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Otto Rudolf Schatz und Carry Hauser Sozialistische Kunst in Wien im Zeitalter der Extreme

Otto Rudolf Schatz, Carry Hauser (Residenz Verlag).

Otto Rudolf Schatz, Carry Hauser (Residenz Verlag).

Otto Rudolf Schatz (1900–1961) und Carry Hauser (1895–1985) in einer Doppelausstellung gemeinsam zu beleuchten, dafür gibt es keinen äußeren Grund. Weder waren die beiden befreundet, noch haben sie in ihren bekanntesten Werken ähnliche Zugänge vertreten. Warum also zwei Künstler einander gegenüberstellen, die in Wien ab etwa 1920 tätig waren und stilistisch zwischen der Neuen Sachlichkeit, dem Magischen Realismus anzusiedeln sind, der eine ein Madonnenmaler (Hauser) und der andere Holzschnitt-Künstler mit sozialistischer Botschaft (Schatz)? Die Antwort von Kurator Ralph Gleis: Beide beschäftigten sich mehr oder weniger direkt mit Politik! Diese Künstlergeneration konnte sich nicht (mehr) auf rein formale Fragen beschränken, sondern musste – getrieben durch die politischen Umwälzungen in der Zwischenkriegszeit über Besatzung, Erster Weltkrieg und Nachkriegszeit – Stellung beziehen.

Dass sich gerade das Wien Museum mit der Präsentation dieser beiden bekannten Wiener Künstler hervortut, hat vor allem zwei Gründe: Es befinden sich sowohl der Nachlass des Kunstförderers Arthur Roessler (1877–1955) wie auch Werke des Otto Rudolf Schatz‘ in seinen Beständen. Da auch Carry Hauser mit dem umtriebigen Publizisten befreundet war, lag es nahe, Schatz und Hauser nebeneinander aufzuarbeiten. Dabei konzentrierte sich Kurator Ralph Gleis auf Arbeiten aus der Zwischenkriegszeit, die im Untertitel nach Eric Hobsbawms 1994 veröffentlichten Analyse des „kurzen 20. Jahrhunderts“ als „Zeitalter der Extreme“ bezeichnet wird. Die beiden Künstler hatten zuvor nacheinander an der Kunstgewerbeschule studiert, kannten einander als Protagonisten der Wiener Kunstszene und standen im künstlerischen Austausch. Ralph Gleis bietet durch den methodischen Vergleichs ein Möglichkeit an, den „Zug der Zeit und des jeweiligen Künstlers hervortreten zu lassen“1. Die in der Ausstellung präsentierten 300 Werke, viele davon Arbeiten auf Papier, Druckgrafiken und Buchprojekte, bezeugen genauso intensiv die sozialdemokratische Haltung der beiden Künstler, die Materialvielfalt ihrer Werke wie die Bedeutung des Holzschnitts für den Expressionismus der Zwischenkriegszeit.2

 

 

Otto Rudolf Schatz und Carry Hauser – zwei Künstler aus Wien

Schatz und Hauser waren beide Studenten der k. k. Kunstgewerbeschule (heute: Angewandte), an der sie den Umgang mit unterschiedlichsten Medien und Technikern erlernten.3 Der fünf Jahre älteren Carry Hauser studierte von 1912 bis 1914 und Schatz besuchte von 1915 bis 1918 das Institut, unterbrochen durch den freiwilligen Militärdienst. Zu den gemeinsamen Lehren gehörten Oskar Strnad (Allgemeine Formenlehre), Anton von Kenner (Aktstudium) sowie Franz Cizek (Ornamentalen Formenlehre). Gemeinsame Förderer wie Arthur Roessler4 und Viktor Matejka5, aber auch Publikationen in den gleichen Verlagen und Mitgliedschaften in künstlerischen Vereinigungen wie der Hagenbund und die Notgemeinschaft für Kunst und Schrifttum führten die Künstler immer wieder zueinander. Ein gemeinsamer Künstlerfreund war Georg Philipp Wörlen, sie verkehrten mit dem Kunsthändler Otto Kallir-Nirenstein und dem Kunsthistoriker Hans Tietze. Man kannte sich und schätzte die Werke des anderen, ohne dass Schatz und Hauser je eine (enge) Freundschaft entwickelt hätten.

Einige Arbeiten von Hauser und Schatz zählen zu den Ikonen der österreichischen Malerei der Zwischenkriegszeit, darunter fallen „Schaustellung“, „Ballonverkäufer“ und „Mondfrauen“ (alle 1929), die schon früh als Triptychon aufgefasst wurden, von Otto Rudolf Schatz und „Jazzband“ (1927) von Carry Hauser. Dennoch sind die beiden neusachlichen Maler – etwa im Vergleich zu Herbert Boeckl (1894–1966) – in Forschung und öffentlicher Wahrnehmung weniger präsent. Dies erklärt sich aus ihrem beständigen Oszillieren zwischen zeitgeistiger Anpassung und der Suche nach einem eigenständigen Stil. Nachdem beide als Pazifisten aus dem Krieg kamen, begannen sie ab 1919 in Wien auszustellen. In den folgenden Jahren entwickelten sie sich in subjektiv gefärbten Varianten vom Expressionismus und Kubismus über die Neue Sachlichkeit bis hin zum Realismus der Nachkriegsjahre.

 

 

Expressionistische Buchprojekte und neusachlicher Sozialismus

Dem als „Madonnenmaler“ apostrophierten Carry Hauser war in dem von Roessler geleiteten Haus der jungen Künstlerschaft bereits 1919 eine erste Einzelausstellung gewidmet. Er stellte u. a. sein erstes Mappenwerk „Die Insel“ (1919) und kubistische Gemälde wie „Liebespaar“ (1919) aus. Auch er nutzte Buchprojekte wie „Landschaften“ (1923, gemeinsam mit Georg Philipp Wörlen), um seinen Überzeugungen Ausdruck zu verleihen. Im Vergleich zu Otto Rudolf Schatz zeigt sich Carry Hauser mehr von Otto Dix und George Grosz beeinflusst, deren Werke er auf einer Berlin-Reise studieren konnte und deren sozialistische Haltung er auch teilte.6 Die Weiterentwicklung vom Expressionismus zum Kubismus mit futuristischen Anklängen ist bei Hauser stärker ausgeprägt. Sein Themenspektrum reicht von Gewalt- und Drogenexzessen, Prostitution und Kriminalität zu urbanen Vergnügungen wie Zirkus, Tanz, Theater und Varieté. Gesellschaftskritik vermengt sich in diesen Arbeiten mit psychischen Extremzuständen, Gewaltphantasien und Erlösung. Traumatisiert vom Kriegseinsatz in Galizien und überzeugt von der Idee eines neuen Menschen, entwickelte Carry Hauser ein Werk auch jenseits der vielen Madonnen, darunter „Madonna vor der Stadt“ (1921) und „Wiener Madonna“ (1933), für die er heute bekannt ist.

Die expressionistische Formensprache der frühen 1920er Jahre von Otto Rudolf Schatz war von Egon Schiele (1890–1918), Oskar Kokoschka (1886–1980) und Anton Faistauer (1887–1930) geprägt, wurde aber auch „neben Schieles Schwager Anton Peschka zweifellos [als] der authentischste Jünger unter den Nachfolgern des jung verstorbenen Genies [i. e. Schiele]“7 angesehen. Die erste Einzelpräsentation von Schatz fand 1920 in Max Hevesis Galerie auf der Mariahilfer Straße statt. Hier zeigte sich der Maler mit Grafikmappen im Eigenverlag und als passionierter Holzschnittkünstler. In den folgenden Jahren entstanden in enger Zusammenarbeit mit Roessler Illustrationen zu dessen „Stimmung der Gotik“, dem von Roessler aktualisierten Text vom „Ackermann und dem Tod“ sowie zu einem „Altdeutschen Weihnachtsspiel“ im Avalun-Verlag. In Zusammenhang mit Secession und Hagenbund erfreute sich die Druckgrafik großer Beliebtheit und hatte im Expressionismus „nicht nur qualitativ, sondern auch, dank der Aktivitäten zahlreicher Buch- und Graphikverlage, hinsichtlich der kommerziellen Verwendungsmöglichkeiten [ihre] beste Zeit“8.

 

 

Großstadt als wichtiges Motiv im Expressionismus

Maler und Schriftsteller Carry Hauser trat bereits 1921 mit dem „Buch von der Stadt“ auch als Autor an die Öffentlichkeit. Bild und Text gehen eine interessante Verbindung ein. Während die Farbigkeit mit Blau, Rot und Gelb fast heiter wirkt, sind Körper und Architektur miteinander schon verwachsen, gibt die Textebene einen völlig anderen Blick auf das Leben in der Stadt frei. Wie auch in Werken der deutschen Expressionisten häufig anzutreffen,9 schildert Hauser die Stadt als menschenverschlingenden Moloch. Er verhandelt die urbane Anonymität, die Gewalt auf der Straße, die Armut des Proletariats, den rasenden Verkehr, den Lärm der Industrie, die Weltflucht in Bordell und Drogenrausch. Im Gegensatz zu den in der Anklage verharrenden Werken der Kollegen, vertrat Carry Hauser jedoch die Meinung von einem Happy End und einer christlichen Erlösung, nachdem der Mensch versucht hätte, sich „mit der Stadt auseinanderzusetzen“10.

Auch der „Kraftmensch“11 Otto Rudolf Schatz widmete ebenfalls ein Hauptwerk der Stadt - allerdings mit den Vorzeichen ihrer verbesserten Lebensbedingungen durch den sozialen Wohnbau im Roten Wien: „Die Neue Stadt“ (1926/27) erschien als 74-seitiger Prachtband in der Büchergilde Gutenberg. Der Arbeiterdichter Josef Luitpold Stern (1886–1966) beschreibt darin eine soziale Utopie, Schatz schuf die begleitenden Buchillustrationen und die Typografie. Schatzʼ Holzschnitte12, die Industriebilder der zweiten Hälfte der 1920er Jahre dürfen ebenfalls in diesem Zusammenhang gesehen werden.

 

Hagenbund und Notgemeinschaft für Kunst und Schrifttum

Im Jahr 1900 neben der Wiener Secession und dem Künstlerhaus als dritte wichtige Künstlervereinigung in Wien gegründet13, wurde der Hagenbund zu einem Sammelbecken moderner Künstler_innen. Schon im Jahr 1923 trat Carry Hauser dem Hagenbund bei und wurde rasch Funktionär: 1925 zum Vizepräsidenten gewählt, 1927/28 Präsident, erneut Vizepräsident 1935 und 1937 und Vorstandsmitglied bis zur Auflösung des Vereins durch die Nationalsozialisten 1938. Otto Rudolf Schatz wurde erst 1928 Mitglied, auch wenn er schon zuvor im Hagenbund ausstellte. Im Gegensatz zu Hauser war Schatz jedoch ein zurückgezogen lebender Einzelkämpfer, der zwar gesellig aber kein „Vereinsmeier“ war.

Auch bei der 1932 gründeten Notgemeinschaft für Kunst und Schrifttum waren beide Künstler Mitglieder. Einer der Initiatoren war Hauser, Mitglieder neben Schatz waren unter anderen Arthur Brusenbauch, Richard Harlfinger, Felix Albrecht Harta, Clemens Holzmeister sowie Franz von Zülow.

 

Anpassung – Verfolgung – Flucht

 

„Eine in sich geordnete Gemeinschaft, wie sie durch den ständischen Aufbau erreicht werden soll, wird auch dem Schaffen der Künstler wieder jenen Raum geben, der notwendig ist, damit der Künstler seiner Pflicht dem Volke gegenüber nachkommen kann. […] Dann werden es zutiefst die gleichen natürlichen Gesetze sein, welche das Volk gestalten und seine Kunst!“14 (Carry Hauser, 1938)

 

Otto Rudolf Schatz und Carry Hauser waren mit Frauen aus jüdischen Familien verheiratet, wurden aufgrund ihrer politischen Einstellung mit Berufs- und Ausstellungsverbot belegt, Hauser ins Schweizer Exil gedrängt und Schatz im KZ Bistritz interniert. Bereits während des Ständestaates (ab 1933) entschied sich Schatz die USA zu bereisen und in seinen Gemälden in die innere Emigration zu gehen. Er malte fortan vor allem politisch harmlose Stadtansichten. Carry Hauser hatte in diesen Jahren noch Erfolg in Wien. Er arrangierte sich mit dem Ständestaat und wurde Treuhänder des Referates Bildende Kunst im Vaterländischen-Front-Werk Neues Leben. Noch 1938 erschein sein Buch „Von Kunst und Künstlern in Österreich“, in dem er Schiele, Kokoschka aber auch Otto Rudolf Schatz als charakteristische Künstler Österreichs anführte und den Staat mahnte, die Freiheit der Künstler nicht zu beschneiden. Dass Carry Hauser auch Künstler wie Herbert Boeckl, Georg Merkel, Franz Wiegele, Wilhelm Thöny und Fritz Schwarz-Waldegg als wichtige Vertreter der österreichischen Moderne anführte, offenbarte zudem die Haltung des erklärten Gegners des Nationalsozialismus.

Das Nationalsozialistische Regime reagierte nach der Machtübernahme mit aller Härte. Beide Künstler wurden mit Berufs- und Ausstellungsverbot belegt. Schatz floh über Brünn nach Prag, wo er sich mit Hilfe von Miniaturen in altmeisterlicher Manier sowie Bilderserien und Künstlerbüchern mit teils erotischen Inhalten über Wasser hielt. Hauser emigrierte in die Schweiz und betätigte sich vor allem als Schriftsteller. Im November 1944 wurden Schatz und seine Frau von der Gestapo verhaftet und ins Arbeitslager Klettendorf überstellt. Anschließend werden sie in die Lager Gräditz sowie Dworschowitz und schließlich ins Konzentrationslager Bistritz verschleppt, wo sie im Mai 1945 durch die russische Armee befreit wurden.

 

Zurück in Wien

Ab November 1945 hielt sich Otto Rudolf Schatz wieder in Wien auf, Carry Hauser folgte im Jahr 1947. Hausers „Wiener Madonna im Wiederaufbau“ (1947), das Jesuskind spielt mit einem Ziegelstein (oder betrachtet es ihn nur angestrengt?) und in einer Fuge sprießt schon wieder eine Blume, während der Dachstuhl des Stephansdoms im Hintergrund noch nicht gedeckt ist, gilt den Ausstellungsmachern als Symbol für das Wiedererstehen Österreichs nach den Gräueln des Zweiten Weltkriegs. Die beiden tauchen in mannigfaltigen Variationen im Werk Hausers auf, in der Schau sind „Wiener Madonna vor dem kriegszerstörten Wien“ (1947) und „Wiener Madonna im Bombenhagel“ (1950) zu sehen.

Für beide Wiener Künstler wurde Viktor Matejka, kommunistischer Stadtrat für Kultur und Volksbildung, zum wichtigsten Förderer, da er ihnen Aufträge für Kunst-am-Bau überabtwortete. So gestalteten Carry Hauser das Mosaik „Befreiung Österreichs“ (1956) im 18. Bezirk und „Die Künste. Entwurf für ein Mosaik“ (1954) sowie Schatz „Die 100.000ste Wiener Gemeindebauwohnung“ (1955–1957) im 16. Bezirk oder „Die Entwicklung der Eisenbahnen. Entwurf für das Mosaik“ (1957, Alexander-Nehr-Gasse 2, 1090 Wien) in der gleichen Technik. In der Ausstellung ist die Nachkriegszeit durch Entwürfe und Fotografien der Kunst-am-Bau-Projekte sowie Städtebilder in Öl präsent.

 

 

Biografie von Otto Rudolf Schatz (1900–1961)

Am 18. Jänner 1900 wurde Otto Rudolf Schatz als drittes Kind von Emil Schatz, Postoffizial, und Maria Helene (geb. Zachar) in Wien geboren.
1915–1917 Eintritt in die Kunstgewerbeschule, Studium u. a. der Allgemeinen Formenlehre bei Oskar Strnad und Ornamentalen Formenlehre bei Franz Cizek, Fachklasse Schrift und Heraldik bei Rudolf von Larisch, Aktstudium bei Anton von Kenner.
1918 Austritt aus der Kunstgewerbeschule; März bis November freiwilliger Kriegsdienst.
1919 Ab Jänner Wiederaufnahme des Studiums an der Kunstgewerbeschule, welches er nach drei Monaten frühzeitig beendet.
1920 Erster Vertrag von Otto Rudolf Schatz mit dem Wiener Kunsthändler Max Hevesi. Die Galerie Gurlitt in Berlin stellte Schatz’ Arbeiten aus.
1921 Beginn der Zusammenarbeit mit Arthur Roessler.
1922 Im von Roessler geleiteten Avalun-Verlag erschien „Der Ackermann und der Tod“ mit 12 Holzschnitten von Schatz. Zu Arthur Roesslers „Die Stimmung der Gotik“ schaffte Schatz 20 Holzschnitte. Zu seiner Neuübersetzung von Roesslers „Altdeutschem Weihnachtsspiel“ lieferte Schatz die Holzschnitte, das Buch wurde jedoch nicht publiziert.
1923 Mappenwerk von 12 Holzschnitten (Landschaften) mit Text von Erica Tietze-Condrat. Schatz schloss einen Vertrag mit Kunsthändler Otto Kallir-Nirenstein, der im selben Jahr in der Grünangergasse, 1010 Wien, die Neue Galerie gründete.
1924 Erste Einzelausstellung in der Neuen Galerie. Bekanntschaft mit dem Volksbildner Josef Luitpold Stern. Erste Ausstellungsbeteiligung im Hagenbund.
1925 Bekanntschaft mit Ernst und Walter Fischer, Franz Schacherl und Erich Leischner. Arbeit für Büchergilde Gutenberg: 9 Holzschnitte für „Im Satansbruch“ von Ernst Preczang. Otto Rudolf Schatz trat aus der röm.-kath. Kirche aus.
1926 Schatz schnitt Text und Bild zu Josef Luitpold Sterns „Der entwurzelte Baum“ in Holz und Beginn von Illustrationen zu Luitpolds Arbeiterkalendern.
1927 In der Büchergilde Gutenberg Josef Luitpold Sterns „Die neue Stadt“ publiziert. Schatz gestaltete 74 Schrift- und Bildseiten in Holzschnitttechnik.
1928 Schatz wurde Mitglied im Hagenbund. Preczangs zunächst unveröffentlichtem Prachtband „Die Stimme der Arbeit“ schaffte er Text und Bild in Holzschnitten. Beginn der Illustrationstätigkeit in „Der Sozialdemokrat“ und „Der jugendliche Arbeiter“.
1929 Im Strom-Verlag Wien erschienen in der Reihe „Roman-Rundschau“ mehrere Broschüren mit den Holzschnitten von Schatz: „Phantastische Nacht“ von Stefan Zweig (Bd. 2), „Der Unsichtbare“ von H. G. Wells (Bd. 3), „Vagabunden“ von Jack London (Bd. 5), „Marco Polos Millionen“ von Frank Heller (Bd. 6).
1930 Festdekoration zur Feier des 1. Mai im Mozartsaal, Ausstellungsbeteiligung „Die Kunst in unserer Zeit“ der Gesellschaft zur Förderung moderner Kunst in Wien im Künstlerhaus.
1931 Ausstellung „Moderne Kunst in Österreich“ in den Räumen des Hagenbundes und Ausstellungsbeteiligung „Das neue Fresko“ im Salzburger Festspielhaus.
1932 Cover und Holzschnitt zu „Klasse im Kampf“ von Karl Schröder. Schatz wurde Mitglied der Notgemeinschaft für Kunst und Schrifttum.
1934 Nach dem Bürgerkrieg floh Luitpold nach Brünn. Im Dezember Heirat mit Valerie Wittal, die aus einer Industriellenfamilie in Brünn stammte.
1936 Im November Antritt einer Reise nach New York bis Frühjahr 1937.
1937 Reise nach Paris; Hagenbundausstellung in Graz mit New York-Bildern; Holzschnitte zu Upton Sinclairs „Co-op“, dem letzten von der Büchergilde vor der Auflösung publizierten Roman.
1938 Floh mit seiner Frau nach Brünn ins Exil. Dem folgte der Ausschluss aus dem Künstlerverband und Berufsverbot. Beschaffte sich Malutensilien im Schleichhandel. Malte teilweise unter tschechischem Pseudonym (Sindelar und O. Cervenka).
1939 Schatz und seine Frau reichten das Einwanderungsgesuch für Amerika beim amerikanischen General in Prag ein, das sie später zurückzogen.
1940 Übersiedlung nach Prag.
1941 Aquarellserie „Das war der Prater“.
1944 Aquarellserie „Zlata Praha“. Schatz und seine Frau wurden an die Gestapo verraten und in das Zwangsarbeitslager Klettendorf gebracht.
1945 Als Gefangene Verlegung nach Gräditz ins Außenlager von Rosen, dann nach Dworschowitz und zuletzt ins Konzentrationslager Bistriz bei Beneschau. Mit Kriegsende wurde das Lager von sowjetischen Truppen befreit. Seine Frau Valerie ließ sich scheiden und blieb in Prag. Schatz kehrte im November nach Wien zurück. Förderung durch Kulturstadtrat Viktor Matejka.
1946 Matejka verschaffte Otto Rudolf Schatz Aufträge für Illustrationen in der kommunistischen Zeitschrift „Das österreichische Tagebuch“. Er bot Schatz eine Professur an der Akademie der bildenden Künste an, die dieser aber aufgrund politischen Widerstandes nicht erhielt.
1947 Holzschnitte zu „Jakob der Letzte“ von Peter Rosegger. Otto Rudolf Schatz erhielt den Würdigungspreis der Stadt Wien für Malerei und Grafik. Einzelausstellung im Konzerthaus „Otto Rudolf Schatz, Malerei und Graphik“, die Eröffnungsrede hielt Matejka.
1948 Künstlerische Gestaltung der Ausstellung „Wien 1848“ und malerische Ausgestaltung von Schloss Weinberg.
1949 Die Aquarellserie „Das war der Prater“ erschien im Globus-Verlag als Buch.
1950 Schatz begann seine Kunst-am-Bau-Tätigkeit in Wien mit dem Sgraffito an einem Wohnhaus in 1120 Wien; Illustrationen zu „Neun Kinder aus Österreich“ von Karl Ziak.
1951 Fresken für das Restaurant im neu gebauten Wiener Westbahnhof.
1952 Wandmalerei in Kaseinfarben in der Städtischen Schule 1220 Wien, Stadlau-Hirschstetten. Sgraffito „10.000 neue Wiener Gemeindebauwohnungen“ in der Paulinengasse, 1180 Wien. Die Akademie der bildenden Künste gab dem Antrag Stadtrat Mandls statt, Schatz den Professorentitel zu verleihen.
1952–1955 Reisen nach Maribor, Tarvis, Venedig und zum Brenner.
1954 Mosaik und Sgraffito mit Alltagsszenen in der Geiselbergstraße, 1110 Wien.
1955 Ankauf von 7 Ölbildern durch die Stadt Wien. Mosaik „100.000 neue Wiener Gemeindewohnungen“ im Franz-Novy-Hof, Koppstraße 97–101, 1160 Wien, Fertigstellung 1957.
1956 Restaurierung von Wandbildern in der Städtischen Bücherei Sandleiten, die er 1927/28 geschaffen hatte. Illustrationen zu „Europasommer“ von Josef Maderner.
1957 Zahlreiche Mosaike für das Kunst-am-Bau-Programm.
1961 Arbeiten an den Illustrationen zum Buch „Österreich-Panorama“. Otto Rudolf Schatz starb am 26. April an Lungenkrebs.

 

Biografie von Carry Hauser (1895–1985)

Am 16. Februar 1895 wurde Karl (später: Carl) Maria Hauser als zweites Kind des Diplomaten Karl Hauser und der Lehrerin Maria Hauser, geb. Linke, geboren.
1910–1912 Besuch der K. K. Graphischen Lehr- und Versuchsanstalt in Wien und Besuch eines Abendkurses an der k.k. Kunstgewerbeschule unter der Leitung von Franz Cizek.
1912–1914 Eintritt in die Kunstgewerbeschule (heute: Universität für angewandte Kunst), wo Carry Hauser Allgemeine Formenlehre bei Oskar Strnad, Akt bei Anton von Kenner, Ornamentale Formenlehre bei Franz Cizek sowie Schrift und Heraldik bei Rudolf von Larisch studierte.
1914 Im November trat Hauser als einjährig Freiwilliger in den Kriegsdienst beim Deutschmeisterregiment ein.
1915–1917 An der Front in Galizien und in der Bukowina, dann Ostfront in Russland.
1918 Ausstellungsbeteiligung an der Regimentsausstellung in Troppau (heute: Opava). Bekanntschaft mit dem Dichter Franz Theodor Csokor.
1919 Beginn der Zusammenarbeit mit dem Verlag der Wiener Graphischen Werkstätte. Exklusivvertrag mit Arthur Roessler mit Vorkaufsrecht. Erste Einzelausstellung im Haus der jungen Künstlerschaft unter der Leitung von Arthur Roessler. Bühnenbilder für Csokors „Die Rote Straße“ (Uraufführung im Stadttheater Brünn 1921). Lebte und arbeitete abwechselnd in Wien und in Hals bei Passau. Mitbegründer und Leitungsmitglied der Künstlervereinigung „Die Freie Bewegung“ in Wien.
1920 Lernte den Maler und Grafiker Georg Philipp Wörlen in Hals kennen. Reisen nach München und Berlin.
1921 Mitbegründer der Künstlervereinigung „Der Fels“, mit der er sieben Mappenwerke produzierte.
1912 Heirat mit Gertrud Herzog (Oktober), einer Altphilologin und Pädagogin. Arthur Roessler war Trauzeuge.
1923 Gründungsmitglied der Gesellschaft zur Förderung moderner Kunst in Wien unter der Leitung von Hans Tietze; Mitglied im Künstlerbund Hagen, kurz Hagenbund, und dortige Ausstellungsbeteiligung. Bühnenbild für „Die ungöttliche Komödie“ von Z. Krasiński, bearbeitet von Csokor. Illustrationen für Else Feldmanns Fortsetzungsroman „Der Leib der Mutter“, der 1924 in der Arbeiter-Zeitung erschien.
1925 Gründung der Handpresse Officina Vindobonensis gemeinsam mit Robert Haar. Diverse Holzschnitte für Titelblätter der Zeitschrift Österreichs Bau- und Werkkunst unter der Redaktionsleitung von Roessler.
1926 Präsident Hagenbund Ehrenpreis der Stadt Wien für „Christus am Ölberg“.
1927 Arbeit mit Otto Kallir-Nirenstein (Geschäftsführer des Hagenbunds); Illustrationen in der Zeitschrift „Musikblätter des Anbruchs“. Bühnenbild für „Woyzeck – Versuch einer Vollendung“ von Csokor nach G. Büchner.
1928 Erneut Präsident des Hagenbundes, Rücktritt im Oktober nach Uneinigkeit mit Nirenstein.
1930 Plakat für Jubiläumsausstellung Hagenbund. Ausstellungsbeteiligung „Die Kunst in unserer Zeit“ der Gesellschaft zur Förderung moderner Kunst in Wien im Künstlerhaus.
1931 Bühnenbildentwürfe u. a. für „Gesellschaft der Menschenrechte“ von Csokor, „Der Hauptmann von Köpenick“ von Carl Zuckmayer. Ausstellungsbeteiligung „Das neue Fresko“ im Salzburger Festspielhaus.
1932 Im Frühjahr Gründung der Notgemeinschaft für Kunst und Schrifttum.
1935 Geburt des Sohnes Heinz. Treuhänder des Referates Bildende Kunst im Vaterländische-Front-Werk „Neues Leben“.
1936 Ernennung zum Professor h. c.; Verleihung des Ritterkreuzes des Österreichischen Verdienstordens; Bühnenbildentwürfe für Österreichische Länderbühne; Reise nach Rom mit dem Generalsekretär der Vaterländischen Front, Guido Zernatto.
1937 Als Treuhänder des Referates Bildende Kunst protestierte Carry Hauser gegen die Gründung der nationalsozialistischen Vereinigung Bund Deutscher Maler Österreichs.
1938 Auflösung des Hagenbundes und damit Austritt aus dem Vorstand des Hagenbundes. Publizierte „Von Kunst und Künstlern in Österreich“. Berufs- und Ausstellungsverbot durch die Nationalsozialisten.
1939 Lehrangebot an Hauser von der Kunstschule Melbourne, dem er wegen des Kriegsausbruchs jedoch nicht folgen konnte. Aufgrund der jüdischen Herkunft seiner Frau war die Familie zur Flucht ins Ausland gezwungen. Flucht der Ehefrau in die Niederlande, Flucht Hausers in die Schweiz. Vorrangig Tätigkeit als Autor (u. a. autobiografscher Roman „Zwischen Gestern und Morgen“).
1941 „Eine Geschichte vom verlorenen Sohn“ (veröffentlicht 1945). Illustrationen für „Die Bacchantin“ von Maurice de Guérin.
1942 Entwurf für das Wandbild „Hl. Christophorus am Simplonpass“. Altarbilder in St.-Joseph-Kirche/Flims-Waldhaus.
1944 Uraufführung „Advent Spiel“; Bühnenbild für „Das Gottes Spiel“ von H. F. Schell. Mitbegründer der Frei-Österreich-Bewegung.
1946 Hausers Frau und sein Sohn Heinz durften in die Schweiz kommen.
1947 Rückkehr nach Wien mit Familie. Unterstützung durch Viktor Matejka. Ausstellung seiner Werke ab 1938 in Lincoln/USA. Bühnenbild für „Wenn sie zurückkommt“ von Csokor. Mitbegründer des Neuen Hagenbundes, zu dessen erster Ausstellung Carry Hauser das Plakat entwarf.
1949 Würdigungspreis der Stadt Wien für Malerei und Grafik. Fresko „Befreiung Österreichs“ (in der Wohnhausanlage Simonygasse 2b, 1180 Wien).
1950 Beteiligung an Ausstellung des Neuen Hagenbundes in der Secession. Mitbegründer der Föderation moderner bildender Künstler Österreichs.
1951 Beteiligung an der ersten Biennale von São Paolo (BR). Rücktritt als Präsident des Neuen Hagenbundes.
1952 Generalsekretär des Österreichischen PEN-Clubs.
1953 „Die vier Lebensalter“ (Mosaik, Märzstraße, 1150 Wien)
1954 „Hirtenknabe, Fischerknabe“ (Mosaik, Voltagasse, 1210 Wien), Illustration für „Das Weltbild der Moderne“ von Karl Renner.
1955 Auftrag des Unterrichtsministeriums für ein Porträt Rudolf Kassners.
1956 „Befreiung Österreichs“ (Mosaik in der Wohnhausanlage Simonygasse 2b, 1180 Wien)
1960 Gestaltung der Relieffiguren der 11 Glocken im Stephansdom.
1963 „Freude am Wasser“ (Mosaik für das Theresienbad, 1120 Wien), Verleihung der Goldenen Ehrenmedaille der Stadt Wien.
1967 Erste Afrika-Reise (von vielen).
1977 Verleihung des Ehrenzeichens für die Verdienste um die Befreiung Österreich.
1979 Verleihung des Ehrenkreuzes für Wissenschaft und Kunst.
1985 Ehrenring der Stadt Wien; Ausstellung „Carry Hauser zum 90. Geburtstag. Eine Rehabilitation“ an der Hochschule für angewandte Kunst, Wien (6.–18. Februar).
Carry Hauser starb am 28. Oktober 1985 in Rekawinkel/NÖ.

 

Otto Rudolf Schatz und Carry Hauser: Ausstellungskatalog

Ralph Gleis (Hg.)
mit Beiträgen von Christoph Bertsch, Cornelia Cabuk, Ralph Gleis, Wolfgang Kos
ISBN: 9783701733842
Residenz Verlag

Beiträge zur Kunst der Neuen Sachlichkeit

20. Februar 2019
Aenne Biermann, Blick aus meinem Atelierfenster, Detail, vor 1930 (Foto: Sibylle Forster, Stiftung Ann und Jürgen Wilde, Pinakothek der Moderne, Bayerische Staatsgemäldesammlungen, München)

Pinakothek der Moderne: Aenne Biermann. Vertrautheit mit den Dingen München zeigt Hauptvertreterin des Neuen Sehens

Für die Autodidaktin Aenne Biermann (1898–1933) war die Kamera ein Mittel sich den Dingen und Situationen ihrer Lebensumwelt anzunähern. Das in nur wenigen Jahren entstandene Werk zählt heute zu den Hauptwerken der Fotografie des Neuen Sehens und der Neuen Sachlichkeit. Die Pinakothek der Moderne zeigt Werk und Werdegang der Künstlerin.
5. Februar 2019
Gert H. Wollheim, Abschied von Düsseldorf, Detail, 1924, Öl auf Leinwand, 160 × 185 cm (Kunstpalast, Düsseldorf, © Jutta Osterhof / Nachlass des Künstlers, Foto: Kunstpalast - Horst Kolberg – ARTOTHEK)

Düsseldorf Kunstpalast: Das Junge Rheinland „Zu schön, um wahr zu sein“ der Düsseldorfer Kunstszene bis 1933

Ausstellung im Kunstpalast 2019: Das Junge Rheinland, Künstlervereinigung 1919-1933 in Düsseldorf: Künstler und Künstlerinnen, Kunstrichtungen, Auflösung.
4. Februar 2019
Christian Schad, Halbakt, Detail, 1924 (Von der Heydt-Museum, Wuppertal, © Christian Schad Stiftung Aschaffenburg / VG Bild-Kunst, Bonn 2018)

Bucerius Kunstforum zeigt Kunst von Otto Dix bis August Sander Neues Sehen – Neue Sachlichkeit: Wechselwirkung von Fotografie und Malerei der Weimarer Republik in Hamburg

Nach 1918 etablierte sich mit der Neuen Sachlichkeit in der Malerei sowie dem Neuen Sehen in der Fotografie eine moderne Stilrichtung, die eine sachliche und realistisch-veristische Wiedergabe anstrebte und sich so vom Expressionismus bzw. Piktorialismus abgrenzte. In der Gegenüberstellung von Gemälden und Fotografien aus dieser Epoche spürt die Ausstellung den Wechselbeziehungen zwischen den Medien nach. Sie untersucht die Themenkomplexe Porträt, Stadtansichten, Stillleben, Industrie und Technik sowie politische Fotomontage, in der sich die gesellschaftlichen Spannungen dieser turbulenten Epoche exemplarisch verdichten.

Aktuelle Ausstellungen

15. März 2019
Leopold Museum Wien 1900: Schiele, Klimt, Sigmund Freud

Leopold Museum: Wien um 1900. Urquell der Moderne Neuaufstellung der Sammlung: Wiener Kunst von 1880 bis 1930

Die umfassende, sich über drei Ebenen erstreckende Ausstellung präsentiert den Glanz und die Fülle künstlerischer und geistiger Errungenschaften einer Epoche.
14. März 2019
Maurice Denis, Poetische Arabeske, oder: Die Leiter im Laub, Detail, 1892, Öl/Lw, auf Holzpaneel montiert, 235 x 172 cm (Saint-Germain-En-Laye, Musée départemental Maurice Denis / Christian Jean)

Musée du Luxembourg: Nabis und die dekorativen Künste Gemusterte Flächigkeit in Malerei und Wandschmuck

Das Musée du Luxembourg widmet erstmals den dekorativen Werken der Nabis eine Ausstellung. Les Nabis (hebr. Propheten) – allen voran Pierre Bonnard, Edouard Vuillard und Félix Vallotton – strebten die Überwindung der Trennung von bildender und angewandter Kunst an.
12. März 2019
Peter Paul Rubens, Das Martyrium des hl. Andreas, Detail, um 1638/39, Öl/Lw, 305 x 216 cm (ohne Rahmen) (Fundación Carlos de Amberes, Madrid)

Rubens’ Martyrium des hl. Andreas im Museo Thyssen Spätwerk des flämischen Malers im Kreis der Rubens-Sammlung

Peter Paul Rubens' monumentales Spätwerk zu Gast im Museo Nacional Thyssen-Bornemisza. „Das Martyrium des hl. Andreas“ ergänzt die Rubens-Sammlung um eine dramatische Gewaltszene.
  1. Siehe: Ralph Gleis, Otto Rudolf Schatz und Carry Hauser. Versuch einer konstruktiven Konfrontation, in: Ralph Gleis (Hg.), Otto Rudolf Schatz und Carry Hauser. Im Zeitalter der Extreme (Ausst.-Kat. Wien Museum, 2016), Wien 2016, S. 8.
  2. Die erlösenden Afrika-Bilder des „Gottesmalers“ Hauser, dessen Madonnen an Chagalls Blau erinnern, oder auch Otto Rudolf Schatzʼ erotische Kompositionen wurden aus Platzmangel ausgespart.
  3. Schatz und Hauser schufen Gemälde, Holzschnitte, Buchkunst/Illustrationen, arbeiteten mit Typografie und im Bereich der Werbegrafik, entwarfen Plakate, Mosaike, Bühnenbilder und Kirchenfenster!
  4. Der Kunsthistoriker und Kulturschafende betätigt sich als Journalist und Kritiker etwa für die Arbeiter-Zeitung wie auch als einflussreicher Mitarbeiter in den führenden Galerien Miethke und Pisko. Ab 1919 leitet er das Haus der jungen Künstlerschaft in den Räumen der ehemaligen Galerie Miethke sowie den von ihm mitbegründeten bibliophilen Avalun-Verlag. Ausst.-Kat. S. 50.
  5. Viktor Matejka wurde unmittelbar nach dem Krieg für die kommunistische Partei tätig. Der als kunstaffin und tatkräftig Charakterisierte gehört selbst zu den politisch Verfolgten und überlebt seine Deportation ins KZ Dachau, wo er von 1938 bis 1944 inhaftiert war. Nach Kriegsende war er von 1945 bis 1949 als Stadtrat für Kultur und Volksbildung und bis 1954 im Gemeinderat tätig. Legendär ist sein Aufruf an die Künstlerschaft sowie Wissenschaftler_innen im Exil, sich aktiv am Wiederaufbau Österreichs zu beteiligen. Siehe S. 146.
  6. Darauf weist auch das verschollene Gemälde „Ermordung der Rosa Luxemburg“ (1920) sowie ein „Porträt von Karl Marx“ in der Arbeiter-Zeitung (1924) hin. Siehe Ausst.-Kat., S. 11.
  7. Zitiert nach Matthias Boeckl, Expressionismus, engagierte Kunst, humaner Realismus. Das Œuvre von Otto Rudolf Schatz im Kontext der Moderne, in: Matthias Boeckl, Dietrich Kraft, Otto Rudolf Schatz, 1900–1961, Weitra 2010, S. 27–42, S. 31.
  8. Erich Fitzbauer, Carry Hauser. Ein Großer der verlorenen Generation, in: Illustration, Zeitschrift für die Buchillustration 63 (1987) 2. Zitiert nach Ausst.-Kat., S. 10.
  9. Es sei nur kurz auf Max Beckmanns „Berliner Reise“ und Ernst Ludwig Kirchners „Berliner Straßen“-Szenen verwiesen.
  10. „Wie wir uns aber nicht unserer Vernunft entledigen können, so können wir auch nicht gegen die Stadt ankämpfen, sondern müssen trachten uns mit ihr auseinanderzusetzen […] So setzt sich z. B. Georg Gross [sic] mit der Stadt und ihrem Leben auseinander, leider aber nur im negativen Sinn, indem er die Gemeinheit der Zeit zeigt, ähnlich auch K. Kraus, wenn auch in höheren und der Harmonie näherem Sinne.“ Zitiert nach Ebenda S. 13.
  11. So Direktor Matti Bunzl über Otto Rudolf Schatz in seiner Eröffnungsrede.
  12. Zu den wichtigsten Publikationen von Otto Rudolf Schatz gehören: „Der Ackermann und der Tod“ (1922), 20 expressionistische Holzschnitte in „Die Stimmung der Gotik“ (1922) und das nicht erschienene Buch „Altdeutsches Weihnachtsspiel“ (1922), „Moseszyklus“ (1925), „Im Satansbruch“ (1925) von Ernst Preczang, „Der entwurzelte Baum“ (1926), „Reise um die Welt“ (1926), „Kinderbuch Zirkus“ (1927), „Stimme der Arbeit“ (1928) mit Texten von Ernst Preczang, „Co-op“ (1937).[7note] sind zentraler Bestandteil seiner politisch orientierten Kunst. Nach ersten persönlichen Kontakten mit linken Denkern 1924/25 widmete er sich in seinen Werken Themen wie Arbeitslosigkeit, Armut und Ausbeutung des Proletariats. Schatz trat aus der katholischen Kirche aus und lieferte zahlreiche Illustrationsgrafiken für sozialistische Publikationen[note]Arbeiter-Zeitung, den Sozialdemokraten, den Jugendlichen Arbeiter sowie für den Arbeiterkalender.
  13. Die vierte ist die Vereinigung bildender Künstlerinnen aus dem Jahr 1910, die bis heute in der Maysedergasse 2/4. Stock, 1010 ihr Lokal hat.
  14. Zitiert nach Ausst.-Kat., S. 14.
Alexandra Matzner
Gründerin von ARTinWORDS * 1974 in Linz, Studium der Kunstgeschichte, Geschichte und Romanistik in Wien und Rom. Seit 1999 Kunstvermittlerin in Wien, seit 2004 Autorin für verschiedene Kunstzeitschriften. Jüngste Publiktionen entstanden für das Kunsthaus Zürich, Schirn Kunsthalle Frankfurt, Albertina und Belvedere in Wien.