Hermann Nitsch

Wer ist Hermann Nitsch?

Hermann Nitsch (* 1938) ist ein Hauptvertreter des Wiener Aktionismus. Mithilfe des Konzepts des Orgien Mysterien Theaters erweiterte er die Malerei zur Aktion, bezog religiöse Symbole wie geschlachtete Lämmer, Blut und alle anderen Körperflüssigkeiten, Damenbinden ein. Die Funktion der Kunst als Heilerin der Gesellschaft steht im Zentrum seiner Überlegungen. Hermann Nitsch zählt zu den bekanntesten Künstlern Österreichs.

Nitsch lehrte von 1989 bis 2003 wurde als Professor für interdisziplinare Kunst an die Städelschule in Frankfurt am Main (ohne Lehrstuhl). Ab 1993 leitete er biennal eine Klasse für Malerei an der Internationalen Sommerakademie in Salzburg. 2007 wurde das nitsch museum in Mistelbach in Niederosterreich eröffnet. Seit 2008 gibt es das Museo Hermann Nitsch in Neapel. Die Nitsch Foundation in Wien (gegr. 2009) vermittelt die Position des Künstlers und seines Gesamtkunstwerks. Hermann Nitsch wurde die Ehrenprofessur (1995), der Österreichische Staatspreis sowie die Ehrenmedaille der Bundeshauptstadt Wien in Gold (2005) verliehen.

 

Kindheit und Ausbildung

Hermann Nitsch wurde am 29. August 1938 in Wien geboren und wuchs in Großjedlersdorf (21. Wr. Gemeindebezirk) auf. Nitschs Vater fiel 1944 im Zweiten Weltkrieg. Der Großvater, der Ingenieur Johann Nitsch, wurde für Nitsch zum Vaterersatz. Johann Nitsch vermittelt seinem Enkel das Interesse am Zeichnen.

Nach dem Pflichtschulabschluss besuchte Hermann Nitsch zwischen 1953 und 1958 die Höhere Graphische Lehr- und Versuchsanstalt, Klasse Gebrauchsgrafik, in Wien und setzt sich mit Literatur und Lyrik, Musik und Philosophie aber auch der Kunstgeschichte auseinander. Zu seinen Lieblingskünstlern gehörten: Tizian, Michelangelo Buonarroti, El Greco, Jacopo Tintoretto, Rembrandt van Rijn, Pierre-Auguste Renoir, Vincent van Gogh, Paul Cézanne, Edvard Munch, Hans von Marées, Max Klinger, Gustav Klimt, Egon SchieleOskar Kokoschka und Richard Gerstl. Die frühesten Werke von Hermann Nitsch entstanden während seines Studiums. Er paraphrasierte meist Werke Alter Meister wie beispielsweise Rembrandts Druckgrafik der „Kreuzigung“ (1955/56), die er in bunte Farben tauchte. Auffallend ist, dass diese durchwegs figurativen Bilder religiöse Sujets zeigen und rund um die Passion Christi kreisen.

Nitsch begann zudem zu schreiben und plante ein „Ur-Drama“, das alle großen Themenbereiche des Seins umfassen sollte und später als Orgien Mysterien Theater bekannt wurde. Während des letzten Jahres an der Graphischen Lehr- und Versuchsanstalt lernte er Rudolf Schwarzkogler kennen, mit dem er sich anfreundete.

 

Das Orgien Mysterien Theater: der Anfang

Kern des künstlerischen Werks von Hermann Nitsch ist das Orgien Mysterien Theater [O.M.T.]. Das ist ein sechs Tage dauerndes Festspiel, mit dem sich Hermann Nitsch bis heute ständig beschäftigt und in dem sich alle seine künstlerischen Bestrebungen sammeln. Reale Geschehnisse werden inszeniert. Alle fünf Sinne der Spielteilnehmer werden direkt beansprucht.

„Grundanliegen dieses breit angelegten Gedankengebäudes sind eine Intensivierung der Lebenserfahrung und eine dadurch gesteigerte Daseinsfreude, als Mystik des Seins, bei der die Kunst Funktionen der Religion übernimmt“1, fasst Eva Badura-Triska das O.M.T. zusammen.

Der direkte Kontakt mit Ekel auslösenden Dingen (Tierkadaver, Blut, Urin), mit tabusierten Vorgängen (Schlachtung, Menstruation), mit intensiven Gerüchen, das Schreien, das Hören von Musik führen, so Nitsch, zu einem intensivierten Seinserlebnis. Im Exzess, im O.M.T. mithilfe eines intensiven Abreaktionserlebnisses realisiert, können Triebe ausgelebt und aufgestaute Energie entladen werden. Auf diese Reinigung (Katharsis) folgt Heilung. Hermann Nitsch stellt sich damit in die Denktradition von Friedrich Nietsche, Sigmund Freud, C. G. Jung. Anregung fand er in Mythen, im Christentum (symbolisches Opfer Christi), in alten Kulten.

Noch während seines Studiums, 1957, entwickelte Hermann Nitsch die Idee für das Orgien Mysterien Theater. Für diese eine neue Form eines Gesamtkunstwerkes gab er bis 1960 sogar das Malen auf. Leben und Kunst sollen miteinander verschmelzen, weshalb er 1959 „Ordensregeln“ für eine vom Konzept des O.M.T. bestimmte Lebensweise entwarf. Im gleichen Jahr entdeckte er bei Verwandtenbesuchen das Barockschloss in Prinzendorf an der Zaya, das er als Zentrum und Spielort des Orgien Mysterien Theaters bestimmte. Erst als Nitsch 1960 drei „Abreaktionsspiele“ geschrieben hatte, konnte er sich wieder der Arbeit mit Farben zuwenden und die Malerei in das Konzept integrieren. „Abreaktionsspiele“ sind aufführbare „Lehrstücke“, in denen die inhaltlichen und formalen Grundgedanken des O.M.T. durchgespielt und so verdeutlicht werden.

 

Frühe Werke: Rinnbilder

Im Jahr 1958 erhielt Hermann Nitsch eine Anstellung als Grafiker am Technischen Museum Wien und entwickelte die Idee des Orgien Mysterien Theaters. Das Orgien Mysterien Theater ist eine neue Form eines Gesamtkunstwerkes, für das er bis 1960 das Malen aufgab.

Die Ausstellung „Junge Maler der Gegenwart“ (1959) im Künstlerhaus Wien mit Werken von Antoni Tàpies, Willem de Kooning, Sam Francis, Jackson Pollock, Georges Mathieu, Pierre Soulages, Jean-Paul Riopelle, Yves Klein, Arnulf Rainer, Josef Mikl und Wolfgang Hollegha begeisterte Nitsch restlos. Sie war der Auslöser, sich erneut dem eigenen malerischen Schaffen zu widmen, um sich der Vision vom Gesamtkunstwerk zuerst über die informelle Malerei und den Raum anzunähern. Daher kehrte Hermann Nitsch erst 1960 wieder zur Malerei zurück, allerdings plante er, sie in die Konzeption des Orgien Mysterien Theaters zu integrieren.

„Das innerste, vielleicht gar nicht erkannte Anliegen des Tachismus lag im Dionysisch-Dynamischen, lag in einer psychischen Erregung, die Lustaufwallung, die Enthemmung, die Ekstase, dieLösung tief liegender Stauungen sollten sich darstellen.“2 (Hermann Nitsch)

Hermann Nitsch nutzte einen Raum im Technischen Museum als Atelier. Neben dem Einfluss von Abstraktem Expressionismus und Informel – vor allem den performativen Malakten von Georges Mathieu in Wien – forderten die Übermalungen von Arnulf Rainer Hermann Nitsch zu einer Reaktion heraus. Es schuf zunächst kleinformatige pastose Arbeiten, Rinnbilder unter anderem in Wachs. Diese Werke präsentierte er im Herbst 1960 in seiner ersten Ausstellung im Loyalty Club, Wien. Neben Wachsbildern stellte Nitsch sieben kleinformatige Rinnbilder aus, die er als „Kleiner Existenzaltar“ bezeichnete und 1981 in Kreuzform hängte (→ Hermann Nitsch in der Albertina).

 

Malaktionen

Am 18. November 1960 führte Hermann Nitsch die 1. Malaktion – von acht Malaktionen in den Jahren 1960 bis 1963 – im Technischen Museum Wien durch. In den ab 1960 entstehenden abstrakten Bildern setzte er sein intensives sinnliches und auf psychisches Erleben abzielendes Grundanliegen seiner Theateridee in der Malerei um. Dafür verschüttete er rote Farbe, wobei ihm der Prozess der Bildentstehung und das sinnliche Erleben des Malmittels, der Farbe weniger wichtig waren als das Ergebnis. In einigen dieser Gemälde integrierte Hermann Nitsch noch Worte und Zeichen. Die Malaktion wurde in Film und Fotografien festgehalten. Hermann Nitsch schuf im Rahmen dieser Aktion die frühesten Werke der „Kreuzwegstationen“.

Im ersten Halbjahr 1961 führte Nitsch weitere drei Malaktionen durch; die 2. und 3. fanden im Technischen Museum statt, die 4. Malaktion am 12. Juli 1961 im Atelier Nitsch in der Mitterhofergasse, Wien. Für die 4. Malaktion trug Nitsch zum ersten Mal ein kuttenartiges weißes Gewand und weitete seinen Aktionsradius auf den gesamten Raum aus: Er hatte das Atelier mit weißem Packpapier bespannt. Im Dezember organisierte er die Ausstellung „Vier Kreuzwegstationen und theoretische Manifestation. Die Kunst als religionsgleiche und mystische Auseinandersetzung mit der Existenz“ in der Galerie Fuchs. Die Bekanntschaft mit Otto Muehl und Adolf Frohner brachte die Protagonisten des Wiener Aktionismus zusammen. Hermann Nitsch und Otto Muehl organisierten in den folgenden Jahren mehrere Aktionen in ihren Ateliers und Wohnungen.

 

„Die Blutorgel“

Hermann Nitsch bezog 1962 ein Atelier mit einer Länge von neun Metern in der Brunner Straße in Wien Floridsdorf. Dessen Größe ermöglichte ihm, erstmals großformatige Bilder zu „malen“. Die in den ersten zwei Jahren eher ruhig wirkenden Rinnbilder erfuhren eine dynamische Steigerung aufgrund des veränderten Schaffensprozesses. Hermann Nitsch begann 1962, die Farbe auf die Leinwände zu Schütten, mit Pinseln, Schwämmen oder auch den Händen die Farbmasse zu gestalten bzw. auseinander zu treiben. Die Spuren des Farbauftrags lassen sich als ein Spritzen oder Aufschlagen, als eine Explosion beschreiben. Dafür setzte er verdünnte Farbe ein und konzentrierte sich auf den Farbton Rot.

Ende Mai veröffentlichten Adolf Frohner, Otto Muehl, Hermann Nitsch und der Psychoanalytiker Josef Dvorak unter dem Pseudonym Fritz Graf das Manifest „Die Blutorgel“ in Form eines gedruckten Faltblattes. Darin legen sie ihre Konzepte dar, distanzieren sich im akademischen Kunstbegriff und laden zur Eröffnung, der sogenannten „Ausmauerung“, am 4. Juni in das Kellerlokal in der Perinetgasse ein. Hier befand sich Otto Muehls Kelleratelier. Im Rahmen der Veranstaltung „Die Blutorgel“ (1.–4.6.) ließen sich die Wiener Aktionisten Frohner, Muehl und Nitsch in der Perinetgasse „einmauern“. Während einer viertägigen Arbeitsklausur schufen sie Skulpturen und Nitsch arbeitete am „Blutorgelbild“. Am 4. Juni fand Nitschs 7. Malaktion statt. Das „Blutorgelbild“ (190 x 900 cm, Stiftung Galerie für Zeitgenössische Kunst Leipzig) ist das erste Schüttbild Nitschs mit Blut als Malmittel. Nachdem er die weiße Leinwand mit roter Farbe in einer Aktionsmalerei bearbeitet hatte, nagelte Hermann Nitsch einen Lammkadaver mit dem Kopf nach unten davor. Das gehäutete Tier wirkt wie gekreuzigt. Darunter stand ein kleiner Tisch, auf dem Nitsch Gedärme und Innereien positionierte. Alles wurde mit Blut und heißem Wasser beschüttet.

 

Von der Aktionsmalerei zur Aktion

Im nächsten Schritt zog Hermann Nitsch noch den menschlichen Körper in seine dramatischen Aktionen mit ein – und begann mit sich selbst. Am 19. Dezember realisierte Nitsch in Muehls Wohnatelier in der Oberen Augartenstraße 14a, Wien seine 1. Aktion, bei der er sich, in eine weiße Kutte gekleidet, ans Kreuz binden und von Muehl mit schwarzer Farbe beschütten ließ (Dauer: 30 Minuten). In den Fotografien sieht die Farbe wie Blut aus. Erstmals stellt er eine Synthese zwischen Aktionsmalerei und Kreuzigungsopfer her, die ein Grundmotiv der Orgien Mysterien Theaters ist.

Am 8. Marz 1963 fand anlässlich der Eröffnung der Galerie des Psychoanalytikers Josef Dvorak in der Lagergasse, Wien, die 2. Aktion von Hermann Nitsch statt. Hierbei handelt es sich um die erste öffentliche Aktion des Wiener Aktionismus! Hermann Nitsch beschüttete u. a. ein von der Decke hängendes Lamm mit Blut. Als er den toten Tierkörper zum Schaukeln brachte, spritzte das Blut auf die Bilder und das Publikum. Die in dieser Ausstellung präsentierten Aktionsmalereien hatte er in der Woche davor in der Kellergalerie geschaffen. Im Mai führte Nitsch die achte und letzte der frühen Malaktionen durch: Er grundierte Sackleinen mit weißer Schlämmkreide und lehnte sie an die Wände des Raums. In der Malaktion bemalte und beschüttete er den Malgrund.

Die 3. Aktion unter dem Titel „Fest des psychophysischen Naturalismus“ (28.6.1963) fand in der Perinetgasse, Wien, statt. Die Polizei brach die Veranstaltung nach der Aktion von Nitsch ab. Nitsch und Muehl kamen wegen Erregens öffentlichen Ärgernisses und Störung der öffentlichen Ordnung für 14 Tage in Haft (März/April 1965).

Die 4. Aktion fand am 21. November 1963 im privaten Rahmen in seinem Atelier in der Brünner Straße 132 statt. Nitsch beschüttete ein Lamm und zerriss es; zudem arrangierte er Material auf einem niedrigen Tisch. Die 4. Aktion war für die fotografische Dokumentation bestimmt. Ludwig Hoffenreich nahm sie auf; er wurde der Hauptfotograf des Wiener Aktionismus. Die bei den Aktionen im Jahr 1963 entstandenen Relikte collagierte Hermann Nitsch, indem er sie auf Jute montierte.

Die folgenden Malaktionen sind teils privat für die fotografische und filmische Dokumentation und teils in der Öffentlichkeit aufgeführt worden. Obwohl Muehl und Nitsch 1964 intensiv zusammenarbeiteten, begannen sie sich voneinander zu distanzieren. Mit der 8. Aktion (1965) begann Hermann Nitsch eine Serie von Körperaktionen, die für die fotografische Dokumentation bestimmt war. Zu seinen männlichen Modellen gehörte u. a. Rudolf Schwarzkogler und Heinz Cibulka. Eine Reise nach Deutschland machte ihn mit Wolf Vostell, Joseph Beuys, Ludwig Gosewitz, Bazon Brock, Markus Lüpertz bekannt. Angeregt von den Happenings in Deutschland, begann Hermann Nitsch in größerem Maßstab zu denken und die Aktionen an verschiedenen Orten und auch erstmals im Freien durchzuführen.

 

Durchbruch des Wiener Aktionismus

Der internationale Durchbruch der Wiener Aktionisten lässt sich zeitlich genau fixieren. Ihre Teilnahme beim „The Destruction in Art Symposium (DIAS)“ in London, das von Gustav Metzger veranstaltet wurde, machte Nitsch und seine Kollegen mit Kunstschaffenden wie Yoko Ono bekannt. In London führte Hermann Nitsch die 21. Aktion durch, die von der Polizei abgebrochen wurde. In den folgenden Jahren wurde Nitsch in die USA eingeladen (von Jonas Mekas), um Aktionen durchzuführen.

 

Orgien Mysterien Theater bis heute

Enttäuscht von der öffentlichen Reaktion auf seine Kunst verließ Hermann Nitsch 1967 Österreich, um mit seiner zweiten Ehefrau Beate König hauptsachlich in Deutschland zu leben (bis 1978). Die Vertreter von Happening und Fluxus ermutigten Hermann Nitsch das Konzept des Orgien Mysterien Theaters weiter auszubauen. So reagierte er auf die Veröffentlichung von Peter Gorsens Buch „Das Prinzip Obszön. Kunst, Pornografie und Gesellschaft“ (1969) mit der verstärkten Integration von blasphemischen Elementen in seinen Aktionen. Zudem entwarf er als Spielort eine riesige Höhlenarchitektur. Eine erste umfangreiche Publikation zum Orgien Mysterien Theater erschien 1969 mit Beiträgen von Peter Gorsen und Oswald Wiener. Hermann Nitsch stieg zu einem international anerkannten Künstler auf, was sich 1972 an der Einladung zur „documenta 5“ in Kassel ablesen lässt (von Harald Szeemann kuratiert). Rudi Fuchs lud Hermann Nitsch 1982 zum zweiten Mal auf die „documenta 7“ ein.

 

Schloss Prinzendorf

Hermann Nitschs Frau, Beate, kaufte mit ihrem Erbe 1971 Schloss Prinzendorf in Niederosterreich, wo er seither lebt und arbeitet. Hier inszeniert er seither das Orgien-Mysterien-Theater. Im folgenden Jahr erarbeitete er die erste 12-Stunden-Aktion (40. Aktion) im New Yorker Mercer Arts Center. Im Jahr 1973 fand das erste Pfingstfest, die 41. Aktion, in Prinzendorf statt. Damit wird das Orgien Mysterien Theater eröffnet. Das Pfingstfest wird seither traditionell jedes Jahr auf Schloss Prinzendorf und in dessen Umgebung gefeiert. Die Gründung des „vereins zur förderung des orgien mysterien theaters“ hat das Ziel das Sechs-Tage-Spiel auf Schloss Prinzendorf zu ermöglichen.

Wichtige Stationen bei der Realisierung des Orgien Mysterien Theaters

  • 1975 50. Aktion: erstes 24-Stunden-Spiel in Prinzendorf.
  • 1977 Beate Nitsch verunglückte bei einem Autounfall. Mit der 50. Aktion, „Requiem für meine Frau Beate“ in Bologna, gewinnt die Musik in Nitschs Lebenswerk an Bedeutung.
  • 1984 Die 80. Aktion, ein Drei-Tages-Spiel mit 18. Malaktion, findet vom 27. bis 30. Juli auf Schloss Prinzendorf statt.
  • 1998 Von 3. bis 9. August fand auf Schloss Prinzendorf das 6-Tage-Spiel des Orgien Mysterien Theaters (100. Aktion) gemeinsam mit der 41. Malaktion statt. Zum ersten Mal konnte Hermann Nitsch das O.M.T. in seiner von Anfang an konzipierten Länge von sechs Tagen und sechs Nächten realisieren.
  • 2004 120. Aktion: 2-Tage-Spiel des Orgien-Mysterien-Theaters in Prinzendorf.
  • 2005 Auf Einladung Direktor Klaus Bachlers bespielte Nitsch das Burgtheater mit einer großen Aktion, der Adaption des O.M. Theaters (122. Aktion).

 

Rückkehr zur Malerei

Nach einer fast 20-jährigen Malpause im ursprünglichen Sinn nutzte Hermann Nitsch 1983 die Leere des Schüttbodens in Schloss Prinzendorf für eine große Malaktion, bei der eine Reihe großformatiger, in Rot gehaltener Arbeiten entstand. Seither arbeitet Nitsch an verschiedenen Zyklen, in die er zunehmend auch Buntfarbe integriert. Die 56. Malaktion im nitsch museum, Mistelbach, war die bisher größte Malaktion des Künstlers: für den Zyklus „Kathedrale der Farben“ wurden 108 Leinwände auf 700 Quadratmetern beschüttet und beschmiert.

 

 

 

 

Literatur

  • Hermann Nitsch. Raume aus Farbe (Ausst.-Kat. Albertina, Wien, 17.5.–11.8.2019), Wien 2019.
  • Eva Badura-Triska, Die Erweiterung der Malerei. Vom Tafelbild zur Aktion, in: Eva Badura-Triska, Hubert Klocker (Hg.), Wiener Aktionismus. Kunst und Aufbruch im Wien der 1960er-Jahre, Köln 2012, S. 31–42.
  • Hubert Klocker, Hermann Nitsch. Biografie, in: Eva Badura-Triska, Hubert Klocker (Hg.), Wiener Aktionismus. Kunst und Aufbruch im Wien der 1960er-Jahre, Köln 2012, S. 383–389.
  • Hermann Nitsch, das orgien mysterien theater 2, theoretische schriften, partiturentwurf des 6 tagesspiels, Neapel, Reggio Emilia, München 1976.

Beiträge zu Hermann Nitsch

16. Mai 2019
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11. Mai 2019
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  1. Eva Badura-Triska, Die Erweiterung der Malerei. Vom Tafelbild zur Aktion, in: Eva Badura-Triska, Hubert Klocker (Hg.), Wiener Aktionismus. Kunst und Aufbruch im Wien der 1960er-Jahre, Köln 2012, S. 32.
  2. Hermann Nitsch, Zur Theorie des O. M. Theaters, in: Hermann Nitsch, das orgien mysterien theater 2, theoretische schriften, partiturentwurf des 6 tagesspiels, Neapel, Reggio Emilia, München 1976, S. 32.