“ (1891–1967) und Karl (1898–1956) arbeitete Franz Hagenauer jahrzehntelang zusammen.

Carl Rudolf Hagenauer, ein Schüler von Carl Würbel und Vinzenz Czokally in Wien sowie des Goldschmieds Samu Bernauer in Preßburg, gründete im Jahr 1898 seine eigene Werkstätte in Preßburg (heute: Bratislava). 1901 übersiedelte der Unternehmer mit seiner Familie in seine Geburtsstadt zurück. Dort etablierte er sich im 7. Wiener Gemeindebezirk, dem Zentrum metallbearbeitenden Kunsthandwerks. Bereits kurz darauf schuf Carl Hagenauer Werke im Stil des kurvilinearen Jugendstils und arbeitete für die Wiener Werkstätte.

Ausbildung

Zwischen 1912 und 1920 besuchte Franz Hagenauer die Volksschule, drei Klassen Mittelschule sowie eine Klasse Bürgerschule in Wien. Seit seinem achten Lebensjahr nahm er – wie auch schon sein älterer Bruder Karl – an Jugendkursen bei Franz Čižek an der Wiener Kunstgewerbeschule teil (1914 bis 1919). Vermutlich entstand dort bereits 1914 oder 1915 Hagenauers erste Treibarbeit.

Das letzte Pflichtjahr (1918/19) verbrachte er in Schweden, wo er eigenen Angaben zufolge „Privatunterricht“ bekam. Wieder zurück in Wien absolvierte Hagenauer im Sommer 1920 eine Ferialpraxis in der Wiener Werkstätte bei Dagobert Peche. Im Wintersemester 1920 sowie im Sommersemester des Folgejahres besuchte der 14-Jährige den Ornament-Kurs von Franz Čižek. Danach studierte er an der Wiener Kunstgewerbeschule (1921–1925).

Im Kurs für „Ornamentale Formenlehre“, den er im Studienjahr 1921/22 gemeinsam mit Vertreter:innen des Wiener Kinetismus besuchte, führte Franz Hagenauer Objekte aus Keramik, Gipsschnitte und Treibarbeiten aus. Die figuralen Werke aus diesen frühen Jahren zeigen deutliche Einflüsse des Kubismus und Futurismus.
Nachdem Hagenauer im Studienjahr 1920/21 in der Klasse Anton Hanaks an der Kunstgewerbeschule hospitiert hatte (Arbeiten in Blech), setzte er ebendort das Studium der Bildhauerei als ordentlicher Schüler fort (Selbstständiges Arbeiten in Metall, Blechtreiben, Figur und Ornament). Hanak prägte Franz Hagenauer durch das direkte Arbeiten im Material (ohne Entwürfe). Eine anonyme Fotografie aus dem Jahr 1924 zeigt Franz Hagenauer beim Bearbeiten eines Metallkopfes im Privatatelier Hanaks. Der Lehrer hatte im Herbst des Jahres die Erlaubnis erhalten, den Unterricht in sein Privatatelier im Pavillon des Amateurs im Prater zu verlegen. Das Erlernen des Metallgusses war im Lehrplan nicht vorgesehen, da die Ausbildung eine kunstgewerbliche Tätigkeit im Auge hatte.

Im letzten Jahr seines Studiums belegte Hagenauer die Fachklasse für Metallarbeiten bei Josef Hoffmann in der Werkstätte für Gürtlerei und Metalltreiben. Im Abgangszeugnis vom Februar 1925 wird ihm „außergewöhnliche Gestaltungsgabe auf dem Gebiete der Metallplastik (Blechtreibarbeiten) – sowie eine gesunde Veranlagung zur Weiterentwicklung auf handwerklicher Basis“ bescheinigt. Im selben Jahr wurde Hagenauer Mitglied der „Kunstschau“.

Ebenfalls im Februar 1925 trat Franz Hagenauer in die väterliche Metallwerkstatt als Geselle ein und begann eine Ausbildung zum Gürtler und Ziseleur, die er erst 25 Jahre später mit einer Meisterprüfung abschloss.
Die Werkstätte Hagenauer Wien wurde ab 1927 durch die Marke „WHW“ in einem Rundstempel und durch ein Patent geschützt. Das Unternehmen beschäftigte rund 70 Mitarbeiter:innen. Zu den wichtigsten Mitbewerbern auf dem Feld der „Wiener Bronzen“ gehört die Werksätte Carl Auböck.

Werke

Die Hanak-Klasse gestaltete 1925 für die Ausstellung „Exposition Internationale des Arts Décoratifs et Industriels Modernes“ (April 1925) in Paris einen „Kultraum“ mit Reliefverkleidungen und Skulpturen aus Metall. Dafür schuf Hagenauer sechs Wandreliefs; vier seiner Metallplastiken waren im österreichischen Pavillon ausgestellt. Der junge Künstler erhielt für seine Mitarbeit eine Silbermedaille (wie auch die seines Bruders Karl).

Zudem war Hagenauer mit einem Reliquienschrein aus Messing an der „Ausstellung für christliche Kunst und Kunsthandwerk“ in der „Wiener Secession“ beteiligt und präsentierte seine Arbeiten erstmals in der Jahresausstellung der „Genossenschaft der bildenden Künstler Wiens“ im Künstlerhaus. In den folgenden drei Jahren führten Studienreisen den jungen Künstler nach Paris, London, Rom, Berlin und Budapest. Anfangs war Franz Hagenauer vor allem mit dem Erarbeiten von Gebrauchsgegenständen befasst, die er im Sinne von Dagobert Peche und Josef Hoffman schmückte. Er dekorierte seine Vasen, Dosen oder Lampen mit figurativen Darstellungen, die er streumusterartig auf die Fläche projizierte.

Nach dem Tod des Vaters im Jahr 1928 führten die Geschwister Hagenauer gemeinsam den väterlichen Betrieb als „Werkstätte Karl Hagenauer“ fort; die Schwester Grete (verh. Meindl), die keine künstlerische oder handwerkliche Ausbildung hatte, kümmerte sich um die kaufmännischen Belange. Ende der 1920er Jahre änderte Franz Hagenauer die stilistische Ausrichtung seiner Werke, indem er nun eine glatte, ornamentlose Oberfläche bevorzugte und die Objekte auf einfache geometrische Grundformen reduzierte. Die Funktionalität steht nun im Vordergrund, was „in ihrer Konsequenz an formale Leistungen des Bauhauses“ erinnert.3 Der Entwurf eines Kerzenleuchters von 1929 lässt sich mit den ersten Stahlrohrmöbeln von Marcel Breuer und Ludwig Mies van der Rohe in Verbindung setzen. In der Technik des Metalltreibens schuf Hagenauer seit den ausgehenden 1920ern abstrahierte Köpfe, Masken und figurale Plastiken, womit er dem Werkstättenprogramm eine neue Facette gab. Stilistisch wie formal zeigt sich Franz Hagenauer von Werken der Pariser Avantgarde beeinflusst, Amedeo Modigliani und Constantin Brâncuși wären zuvorderst zu nennen.4 Modigliani, der neben Alberto Giacometti einer der Lieblingskünstler Hagenauers war,5 inspirierte den Wiener zu elegant geschwundenen Hälsen und mandelförmigen Augen, während Brâncușis Arbeit mit dem Ovaloid formal den Werken Hagenauers vorausweisen. Gleichzeitig positionierte sich der Wiener Künstler im Diskurs der Zeit durch Gleichförmigkeit, Normierung und Sichtbarmachung von Funktionalität. Diese Haltung lässt sich mit Adolf Loos‘ „Zweckform“ in Verbindung bringen. Im August 1933 nahm Franz Hagenauer die Totenmaske des Architekten ab und schuf eine idealisierte, monumentale Porträtbüste.

Der internationale Erfolg der Werkstätte Hagenauer setzte bereits in den 1920er Jahren ein, als das Wiener Unternehmen europaweit exportiert und seine Designs auch in die USA verkaufte. In dem französischen Kinofilm „Arthur (Le Culte de la beautè)“ (1931) von Léonce Perret haben sowohl ein überlebensgroßer Frauenakt als auch der Kerzenleuchter „Baum“ einen cineastischen Auftritt.6 Für den aus Kupfer getriebenen, bereits 1929 gefertigten „Torso“ erhielt Hagenauer auf der „Exposition d’Art Autrichien“ (1937) im Musée du Jeu de Paume in Paris einen Grand Prix. Fritz Wotruba würdigte den neoklassizistischen Entwurf:

„Wenn man diesen Torso und die monumentalen Köpfe neben das formlose, weiche Gekröse seiner österreichischen Zeitgenossen stellt, ermißt man den Abstand, der gefühlsduselige Kneterei und geistige Vorstellung voneinander trennt.“7

Der „Kopf mit Locken“ (Entwurf und Ausführung 1929) gehörte Andy Warhol. Zusammen mit den Bildhauern Anton Hanak, Franz Blum, Georg Ehrlich und Karl Stemolak der Neuen Sachlichkeit stand Hagenauer „eine Zeit lang nahe“.8

Im „Verband der Metallwerkstätte“ schuf Franz Hagenauer in diesen Jahren plastische Werke für den öffentlichen Raum: Zu den besonders prestigeträchtigen Aufträgen zählten die Wappenadler vor dem Wiener Parlament sowie eine Christusstatue für die Ennsbrücke.

Um 1930 nahm Franz Hagenauer den Abstraktionsgrad seiner Figuren zurück, indem er ihnen zusätzliche Accessoires wie eine Kette, einen Schal, Hut oder einen Spiegel beifügte. Historische Fotografien belegen, dass Hagenauers Köpfe in so mancher Auslage auch als Schaufensterdekoration eingesetzt wurde.

Mit seiner 1934 entstandenen Kupfertreibarbeit „Jünglingskopf“ (Belvedere) beteiligte sich Franz Hagenauer an der „Biennale“ (1936) in Venedig. Im österreichischen Pavillon stellten weiters Gustinus Ambrosi, Georg Ehrlich und Fritz Wotruba aus. Mit Wotruba verband Hagenauer eine enge Freundschaft. Die beiden Bildhauer trafen einander im Café Museum, wo Hagenauer im Laufe der 1930er Jahre auch Elias Canetti, Anna Mahler und zahlreichen anderen Persönlichkeiten aus dem Wiener Kulturleben begegnete. Anhand der im Kaffeehaus aufliegenden, internationalen Kunstzeitschriften informierte er sich regelmäßig über die Tendenzen in der zeitgenössischen Bildhauerei.

Hagenauer im Nationalsozialismus

Die Werkstätte Hagenauer erwarb 1938 am Opernring in Wien ein Geschäftslokal, das im folgenden Jahr eröffnet wurde. Nach der Annexion Österreichs an Nazideutschland hielt sich Franz Hagenauer einige Wochen in London auf, meist in Gesellschaft des Architekten Walter Loos und der Modeschöpferin Fridl Steininger, die er bereits seit seinem Studium an der Kunstgewerbeschule kannte.9

Hagenauer wurde 1939 zum Mitglied des Künstlerhauses ernannt. Im Juli 1939 wurde er zum Militärdienst einberufen. Im Laufe des Zweiten Weltkrieges war er an den Feldzügen in Polen und Frankreich beteiligt und zuletzt auf der Kanalinsel Guernsey stationiert. Zunächst war er als Kraftfahrer im Einsatz, später als Scharfschütze bei den Flugabwehrkanonen. Im April 1945 endete Hagenauers Kriegsdienst.

Wohl während eines Fronturlaubs im März 1941 ersuchte Hagenauer um die Aufnahme in die Reichskammer der bildenden Künste. Aus dem Fragebogen, den er zu diesem Zweck ausfüllte, geht hervor, dass er kein Mitglied der NSDAP oder einer ihrer Gliederungen war.

Salzburg

Bei einem Erholungsaufenthalt in Fuschl am See im Salzburger Land entdeckte Hagenauer eine leerstehende Tischler- und Drechslerwerkstätte mit Holzvorräten, mietete sich dort ein und begann, „Möbel und Hausrat“ herzustellen; es entstanden aber auch Skulpturen aus Holz. Hagenauer verlegte nicht nur einen erheblichen Teil seiner Produktion nach Salzburg, sondern auch seinen Lebensmittelpunkt.

Hagenauer wurde 1946 Innungsmeister der allgemeinen Landesinnung in Salzburg. Er heiratete Kasimira Laves (geb. Nowak). Aus dieser Ehe ging die Tochter Gabriele (1948–1991) hervor. Im Jahr 1947 eröffnete der Bildhauer ein Verkaufsgeschäft der Werkstätte Hagenauer am Mirabellplatz in Salzburg. 1949 heiratete er Ingeborg „Nina“ Holler. Aus dieser Ehe gehen zwei Töchter hervor: Claudia (*1950) und Caja (*1952).

Franz Hagenauer erhielt 1950 den Preis der Stadt Wien für angewandte Kunst. Parallel zur Firmentätigkeit in Salzburg arbeitete er in den 1950er Jahren in einem eigenen Atelier in der Laimgrubengasse 4 in Wien-Mariahilf.

Nach dem Tod seines älteren Bruders Karl 1956 übernahm Franz Hagenauer die Leitung des Familienunternehmens, das allerdings erst zwölf Jahre später im Handelsregister als „Franz Hagenauer OHG“ eingetragen würde. Dieses produzierte nicht nur Möbel, Kleinplastiken und Gebrauchsgegenstände, sondern nahm bereits seit den 1930er Jahren auch große Aufträge für Innenraum- und Fassadengestaltungen an. Damit war zwar eine finanzielle Absicherung verbunden, doch bleibt dem Künstler wenig Zeit für ein eigenständiges künstlerisches Schaffen.

Bei der Weltausstellung in Brüssel 1958 wurde die Werkstätte Hagenauer mit einer Goldmedaille für die gezeigte Inneneinrichtung ausgezeichnet.

Lehre

Die Akademie für angewandte Kunst berief 1962 Franz Hagenauer als Leiter der Meisterklasse für Metallgestalten. In ihrer Begründung hielt die Akademieleitung fest, in ihm „die Persönlichkeit gefunden zu haben, die imstande ist, die Hörer dieser Meisterklasse in zeitgemäßem künstlerischem Geiste zu erziehen und dem Ruf dieser Fachrichtung internationale Geltung zu verschaffen“.

Hagenauer wurde 1968 zum außerordentlichen Hochschulprofessor ernannt. Das Verkaufsgeschäft in Salzburg wurde geschlossen.

Unter dem Titel „Werkstätten Hagenauer 1898 – 1971 und Meisterklasse für freies Gestalten in Metall an der Hochschule für angewandte Kunst“ (1971) veranstaltete das Museum für angewandte Kunst in Wien die erste großangelegte museale Präsentation von Objekten aus dem Bestand des Familienunternehmens sowie von Hagenauers Schüler:innen. Zu dieser von Franz Hagenauer und dem Museumsdirektor Wilhelm Mrazek kuratierten Ausstellung erschien ein kleiner Katalog mit einem lobenden Vorwort von Fritz Wotruba. In Hinblick auf Hagenauers Metallskulpturen aus der Vorkriegsperiode äußerte Wotruba den Wunsch, dieser möge „seine Sache fortführen“. Die Ausstellung und Wotrubas Worte verfehlten ihre Wirkung nicht: Hagenauer widmete sich verstärkt seinen plastischen Werken in Metall und wurde in den Folgejahren äußerst produktiv.

Zusätzlich zu seiner laufenden Tätigkeit an der Hochschule für angewandte Kunst in Wien (ehem. Kunstgewerbeschule) genannt wurde, übernahm Hagenauer 1973 interimistisch die Leitung der Meisterklasse für Metall- und Emailrestaurierung, Konservierung und Technologie.

Hagenauer wurde 1976 emeritiert und konnte sich fortan intensiv seinem figurativen Spätwerk widmen. Die Skulpturen entstanden vorwiegend im Familienbetrieb in der Bernardgasse 7 in Wien-Neubau.

Mitgliedschaften

  • 1928: Österreichischer Werkbund
  • 1933: Wiener Secession
  • 1955: Vorstandsmitglied des Österreichischen Werkbundes.

Tod

Franz Hagenauer starb am 26. September 1986 überraschend in Salzburg an Herzversagen und wurde am 31. Oktober am Friedhof Ober-St.-Veit in Wien beigesetzt.

Die Werkstätte Hagenauer wurde 1987 – nach 89 Jahren ihres Bestehens – geschlossen. In diesen knapp neun Jahrzehnten hatte das kunstgewerbliche Unternehmen nationale und internationale Aner-kennung, Preise und Auszeichnungen erlangt. Teile aus dem Firmennachlass von Franz  Hagenauer befinden sich heute im gleichnamigen Archiv des Museums für angewandte Kunst (MAK).

Beiträge zu Franz Hagenauer

Franz Hagenauer, Paar, 1936 (Sammlung Breinsberg, Foto: Christian Schindler, Pixelstorm © Caja Hagenauer, Wien)

Wien | Leopold Museum: Franz Hagenauer


Franz Hagenauer (1906–1986) schuf ein reichhaltiges Œuvre, in welchem Bildhauerei und gediegenes Kunstgewerbe eine spannungsreiche Synthese eingingen. Vom menschlichen Körper sowie von den Formen aus der Tier- und Pflanzenwelt ausgehend, spielte Hagenauer Ausdrucksmodi durch, die phasenweise vom Neoklassizismus, dem Bauhaus, dem Art déco und den Topoi der Populärkultur angeregt wurden. Oft auf bloße Ovoide reduziert, zählen seine ab den späten 1920er Jahren entstandenen Köpfe und Büsten aus getriebenem Metall zu den radikalsten modernistischen Vorstößen in der österreichischen Kunst der Zwischenkriegszeit.
Franz Hagenauer, Weibliche Büste, 1928 © MAK/Georg Mayer

Wien | MAK: Werkstätte Hagenauer


Mit der Ausstellung „WERKSTÄTTE HAGENAUER. Wiener Metallkunst 1898–1987“ holt das MAK eine der erfolgreichsten kunstgewerblichen Metallwerkstätten in Wien zu Beginn des 20. Jahrhunderts vor den Vorhang. Während seines knapp 90-jährigen Bestehens bündelte das Familienunternehmen mit seinen Erzeugnissen die Entwicklung des österreichischen Kunstgewerbes. Zwei Generationen - gegründet von Carl Hagenauer (1872–1928) und weitergeführt von seinen Kindern Margarethe „Grete“ (1891–1967), Karl (1898–1956) sowie Franz Hagenauer (1906–1986) - führten das Unternehmen über die Moderne bis in die Postmoderne, wobei die erfolgreichen Entwürfe von Franz Hagenauer um 1930 zu den Zimelien des Wiener Kunsthandwerks zählen.
  1. MAK, Archiv Hagenauer; Hedi Czech, Der Form Leben eingegossen. Franz Hagenauer diente der Wiener Werkstätte, in: Die Presse (27./28.9.1986), zit. n. Maria-Luise Jesch, Die Werkstätte Hagenauer und der Bildhauer zu Beginn der Moderne, in: Franz Hagenauer, hg. v. Ivan Ristić und Hans-Peter Wipplinger (Ausst.-Kat. Leopold Museum, Wien, 20.5.–12.9.2022), Wien 2022, S. 10–34, hier S. 11.
  2. Die gesamte Biografie von Franz Hagenauer verdankt sich dem Ausstellungskatalog: Franz Hagenauer, hg. v. Ivan Ristić und Hans-Peter Wipplinger (Ausst.-Kat. Leopold Museum, Wien, 20.5.–12.9.2022), Wien 2022.
  3. Maria-Luise Jesch, Die Werkstätte Hagenauer und der Bildhauer zu Beginn der Moderne, in: Ebenda, S. 10–34, hier S. 24.
  4. Spätestens 1937 konnte Franz Hagenauer das Werk Brâncușis im Original studieren: Im rumänischen Pavillon der Weltausstellung und in der Ausstellung „ Origines et développement de l’art international indépendant“ (ab 30.7.) im Musée du Jeu de Paume. Siehe: Marco Antonio Ricci, Der Moderne Form geben. Franz Hagenauer — Versuch einer kunsthistorischen Positionierung, in Ebenda, S. 55–71, hier S. 64.
  5. Ebenda, S. 70, Fußnote 15.
  6. Ivan Ristić, Der Bildhauer und die Populärkultur. Einige Schlaglichter, in: Ebenda, S. 158–173, hier S. 159–160.
  7. Fritz Wotruba: o. T., in: Werkstätten Hagenauer 1898–1971 (Ausst.-Kat. Österreichisches Museum für angewandte Kunst, Wien 1971), Wien 1971, o. S.
  8. Almut Krapf-Weiler, Zeitgenössische Aussagen zur Kunst in Österreich von 1918–1938, in: Kunst in Österreich 1918–1938. Aus der Österreichischen Galerie (Ausst.-Kat. Schloss Halbturn, Wien, 25.5.–21.10.1984), Halbturn 1984, S. 210; Zit. n. ebenda, S. 55.
  9. Das Paar war dort im Exil und sah sich später gezwungen, nach Argentinien weiterzuziehen.