David Hockney

„What else can you do? Picasso worked every day. Matisse worked every day. That’s what artists do, until they drop dead.“ (David Hockney)

 

Wer ist David Hockney?

David Hockney (* 1937) ist ein britischer Maler, der in den 1960er Jahren nach Kalifornien übersiedelte, wo er mit Bildern vom Leben einer gutbürgerlichen Gesellschaft im sonnigen Bundesstaat berühmt wurde.

Seit den 1950er Jahren schuf David Hockney ein freudvolles, innovatives und forschendes Werk. Indem er das Erbe der Gründer der Moderne fortführte, zeigte Hockney welche Lehren man aus deren revolutionären Regelbrüchen ziehen konnte: Von Henri Matisse borgte er sich die Verwendung von intensiven und expressiven Farben und das Ziel, jedes Gemälde zu einem Fest der Freude zu machen. Von Picasso lernte Hockney die Freiheit der Stilwahl und dessen Neubegründung des Sehens im Kubismus. Die Künstler der Klassischen Moderne waren sich der Problematik von Beweung und Stillstand bewusst, des Vergehens der Zeit während des Wahrnehmungsprozesses. Die Frage, ob Malerei im Zeitalter der Technologien überhaupt noch relevant wäre, beantwortete er mit unterschiedlichsten Mitteln: Er produzierte Bilder mit Hilfe von Fotograie, der Fax-Maschine, dem Fotokopiere, dem Bewegtbild, dem Tablet. Innerhalb von 60 Jahren künstlerischen Arbeitens schuf David Hockney mehr als die hedonistischen und oberflächlichen Kalifornien-Bilder, mit denen er berühmt wurde. Das Werk des britischen Malers stellt sich in der Rückschau als eine komplexe Recherche zum Wesen und Status von Bildern, ihren phänomenologischen Gesetzen, ihrer Konzeption und Perzeption heraus.

 

 

Ausbildung

Hockneys früheste Arbeiten waren dem industriellen England gewidmet und belegen den sozialen Realismus seiner Lehrer von der Braford School of Art, die der so genannten Kitchen Sink School zuzurechnen sind. Im Royal College of Art in London entdeckte Hockney die englische Rezeption des Abstrakten Expressionismus, representiert durch Alan Davie. In Jean Dubuffets Werk fand er einen von Gaffiti und „naiver Kunst“ geprägten Stil (→ Jean Dubuffets Art Brut!), der mit seiner Suche nach einer expressiven und zugänglichen Kunst entsprach, und bei Francis Bacon den Mut, Homosexualität direkt zu thematisieren. Als er Pablo Picasso entdeckte, kam er zur Überzeugung, dasss ein Künstler sich nicht auf nur einen Stil beschränken sollte: So nannte er eine seiner frühen Ausstellungen „Demonstrations of Versatility [Demonstrationen der Vielseitigkeit]“.

 

Maler in Kalifornien

Bevor David Hockney in die USA übersiedelte, knüpfte er bereits erste Kontakte zu Künstlern und Galerien in der Neuen Welt. 1961 reiste er nach New York, wo er in der Green Gallery bei Richard Bellamy Claes Oldenburg kennenlernte. Zwei Jahre später steht er in einer Fotografie neben Andy Warhol und Henry Geldzahler, einem der ersten wichtigen Beobachter der Pop Art.

Im Jahr 1964 entdeckte David Hockney die West Coast der USA, wohin er bis 1968 übersiedelte. In Los Angeles wurde Hockney zum Maler des sonnigen und hedonistischen Kalifornien. Der britische Maler lebte in Santa Monica und ließ sich von dem Milieu der Villen, des Wohnstands zu Bildern anregen. Er präsentiert Palmen, Schwimmbäder, Licht und Sonnenschein, das Nichtstun der Dargestellten. Diese Atmosphäre malte David Hockney in klaren Farben und einfachen Raum-Konzeptionen, konzentrierte sich auf ornamentale Wiedergabe von bewegtem Wasser, gemusterte Stoffe, Alltagsgegenstände. Hier kam er in seiner Kunst der Pop Art am nähesten. Der kunsthistorisch äußerst versierte Maler benennt aber auch Vorbilder aus der ägyptischen Antike (kein Individualismus), der Malerei der Renaissance (Piero della Francesca, Fra Angelico), die feinen Porträtzeichnungen von Ingres bis zu den Werke Pablo Picassos der 1920er Jahre. Wenn er auch die Anonymität schätzt, so verband Hockney doch seine alltäglichen Motive mit seiner eigenen Biografie und Lebenserfahrung als homosexueller Mann. David Hockneys Gemälde „Bigger Splash“ (1967) erzielte bald einen ikonischen Status und wurde 2018 für $ 92 Mio. versteigert (→ David Hockney: Retrospektive des Werks).

Gleichzeitig begann er sich mit großen Doppelporträts zu beschäftigen, in denen er den Realismus und die Perspektive der Fotorafie erforschte. In den USA wurde Hockney mit den kritischen Einflüssen des abstrakten Formalismus von Minimal Art, Colour Field Painting konfrontiert. Auf das minimalistische Raster antwortet er mit Gemälden von Gebäudefassden und geometrisch gemähten Rasenflächen. Auf die „stain colour field painting“1 reagierte er mit einer Serie von Arbeiten auf Papier mit Dartellungen von Schimmbädern in verschiedenen Lichtsituationen.

 

Neue Raumkonzepte

In seinen Kostümen und Bühnenbildern für die Oper entfernte sich David Hockney vom fotografischen Realismus, dessen Möglichkeiten er inzwischen als ausgeschöpft empfand. Indem er die klassische Perspektive verließ – oder wie er es nannte „the perspective of a paralysed Cyclops“ – experimentierte er mit verschiedenen Arten der Raumkonstruktion. Der Kubismus2 inspirierte Hockney, der eine Polaroidkamera verwendete, „joiners“ zu fertigen. Dafür fotografierte er das Subjekt mehrfach und verband die Bilder miteinandrer. Als es ihm gelungen war, die „polyfocale“ Ansicht zu systematisieren, schuf er „Pearblossom Highway“ aus mehr als 100 Fotos, die er aus verschiedenen Blickwinkeln aufgenommen hatte. Hockney fand weitere Inspiration in chinesischen Rollbildern, in denen der Sehakt als bewegt angenommen wird. In Verbindung mit den multiplen Ansichten des kubistischen Raums erlaubte ihm „Nichols Canyon“ zu malen, eine Wiedergabe seiner Autoreise von Los Angeles zu seinem Atelier in den Hügeln.

„Ich male was ich will, wann ich will und wo ich will.“ (David Hockney)

 

Landschaften aus Yorkshire

Im Jahr 1997 kehrte David Hockney nach Nordengland und der Landschaft seiner Kindheit zurück. Seine Landschaften reflektieren seine komplexen Überlegungen zur Frage der Raumwiedergabe. Nun setzte David Hockney hochauflösende Kameras ein, er brachte Bewegung in den kubistischen Raum seiner Polaroid „joiners“, indem er Videoscreens in einem Kreis aufstellte, um einen Jahreszeiten-Zyklus entstehen zu lassen.

 

Digitaler Hockney

In den 1980ern begann David Hockney mit den neuen, digitalen Graphikprogrammen am PC zu experimentieren und produzierte neue Arten von Bildern. Den Computer folgte das Smartphone und dann das iPad (→ David Hockneys iPad Zeichnungen). Hockneys Zeichnungen zirkulierten unter seinen Freunden genauso wie im Web.

„Nicht die Fotografie wird überleben, sondern die Malerei. Sie ist die Avantgarde.“ (David Hockney, 2005)

Beiträge zu David Hockney

20. Oktober 2019
David Hockney, My Parents, Detail, 1977 (Tate, London, © David Hockney, © Foto: Tate, London 2019)

Hamburg | Bucerius Kunst Forum: David Hockney Retrospektive Überblicksausstellung des britischen Malers und Grafikers

Retrospektive Ausstellung im Bucerius Kunstforum, Hamburg, zeigt David Hockneys Werk von den 1960ern, zu den Bild-Ikonen aus Südkalifornien und der Neuerfindung des kubistischen Raumes von den 1980ern bis heute
25. Juni 2019
David Hockney, Selbstporträt, Detail, 14.3.2012, iPad Zeichnung auf Papier, Exhibition Proof, 37 x 28" © David Hockney

London | National Portrait Gallery: David Hockney Erste Ausstellung zu den Porträts Hockneys seit über 20 Jahren

Die erste große Ausstellung zu David Hockneys Zeichnungen seit über zwanzig Jahren widmet die Londoner National Portrait Gallery dem Künstler im Frühjahr 2020. Unter dem Titel „David Hockney: Drawing from Life“ stellt die Schau Hockney als Beobachter seines Umfelds vor, von dessen Anfängen in den 1950er Jahren bis in die Gegenwart.
2. März 2019
David Hockney, More Felled Trees on Woldgate, Detail, 2008, Öl auf 2 Leinwände, 91,4 x 122 je, 152,4 x 243,8 cm gesamt (© David Hockney, Foto: Richard Schmidt)

Van Gogh Museum: Hockney – Van Gogh „Die Freude an der Natur“ zeigt Landschaftsbilder und Einfluss des Niederländers

David Hockney ließ sich für seine Yorkshire Landschaften intensiv von Vincent van Gogh und dessen Bilder beeinflussen. Das Van Gogh Museum zeigt 2019 beide!
26. September 2017
David Hockney, The Arrival of Spring in Woldgate, East Yorkshire in 2011 (twenty eleven), Detail (Centre Pompidou, Paris, © David Hockney, Foto: Jonathan Wilkinson)

David Hockney schenkt Paris „The Arrival of Spring“ Frühlingsanfang in Yorkshire für Frankreich

Wie gerade bekannt wurde, schenkt David Hockney (* 1937) der Stadt Paris sein größtes Gemälde: „The Arrival of Spring in Woldgate, East Yorkshire in 2011 (twenty eleven)”, bestehend aus einem panoramaartigen Wandgemälde sowie 51 iPad-Zeichnungen, ausgedruckt auf Papier. Anlässlich seiner Retrospektive im Centre Pompidou, noch bis zum 23. Oktober 2017 zu sehen, zeigt sich der britische Maler großzügig.
20. Juni 2017
David Hockney, A Bigger Splash, 1967, Acryl auf Leinwand, 242,50 x 243.90 x 3 cm © David Hockney, Collection Tate, London

David Hockney: Retrospektive des Werks Große Ausstellung zum 80. Geburtstag in Paris, London und New York

Anlässlich des 80. Geburtstags von David Hockney (* 1937) widmen die Tate London, das Centre Pompidou in Paris und das Museum of Modern Art in New York ihm eine große Ausstellung mit den wichtigsten Werken des britischen Malers. Berühmt wurde Hockney für seine Swimming Pool Paintings der 1960er Jahre (er war 1964 nach Kalifornien übersiedelt).
14. Juni 2017
David Hockney, März 2011 © David Hockney, Photo Credit: Jean-Pierre Goncalves de Lima

David Hockney: Biografie Leben des britisch-amerikanischen Malers

Biografie von David Hockney (1937), dem britisch-amerikanischen Pop-Art Maler
8. Mai 2011
David Hockney, Me draw on iPad, 2011

David Hockneys iPad Zeichnungen Neues Medium – alte Technik

David Hockney, der sich selbst als „Advokat der Zeichnung“ bezeichnet, hat ein neues Lieblingsmedium entdeckt: das Zeichnen auf iPhone und iPad. Seit Winter 2008 nutzt er das einfache App „Brushes“, zeichnete anfangs als Rechtshänder mit dem Daumen seiner linken Hand und hat sich im Laufe der letzten zweieinhalb Jahre eine beachtenswert variantenreiche Strichführung angeeignet - vor allem seitdem er nicht mehr auf dem kleinen iPhone sondern dem größeren iPad und mit einem Zeichenstift arbeitet.
  1. Hierfür nutzten Maler verdünnte Farbe, um die Leinwand selbst einzufärben.
  2. Im Kubismus versuchten Künstler synthetisch, das Bild einer sich bewegenden Betrachters zu einem Werk zusammenzuführen.