Otto Mueller

Wer war Otto Mueller?

Otto Mueller (1874-1930) zählt zu den bedeutendsten Expressionisten der deutschen Malereigeschichte. Zwischen 1910 und Mai 1913 arbeitete er eng mit den nach Berlin übersiedelten Brücke-Künstlern. Nach dem Ersten Weltkrieg wurde er an die Staatliche Akademie für Kunst und Kunstgewerbe nach Breslau berufen, wo er bis zu seinem Tod 1930 eine Professur neben Oskar Schlemmer innehatte. Zu seinen bekanntesten Werken zählt die sogenannte „Zigeuner-Mappe“ aus dem Jahr 1927.

Otto Mueller und „Die Brücke“

Otto Mueller wurde 1910 mit den Mitgliedern der Gruppe „Die Brücke“ bekannt und trat der Künstlergemeinschaft noch im selben Jahr als aktives Mitglied bei. Die Jury der Berliner Secession wies Muellers Gemälde - wie jene von Emil Nolde und den Brücke-Künstlern - von der Jahresausstellung 1910 zurück. Max Liebermann spottete über den Expressionismus, dass an dieser Stilrichtung „nur der Titel gut“ wäre. Doch die Avantgarde ließ sich nicht abhalten, ihre Werke in der Galerie Macht zu präsentieren. Die „Zurückgewiesenen der Berliner Secession“, so der Titel, wurden von Publikum und Kritik grundweg abgelehnt. Max Pechstein und Erich Heckel lernten Otto Mueller bei der Ausstellung kennen und freundeten sich mit ihm an. Noch im gleichen Jahr verbrachten Otto Mueller und Ernst Ludwig Kirchner den Sommer gemeinsam in Böhmen. Charakteristisch für Muellers Malerei ist sein großzügiger Umgang mit Farbflächen ohne Binnenzeichnung. In den folgenden Jahren entwickelte er einen Akttypus, den er bis in die späten 1920er Jahre beibehielt: Seine gelängten Figuren haben eckige Gliedmaßen. Köpfe mit spitzen Kinn und schräg gestellten Augen vervollständigen Muellers lyrische, sanfte Akte.

Zigeuner-Mappe

Als Vorbereitung für die so genannte „Zigeuner-Mappe“ (1927) fotografierte Otto Mueller Sinti und Roma. Ob er auch an ihrem Leben teilnahm, wie vielfach vermutet wurde, kann nicht bestätigt werden. Vermutlich ließ er sich zu dieser Mappe aus neun Steindrucken während eines Aufenthalts im ungarischen Szolnok inspirieren. Auf dem neunten Blatt der Serie machte er aus einer idyllischen Mutter-Kind-Szene im Titel eine „Zigeunermadonna“ - das Wagenrad im Hintergrund verwandelt sich in einen Heiligenschein. Zweifellos hat der Künstler viel Sympathie übrig für seine Modelle. Ähnlich wie Artisten und Schausteller waren und sind die Fahrenden bis heute vielen Vorurteilen ausgesetzt. Der ungehinderte Blick ermöglicht Kommunikation, die Art der Inszenierung nötigt wenn schon nicht Respekt so doch Akzeptanz ab. Ob sich in Muellers Darstellung der „Zigeunermadonna“ sein privates Drama um die Trennung von seiner zweiten Frau widerspiegelt? Elsbeth hatte Otto Mueller noch vor der Geburt ihres gemeinsamen Kindes verlassen und ihm keinen Kontakt zu seinem Sohn Joseph gewährt.

Beiträge zu Otto Mueller

28. September 2018
Otto Mueller, Selbstbildnis mit Pentagramm, Detail, um 1924 (© Von der Heydt-Museum, Wuppertal, Foto: Antje Zeis-Loi, Medienzentrum Wuppertal)

Otto Mueller und die Malerei der Moderne zwischen Berlin und Breslau Deutsch-polnische Kunstgeschichte der 1920er Jahre

In den 1920er Jahren gab es zwischen der schlesischen Metropole Breslau und der damaligen Reichshauptstadt Berlin einen künstlerischen Austausch von europäischer Strahlkraft. Eine besondere Rolle spielte die Akademie für Kunst und Kunstgewerbe in Breslau. Dort unterrichteten etwa der Brücke-Expressionist Otto Mueller (1874–1930), der Bauhaus-Meister Oskar Schlemmer sowie Oskar Moll.
29. Dezember 2017
Ernst Ludwig Kirchner, Artistin – Marcella, Detail, 1910, Öl/Lw, 101 x 76 cm (© Brücke-Museum Berlin, Foto: Roman März)

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Die farbenfrohen Werke des Deutschen Expressionismus sind ein wichtiger Schwerpunkt der Sammlung Frieder Burda. Die Mehrzahl der in der Sonderausstellung ausgestellten Werke kommt aus dem Brücke Museum Berlin, ergänzt durch bedeutende Leihgaben aus internationalen Sammlungen, der Sammlung Frieder Burda und der Sammlung Franz Burda.
8. Oktober 2015
Karl Schmidt-Rottluff, Boote am Wasser (Boote im Hafen), 1913 © Courtesy of Osthaus Museum Hagen & Institut für Kulturaustausch, Tübingen.

Farbenrausch. Werke des deutschen Expressionismus Einführung in Malerei und Druckgrafik

Die Ausstellung „Farbenrausch. Meisterwerke des deutschen Expressionismus“ (Leopold Museum) bzw. „Radikal subjektiv“ (Barlach Haus Hamburg) präsentiert Gemälde, Zeichnungen und Druckgrafiken aus dem Karl Ernst Osthaus Museum in Hagen/Deutschland. Das Karl Ernst Osthaus Museum in Hagen bezieht sich in seiner Gründungsidee auf den gleichnamigen Sammler und Unterstützer der Moderne und Begründe des Folkwang Museums. Nachdem Karl Ernst Osthaus 1921 verstorben war, verkauften seine Erben Sammlung und Namen jedoch nach Essen. Der Verlust traf die Bürger der Stadt tief: Ab 1927 bauten sie eine neue Museumssammlung auf und gründeten dazu den Karl Ernst Osthaus Bund. Die zeitgenössische Multimedia Installation von Virgil Widrich am Beginn der Wiener Schau berauscht sich an den Farben der expressionistischen Werke.