Otto Mueller

Wer war Otto Mueller?

Otto Mueller (Liebau 16.10.1874–24.9.1930 Obernigk) zählt zu den bedeutendsten deutschen Malern des Expressionismus. Zwischen 1910 und Mai 1913 arbeitete er eng mit den nach Berlin übersiedelten Brücke-Künstlern. Nach dem Ersten Weltkrieg wurde er an die Staatliche Akademie für Kunst und Kunstgewerbe nach Breslau berufen, wo er bis zu seinem Tod 1930 eine Professur neben Oskar Schlemmer innehatte. Zu seinen bekanntesten Werken zählt die sogenannte „Zigeuner-Mappe“ aus dem Jahr 1927.

Ausbildung

Der am 16. Oktober 1874 in Liebau (Schlesien, Riesengebirge) als Sohn eines Leutnants und späteren Steuerberaters geborene Otto Muellerwuchs mit seiner Mutter und seinen Geschwistern auf dem Hof der Großeltern auf. Mit acht Jahren zog er zu seinem Vater nach Görlitz und schloss dort die Schule ab. Zwische 1890 und 1894 absolvierte Mueller in Görlitz eine Lithografenlehre. Danach studierte er bis 1896 an der Akademie in Dresden. 1896/97 unternahm Mueller Reisen in die Schweiz und nach Italien - gemeinsam mit Gerhart Hauptmann. Im Jahr 1898/99 hielt sich der Maler in München auf, wo er an der Königlichen Akademie der Bildenden Künstle studierte und in den Einflussbereich von Ludwig von Hofmann und Hans von Marées geriet. Als Franz von Stuck ihm die Genehmigung für das Studium entzog, kehrte Otto Mueller im Herbst 1899 wieder nach Dresden zurück.

Von 1900 bis 1903 hielt sich Otto Mueller im Riesengebirge auf, wo er sich autodidaktisch weiterbildete. Im Sommer 1901 fuhr er mit Gerhart Hauptmann und dessen drei Söhne nach Hiddensee, gefolgt von Laubegast und Rockaus bei Dresden 1903/04. Das Jahr 1906/07 verbrachte der Maler überwiegend bei Carl Hauptmann in Mitel-Schreiberhau. Zu diesem Zeitpunkt machte Mueller die Bekanntschaft mit der modernistischen Malerin Paula Modersohn-Becker.

Seine erste Ehefrau war Maria Mayerhofer, genannt Maschka, heiratete er 1905. Sie stand dem Maler oft Modell und blieb seine lebenslange Vetraute, obschon sich das Paar 1921 trennte, und Mueller zwei weitere Ehen einging.

Berlin

1908 übersiedelte Otto Mueller nach Berlin. Dort verkehte er im literarischen Zirkel des Fischer-Verlags, schloss Freundschaft mit Wilhelm Lehmbruck und traf Emil Orlik sowie Rainer Maria Rilke.

Die Galerie Gurlitt, Berlin, richtete 1909 Otto Muellers erste Einzelausstellung aus.

Zwei Jahre nach seiner Ankunft in Berlin nahm Mueller erstmals an der Ausstellung der Berliner Secession teil. Nach dem Eklat um Einreichungen expressionistischer Künstler gründete er 1910 gemeinsam mit anderen abgewiesenen Künstlern im April 1910 die Gruppe Neue Secession, der auch Heckel, Kirchner und Schmidt-Rottluff beitraten.

Otto Mueller und „Die Brücke“

Otto Mueller wurde 1910 mit den Mitgliedern der Gruppe „Die Brücke“ bekannt und trat der Künstlergemeinschaft noch Ende desselben Jahr als aktives Mitglied bei. Die Jury der Berliner Secession wies Muellers Gemälde - wie jene von Emil Nolde und den Brücke-Künstlern aber auch Arthur Segal, Moritz Melzer und Georg Tappert - von der Jahresausstellung 1910 zurück. Max Liebermann spottete über den Expressionismus, dass an dieser Stilrichtung „nur der Titel gut“ wäre.

Doch die Avantgarde ließ sich nicht abhalten, ihre Werke in der Galerie Macht zu präsentieren. Sie organisierten die  „Kunstausstellung Zurückgewiesener der Berliner Secession“ (Mitte Mai bis Mitte Juni 1910) im Berliner Kunstsalon Maximilian Macht, die von Publikum und Kritik grundweg abgelehnt wurde. Sofort nachdem Erich Heckel die Bilder Muellers entdeckt hatte, fuhr er in dessen Atelier, um ihn einzuladen, Mitglied der "Brücke" zu werden. Ernst Ludwig Kirchner und Max Pechstein lernten Otto Mueller ebenfalls bei der Ausstellung kennen und freundeten sich mit ihm an. Im September 1910 nahm Mueller bereits als Gast an der Ausstellung der "Bürcke" in der Galerie Ernst Arnold teil.

Mueller variierte ein Leben lang das Thema der Badenden in einer großen Anzahl von Gemälden, Zeichnungen und Druckgrafiken. Charakteristisch für Muellers Malerei ist sein großzügiger Umgang mit Farbflächen ohne Binnenzeichnung. In den folgenden Jahren entwickelte er einen Akttypus, den er bis in die späten 1920er Jahre beibehielt: Seine gelängten, schlanken Figuren haben eckige Gliedmaßen und einen abstrahierten Umriss. Köpfe mit spitzen Kinn und schräg gestellten Augen vervollständigen Muellers lyrische, sanfte Akte. Wichtige Inspirationsquellen dafür sind sowohls Lehmbrucks Frauentypus als auch Lucas Cranachs "Venus" (Städel Museum, Frankfurt), hatte Mueller doch eine Reproduktion dieses Werks in seinem Atelier hängen.
In Anlehnung an die altägyptische Wandmalerei des Neuen Reichs entwickelte Mueller eine besondere Technik der Leimfarben-Malerei, die seine Werke allerdings sehr fragil macht. Mit der Dresdner Brücke verbindet ihn die harmonische Existenz von Mensch und Natur.

1911 arbeitete Otto Mueller gemeinsam mit Kirchner im Atelier von Max Pechstein, im selben Jahr fuhr er mit Heckel und Kirchner Ende Juli für 14 Tage nach Böhmen. Im August besuchte Mueller seine Künstlerfreund Kirchner und Hecke in Moritzburg. 1912 hielt sich Otto Mueller gemeinsam mit Kirchner in Böhmen auf, im Sommer 1913 besuchte er ihn auf Fehmarn. In diesem Jahr stellte er auch gemeinsam mit dem "Blauen Reiter" aus. Auch nach Auflösung der "Brücke" 1913 blieb der den Mitgliedern freundschaftlich verbunden. Im Jahr 1923 arbeitete Mueller mit Heckel gemeinsam auf Föhr (Flensburger Förde).

Erster Weltkrieg

1915 wurde Otto Mueller zum Kriegsdienst eingezogen und diente in der Infanterie in Frankreich und Russland. Aufgrund einer Lungenentzündung 1917 wurde er vom aktiven Kriegsdienst befreit.

Seinen nationalen Durchbruch feierte Otto Mueller knapp nach dem Ende des Ersten Weltkriegs 1919 in Berlin. Kurz darauf wurde ihm eine Professur an der Staatlichen Akademie für Kunst und Kunstgewerbe in Breslau angeboten, die er annahm und zwischen 1919 und 1930 ausfüllte. Zu seinen Schülern zählten die Bauhäusler Emil Bartoschek und Walter Kalot.

Zigeuner-Mappe

Als Vorbereitung für die so genannte „Zigeuner-Mappe“ (1927) fotografierte Otto Mueller Sinti und Roma in Spalato und Sarajevo. Ob er auch an ihrem Leben teilnahm, wie vielfach vermutet und seiner Schwester Emmy berichtet wurde, kann nicht bestätigt werden. Vermutlich ließ er sich zu dieser Mappe aus neun Steindrucken während eines Aufenthalts im ungarischen Szolnok inspirieren.

Auf dem neunten Blatt der Serie machte er aus einer idyllischen Mutter-Kind-Szene im Titel eine „Zigeunermadonna“ - das Wagenrad im Hintergrund verwandelt sich in einen Heiligenschein. Zweifellos hat der Künstler viel Sympathie übrig für seine Modelle. Ähnlich wie Artisten und Schausteller waren und sind die Fahrenden bis heute vielen Vorurteilen ausgesetzt. Der ungehinderte Blick ermöglicht Kommunikation, die Art der Inszenierung nötigt wenn schon nicht Respekt so doch Akzeptanz ab. Ob sich in Muellers Darstellung der „Zigeunermadonna“ sein privates Drama um die Trennung von seiner zweiten Frau widerspiegelt? Elsbeth hatte Otto Mueller noch vor der Geburt ihres gemeinsamen Kindes verlassen und ihm keinen Kontakt zu seinem Sohn Joseph gewährt.

Tod

Otto Mueller starb im Alter von 55 Jahren am 24. September 1930 in der Lungenklinik Obernigk bei Breslau an Lungentuberkulose.

Beiträge zu Otto Mueller

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