David Hockney

„What else can you do? Picasso worked every day. Matisse worked every day. That’s what artists do, until they drop dead.“ (David Hockney)

David Hockneys (* 1937) früheste Arbeiten sind dem industriellen England gewidmet und belegen den sozialen Realismus seiner Lehrer von der Braford School of Art, die der so genannten Kitchen Sink School zuzurechnen sind. Im Royal College of Art in London entdeckte Hockney die englische Rezeption des Abstrakten Expressionismus, representiert durch Alan Davie. In Jean Dubuffets Werk fand er einen von Gaffiti und „naiver Kunst“ geprägten Stil (→ XX), der mit seiner Suche nach einer expressiven und zugänglichen Kunst entsprach, und bei Francis Bacon den Mut, Homosexualität direkt zu thematisieren. Als er Picasso entdeckte, kam er zur Überzeugung, dasss ein Künstler sich nicht auf nur einen Stil beschränken sollte: So nannte er eine seiner frühen Ausstellungen „Demonstrations of Versatility [Demonstrationen der Vielseitigkeit]“.

Maler in Kalifornien

Im Jahr 1964 entdeckte David Hockney die West Coast der USA, wo er zum Maler des sonnigen und hedonistischen Kalifornien wurde. Sein Gemälde „Bigger Splash“ (1967) erzielte bald einen ikonischen Status. Gleichzeitig begann er sich mit großen Doppelporträts zu beschöftigen, in denen er den Realismus und die Perspektive der Fotorafie erforschte. In den USA wurde Hockney mit den kritischen Einflüssen des abstrakten Formalismus von Minimal Art, Colour Field Painting konfrontiert. Auf das minimalistische Raster antwortet er mit Gemälden von Gebäudefassden und geometrisch gemähten Rasenflächen. Auf die „stain colour field painting“1 reagierte er mit einer Serie von Arbeiten auf Papier mit Dartellungen von Schimmbädern in verschiedenen Lichtsituationen.

Neue Raumkonzepte

In seinen Kostümen und Bühnenbildern für die Oper entfernte sich David Hockney vom fotografischen Realismus, dessen Möglichkeiten er inzwischen als ausgeschöpft empfand. Indem er die klassische Perspektive verließ – oder wie er es nannte „the perspective of a paralysed Cyclops“ – experimentierte er mit verschiedenen Arten der Raumkonstruktion. Der Kubismus2 inspirierte Hockney, der eine Polaroidkamera verwendete, „joiners“ zu fertigen. Dafür fotografierte er das Subjekt mehrfach und verband die Bilder miteinandrer. Als es ihm gelungen war, die „polyfocale“ Ansicht zu systematisieren, schuf er „Pearblossom Highway“ aus mehr als 100 Fotos, die er aus verschiedenen Blickwinkeln aufgenommen hatte. Hockney fand weitere Inspiration in chinesischen Rollbildern, in denen der Sehakt als bewegt angenommen wird. In Verbindung mit den multiplen Ansichten des kubistischen Raums erlaubte ihm „Nichols Canyon“ zu malen, eine Wiedergabe seiner Autoreise von Los Angeles zu seinem Atelier in den Hügeln.

Landschaften aus Yorkshire

Im Jahr 1997 kehrte David Hockney nach Nordengland und der Landschaft seiner Kindheit zurück. Seine Landschaften reflektieren seine komplexen Überlegungen zur Frage der Raumwiedergabe. Nun setzte David Hockney hochauflösende Kameras ein, er brachte Bewegung in den kubistischen Raum seiner Polaroid „joiners“, indem er Videoscreens in einem Kreis aufstellte, um einen Jahreszeiten-Zyklus entstehen zu lassen.

Digitaler Hockney

In den 1980ern begann David Hockney mit den neuen, digitalen Graphikprogrammen am PC zu experimentieren und produzierte neue Arten von Bildern. Den Computer folgte das Smartphone und dann das iPad. Hockneys Zeichnungen zirkulierten unter seinen Freunden genauso wie im Web.

Die Moderne als Stilquelle

Seit den 1950er Jahren schuf David Hockney ein freudvolles, innovatives und forschendes Werk. Indem er das Erbe der Gründer der Moderne fortführte, zeigte Hockney welche Lehren man aus deren revolutionären Regelbrüchen ziehen konnte: Von Henri Matisse borgte er sich die Verwendung von intensiven und expressiven Farben und das Ziel, jedes Gemälde zu einem Fest der Freude zu machen. Von Picasso lernte Hockney die Freiheit der Stilwahl und dessen Neubegründung des Sehens im Kubismus- Die Künstler der Klassischen Moderne waren sich der Problematik von Beweung und Stillstand bewusst, des Vergehens der Zeit während des Wahrnehmungsprozesses. Die Frage, ob Malerei im Zeitalter der Technologien überhaupt noch relevant wäre, beantwortete er mit unterschiedlichsten Mitteln: Er produzierte Bilder mit Hilfe von Fotograie, der FaxMaschine, dem Fotokopiere, dem Bewegtbild, dem Tablet. Innerhalb von 60 Jahren künstlerischen Arbeitens schuf David Hockney mehr als die hedonistischen und oberflächlichen Kalifornien-Bilder, mit denen er berühmt wurde. Das Werk des britischen Malers stellt sich in der Rückschau als eine komplexe Recherche zum Wesen und Status von Bildern, ihren phänomenologischen Gesetzen, ihrer Konzeption und Perzeption heraus.

 

26. September 2017
David Hockney, The Arrival of Spring in Woldgate, East Yorkshire in 2011 (twenty eleven), Detail (Centre Pompidou, Paris, © David Hockney, Foto: Jonathan Wilkinson)

David Hockney schenkt Paris „The Arrival of Spring“ Frühlingsanfang in Yorkshire für Frankreich

Wie gerade bekannt wurde, schenkt David Hockney (* 1937) der Stadt Paris sein größtes Gemälde: „The Arrival of Spring in Woldgate, East Yorkshire in 2011 (twenty eleven)”, bestehend aus einem panoramaartigen Wandgemälde sowie 51 iPad-Zeichnungen, ausgedruckt auf Papier. Anlässlich seiner Retrospektive im Centre Pompidou, noch bis zum 23. Oktober 2017 zu sehen, zeigt sich der britische Maler großzügig.
20. Juni 2017
David Hockney, A Bigger Splash, 1967, Acryl auf Leinwand, 242,50 x 243.90 x 3 cm © David Hockney, Collection Tate, London

David Hockney: Retrospektive des Werks Große Ausstellung zum 80. Geburtstag in Paris, London und New York

Anlässlich des 80. Geburtstags von David Hockney (* 1937) widmen die Tate London, das Centre Pompidou in Paris und das Museum of Modern Art in New York ihm eine große Ausstellung mit den wichtigsten Werken des britischen Malers. Berühmt wurde Hockney für seine Swimming Pool Paintings der 1960er Jahre (er war 1964 nach Kalifornien übersiedelt).
14. Juni 2017
David Hockney, März 2011 © David Hockney, Photo Credit: Jean-Pierre Goncalves de Lima

David Hockney: Biografie Leben des britisch-amerikanischen Malers

Biografie von David Hockney (1937), dem britisch-amerikanischen Pop-Art Maler
8. Mai 2011
David Hockney, Me draw on iPad, 2011

David Hockneys iPad Zeichnungen Neues Medium – alte Technik

David Hockney, der sich selbst als „Advokat der Zeichnung“ bezeichnet, hat ein neues Lieblingsmedium entdeckt: das Zeichnen auf iPhone und iPad. Seit Winter 2008 nutzt er das einfache App „Brushes“, zeichnete anfangs als Rechtshänder mit dem Daumen seiner linken Hand und hat sich im Laufe der letzten zweieinhalb Jahre eine beachtenswert variantenreiche Strichführung angeeignet - vor allem seitdem er nicht mehr auf dem kleinen iPhone sondern dem größeren iPad und mit einem Zeichenstift arbeitet.
  1. Hierfür nutzten Maler verdünnte Farbe, um die Leinwand selbst einzufärben.
  2. Im Kubismus versuchten Künstler synthetisch, das Bild einer sich bewegenden Betrachters zu einem Werk zusammenzuführen.