Friedensreich Hundertwasser

Wer war Friedensreich Hundertwasser?

Friedensreich Hundertwasser (geb. Friedrich (Fritz) Stowasser, 1928–2000) war ein österreichischer Künstler, allen voran Maler, Haus-Gestalter und Umweltaktivist. Heute zählt er zu den bekanntesten Künstlern Österreichs, er ist eine „Ikone der Pop-Kultur“. Hundertwasser befand sich in den 1950ern am Hotspot Paris, nahm alle Einflüsse auf und erfand 1953 die doppelte Spirale als Symbol für die Vereinigung von Leben und Tod. Im Jahr 1962 vertrat Hundertwasser Österreich auf der XXXI. Biennale von Venedig (gemeinsam mit dem Bildhauer Joannis Avramidis). Mit der Aktion „Die Linie von Hamburg“ (1959) brachte er die Linie in den Raum und organisierte eines der ersten Happenings in Europa. Hundertwasser nahm 1964 an der documenta III in Kassel teil. Häufig belächelt im Kunstbetrieb ob der dekorativen Qualitäten seiner Bilder, zählt Friedenreich Hundertwasser zu den populärsten Künstlern des 20. Jahrhunderts. Zu seinen künstlerischen Vorbildern zählte er Giotto di Bondone, Gustav Klimt, Egon Schiele, Pablo Picasso, Paul KleeSalvador Dalí und Friedrich Schröder-Sonnenstern.

„Maler sein, ist etwas Ungeheures. Die Malerei gibt die Möglichkeit, in unerforschte Regionen vorzustoßen, die sehr, sehr weit weg sind von uns. Ich glaube, dass Malen eine religiöse Beschäftigung ist.“1 (Friedensreich Hundertwasser, 1971)

Von Friedrich Stowasser zu Friedensreich Regentag Dunkelbunt Hundertwasser

Friedensreich Hundertwasser wurde am 15. Dezember 1928 in Wien als Friedrich (Fritz) Stowasser geboren. Ab 1949 nannte er sich Hundertwasser, ab 1961 nutzte er den Vornamen Friedensreich („Friede-reich“ – „Friedenreich“ – ab 1968 „Friedensreich“). Ab 1972 kam der Name Regentag und 1979 in Neuseeland noch Dunkelbunt dazu.

Kindheit

Friedensreich Hundertwasser wurde am 15. Dezember 1928 in Wien als Friedrich (Fritz) Stowasser geboren. Im folgenden Jahr starb sein Vater, ein technischer Beamter und Offizier im Ersten Weltkrieg. Elsa Stowasser zog den Sohn allein auf. Die ersten Jugendzeichnungen entstanden bereits 1934. Als der sechsjährige Hundertwasser 1936 ein Jahr die Montessorischule in Wien besuchte, wurde dem Kind dort ein „außergewöhnlicher Farben- und Formensinn“ attestiert.

Nach dem „Anschluss“ Österreichs an den NS-Staat 1938 waren Hundertwasser und seine jüdische Mutter gezwungen, zu Tante und Großmutter in die Obere Donaustraße 12/14, im zweiten Wiener Gemeindebezirk, zu übersiedeln. Erste bewusste Buntstiftzeichnungen nach der Natur entstanden 1943. Im gleichen Jahr wurden 69 Familienangehörige Hundertwassers deportiert und ermordet, so auch die Tante und Großmutter. Hundertwasser tauchte als Hitlerjunge durch und konnte die Gewerbeschule besuchen. Später erklärte er:

„Ich war geschützt, weil ich Halbjude war, und meine volljüdische Mutter war geschützt, weil sie einen halbjüdischen Sohn hatte.“

Klimt, Kampmann, Schiele

Mitte Juni 1948 machte Hundertwasser die Matura (Abitur) und entdeckte in der notdürftig sanierten und gerade wiedereröffneten Albertina die Werke von Gustav Klimt, Walter Kampmann und Egon Schiele, die ihn tief beeindruckten. Von Walter Kampmann übernahm Hundertwasser die „Seelenbäume“, von Klimt den Hang zum Abstrakt-Ornamentalen und von Schiele einiges mehr.

„Ich schaute in den Spiegel und sah ein seltsames Lächeln. Da wusste ich, dass ich ein Großer bin.“ 2 (Friedensreich Hundertwasser, Kommentar über das Selbstporträt Nr. JW 135 (Wien, August 1948), 1974)

Wiener Akademie

Im Wintersemester 1949/50 studierte Hundertwasser drei Monate an der Akademie der bildenden Künste, wo er die Klasse von Robin Christian Andersen besuchte. Bereits im Oktober stellte er ein erstes Bild auf einer Studentenausstellung der Akademie in der Wiener Secession aus. In der Bibliothek entdeckte er die Schiele-Monografie von Otto Kallir (1930), die er begeistert las. Zehn Jahre später ist in einer ersten Publikation über Hundertwasser zu lesen:

„Das erste künstlerische Erlebnis verdankte er einer Egon Schiele-Ausstellung (1949 [sic!]). Aber den nachhaltigsten Eindruck muss Gustav Klimt auf ihn gemacht haben. Wir finden auf Hundertwassers Bildern Ornamente, die ihre Provenienz von dem großen Meister der Wiener Sezession (sic) nicht verleugnen können.“3

Ende des Jahres 1948 wurde Friedensreich Hundertwasser eingeladen, das „Salzburg Seminar of American Studies“ im Schloss Leopoldskron zu besuchen und einen Vortrag zu halten. Er referierte zum Thema „Everybody must be creative“, auch häufig als „Art is Always Changing [Die Kunst ist im ständigen Wandel]“ bezeichnet. Der selbstbewusste Junge lernte Sprachen gerne und leicht. Dies ermöglichte ihm später das Leben eines „globetrotters“. Ende Januar 1949 kehrte Hundertwasser nach Wien zurück und setzte sein Studium an der Akademie in der Klasse von Robin Christian Andersen fort.

Reise nach Italien (1949)

Am 14. April 1949 brach Friedensreich Hundertwasser zu einer Reise nach Italien auf. Nach gerade einmal drei Monaten in der Klasse von Andersen, machte er sich zu Fuß und per Autostopp auf den Weg, um die Kunst in Norditalien, Toskana, Rom, Neapel, Sizilien selbständig zu studieren. Im Süden angekommen, streifte Hundertwasser zuerst ein paar Monate lang umher, traf sich mit verschiedenen Künstlern und nahm Kunstwerke und Kulturdenkmäler aller Art in Augenschein. Einige der Zeichnungen, die er unterwegs machte, bezeugen die tiefen Eindrücke, die Siena und Assisi bei ihm hinterlassen hatten. In seiner Biografie wies er auch immer auf Keramikkacheln mit zerrinnenden Farben in einem kleinen Café in Rom hin, die ihn begeistert hätten. In Florenz schloss Stowasser Freundschaft mit dem etwas jüngeren Künstler René Brô und dessen Freundin und späteren Ehefrau Micheline.

Erster Aufenthalt in Paris (Spätsommer 1949–1950)

Im Spätsommer 1949 folgte Hundertwasser Brô nach Paris. Am 11. Dezember bat er seine Mutter, ihm Arthur Roesslers Buch über Schiele zu schicken – offensichtlich erpicht darauf, dieses zu besitzen und seinen Freunden zeigen. Weitere Exemplare vermittelte er an Freunde, um seine prekäre finanzielle Lage aufzubessern. Seine erste Ausstellungsbeteiligung erfolgte im Oktober in der Pariser Galerie Librairie Palmes. Um seinen eigenen Stil zu finden setzte sich Hundertwasser mit der Wiener Moderne auseinander sowie mit Kinderkunst, Art Brut und der Nachkriegsavantgarde in Mailand und Paris. Die Orientierung Hundertwassers an der Art Brut – wie dem Werk des Schweizers Adolf Wölfli (→ Jean Dubuffets Art Brut!) – und Kinderkunst darf nicht unterschätzt werden. Auch die japanische Kunst inspirierte Friedensreich Hundertwasser, sowohl die japanischen Farbholzschnitte des 19. Jahrhunderts (Ukijo-e) wie auch die zeitgenössische Kunst Japans, die stark vom Zen-Buddhismus geprägt war.

Seiner Mutter zuliebe schrieb sich Hundertwasser im Winter 1950 an der École nationale supérieure des beaux-arts de Paris ein, um bei Maurice Brianchon zu studieren. Doch nach nur einem Tag verließ er die Akademie wieder – sein neuer Lehrer, so will es die Legende, sagte ihm: „Du kannst hier nichts mehr lernen.“ Das hätte Hundertwasser gar nicht überrascht. (Mythos). Seine Briefe an die Mutter und Aktstudien belegen, dass er den Unterricht länger besucht haben muss. Ab Mitte Mai 1950 nannte er sich Friederich Hundertwasser (anstelle von Stowasser), um seine Geburt als Künstler zu markieren. Gemeinsam mit Brô malte Hundertwasser zwei Wandbilder in St. Mandé: „Paradies – Land der Menschen, Vögel und Schiffe“ sowie „Der wunderbare Fischzug“. In ihnen ist der Einfluss von Paul Klee nachweisbar.

Für Hundertwasser begann die Auseinandersetzung mit japanischer Kunst in Mailand 1949 mit den Farbholzschnitten von Hokusai und Hiroshige, zwei Druckgrafiker des 19. Jahrhunderts. Deren Blätter attestierte er „geniale Virtuosität“ und „Schönheit der Farbe“.4 Erst in Paris sollte Hundertwasser 1951 auf eine Gruppe von jungen, japanischen Künstlern stoßen, deren Philosophie seinen Auffassungen ähnlich war. Die ganzheitliche Weltauffassung, die Abkehr vom Ich, vom Subjektiven, die Konzentration und die Reinigung aber auch die positive Wirkung von Einsamkeit sollten in Europa und Amerika die Folgen von Konsumkultur, Rationalismus und Entfremdung heilen. Friedensreich Hundertwasser kam in Paris bald in Kontakt mit Shinkichi Tajiri und Akira Kito, die sich ebenfalls an der Art Brut orientierten und mit Drogen experimentierten. Akira Kito arbeitete mit Hundertwasser an „525 Tränenspirale mit Kito im Eck“ (1962) zusammen, was die enge Freundschaft der beiden belegt. Kumi Sugai vernetzte Hundertwasser mit einem Schreibwarenhersteller.

Die fragilen Skulpturen von Shinkichi Tajiri, einem amerikanisch-holländischen Bildhauer mit japanischen Wurzeln, wurden um 1950 bei CoBrA-Ausstellungen gezeigt. Er brachte Hundertwasser in Kontakt mit den CoBrA Künstlern Constant, Corneille und Pierre Alechinsky. Mit ihnen tauschte Hundertwasser Werke. Der Kontakt zu Yves Klein erfolgte über Pierre Restany, wobei sich Hundertwasser jedoch dem Einfluss Kleins entzog.

Während Hundertwassers „167 Die Stadt“ (1953) mit einer von Horizontalen und Vertikalen bestimmten Struktur an Werke von Corneille „Abstract Composition“ (1948) oder Constants „New Babylon Nord“ (1958) erinnert, zeigt „224 Der große Weg“ (1955) eine der berühmten Spiralen. Hundertwasser lernte den amerikanischen Musiker John Cage 1949 in Italien kennen. Auch Piero Manzonis „Linea m 15,81“ (September 1959), die titelgebende Linie ist mit Tusche auf Papier gezeichnet und in einer Kartonhülse zu einer unsichtbaren Spirale gerollt, dürfte für die Entwicklung von Hundertwasser eine große Rolle gespielt haben.

Reise nach Nordafrika und Rückkehr nach Wien

Hundertwasser reiste 1951 nach Marokko und Tunesien, wo er Winter und Frühjahr verbrachte. Er lernte die arabische Musik lieben, die er jeder anderen vorzog. Einflüsse sowohl der arabischen Kultur – darunter des naiven Malers Moulay Ahmed – wie auch der Kunst von Paul Klee (Reise nach Tunis 1914) machten sich in Hundertwassers Werk bemerkbar. Hundertwasser änderte sein Erscheinungsbild, indem er farbenprächtige, selbstgefertigte Kleidung trug.

Im September 1951 kehrte Hundertwasser nach Wien zurück und wurde in den Art Club aufgenommen. Dort lernte er Albert Paris Gütersloh und Wieland Schmied kennen, die den jungen Künstler förderten. Hundertwassers Teilnahme an der Ausstellung „Das gute Bild für Jeden“ im Künstlerhaus, Wien, hatte die erste positive Besprechung seiner Kunst zur Folge.

Bereits im folgenden Jahr hatte Friedensreich Hundertwasser seine erste Einzelausstellungen im Art Club Wien, „Hundertwasser. Malerei“ (5.–18.1. 1952) und der Galleria Sandri, Venedig (Februar 1952). In Wien hielt er die Eröffnungsrede „Mein Bestreben, mich vom allgemeinen Bluff unserer Zivilisation zu befreien“. In diesem ersten Manifest wetterte er gegen das Bildungswesen und den Zwang zur Gleichmacherei der Gesellschaft und rief zum Aufstand gegen die normierte Massenkultur auf, um eine universelle Schöpfung zu realisieren.

Friedensreich Hundertwassers zweite Ausstellung im Art Club Wien fand vom 10. bis 30. Januar 1953 statt. Im Katalog wurde sein Text „Wir sind nicht mehr fähig, Gleichnisse zum Leben zu schaffen“ veröffentlicht. Hundertwasser stellte die Collage „145 Die Werte der Straße“ aus, die alle Gegenstände vereint, die er auf einer 50 Meter langen Strecke eines Gehsteigs im Wiener Stadtzentrum zufällig fand.

„Wenn ich horizontal, flach, arbeite, ohne Leinwand, dann ist dies eine vegetabilische, erdgebundene Disziplin. Meine farbigen Linien sind wie die Lebensringe eines Baumstamms, wie natürliche Sedimente, wie organisches Wachstum.“5 (Friedensreich Hundertwasser)

Hundertwassers Spirale

Ende 1952 sah Hundertwasser auf der Wiener Universität den Dokumentarfilm „Images de la folie“, in dem der Regisseur und Psychotherapeut Enrico Fulchignoni Kunstwerke von schizophrenen Patient*innen des Pariser psychiatrischen Krankenhauses Sainte-Anne präsentierte. Eine Einstellung zeigt eine sich drehende Spirale (mit Op-Art Effekt). Von Gustav Klimts vegetabilen Formen vorbereitet, war Hundertwasser vom Schwindel ergriffen und entdeckte die doppelte Spirale als Symbol für Leben und Tod. Er verfasste in Erwartung seiner Ausstellung im Art Club seinen ersten theoretischen Text, in dem er die Rolle der Kunst in der Gesellschaft als einen Ersatz für die Wissenschaft und die Religion bestimmte. Friedensreich Hundertwasser malte im Juni 1953 in Stuttgart das Aquarell „163 Der Berg und die Sonne – Erstes Spiraloid“, das seine erste Spirale zeigt. Im August malte er im Garten von Brô „169 Das Blut das im Kreis fließt und ich habe ein Fahrrad“, seine erste in Öl gemalte Spirale, die er als „Hauptgleichnis für Leben und Tod“ ansah.6 Mit „224 Der große Weg“ (Belvedere) schuf Hundertwasser im Juni 1955 eines seiner Hauptwerke und die klassische Hundertwasser-Spirale. Er malte das Bild von der Mitte aus, schuf eine sich farbig wandelnde Linie, die Hindernisse umschifft, diese aber auch in sich aufnimmt. Erst 1956, anlässlich seiner zweiten Ausstellung bei Paul Facchetti in Paris (ab 13.4., Katalog: Ausstellungen sind die Bekenntnisse unserer Zeit“), verwendete Hundertwasser das Wort „spiralförmige Entwicklung“ in einem theoretischen Text. Die Spirale prägt als Hauptmotiv Hundertwassers Werk der Jahre zwischen Mitte 1953 und 1961. Danach wandte er sich von der abstrakten Malerei ab und erneut Häusern und Menschen zu, die er jedoch gerne mit Spiralen verband.

„Für mich ist die Spirale ein Symbol des Lebens. Ich glaube, die Spirale ist dort, wo die Materie aufhört zu sein und beginnt, etwas Lebendiges zu werden. Meine Spirale ist keine geometrische Spirale, sie ist eine biologische Spirale, die nicht mit dem Zirkel nachgemessen werden kann. Sie hat Ausbuchtungen, Widerstände und Partikel in der Mitte und an den Rändern. Meine Spirale wächst vegetativ.“7 (Friedensreich Hundertwasser, 1971)

Zwischen Mai und November 1974 führte Hundertwasser im Text „Die Spirale“, geschrieben in Wien, seine Gedanken weiter aus. Für ihn war die Spirale bereits seit Jahren ein Symbol des Lebens und des Todes. Als Vergleiche führte er Spiralnebel im Universum, spiralförmiges Wachstum der Kristalle und Moleküle an. Ihn faszinierte, dass eine Spirale ein scheinbarer Kreis ist, der sich nicht schließt, weil er doch nie zum gleichen Ursprungsort zurückkehrt. Von der stilisierten Spirale setzte sich der häufig mit der Wiener Moderne und vor allem dem Werk von Gustav Klimt in Zusammenhang gebrachte Künstler bewusst ab, empfand er diese doch als dekorativ. Sterile Geometrie bedeutete für Hundertwasser den Tod. Seine Spirale ist vegetativ. Hundertwasser ließ sich daher von der freien Hand leiten. Hundertwassers Spirale „ist eine vegetative Spirale, die Ausbuchtungen hat, wo die Linien dicker und dünner werden“8.

Zweiter Aufenthalt in Paris (1953)

Im Sommer hielt sich Friedensreich Hundertwasser zum zweiten Mal in Paris auf, wo er allein in Brôs Atelier in St. Maurice arbeitete. Dann zog er um in das nahegelegene Saint-Maindé zu Familie Dumage. In den folgenden sieben Jahren hielt er sich immer wieder als Gast bei den Dumage auf. In diesem Sommer war Hundertwasser sehr produktiv und schuf Werke wie „166 Auf der Sonnenseite der Straße“, „168 Der Fluss“, „170 Der Garten der glücklichen Toten“ und „173 Kathedrale II“.

Die zunehmende Anerkennung seiner Kunst brachte ihm 1953 eine Teilnahme an einer Gruppenausstellung im Studio Paul Facchetti, Paris, ein. In der Galerie lernte er den Kunstkritiker Pierre Restany kennen. Diese beschrieb später Hundertwassers Platz zwischen den Abstrakten der Schule von Paris, indem er die „gestische Aufzeichnung“ einer „beschreibenden Linie“ (Fahrradspur) von Hundertwassers Bildsprache als „Rand des kontrollierten Automatismus“ verortete. Hundertwasser selbst hatte seine ab dem Sommer 1953 entstandenen Spiral-Bilder mit dem täglich mit dem Fahrrad zurückgelegten Weg zu Paul Facchetti verglichen, den er um eine Ausstellung bat.

Hundertwassers erste Einzelausstellung in Paris bei Paul Facchetti, präsentiert von Julien Alvard, fand vom 29. Januar bis zum Februar 1954 statt. Der Katalog mit dem Titel „J’ai une bicyclette“ enthält Hundertwassers Text „Die gerade Linie führt zum Untergang“, in der sich Hundertwassers Hinwendung zur Kreis- und Spiralform schon deutlich ausmachen lässt:

„Und ich habe eine unendliche Genugtuung, wenn ich sehe, dass diese Linie niemals gerade und niemals wirr ist, sondern dass sie ihre Berechtigung hat, so zu sein, wie sie ist, in jedem kleinsten Teilabschnitt. Hütet euch vor der betrunkenen Linie. Aber besonders vor der geraden Linie. Die gerade Linie führt zum Untergang der Menschheit.“9

Transautomatismus und Grammatik des Sehens

Die zunehmende internationale Würdigung von Hundertwassers Werk lässt sich an zwei Ausstellungseinladungen 1954 nachweisen: Er war auf der XXVII. Biennale von Venedig vertreten wie auch auf dem 2. Internationalen Festival in Parma. Daher verbrachte er den Sommer in Italien, wo er an der Gelbsucht erkrankte und mehr als ein Monat im Spital Santo Spirito in Rom verbringen musste (September–Oktober). Dort malte er viele Aquarelle, legte ein erstes Werkverzeichnis an und entwickelte die Theorie des „Transautomatismus“, wobei er den Begriff seit 1952 bereits verwendete und seither an der Ausarbeitung des Konzepts als Gegenreaktion auf den Tachismus arbeitete. Der Transautomatismus wäre wie ein innerer Film, ausgelöst durch das Betrachten eines Kunstwerks. Hundertwasser begann daher seine Bilder zu nummerieren. Obschon Hundertwassers Bilder auch Werktitel tragen, sind diese doch nur als eine mögliche Interpretation des Dargestellten angeführt. Eigentlich bezweckte Hundertwasser damit, ein für jegliche Deutung offenes Kunstwerk vorzustellen.

Nachdem er sich mit Fragen der individuellen Bildabläufe im Betrachter beschäftigt hatte, veröffentlichte er die Texte „Arte come transautomatico“ (Februar 1955) sowie „La visibilitè de la création transautomatique“ in „Cimaise“ (Mai 1956) und „Phases“ (3.11.1956) in Paris. Er erweiterte im folgenden Jahr die Theorie des Transautomatismus zu einer „Grammatik des Sehens“ und veröffentlichte diese in Paris. Der Künstler suchte in diesen Stellungnahmen seine Ideen zu vermitteln: Er betonte die unabhängige Entwicklung des österreichischen Surrealismus, und dass „im Malen selbst dessen Sinn“ bestehe. Nicht das Endprodukt oder gar das Motiv, obwohl man mit Hundertwasser zurecht die Spirale verbindet, waren für den Maler interessant, sondern das Ausführen, der Weg, der bereits mit dem Anreiben der Farben begann. Der Prozess setzt sich in den Betrachterinnen und Betrachtern fort, denn im Text „Der Transautomatismus, eine allgemeine Mobilmachung des Auges“ (Paris 1956) fasste Hundertwasser folgende Gedanken:

„Das unbewegliche transautomatische Bildobjekt (Tao) muss zu einem beweglichen Bild, das heißt zu einer Bilderfolge im Inneren des Beschauers, den Anstoß geben, sonst bleibt das Tao unsichtbar. Dieses Individualkino bestand schon seit eh und je im Unterbewusstsein und ist zufolge der vertiefenden Intervention der neuen Pflichten und Rechte der modernen Kunst in den Aufgabenbereich des Bewusstseins und des Gewissens gerückt.“10 (Friedensreich Hundertwasser)

Der künstlerischen Selbstfindung folgte Hundertwassers wirtschaftlicher Erfolg in Zusammenarbeit mit der Galerie H. Kamer. Dieser ermöglichte Hundertwasser, sich 1957 einen Bauernhof [Landhaus] in der Normandie zu kaufen: La Picaudière. Die dort entstandenen Gemälde gelten heute als einige der besten im Werk des Wiener Künstlers. Ebenfalls 1957 wurde der Wiener Maler zur Teilnahme an der IV. Bienal do Museu de Arte Moderna de São Paulo eingeladen, und Hundertwasser erhielt den Prix du Syndicat d’Initiative, der I. Biennale der abstrakten Kunst von Bordeaux. In der zweiten Hälfte der 1950er Jahre hatte Hundertwasser sich dem Tachismus, so weit wie es ihm möglich war, geöffnet. Seine abstrakten Bilder wurden von der Spirale gleichsam zusammengehalten und intuitiv aus dem Material und der Stimmung des Künstlers heraus entwickelt.

Im Zentrum der Avantgarde: Verschimmelungsmanifest, Pintorarium, Die Linie von Hamburg

Friedensreich Hundertwasser wurde 1958 zum Internationalen Kunst- und Architekturkongress im Kloster Seckau eingeladen, wo er am 4. Juli mittags das „Verschimmelungsmanifest gegen den Rationalismus in der Architektur“ verlas. Neuerliche Lesungen des „Verschimmelungsmanifests“ fanden in der Galerie Van de Loo, München (11.7.) und der Galerie Parnass, Wuppertal (26.7.), statt. Eberhard Fiebig und R. Kaufmann veröffentlichten den Text bei der Galerie Renate Boukes in Wiesbaden. Das „Verschimmelungsmanifest“ zählt heute zu den am meisten zitierten Texten von Friedensreich Hundertwasser, enthält es doch im Kern bereits alle in den folgenden Jahrzehnten ausformulierten Ideen über Architektur. Für den bislang als Maler und Grafiker arbeitenden Hundertwasser war Architektur keine freie Kunst, sondern von Interessen der Auftraggeber und Geld abhängig. Die Rettung der modernen, auf dem rechten Winkel und geraden Linien aufbauenden Architektur wäre der Schimmel, der die Oberflächen zersetzt. Darauf sollten die Bewohner*innen der Gebäude aufbauen können und ihren eigenen Lebensraum – vor allem die Wände rund um die Fenster – gestalten dürfen.

1959 stellte Friedensreich Hundertwasser auf der Première Biennale de Paris und der V. Biennale São Paolo aus, wo er den Sanbra-Preis erhielt. Am 17. September gründete er mit Ernst Fuchs und Arnulf Rainer das „Pintorarium“, für das die drei ein Manifest zusammenstellten.

Die Linie von Hamburg

Seit 15. Oktober 1959 lehrte Friedensreich Hundertwasser als Dozent an der Hochschule für bildende Künste Hamburg. Bazon Brock initiierte ein Happening an der Hochschule und entwarf mit Hundertwasser und dem Schriftsteller Herbert Schuldt das Konzept für „Die Linie von Hamburg“.

Am 18. Dezember 1959 um 15.11 Uhr begann Hundertwasser „Die Linie von Hamburg“ zu ziehen. Herbert Schuldt, Brock, Hundertwasser und Studierende aus seiner Klasse überzogen alle Wände seines Raumes mit einer frei fließenden Linie. Aufgrund des großen Medien- und Besucherinteresses brach die Hochschulleitung die Aktion am 20. Dezember um 13.40 Ihr ab. Der Senat von Hamburg untersagte die weitere Ausführung und das Happening, woraufhin Hundertwasser die Dozentur zurücklegte. Er hielt am 21. Dezember die Rede „Warum man auf Akademien nichts lernen kann“.

Die sog. „Linie von Hamburg“ entstand auf Anregung von Bazon Brock. Friedensreich Hundertwasser übertrug sie von der Leinwand auf die Wände der Hamburger Hochschule für Bildende Künste. Bereits nach eineinhalb Tagen wurde die Aktion von der Direktion untersagt, und Hundertwasser protestierte in einem offenen Brief und mit dem Niederlegen seiner Gastdozentur. Die Linie war für ihn ein Symbol der „Lehrfreiheit“, ein „didaktischer Exkurs“, ein „neuer und belebender Impuls“. Seine eigenen negativen Erfahrungen mit Hochschulen in Wien und Paris subsummierte er mit den Worten:

„Ich hatte guten Glaubens die Hochschule als eine Hochburg schöpferischen Tuns angesehen und bin nach wie vor der Auffassung, daß der Wellenschlag der Ereignisse im Bereiche der Kunst die Hochschule nicht erst nach Jahren der Versäumnisse erreichen sollte, sondern von ihr selbst auszugehen hat, falls sie die Bezeichnung Hochschule verdient.“11

Hundertwasser in Japan

1961 erhielt Hundertwasser eine Einladung zur 6. Internationalen Kunst-Ausstellung in Tokio. Er Er kam am 14. Februar in Japan an und blieb für acht Monate im Land (→ Hundertwasser, Japan und die Avantgarde). Zuerst fand er in Japan einen neuen Namen: Als es darum ging, seinen Namen Friedrich ins Japanische zu transkribieren, wurde sein Name in „Friede“ und „Reich“ zerlegt. Der Künstler, der sich seit 1949 Hundertwasser nannte, blieb bei diesem neuen Namen und wandelte ihn 1968 in „Friedensreich“.12

Hundertwasser erhielt den Mainichi Preis und hatte großen Erfolg mit einer Ausstellung in der Tokyo Gallery, organisiert vom Kunstkritiker Shinichi Segi (Eröffnung 15.5.; Dauer: 15.5.–3.6.1961). Im „Kanji-Text“ (→ Friedensreich Hundertwasser, Kanji-Text), den Hundertwasser dem Ausstellungskatalog voranstellt, hält der Malers fest, dass „die kriminelle Erziehungsmethode“ an sämtlichen Schulen zur Rechenschaft gezogen werden sollte. Man solle sich daher nicht beschränken lassen, niemandem nachfolgen und in sich selbst gehen:

„Seid individuell! Seid frei! Seid schöpferisch!“13

Am wichtigsten scheint jedoch, dass Friedensreich Hundertwasser auf der Ausstellung in der Tokyo Galerie 30 neuere Arbeiten zeigte, die teils in Europa und teils in Japan entstanden waren. Darunter befand sich u.a. das „475 Blutregen tropft in japanisches Wasser, das in einem österreichischen Garten liegt“ (1961, Sammlung Würth). Der Künstler zog in den Ausstellungsräumen eine Linie und hängte die Werke darunter. Er brach mit traditionellen Ausstellungsmethoden, so wie nach seiner Meinung die Malerei eine räumliche Intervention werden müsse, die in Performance und soziale Interaktion münden solle. Das Überschreiten des Bildträgers hin in den Raum und zur Aktion, die Malerei als „kosmologischer Darstellung“14 fußt im Taoismus und im Zen-Buddhismus, genauso wie die Auffassung, dass Natur und Kultur keine Gegensätze wären aber auch dass menschliches Tun und Handeln im Gegensatz zum Fließen der Welt stünden.

Ab Mitte September kehrte Hundertwasser mit der Transsibirischen Eisenbahn über Sibirien nach Wien zurück. In Wien heiratete Friedensreich Hundertwasser 1962 die japanische Künstlerin Yuko Ikewada (* 1940). Die Ehe hielt bis 1966.

Hundertwassers Kunst begann sich Anfang der 1960er Jahre wieder deutlich der figurativen Malerei anzunähern. Zunehmend war er an einer eindeutig lesbaren Bildsprache interessiert. Vor allem Häuser, Gärten und Dampfer wurden zu wichtigen Bildmotiven.

Internationaler Durchbruch: Biennale von Venedig 1962, Welt-Wanderausstellungen

Friedensreich Hundertwasser vertrat Österreich äußerst erfolgreich auf der XXXI. Biennale von Venedig (Kommissär Vinzenz Ludwig Oberhammer, 16.6.–7.10.1962). Ausgestellt waren u.a. die Bilder „Die politische Gärtnerin“ (1954), „Der große Weg“ (1955) und „Hommage au Tachisme“ (1961). In der Eröffnungsausstellung des Museums des 20. Jahrhunderts in Wien, „Kunst von 1900“, war Friedensreich Hundertwasser auch vertreten (September).

1963 hatte Hundertwasser in der Galerie Änne Abels, Köln, seine erste Einzelausstellung in Deutschland: „Hundertwasser ist ein Geschenk für Deutschland“. Dieser folgte eine große Retrospektive in der Kestner-Gesellschaft, Hannover, organisiert von Wieland Schmied (25.3.–3.5.1964), die bis Frühjahr 1965 in fünf europäischen Städten zu sehen war. Im Rahmen der Ausstellung wurde Hundertwassers erster Werkkatalog veröffentlicht. Die Ausstellung tourte weiter nach Bern (20.5.–21.6.), Hagen (Juli–August), Amsterdam (23.10.–7.12.), Stockholm (Dezember–Januar 1965), Wien (20.2.–28.3.1965).

Dass er nunmehr äußerst erfolgreiche Künstler 1964 zur Teilnahme an der documenta III in Kassel, die der abstrakten Kunst gewidmet war, eingeladen wurde, ließ dieser jahrelang aus seiner Biografie streichen. In der Zwischenzeit hatte sich Hundertwasser wieder der figurativen Malerei zugewandt, reflektierte die Shoa, nutzte Häuser als Symbole für die schreckliche Vergangenheit und begann intensive Leuchtfarben für seine Kompositionen zu nutzen. Als er sich im Verbind mit den führenden abstrakten Malern seiner Generation ausgestellt sah, muss er sich äußerst befremdlich gefühlt haben. Kurz bevor er 1966 ein Krisenjahr zu bewältigen hatte, schuf er in „Der Nasenbohrer und die Beweinung Egon Schieles“ (1965) ein doppeltes Selbstporträt, dem in „Haus, geboren in Stockholm, gestorben in Paris und die Beweinung meiner selbst“ (1966) folgte.

„Die Mauer auf einem der Bilder von Egon Schiele im Oberen Belvedere in Wien hat mich zu diesem Haus mit seinen roten Fenstern und blauen Türmen inspiriert; sie blättert ab wie die Haut eines kranken Menschen. Oben auf dem Dachboden sitze ich wie in einem Rübenfeld, und mein Porträt vorne ist von Wolken bedeckt.“15

Wichtiger war ihm sicher, dass Ferry Radax den ersten Dokumentarfilm über Hundertwasser in La Picaudière und im Waldviertel drehte. Damit trat zunehmend die der Natur zugewandte Lebensweise des Künstlers, seine individuelle Gestaltung des Lebensraums und seine Hinwendung zur Architektur ins Zentrum von Hundertwassers Überlegungen – und vor allem der öffentlichen Wahrnehmung.

1975 war der Beginn der Welt-Wanderausstellung von Hundertwassers malerischen Werken im Musée d’Art Moderne de la Villa de Paris, die bis 1983 in 27 Ländern und 40 Museen gezeigt wurde. Gleichzeitig begann auch die Welt-Wanderausstellung von Hundertwassers grafischem Werk, die bis 1992 in 15 Ländern und über 80 Museen und Galerien gezeigt wurde.

Hinwendung zur Architektur

Friedensreich Hundertwasser hielt 1967 die „Nacktrede“ in der Galerie Hartmann, München, und trat für das „Anrecht auf die Dritte Haut“ ein (12.12.). Obschon diese „Nacktrede“ von Fotografien Stefan Moses‘ gut dokumentiert ist, hatte Hundertwasser damit doch nicht den öffentlichkeitswirksamen Erfolg, den er sich vielleicht erhofft hatte. Am 25. Januar 1968 eröffnete er im Internationalen Studentenheim der Stadt Wien eine kleine Ausstellung (26.–31.1.) mit der zweiten „Nacktrede gegen die Herrschaft der rationalistischen Architektur“. Die Aktion wurde abgebrochen und ein in der Presse heftig debattierter Kunstskandal. Kurz darauf verlas der Maler sein Architektur-Boykott Manifest „Loos von Loos“ im Presseclub Concordia Wien (9.2.).

„Die gerade Linie ist gottlos und unmoralisch. Die gerade Linie ist keine schöpferische, sondern eine reproduktive Linie. In ihr wohn weder Gott noch der menschliche Geist, sondern vielmehr die bequemheilslüsterne, hirnlose Massenameise.“16 (Friedensreich Hundertwasser, 1971)

Er selbst lebte und arbeitete von 1968 bis 1971 auf seinem Schiff Regentag in der Werften in der Lagune von Venedig (Pellestrina). Gleichzeitig fand die größte Wanderausstellung seiner Kunst durch die USA statt (1968/69). Diese machte Friedensreich Hundertwasser zum berühmtesten österreichischen Künstler nach Gustav Klimt und Egon Schiele. Die enorm gestiegene Nachfrage organisierte ab 1972 Joram Harel, der Hundertwassers Manager wurde.

Die seit dem „Verschimmelungsmanifest“ und der „Nacktrede“ sich formierenden Gedanken über moderne Architektur brachte Friedensreich Hundertwasser 1972 in der TV-Sendung „Wünsch Dir was“ einem Millionenpublikum näher: Dachbewaldung und individuelle Fassadengestaltung, Fensterrecht und Baumpflicht. Darauf folgte 1975 die „Humus Toilette“.

„Wir ersticken in unseren Städten an Luftverpestung und Sauerstoffmangel. Die Vegetation, die uns leben und atmen lässt, wird systematisch vernichtet. […] Du selbst musst deine Umwelt gestalten […] Es ist dein Recht, dein Fenster und so weit dein Arm reicht, auch die Außenseite so zu gestalten, wie es dir entspricht. […] Es ist deine Pflicht, der Vegetation mit allen Mitteln zu ihrem Recht zu verhelfen. […] Straßen und Dächer sollen bewaldet werden. […] Das Verhältnis Mensch – Baum muss religiöse Ausmaße annehmen.“17 (Friedensreich Hundertwasser, Deine Baumpflicht – Dein Fensterrecht, 1972)

Ab 1977/78 konnte Friedensreich Hundertwasser erstmals ein eigenes Haus realisieren: das Hundertwasser-Haus im 3. Bezirk Wiens. Ihm gelang es, nicht nur die Fassade zu „dekorieren“, sondern von Grund auf als abgetrepptes Gebilde mit Dachgärten, zwei Türmen, Baummietern und dem „Fensterrecht“ zu gestalten. Der Architekt Peter Pelinka stand Hundertwasser mit Rat und Tat zur Seite. Am 16.August 1983 erfolgte die Grundsteinlegung und am 17. Juli 1984 war das Richtfest. Der noch nicht ganz fertiggestellte Gemeindebau konnte am 5. September 1985 von Bürgermeister Zilk der Presse vorgestellt werden. Hundertwasser war ab Sommer 1984 elf Monate nahezu durchgehend in Wien und arbeitete an der Baustelle mit, wobei er sich über das Interesse der Bauarbeiter besonders freute. Sein Konzept von Abwechslung, Vielfalt und Unregelmäßigkeit (z.B. Boden) sah begrünte Dächer, Baummieter, Fenster in verschiedenen Größen und unregelmäßigen Abständen, Schlusssteinen über den Fenstern, Säulen, Fliesen, unebene Böden, gewellte Wände, runde Ecken, eine gestaltete Fassade, Zwirbeltürme, ein Wandelgang (mit Kinderkunst) vor. Insgesamt 52 Wohnungen und eine Tiefgarage konnte auf knapp über 1.000 m² Baufläche untergebracht werden.

Zu den wichtigsten Architektur-Projekten Hundertwassers gehört der Regenturm in Plochingen (Württemberg, D) das Hügelwälderland Bad Blumau (1993–Mai 1997), die Kindertagesstätte Heddernheim in Frankfurt a.M. (D, 1988–1995), die St.-Barbara-Kirche in Bärnbach (Steiermark, A, 1984–1988), das KunstHaus Wien (Umgestaltung, 1989–1991), das Fernwärmewerk Wien-Spittelau (1988–1990)

Tod

Friedensreich Hundertwasser verstarb am 19. Februar 2000 an einem Herzversagen an Bord der Queen Elizabeth II. auf hoher See. Er wurde in Neuseeland auf seinem Land im „Garten der glücklichen Toten“ unter einem Tulpenbaum beerdigt.

Literatur zu Friedensreich Hundertwasser

  • Agnes Husslein-Arco, Harald Krejci, Axel Köhne (Hg.), Hundertwasser, Japan und die Avantgarde (Ausst.-Kat. Orangerie, Unteres Belvedere, Wien, 6.3.–30.6.2013), München 2013.
  • Andrea C. Fürst (Hg.), Der unbekannte Hundertwasser (Ausst.-Kat. KunstHaus Wien, 20.11.2008–15.3.2009) München 2008.
  • Wieland Schmied, Hundertwasser 1928–2000. Persönlichkeit, Leben, Werk, Köln 2006.
  • Hundertwasser 1928–2000, Catalogue Raisonné, 2 Bde, Köln 2002.
  • Kaus Wolbert (Hg.), Friedensreich Hundertwasser. Retrospektive 1948–1997 (Ausst.-Kat. Institut Mathildenhöhe Darmstadt, Februar–Juni 1998), Frankfurt 1998.
  • Fritz Hundertwasser (Ausst.-Kat. Museum des 20. Jahrhunderts, Wien III. Schweizergarten, 20.2.–28.3.1965), Wien 1965.
  • Hundertwasser (Ausst.-Kat. Stedelijk Museum Amsterdam, 23.10.–7.12.1964), Amsterdam 1964.
  • Friedrich Stowasser: 1943–1949 (Ausst.-Kat.Albertina, Wien; Mai–Juni 1974), Glarus 1974.
  • Hundertwassers Regentag, München 1972.
  • Leopold Zahn, Friedrich Hundertwasser, in: G. K. Beck, F. Hundertwasser, H. Leinfellner (Ausst.-Kat. Staatliche Kunsthalle Baden-Baden, 21.2.–22.3.1959), Baden-Baden 1959.

Beiträge zu Friedensreich Hundertwasser

29. Juli 2020
Edvard Munch, Madonna, Detail, 1895/1902, Farblithografie mit Lithokreide, -tusche und Nadel in Schwarz, Oliv, Blau und Rot / Japanpapier (ALBERTINA, Wien © ALBERTINA, Wien)

Wien | Albertina: Munch und die Folgen Welchen Einfluss hatte Munch auf Künstler wie Warhol, Doig, Emin?

Edvard Munch (1863–1944) in Wien setzt 60 Werke des Norwegers mit Bildern von Francis Bacon, Louise Bourgeois, Georg Baselitz, Andy Warhol, Peter Doig, Tracey Emin in Dialog (ab Februar 2021)
14. August 2019
Georg Baselitz-Saal mit den Werken der Schenkung zu Ehren von S.K.H. Herzog Franz von Bayern in der Pinakothek der Moderne, München, 2019, Foto: Johannes Haslinger, Bayerische Staatsgemäldesammlungen © Georg Baselitz 2019

München | Pinakothek der Moderne: Georg Baselitz. Die Schenkung Pinakothek der Moderne besitzt nun über 31 Werke des Künstlers – von 1962 bis in die Gegenwart

Georg Baselitz schenkte den Bayerischen Staatsgemäldesammlungen zu Ehren von S.K.H. Herzog Franz von Bayern sechs Gemälde und eine Skulptur aus den Jahren 2008 bis 2017. Der Baselitz-Saal in der Pinakothek der Moderne zeigt bis auf Weiteres diese Arbeiten in unterschiedlicher Zusammenstellung.
10. April 2019
Georg Baselitz, Ein Grüner zerrissen, Detail, 1967, Öl/Lw, 131,5 x 162 cm (Staatsgalerie Stuttgart © Georg Baselitz 2018)

Baselitz – Richter – Polke – Kiefer Die jungen Jahre der Alten Meister

Die Ausstellung zum Frühwerk von Georg Baselitz, Gerhard Richter, Sigmar Polke, Anselm Kiefer in der Staatsgalerie Stuttgart und den Deichtorhallen in Hamburg zeigt die Auseinandersetzung der vier aufstrebenden Künstler mit ihrer Gegenwart und der NS-Zeit. Dies - wie auch die „Marke Made in Germany“ - interessiert Kurator Götz Adriani.
6. April 2019
Deichtorhallen Hamburg: Baselitz, Richter, Polke, Kiefer

Deichtorhallen Hamburg: Baselitz – Richter – Polke – Kiefer Die jungen Jahre der Alten Meister

Die Ausstellung zum Frühwerk von Georg Baselitz, Gerhard Richter, Sigmar Polke, Anselm Kiefer in den Deichtorhallen in Hamburg zeigt die Auseinandersetzung der vier aufstrebenden Künstler mit ihrer Gegenwart und der NS-Zeit. Die Beschäftigung mit dem schwierigen Erbe, das Aufbrechen des Schweigens - wie auch die „Marke Made in Germany“ - interessieren Kurator Götz Adriani.
6. Juni 2018
Georg Baselitz, Dystopische Glocken, Detail, 2015, Foto: Alexandra Matzner, ARTinWORDS

Corpus Baselitz in Colmar Aktuelle Arbeiten aus den Jahren 2014–2017

Seinen eigenen Körper und seinen Platz in der Kunstgeschichte hinterfragt Georg Baselitz (* 1938) in seinen aktuellen Werken. Bereits 2017 fiel der knapp 80-Jährige mit schonungslosen Bildern seiner Selbst auf. In den Jahren 2014 bis 2017 widmete er sich in Malerei, Zeichnung und Skulptur den ihn drängenden Fragen. Das Musée Unterlinden in Colmar zeigt erstmals eine bedeutende Werkauswahl dieser bisher noch nicht öffentlich gezeigte Arbeiten.
23. Januar 2018
Georg Baselitz, Kopf, 1961, Aquarell, 46 x 31,4 cm (Staatliche Graphische Sammlung München, Dauerleihgabe des Wittelsbacher Ausgleichsfonds, Sammlung Herzog Franz von Bayern, Foto: Staatliche Graphische Sammlung München, © Georg Baselitz 2017)

Georg Baselitz: gezeichnete „Helden“ und „Malelade“ Zeichnungen und Probedrucke in der Pinakothek der Moderne

Mehr als 1.100 grafische Arbeiten von Georg Baselitz liegen in der Staatliche Graphische Sammlung München. „Helden“ (1965/66) sowie ausgewählte Probedrucke für das Künstlerbuch „Malelade“ (1990) stehen im Zentrum dieser konzentrierten Werkschau.
21. Januar 2018
Georg Baselitz, Schlafzimmer, Detail, 1975, Öl und Kohle/Lw, 250 x 200 cm (Privatbesitz, © Georg Baselitz, 2018, Foto: Jochen Littkemann, Berlin)

Georg Baselitz Werke wider die Ordnung Retrospektive zum 80. Geburtstag in der Fondation Beyeler

Die wichtigsten Gemälde und Skulpturen aus Georg Baselitz‘ (* 1938) rund sechzigjährigem Schaffen zwischen 1959 und 2017sind in der Fondation Beyeler wiedervereint. Exemplarische Schlüsselwerke der 1960er Jahre wie die „Helden“- und die Fraktur Bilder (1965/66) sind genauso vertreten wie die auf dem Kopf stehenden Motive, mit denen Baselitz in den 1970er und 1980er Jahren berühmt wurde.
20. Januar 2018
Georg Baselitz, Trauerhunde, 2010, Aquarell und Tusche, 66 x 51,2 cm (© Georg Baselitz, 2018 / Foto: Jochen Littkerman)

Georg Baselitz als Zeichner: Enthemmt und expressiv Kunstmuseum Basel zeigt Zeichnungen und Aquarelle

Georg Baselitz (* 23. Januar 1938) ist dem Kunstmuseum Basel bereits seit 1970 verbunden und wird zum 80. Geburtstag mit einem repräsentativen Überblick über die Zeichnungen und farbigen Blätter aus dem Kupferstichkabinett geehrt. 152 Zeichnungen und Aquarelle nennt das Museum sein Eigen, 100 Arbeiten auf Papier machen den Werdegang des Künstlers anschaulich.
14. Januar 2018
Handshake zwischen Georg Baselitz und Karlheinz Essl bei der Pressekonferenz 2013 im Essl Museum, Foto: Alexandra Matzner.

Georg Baselitz Biografie Leben und Werk des deutschen Malers und Bildhauers

Biografie des deutschen Malers, Grafikers und Bildhauers Georg Baselitz (* 1938): Ausbildung, Werdegang, Ausstellungen, wichtigste Werke.
13. Januar 2018
Georg Baselitz, Weg vom Fenster, 1982, Öl/Lw, 250 x 250 cm (Fondation Beyeler, Riehen/Basel, Sammlung Beyeler, © Georg Baselitz, 2018)

Georg Baselitz‘ Ausstellungen 2018 Ehrungen zum 80. Geburtstag

Ausstellungen des deutschen Malers ehren sein Lebenswerk, in der Bayerischen Staatsoper stattet er „Parsifal“ aus.
13. Januar 2018
Georg Baselitz, Der Hirte, Detail, 1965, Radierung, Kaltnadel, Aquatinta auf Zink (Stiftung G. und A. Gercken © Georg Baselitz 2017, Foto: Andreas Diesend)

Maniera Baselitz – Georg Baselitz als Künstler und Sammler Das Nonkonforme als Quelle der Phantasie

Georg Baselitz (* 1938) ist ein ausgewiesener Kenner und Sammler manieristischer Druckgrafik, genauer des Claire-obscure-Holzschnitts des 16. Jahrhunderts. Die Ausstellung in Dresden bringt grafische Arbeiten von Baselitz in einen spannungsreichen Dialog mit bedeutenden Werken des Manierismus.
17. Januar 2013
Georg Baselitz 2013 im Essl Museum, Georg Baselitz 2013, bis 20.5.2013.

Georg Baselitz in der Sammlung Essl Werke von 1968 bis 2012

Zum 75. Geburtstag widmet Karlheinz Essl dem deutschen Künstler Georg Baselitz (* 1938) eine Werkschau, die 44 Arbeiten der letzten 44 Jahre aus der hauseigenen Kollektion zusammenbringt. Die Zahlen wären reiner Zufall, wie der Sammler betont.
  1. Zit. n. Friedensreich Hundertwasser (Ausst.-Kat. Haus der Kunst, München, 1975) 1975, S. 20.
  2. Zit. n. Friedrich Stowasser: 1943–1949 (Ausst.-Kat. Albertina, Wien; Mai–Juni 1974), Glarus 1974, S. 88.
  3. Leopold Zahn, Friedrich Hundertwasser, in: G. K. Beck, F. Hundertwasser, H. Leinfellner (Ausst.-Kat. Staatliche Kunsthalle Baden-Baden, 21.2.–22.3.1959), Baden-Baden 1959, o.S.
  4. Wieland Schmied, S. 115.
  5. Pierre Restany & Friedrich Hundertwasser, Hundertwasser, New York 2008, S. 33.
  6. Siehe: Hundertwasser 1928–2000, Catalogue Raisonné, Bd. 2, Köln 2002, S. 250.
  7. Ausst.-Kat. Haus der Kunst, München, S. 49.
  8. Siehe: Hundertwasser 1928–2000, Catalogue Raisonné, Bd. 2, Köln 2002, S. 250.
  9. Zit. n. Wieland Schmied, Hundertwasser 1928–2000. Persönlichkeit, Leben, Werk, Köln 2006, S. 173.
  10. Zit. n. Hundertwasser, Japan und die Avantgarde (Ausst.-Kat. Belvedere, Wien, 2013), München 2013, S. 75.
  11. Schmied S. 87.
  12. Wieland Schmied, Hundertwasser, S. 35.
  13. Zit. nach. Agnes Husslein-Arco (Hg.), Hundertwasser und Japan (Ausst.-Kat. Belvedere), S. 208.
  14. Robert Fleck, (Ausst.-Kat. Belvedere), S. 59.
  15. Zit. n. ebenda, S. 192.
  16. Zit. n. Hundertwassers Regentag, München 1972, S. 42.
  17. Zit. n. Karl Ruhrberg, Der Konservative Rebell oder die Welt als Labyrinth. Zum Werk von Friedensreich Hundertwasser, in: Kaus Wolbert (Hg.), Friedensreich Hundertwasser. Retrospektive 1948–1997 (Ausst.-Kat. Institut Mathildenhöhe Darmstadt, Februar–Juni 1998), Frankfurt 1998, S. 27–85, hier S. 50–51.