Ottilie W. Roederstein

Wer war Ottilie W. Roederstein?

Ottilie Wilhelmine Roederstein (Zürich 1859-1937) war eine deutsch-schweizer Malerin zwischen akademischer Salonmalerei und Klassischer Moderne. In Berlin in Paris ausgebildet, stellte sie ab 1882 aus und vertrat die Schweiz auf den Weltausstellungen von 1889 und 1900.

Kindheit und Ausbildung

Ottilie W. Roederstein wurde 1859 als zweite Tochter des in Zürich ansässigen Kaufmanns Reinhard Roederstein und seiner Frau Alwina Roederstein geboren. Die Roedersteins stammten aus dem Rheinland und waren 1857 nach Zürich übersiedelt, da Reinhard Roederstein dort die Vertretung einer Barmer Textilfirma übernahm.

Durch den Schweizer Maler Eduard Pfyffer (1836–1899), der 1868/69 Porträts der Familie malte, und gemeinsame Besuche mit den Eltern in Münchener Museen fühlte sich Roederstein schon früh zur Malerei hingezogen. Jedoch widersetzte sich ihre Mutter dem Wunsch, Künstlerin zu werden, so dass Roederstein nach eigener Aussage „schwere Kämpfe“ austragen musste, bis der Vater schließlich doch einer Ausbildung zustimmte. Roederstein wurde 1876 in Pfyffers Atelier in Zürich aufgenommen, so konnte sie unter der elterlichen Obhut bleiben.

Die angehende Malerin machte schnell Fortschritte, besonders ihre Fähigkeit als Porträtistin zeigte sich bald. Die Heirat ihrer Schwester Johanna mit dem Berliner Geschäftsmann Voos gab Roederstein die Möglichkeit, nach Deutschland zu übersiedeln und dort im Haus der Schwester zu leben. Ende 1879 trat sie ins Damenatelier des zu dieser Zeit in Berlin bekannten Malers Karl Gussow (1843–1907) ein. Hier lernte sie ihre Freundin Anni Hopf (1861–1918) kennen, die ebenfalls bei Gussow ausgebildet wurde. 1882 hatte Roederstein ihre erste Ausstellung in einer Zürcher Kunsthandlung, die eine positive Kritik in der Presse fand.

Paris (1882-1887)

Da Anni Hopf im Jahr 1882 nach Paris umzog, wollte auch Ottilie W. Roederstein in der Kunstmetropole weiterstudieren. Sie erhielt die Erlaubnis ihrer Eltern, was ihr die Möglichkeit bot, sich aus der familiären Bindung zu lösen. Roedersrtein nahm Stunden in einem Damenatelier und besuchte private Abendkurse. 1884 wurde eines ihrer Werke im Pariser Salon gezeigt, auch in den Folgejahren wurden Gemälde angenommen. Bis zum Ende des Paris-Aufenthalts 1887 schaffte Ottilie W. Roederstein es, ihren Lebensunterhalt mit Auftragsarbeiten und dem Verkauf ihrer Bilder zu verdienen und vom Elternhaus finanziell unabhängig zu werden.

Zürich (1887-1891)

1887 übersiedelte Ottilie W. Roederstein zurück nach Zürich. 1889 war sie in der Schweizer Sektion auf der Weltausstellung in Paris vertreten, 1900 erneut. Beide Male erhielt die Malerin eine Silbermedaille.

Frankfurt (1891-1909)

1891 siedelte Ottilie W. Roederstein nach Frankfurt am Main über, wo sie mit ihrer Lebensgefährtin Elisabeth Winterhalter, der ersten deutschen Chirurgin, zusammenlebte. Sie engagierte sich im Vaterländischen Frauenverein und plante, die Mädchenausbildung zu verbessern. Im selben Jahr lernte Roederstein Käthe Kollwitz kennen. 1892 kam sie mit der Kronberger Malerkolonie in Kontakt. 1902 reiste sie nach Spanien und zeigte sich beeindruckt von Werken El Grecos und Diego Velázquez’.

Hofheim am Taunus (1909-1937)

1909 zog Ottilie W. Roederstein nach Hofheim am Taunus. 1913 erfolgte eine Reise nach Tunesien und Algerien. 1914 wurde der Frauenkunstverband als Berufsvertretung der bildenden Künstlerinnen gegründet, Roederstein war im Hauptvorstand.

Sie beteiligte sich erfolgreich an deutschen, Schweizer und französischen Kunstausstellungen, und ihre Werke verkauften sich gut. 1912 vertrat sie die Schweiz als einzige Künstlerin bei der epochalen internationalen Kunstausstellung des Sonderbundes in Köln – neben Giovanni Giacometti, Ferdinand Hodler und Cuno Amiet. Die erfolgreiche Malerin bot in ihrem Atelier in Hofheim angehenden Künstlerinnen eine Ausbildung an. Ottilie W. Roederstein war Mitglied im Frankfurt-Cronberg-Künstler-Bund. Gemeinsam mit Paul Klimsch und Rudolf Gudden stellte sie mehrmals im Gebäude des Frankfurter Künstlervereins aus. 1929 wurde sie mit der Ehrenbürgerwürde der Stadt Hofheim ausgezeichnet.

Tod

Die Künstlerin starb 1937 in Hofheim am Taunus.