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Leopold Museum: Deutscher Expressionismus Die Sammlungen Braglia und Johenning zu Gast in Wien

August Macke, Frauen im Park (mit weißem Schirm), Detail, 1913 (© Stiftung Renate und Friedrich Johenning Foto Linda Inconi–Jansen)

August Macke, Frauen im Park (mit weißem Schirm), Detail, 1913 (© Stiftung Renate und Friedrich Johenning Foto Linda Inconi–Jansen)

Zu Beginn des 20. Jahrhunderts wurde die Emotion zum Stilmittel: Beobachten hieß Empfinden. Triebgesteuert und jenseits von allen akademischen Kanons bannten junge Rebellen aus der Dresdner Künstlergemeinschaft „Die Brücke“ Seelenlandschaften auf die Leinwand. In Auflehnung gegen die industrialisierte Gesellschaft und ihre Konventionen strebten sie zudem eine naturbezogene Lebensreform an. Der Umkreis der Herausgeber des Münchner Almanachs „Der Blaue Reiter“ begab sich währenddessen auf die Suche nach einer neuen Innerlichkeit in der Kunst, die das rein Intuitive gleichermaßen gelten ließ wie die kultivierte Vernunft.

Auch unabhängig von den beiden wichtigen Gruppierungen wurde freilich der Schönheitsbegriff hinterfragt und erweitert. Den Farben kam dabei eine entscheidende Rolle zu: Ob grell leuchtend oder dämmrig und trüb, wirkten sie anstelle der Helldunkelkontraste als Hauptvehikel der Bilddramaturgie. Werke des deutschen Expressionismus haben an ihrer suggestiven Wirkung bis heute nichts eingebüßt.

Leopold Museum: Deutscher Expressionismus

In der Ausstellung werden rund 130 Exponate aus der Schweizer Sammlung Braglia und der deutschen Sammlung Johenning erstmals in Wien präsentiert, darunter Werke von Emil Nolde, Max Pechstein, Ernst Ludwig Kirchner, Erich Heckel, Wassily Kandinsky, Alexej von Jawlensky, Marianne von Werefkin, August Macke, Franz Marc, Paula Modersohn-BeckerPaul Klee und Lionel Feininger (→ Lyonel Feininger / Alfred Kubin).

Leopold Museum. Deutscher Expressionismus: Bilder

  • August Macke, Frauen im Park (mit weißem Schirm), 1913 (© Stiftung Renate und Friedrich Johenning)
  • Marianne von Werefkin, Die Allee, um 1917 (© Fondazione Gabriele e Anna Braglia, Lugano)
  • Alexej von Jawlensky, Heilandsgesicht seelische Melodie, 1922 (© Stiftung Renate und Friedrich Johenning)
  • Emil Nolde, Sommergäste, 1938–1945 (© Fondazione Gabriele e Anna Braglia, Lugano)

Beiträge zum Expressionismus

30. April 2020
Ernst Barlach, Der Asket, Kopf, 1925

Dresden | Albertinum: Ernst Barlach Barlach in Dresden fokussiert auf das Frühwerk, seine Verfemung und Rezeption nach 1945

Zum 150. Geburtstag des deutschen expressionistischen Bildhauers, Zeichners, Grafikers und Autors Ernst Barlach (1870–1938) wird die erste derart umfangreiche Retrospektive seines höchst einflussreichen Œuvres in Dresden stattfinden.
5. April 2020
Chaïm Soutine, Das Dorf, um 1923, Öl/Lw, 73,5 x 92 cm (Musée de l'Orangerie, Paris © RMN-Grand Palais (Musée de l'Orangerie) / Hervé Lewandowski)

Paris | Musée de l’Orangerie: Soutine – De Kooning Französischer und amerikanischer Expressionismus zwischen Figur und Abstraktion

Im Rahmen dieser Ausstellung wird insbesondere die Auswirkung der Malerei von Soutine, einem russischen Maler der Pariser Schule, auf die künstlerische Vision des amerikanischen Malers niederländischer Herkunft beleuchtet.
20. März 2020
Wassily Kandinsky, Kallmünz – Gabriele Münter beim Malen I, Detail, Sommer 1903 (Städtische Galerie im Lenbachhaus und Kunstbau München)

München | Lenbachhaus: Wassily Kandinsky – Gabriele Münter Frühe Reisen des Künstlerpaars zwischen 1904 und 1908

Wassily Kandinsky und Gabriele Münter – wir kennen sie als zentrale Figuren der Künstlerformation „Der Blaue Reiter“. Bereits vor dieser Zeit verband die beiden eine enge künstlerische Beziehung. Die Ausstellung widmet sich erstmals ihren gemeinsamen Wegen in den Jahren von 1902 bis 1908.

Aktuelle Ausstellungen

19. Mai 2020
Raffael, Selbstporträt, Detail, um 1506, Öl-Holz, 47,5 x 33 cm (Uffizien, Florenz)

Rom | Scuderie del Quirinale: Raffael Größte Raffael-Ausstellung 2020

Die Raffael-Ausstellung in den Scuderie in Rom wird vermutlich die wichtigste Ausstellung des Raffael-Jahrs 2020. Die Scuderie und arbeiten für die Raffael-Ausstellung mit den Gallerie degli Uffizi und dem Palazzo Pitti in Florenz zusammen.
15. Mai 2020
Paula Modersohn-Becker, Mädchenbildnis mit gespreizter Hand vor der Brust, Detail, um 1905 (© Von-der-Heydt-Museum, Wuppertal)

Lindau | Kunstmuseum: Paula Modersohn-Becker und Otto Modersohn „Paula & Otto – Kunst und Liebe im Aufbruch“

Paula Modersohn-Becker (1876-1907) und Otto Modersohn (1865-1943) ist das bedeutendste deutsche Künstlerpaar des frühen 20. Jahrhunderts. Das Kunstmuseum Lindau präsentiert 2020 das faszinierende Thema von Liebe und Kunst im Aufbruch zur Moderne.
14. Mai 2020
Jasper Johns

Potsdam | Museum Barberini: Jasper Johns „The 100 Monotypes”

Anlässlich seines 90. Geburtstags am 15. Mai 2020 würdigt ihn das Museum Barberini mit der Präsentation seiner jüngsten Serie „The 100 Monotypes“, die begleitend zu seinem Werkverzeichnis (Wildenstein-Plattner Institut, 2017) entstanden ist.
Alexandra Matzner
Gründerin von ARTinWORDS * 1974 in Linz, Studium der Kunstgeschichte, Geschichte und Romanistik in Wien und Rom. Seit 1999 Kunstvermittlerin in Wien, seit 2004 Autorin für verschiedene Kunstzeitschriften. Jüngste Publiktionen entstanden für das Kunsthaus Zürich, Schirn Kunsthalle Frankfurt, Albertina und Belvedere in Wien.