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Vincent van Gogh: Bilder vom Wald Bäume und Wälder im Werk von Van Gogh, Rousseau und Corot

Vincent van Gogh, Baumwurzeln, Auvers-sur-Oise Juli 1890, Öl auf Leinwand, 50.3 × 100.1 cm (Van Gogh Museum, Amsterdam / Vincent van Gogh Foundation)

Vincent van Gogh, Baumwurzeln, Auvers-sur-Oise Juli 1890, Öl auf Leinwand, 50.3 × 100.1 cm (Van Gogh Museum, Amsterdam / Vincent van Gogh Foundation)

Vincent van Gogh (1853–1890) ist als Maler von Äckern, Gärten und Olivenhainen berühmt – doch auch Wälder spielen in seinem Werk eine nicht unbedeutende Rolle. Die frühe Orientierung des holländischen Landschaftsmalers an den Meistern der Schule von Barbizon, seine Auseinandersetzung mit dem Werk von Daubigny und des Impressionismus während seiner Pariser Jahre und nicht zuletzt sein Aufenthalt im Hospital von Saint-Paul in Saint-Rémy-de-Provence inspirierten ihn zu seiner Serie von Waldeinblicken. Van Goghs Erbe lässt sich ebenfalls mit einem „Wald“ in Verbindung bringen: Die unvollendeten „Baumwurzeln“ ist vielleicht das letzte Bild, an dem Vincent van Gogh gearbeitet hatte, bevor er sich das Leben nahm. Der exaltierten, naturfernen Farbigkeit und dem abstrahierten Ornamentieren gingen Einblicke ins „Unterholz“ voraus, deren pointillistischer Farbauftrag die Möglichkeiten malerischen Experimentierens und die zunehmende Auflösung der Form dokumentieren.

Van Goghs Vorbilder aus dem Wald von Fontainebleau

Vincent van Gogh bewunderte die Maler der Schule von Barbizon bereits als er noch als Kunsthändler tätig war. Der Wald von Barbizon ist ein ca. 168.000 km² großes, 55 Kilometer südlich von Paris gelegenes Waldstück, das für seine Baumvielfalt und mächtigen Eichen bekannt ist. Die Nähe zu Paris aber auch die „Wildnis“ vor der Haustür begeisterte Maler wie Théodore Rousseau und Camille Corot den 1820er Jahren. Die während der Sommer angefertigten Skizzen wurden in der kalten Jahreszeit zu ersten bedeutenden Landschaftsgemälden umformuliert. Der Wald von Barbizon wurde in ihren Bildern zum Symbol der Heimat, zum paradiesischen Ort von Ursprünglichkeit.

 

 

Der aus gutbürgerlichen Verhältnissen stammende Camille Corot (1796–1875) wandte sich während der 1820er Jahre in der italienischen Campagna der Landschaftsmalerei zu. Es sollte allerdings bis zur Jahrhundertmitte dauern, bis die Landschaftsmalerei von der strengen Salonjury Anerkennung fand. Der Pariser Kunsthändler Paul Durand-Ruel förderte Corot wie Théodore Rousseau, Narcisse Diaz de la Peña und promotete diese Maler unter dem Namen „Gruppe von 1835“; der Begriff „Schule von Barbizon“ wurde erst Ende des 19. Jahrhunderts erfunden. Obwohl jeder Maler einen anderen Fokus entwickelte, gibt es Verbindendes: Die teils monumentalen Landschaftsgemälde der Schule von Barbizon teilen sich ein gemeinsames Motiv (Bäume, Steinbrüche, Schäferinnen, vereinzelte Kühe) und die zunehmend freie Handhabung der Farbe. So wurde Théodore Rousseau für seine detailgenauen Darstellungen von mächtigen Eichen gerühmt. Da er viel Zeit beim Malen im Freien verbrachte, ist er einer der Begründer der Pleinairmalerei. Nach seiner Bitte an Kaiser Napoleon III. wurde der Wald 1853 unter Naturschutz gestellt. Die Werke der Schule von Barbizon – zu der manchmal auch Gustave Courbet und Jean-François Millet gezählt werden – bot damit einen reichen Erfahrungsschatz an Walddarstellungen für den sich autodidaktisch fortbildenden Vincent van Gogh.

 

 

Van Goghs Wälder

Bäume, Baumgruppen und Wälder begleiten Vincent van Gogh vom Früh- bis zum Spätwerk. Als sich der Holländer nach einem gescheiterten Versuch, Laienprediger im Borinage zu werden (→ Vincent van Gogh im Borinage. Die Geburt eines Künstlers), intensiv mit Malerei beschäftigte, setzte er sich mit Werken der Haager Schule, den modernen niederländischen Landschaftsmalern seiner Zeit, und den Malern der Schule von Barbizon auseinander. Erste pastos gemalte Werke belegen seine Beschäftigung mit den inzwischen berühmten Vorgängern.

 

 

 

 

Der Umzug des Künstlers nach Paris machte Vincent van Gogh schlagartig klar, dass seine naturalistische, erdige Farbigkeit längt vom Impressionismus überholt worden war. Claude Monet, der Pionier der impressionistischen Landschaft, hatte sich Mitte der 1860er Jahre selbst im Wald von Barbizon aufgehalten, um naturalistische Landschaften zu malen. Diese stellte er 1866 im Salon sogar aus und wurde vom jungen Kritiker Émile Zola für dessen „realistische“ Qualitäten gelobt. Während der 1870er Jahre waren am Salon noch weitere Ansichten aus dem Wald von Barbizon ausgestellt worden, sie repräsentierten jedoch nicht mehr die Avantgarde der Malerei. Monet selbst hatte sich in diesen Jahren der Seine und ihren Ufern zugewandt, ja begonnen wie Daubigny in einem Boot zu malen (→ Claude Monet und Daubigny).

 

 

Vincent van Gogh beschäftigte sich zuerst in Paris und erneut in Südfrankreich mit Waldeinblicken und Baumgruppen. Die im Mai bis Juli 1887 entstandenen Waldeinblick in der Nähe von Paris sind schöne Beispiele für die Rezeption des Pointillismus durch Vincent van Gogh (→ Seurat, Signac, Van Gogh – Wege des Pointillismus). Das Blattwerk löst sich in eine Myriade von Pinselstrichen auf.

In Südfrankreich (1888 bis 1889) prägt die kargere Garique-Landschaft Van Goghs Gemälde. Das Van Gogh Museum in Amsterdam konnte „Sonnenuntergang bei Montmajour“ (1888) aus Privatbesitz für die kleine Schau gewinnen.1 Vincent van Gogh beschrieb in zwei Briefen im Sommer 1888 den Ausblick als:

„auf einer steinigen Heide, wo sehr kleine, verkrümmte Eichen wuchsen, im Hintergrund eine Ruine [der Abtei Montmajou] auf dem Hügel und Weizen im Tal“2 (Brief von Vincent van Gogh an Theo, 5. Juli 1888)

 

 

Lässt sich der sommerliche Blick auf die Abtei Montmajou noch als ein Werk der avancierten Impressionismus begreifen, so zeigen die Wolkenformationen bereits die für den späten Van Gogh so charakteristische, dynamische Formgebung. Der Aufenthalt von Paul Gauguin in Arles endete nicht nur mit der dramatischen Selbstverstümmelung des Holländers, sondern animierte ihn auch, mit kräftigen, unnaturalistischen Farben zu experimentieren (→ Vincent van Gogh : Paul Gauguin in Arles).

In den folgenen Monaten wurde vor allem der Garten des Hospitals in Saint-Rémy, in das er sich selbst am 8. Mai 1889 eingewiesen hatte, zu einer Inspirationsquelle Vincent van Goghs. Wie schon in der Nähe von Paris wählte er den Blick auf ins efeubedeckte Unterholz bzw. auf die sich nun wie Flammen emporzüngelnden Baumstämme. Bilder wie „Fallende Blätter“ oder „Unterholz“ gehen den außergewöhnlichen siebzig letzten Werken Vincent van Goghs voraus: Das unvollendete Gemälde „Baumwurzeln“ (Auvers-sur-Oise Juli 1890) wurde mit seiner exaltierten, naturfernen Farbigkeit und dem abstrahierten Ornamentieren zum künstlerischen Vermächtnis Vincent van Goghs: pointillistischer Farbauftrag und zunehmende Auflösung der Form machten den ehemaligen Realisten zu einem der Väter der Moderne und Vorläufer des Expressionismus.

 

 

Vincent van Gogh. Wald & Bäume: Bilder

  • Jules Dupré, Der versunkene Weg, 1835–1840 (Van Gogh Museum, Amsterdam)
  • Jean-Baptiste-Camille Corot, Erinnerung an Nemi. Felsen und Sträucher, 1844/45 (The Mesdag Collection, Den Haag)
  • Jean-Baptiste-Camille Corot, Verlassener Steinbruch, 1850 (The Mesdag Collection, Den Haag)
  • Théodore Rousseau, Bach im Wald von Fontainebleau, 1849 (The Mesdag Collection, Den Haag)
  • Théodore Rousseau, Der schräge Baum bei Carrefour de l'Epine, 1852 (The Mesdag Collection, Den Haag)
  • Claude Monet, Küstenlandschaft, 1864 (Van Gogh Museum, Amsterdam; acquired with the support of the Vincent van Gogh Foundation and Rembrandt Association)
  • Vincent van Gogh, Landschaft mit schiefen Bäumen, 1883 (Privatsammlung)
  • Vincent van Gogh, Le Saule [Die Weide], 1885 (Collection Van Lanschot)
  • Vincent van Gogh, Waldweg, Paris Mai 1887–Juli 1887, Öl auf Leinwand, 45.3 × 37.7 cm (Van Gogh Museum, Amsterdam / Vincent van Gogh Foundation)
  • Vincent van Gogh, Bäume, Paris Juli 1887, Öl auf Leinwand, 46,5 × 38 cm (Van Gogh Museum, Amsterdam / Vincent van Gogh Foundation)
  • Vincent van Gogh, Sonnenuntergang bei Montmajour, 1888, Öl auf Leinwand, 73,3 × 93,3 cm (Privatsammlung)
  • Vincent van Gogh, Unterholz, Saint-Rémy-de-Provence Juli 1889, Öl auf Leinwand, 73 × 92,3 cm (Van Gogh Museum, Amsterdam / Vincent van Gogh Foundation)
  • Vincent van Gogh, Der Garten vom Saint-Paul Hospital („Fallende Blätter“), Saint-Rémy-de-Provence, Oktober 1889, Öl auf Leinwand, 73.8 cm (Van Gogh Museum, Amsterdam / Vincent van Gogh Foundation)
  • Vincent van Gogh, Baumwurzeln, Auvers-sur-Oise Juli 1890, Öl auf Leinwand, 50.3 × 100.1 cm (Van Gogh Museum, Amsterdam / Vincent van Gogh Foundation)

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Gemeinsam mit dem Kunsthaus Zürich stemmt das Museum Folkwang in Essen eine wichtige Schau und einen gewichtigen Katalog über den transkulturellen Austausch zwischen französischen und japanischen Künstler_innen. Bislang musste man die Publikationen von Klaus Berger und Siegfried Wichmann (beide 1980) in die Hand nehmen, um sich über dieses Thema umfassend zu informieren, jetzt zeichnet der Katalog aus dem Steidl Verlag die Faszination am Japanischen zwischen 1860 und 1910 mustergültig nach.
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Bereits am Cover des umfassenden Katalogs wird deutlich, dass Timothy O. Benson, Kurator am LACMA und Organisator dieser Wanderausstellung, den deutsch-französischen Kunstaustausch über die Farbe definiert. Denn was der Begriff „Expressionismus“ genau beschreibt, das wussten bereits die Zeitgenossen nicht. Von Alfred Döblin bis Oskar Kokoschka reichen die Kommentatoren einer Kunstrichtung , die sich über Innerlichkeit, Mystik, Farbexperimenten und Farbexplosionen (bis ins Unrealistische), dynamischem Pinselduktus, Musikalität, Kubismus-Rezeption, Primitivismus (vom „nordischen“ Nolde, der ägyptisierenden Modersohn-Becker bis zur Rezeption afrikanischer Plastik durch die Fauves und die Brücke Künstler) u.v.m. als neu und zeitgemäß definierte.
10. Mai 2012
Richard Thomson, Rodolphe Rapetti, Frances Fowle: Traumlandschaften. Symbolistische Malerei von Van Gogh bis Kandinsky, Stuttgart 2012 (Belser Verlag)

Traumlandschaften Symbolistische Malerei von Van Gogh bis Kandinsky

Der Belser Verlag legt mit „Traumlandschaften. Symbolistische Malerei von Van Gogh bis Kandinsky“ den deutschsprachigen Ausstellungskatalog zu einer international kuratierten Schau vor, die bereits in Edinburgh, Helsinki und Amsterdam zu sehen war bzw. sein wird. Die Landschaftsmalerei lag den Symbolisten sehr am Herzen, soweit bekannt. Ihr Ziel damit war, Stimmungen, Gefühle und Nachdenken auszulösen. Die Mittel waren je nach Künstler und seiner Herkunft verschieden.
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Aufbruch in die Moderne (DUMONT)

Sammler, Mäzene und Kunsthändler in Berlin 1880–1933 Aufbruch in die Moderne

Der seit Frühjahr 2012 vorliegende Sammelband „Aufbruch in die Moderne“ fächert in 14 Aufsätzen die ergreifenden Schicksale der wichtigsten, zumeist jüdischen Berliner Sammler, Mäzene, Kunsthändler, Verleger aber auch des Künstlers Max Liebermann (1847-1935) auf. Paul Cassirer und Alfred Flechtheim, Walter Feilchenfeldt sowie Heinrich und Justin K. Tannhauser waren sicherlich die schillerndsten Persönlichkeiten des Berliner Kunst(händler)lebens.
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Vincent van Gogh, Zypressen mit zwei Frauen, 1889, Öl auf Leinwand, 91,6 x 72,4 cm (Kröller-Müller Museum, Otterlo)

Vincent van Gogh. Von Paris nach Arles Konzepte der modernen Stadt und des zeitlosen Landes im Werk des holländischen Malers

Berühmt wurde Vincent van Gogh (1853–1890) vor allem für seine farbintensiven Darstellungen des Midi, die im starken Gegensatz zu den tonigen Bildern seiner holländischen Heimat stehen, in denen er die Schicksale der Bauern und der Weber mittels kantiger Formen und düsterer Farben schilderte. Die Schau im Complesso Vittoriano in Rom demonstriert eindrucksvoll wie Van Goghs Bilder im Vergleich zu Werken seiner holländischen Zeitgenossen realistischer – im Sinne des Tragischen – wirken, und wie sein tiefer Glaube die Ikonographie der Bilder bestimmt.
5. Oktober 2008
Vincent van Gogh, Ernte in der Provence, 1888, Rohrfeder, Feder in Braun, Graphitstift © National Gallery of Art, Washington, Collection of Mr. and Mrs. Paul Mellon, in Honor of the 50th Anniversary of the National Gallery of Art, 1992.

Vincent van Gogh. Gezeichnete Bilder Zeichnung und Malerei im Dialog

Eigentlich war das gesamte Leben von Vincent van Gogh ein Misserfolg. Bevor er sich mit 27 Jahren entschloss, Maler zu werden, hatte er sich bereits als Hilfslehrer, Buchverkäufer, Laienprediger und Verkäufer in der renommierten Kunsthandlung Goupil & Cie versucht. Genauso wenig erfolgreich war er im Umgang mit Frauen und seiner Familie, so dass er seine Bilder später sogar nur mit „Vincent“ signierte, um zu demonstrieren, dass er „kein van Gogh“ mehr sein wollte. Den Lebensunterhalt konnte er genauso wenig finanzieren, und sein jüngerer Bruder Theo, der ihm das gesamte Leben treu zur Seite stand, musste ihm ständig Geld schicken. Die Reputation van Goghs änderte sich erst nach seinem Freitod 1890. Vermehrt wurden seine Gemälde in Ausstellungen gezeigt und der Künstler zum „Vater der Moderne“ hochstilisiert. Was seine Ölbilder betrifft, gehört van Gogh heute zu den meistreproduzierten und den teuersten Künstlern aller Zeiten.
  1. Das Gemälde wurde erst 2013 in der Öffentlichkeit präsentiert, nachdem eine mehrjährige Untersuchung die Authentizität des Werks bestätigte.
  2. Vincent van Gogh an Theo, Brief vom 5. Juli 1888 (letzter Aufruf 28.6.2017)
Alexandra Matzner
Gründerin von ARTinWORDS * 1974 in Linz, Studium der Kunstgeschichte, Geschichte und Romanistik in Wien und Rom. Seit 1999 Kunstvermittlerin in Wien, seit 2004 Autorin für verschiedene Kunstzeitschriften. Jüngste Publiktionen entstanden für das Kunsthaus Zürich, Schirn Kunsthalle Frankfurt, Albertina und Belvedere in Wien.